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Bewegung im Streit: Kassen verdreifachen Honorarangebot für Ärzte
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Im Honorarstreit zwischen Krankenassen und Ärzten gibt es offenbar eine Annäherung. Laut einem Pressebericht verdreifachen die Kassen ihr Angebot auf 900 Millionen Euro. Die angedrohten Streiks sind vorerst abgeblasen.

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docrernat 14.09.2012, 18:32
1. saftige Erhöhung!

Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, die durchschnittliche Honorarerhöhung zu berechnen? Ich tat es:
1. Bei den angebotenen 900 Mio (und 150000 Ärzten) bedeutet das eine jährliche Erhöhung um 6000 EUR pro Arzt.
2. Bei den geforderten 3,5 Mrd. EUR wären das 23333 EUR/Jahr und pro Arzt!
Da stimmt doch wohl etwas nicht, oder?? in einer Zeit, in der einige Mio Menschen mit der "Grundsicherung" kämpfen...
Armes Deutschland

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schnitti23 14.09.2012, 18:41
2. Die Krankenkassen bezahlen überhaupt nichts!

Alles was die Ärzte in Rechnung stellen, wird von den Beiträgen der Versicherten aufgebracht. Die Krankenkassen verteilen lediglich um, dies nur zur Klarstellung. So trifft es also nicht die Kassen, sondern die Versicherten. Wenn es der Ärzteschaft wirklich so schlecht ginge, würde ich deren Verlangen ja verstehen. Tatsächlich gibts zuweilen Ärzte, denen es nicht besonders gut geht. Das ist aber eher die Ausnahme. Ich kenne nur Ärzte, die privat sehr gut situiert sind und denen es an nichts fehlt. Ich sehe das Problem der Forderungen als ungerechtes Verteilungsproblem, hier müßte mehr getan werden.

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Putenbuch 14.09.2012, 19:18
3. Ist ja schön,

dass die Kassen so großzügig das Geld der Beitragszahler verschleudern.

Besten Dank dafür.

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Demokrator2007 14.09.2012, 19:20
4. Statistikschummelei?

Zitat von schnitti23
Alles was die Ärzte in Rechnung stellen, wird von den Beiträgen der Versicherten aufgebracht. Die Krankenkassen verteilen lediglich um, dies nur zur Klarstellung. So trifft es also nicht die Kassen, sondern die Versicherten. Wenn es der Ärzteschaft wirklich so schlecht ginge, würde ich deren Verlangen ja verstehen. Tatsächlich gibts zuweilen Ärzte, denen es nicht besonders gut geht. Das ist aber eher die Ausnahme. Ich kenne nur Ärzte, die privat sehr gut situiert sind und denen es an nichts fehlt. Ich sehe das Problem der Forderungen als ungerechtes Verteilungsproblem, hier müßte mehr getan werden.
Die Ärzte die ich kenne, also mein Hausarzt, meine Neurologin und viele andere die nicht mit teuren Geräten Diagnose abrechnen können gehören zu denen denen es nicht so übermäßig gut geht wie hier behauptet.
Das Verhältniss ändert sich natürlich dann, wenn man es gegen Hungerlöhne von 650,00-850,00 Euro eines HIV-Aufstockers gegenrechnet, was inzw. bei der gängigen Statistikmanipulation in Deutschland inzw. gerne gemacht wird.

Mit welchem Recht verdient dann ein Kassenfunktionär 250.000 bis 380.000 Euro, der als Angestellter keine persönliche Haftung trägt, im Gegensatz zum niedergelassenen Hausarzt?

Was hat bitteschön der Patient davon wenn er für die Glaspaläste und aufgeblasene Verwaltungen der über 140 privaten und gesetzlichen Krankenkassen blechen soll?

Ciao
DerDemokrator

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Demokrator2007 14.09.2012, 19:34
5. Deutsche Funktionärsgesellschaft

Zitat von sysop
Im Honorarstreit zwischen Krankenassen und Ärzten gibt es offenbar eine Annäherung. Laut einem Pressebericht verdreifachen die Kassen ihr Angebot auf 900 Millionen Euro. Die angedrohten Streiks sind vorerst abgeblasen.
Obwohl selbst Betroffener (Chroniker) hätte ich Deutschland den Streik "gegönnt" damit der faule Apfel endlich aufplatzt und auch "ganz normale Aspirinschlucker" mitbekommen wie sich Gesundheitsvor- und -fürsorge geändert hat.
Hausärzte und andere Ärzte die keine teure Apparatemedizin betreiben werden teilw. so lächerlich niedrig honoriert, das sich deren Budgets halbierten. Wenn ein Arzt keine individuelle Gesundheitsleistungen (iGel) anbieten kann, weil die Patienten das Geld dafür nicht haben (hohe Hartz4,Migranten und Rentnerdichte) dann gibts fast immer ein Mahnschreiben der KK wg. Arzneimittelbudgetüberschreitung von den Eigenleistungen mal gar nicht gesprochen.
Dazu kommt das die KK´s immer mehr Verwaltungsaufwand durch die Ärzte unentgeltlich erledigen lassen (Praxisgebühr+Budgetkürzung) sodaß es in Berlin in 2011 sogar zu einer Haushaltssperre bei den Arzneimitteln gekommen ist.
Da wurde dann so improvisiert, das die Ärzte teilw. höherdosierte Medikamente verschrieben (Doppeldosis) und die Patienten anwiesen die Einnahme der Medikation z.B. durch Tablettenteilung zu regulieren. Üblicherweise ist es nämlich so, das Tabletten mit einer höheren Dosierung des Wirkstoffs nur unwesentlich teurer sind, als die Tabletten mit der "normalen" Dosierung. Durch diesen Trick läßt sich das Budget des Arztes reduzieren.
Es ist noch darauf hinzuweisen, das einige Funktionäre der KV Berlin keine Probleme sahen, ihre Gehälter selbst fürstlich aufzustocken.

Selbstbedienungsladen ,BRDDR, aus Abendschau.RBB_12.01.12.avi - YouTube

In meinen Augen ist der drohende Ärztestreik das Ergebniss einer verfehlten Gesundheitspolitik, die wie imm er in letzter Zeit im deutschen Arbeitsmarkt geschehen, Manager und Funktionäre belohnt und "ehrlicheMalocher" bestraft.

Ciao
DerDemokrator

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webwanderer