Forum: Wirtschaft
Betrug auf Amazon und Co.: Wie der Staat die Steuertrickser im Netz stoppen will
REUTERS

Durch Umsatzsteuerbetrug prellen Online-Händler den Fiskus um Milliarden. Dafür wollen Bund und Länder jetzt Plattformen wie Amazon in Haftung nehmen. Ein sinnvoller Schritt, der aber nicht ausreicht.

Seite 5 von 7
zensurgegner2017 01.12.2017, 09:12
40.

Zitat von toledo
Die Umsatzsteuer ist eine Endverbrauchersteuer!!! Der Kunde hat diese Steuer zu zahlen. Wenn der Kunde auf der Rechnung sieht, dass keine Umsatzsteuer vom Händler berechnet wird, obliegt es ihm, diese an das Finanzamt abzuführen. Und überhaupt.. wie können denn solche Waren in deutsche Lager gelangen, ohne dass sie zollrechtlich behandelt wurden? Dann soll der Importeur bei Ankunft der Waren eine Umsatzsteuer zahlen. Wo ist das Problem?
Sie wollen also die Kontrolle weg vom Unterneher hin zum Endkunden lenken.
Auch die Steuerlast
Das ist ja mal Amazonfreundlich!

Zu 2: Es gibt so etwas wie zollfreie Lager

Beitrag melden Antworten / Zitieren
olli0816 01.12.2017, 09:13
41. Mir ist die Problematik durchaus bewusst

Zitat von denny101
Warum kaufen Sie denn nicht einfach bei deutschen oder europäischen Online-Händlern ? Warum müssen es immer wieder Amazon und Konsorten sein ? Wenn Sie bei einem ehrlichen lokalen/regionalen/nationalen europäischen Händler kaufen, treffen Sie 2 Fliegen auf einen Streich: Sie entziehen Betrügern und "Steueroptimierern" wie Amazon das Geschäft. Wer bei der Bekanntheit der Fakten heute noch dort einkauft, macht sich in meinen Augen zum Komplizen dieser Gauner.
Nur habe ich leider nicht immer die Zeit, in die Stadt zu fahren. Meine Käufe bei Amazon sind sowieso über die Jahre sehr übersichtlich geworden genau aus den Gründen. Aber Kleinartikel für 5 oder 10 EURO sind einfach so schneller zu haben. Und das "schneller" sowie der "weniger Zeitaufwand" ist das, warum ich diese Kleinteile dort kaufe.

Zusätzlich darf man nicht alle Händler dort über einen Kamm scheren. Es sind viele ehrliche Unternehmen auf der Plattform, die ganz korrekt abrechnen. Wir sprechen hier von einer Gruppe von kriminellen Unternehmen, die meistens in China sitzen und festgestellt haben, dass man das System Amazon sehr gut für eigene Zwecke mißbrauchen kann. Amazon prüft natürlich nicht, solange sie nicht in die Pflicht genommen werden. Bis dahin ist das vielleicht moralisch dunkelgrau, aber noch lange nicht verwerflich. Das betrübliche ist, dass die EU (Deutschland ist zu wenig dafür) sich dieser Sache annehmen und genaue Spielregeln erstellen müßte. Da die EU nicht weltweit Kriminelle jagen kann, geht nur der Zugriff auf die Plattform. Das heißt, den Plattformbetreiber verantwortlich machen, dass diese UST-Deals kaum durchführbar sind.

Ich selber handele seid langem auf ebay. Sie können sich sicher sein, dass die Finanzämter ab bestimmten Umsätzen sich von ebay melden lassen, wer der Händler ist und damit Prüfungen einhergehen. Trotzdem ist das System löchrig. Ich mag z.B. Briefmarken und wenn man dort schaut, gibt es professionelle Fälscherbanden gerne aus Rumänien mit lauter neuen Accounts. Dem würde man nur herr werden, wenn man ebay für die Angebote verantwortlich macht. Ein anderes aktuelles Beispiel (nicht das erste) sind Bilder von anderen Anbietern über Ware, die der Anbieter nicht hat. Jemand kauft das, überweist und das Geld ist weg.

Es gibt zwei große Problemfelder: Die Spielregeln für Plattformbetreiber ist nicht ausgereift. Das zweite ist die generelle Versteuerung von Umsätzen bei solchen Plattformen. Das was Luxemburg oder auch Irland steuermäßig betreibt, ist kriminiell. Deutschland könnte es aber durchbrechen, indem sie ein Gesetz einführen, dass dort die Steuern erhoben werden, wo gekauft wird. Um das ganze UST-Gedönse zu umgehen, wäre anstelle der UST eine Plattformsteuer von 19% möglich, die automatisch berechnet wird, wenn ein deutscher Käufer etwas erwirbt. Möglichkeiten gäbe es also und die Chinesen hätten sofort keinen Vorteil mehr.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zensurgegner2017 01.12.2017, 09:17
42.

Zitat von Entsetzen
"... Und überhaupt.. wie können denn solche Waren in deutsche Lager gelangen, ohne dass sie zollrechtlich behandelt wurden?" Ganz einfach, weil deutsche Zollämter nach politischen Vorgaben völlig unterbesetzt sind. Weil die Waren in Massen über Häfen, Flughäfen, andere europäische Länder zu den es keine Zollgrenzen mehr gibt und ganz einfach über DHL herein kommen. Wahnsinn, nicht wahr? Beim Export ist es noch krasser.
Das ist nur halbwahr

Es gibt zollfreie Lager, da der Zoll ja nur dann anfällt WENN Ware verkauft wird/geliefert wird.
Auch Deutschland nutzt diese zollfreie Lager im Ausland ansonsten wären Transprtwege zu lange

Und beim MwSt Betrug helfen mehr Zollbeamte auch nicht, die allermeisten Bürger haben keinerlei Ahnung von den erreichbaren Dimensionen

Alibaba AMazon und Co sind Plattformen von bsi zu 100.000 Millionen "Firmen", wie sollen denn 20.000, oder auch 100.000 Zollbeamte laufend 100 MILLIONEN potentielle Betrügerfirmen kontrollieren?

Alleine diese Dimension zeigt doch auf, dass dieses "alte Denken" des kontrollierenden und alleine verantwortlichen Staates von Gestern ist.
Der Plattformbetreiber MUSS zwingend mit in die Verantwortung, für den ist es eine Kleinigkeit

Beitrag melden Antworten / Zitieren
muunoy 01.12.2017, 09:29
43. Wo ist das Problem für Amazon

Da ich mich als kleiner Selbständiger ständig über die Extrembesteuerung in Deutschland aufrege, kaufe ich selbstverständlich nicht bei Amazon. Aber offensichtlich bin ich da eine Ausnahme, frage mich aber, wo das Problem für Amazon ist, seine Händler bzgl. der steuerlichen Registrierung zu prüfen. Wenn ich als kleiner Selbständiger Geschäfte mit einem Unternehmen im EU-Ausland mache, bin ich verpflichtet, die USt.-Identifikationsnummer zu prüfen. Mit meiner Buchhaltungssoftware geht dies auch sehr einfach. Warum sollten Internet-Konzerne dazu nicht in der Lage sein?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
hbblum 01.12.2017, 10:05
44. Was ich nicht verstehe....

Zitat von zensurgegner2017
Es gibt zollfreie Lager, da der Zoll ja nur dann anfällt WENN Ware verkauft wird/geliefert wird. Auch Deutschland nutzt diese zollfreie Lager im Ausland ansonsten wären Transprtwege zu lange
.... der Betreiber eines solche Lagers muss Lager An- und Abmeldungen erstellen und diese gegenüber dem Zoll dokumentieren. Außerdem muss er Sicherheiten hinterlegen und haftet für die Abgeben für Zoll und Eust (Mwst). Auch der Weg von der EU Aussengrenze (Hafen bzw. Flughafen ist durch den Zoll dokumentiert.

Kann mir das jemand mal rein praktisch erklären, wie die Ware also abgabenfrei verkauft werden kann?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zensurgegner2017 01.12.2017, 10:07
45.

Zitat von olli0816
Es gibt zwei große Problemfelder: Die Spielregeln für Plattformbetreiber ist nicht ausgereift. Das zweite ist die generelle Versteuerung von Umsätzen bei solchen Plattformen. Das was Luxemburg oder auch Irland steuermäßig betreibt, ist kriminiell. Deutschland könnte es aber durchbrechen, indem sie ein Gesetz einführen, dass dort die Steuern erhoben werden, wo gekauft wird. Um das ganze UST-Gedönse zu umgehen, wäre anstelle der UST eine Plattformsteuer von 19% möglich, die automatisch berechnet wird, wenn ein deutscher Käufer etwas erwirbt. Möglichkeiten gäbe es also und die Chinesen hätten sofort keinen Vorteil mehr.
Wenn Steuern dort anfallen, WO gekauft wird, wo versteuert dann zum Beispiel Siemens eine nach Polen verkaufte Waschmaschine?

In Polen?
Obwohl die deutsche Infrastruktur für die Herstellung genutzt wird?

Und wenn das "Umsatzsteuergedöns" bei den Plattformen wegfällt, dann wären Sie als Händler erst recht der Gelackmeierte, da Ihre Waren schlicht für jeden Unternehmer uninteressant wären, da er keine MwSt geltend machen kann

Wenn Sie wirklich Händler wären, dann müssten Sie das eigentlich wissen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
rhg005 01.12.2017, 10:14
46. Nur die Spitze des Eisbergs

Ausländische Händler sind sicher ein Problem das andere ist aber der quasi legale Umsatzsteuerbetrug vieler Deutscher Händler die sich auf den Paragrafen 19 UStG berufen.
Das gilt nur für einen Umsatz im ersten Jahr bis 17.500 € und im zweiten bis maximal 50.000 €.
Viele überschreiten diese Beträge aber erheblich, führen aber trotzdem keine UST ab.
Ich habe mich darüber schon mit einigen Händlern gestritten die in einem Monat schon diese Limits überschreiten (Ermittelt Anhand der erhaltenen Bewertungen) , war aber jedesmal erfolglos.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
zensurgegner2017 01.12.2017, 10:18
47.

Zitat von hbblum
.... der Betreiber eines solche Lagers muss Lager An- und Abmeldungen erstellen und diese gegenüber dem Zoll dokumentieren. Außerdem muss er Sicherheiten hinterlegen und haftet für die Abgeben für Zoll und Eust (Mwst). Auch der Weg von der EU Aussengrenze (Hafen bzw. Flughafen ist durch den Zoll dokumentiert. Kann mir das jemand mal rein praktisch erklären, wie die Ware also abgabenfrei verkauft werden kann?
Sehr sehr vereinfacht: Der Betreiber stellt die Fläche zur Verfügung
Er betreibt kein 100% Warenwirtschaftssystem
Erst wenn dei Ware das Lager verlässt müsste diese erfasst werden.
Wenn der Verkäufer das aber unterlässt, dann....

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Entsetzen 01.12.2017, 10:22
48. @ zensurgegner2017 Nr.42II

Bei Ihren Schlussfolgerungen bin ich bei Ihnen. Trotzdem haben wir zumindest bei der Steuerhinterziehung bei Ausfuhren zu wenig Zollpersonal. Allerdings gilt das etwas eingeschränkt ebenso bei Einfuhren. Und was die Einfuhren angeht, werden wohl erstmal europäische Zolllager genutzt. Und wenn sich eine fingierte innergemeinschaftliche Lieferung oder ein fingiertes innergemeinschaftliches Verbringen anschließt, sind wir wieder im Bereich der Manipulationsmöglichkeiten. Und ob in Polen, Rumänien usw. der Zoll einwandfrei handelt, bleibt dahin gestellt. Zudem habe ich das selbst bereits erlebt, dass ein amerikanischer Händler die Ware einfach wertmäß unterdeklariert hat. Lief ohne Probleme durch den Zoll. Folge: zu Unrecht kein Zoll, keine Einfuhrumsatzsteuer. Amazon hätte es gewusst. Schert sich aber nicht darum.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Entsetzen 01.12.2017, 10:32
49. @ hbblum Nr. 44

Sie deklarieren als Einführender eine Einfuhr mit anschließender innergemeinschaftlicher Lieferung an einen Unternehmer in einem anderen europäischen Land. Der weiß aber nichts davon. Dann verticken Sie die Ware im Einfuhrland schwarz. Aber, liebe Kinder, bitte nicht nachmachen. Das ist strafbar!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 5 von 7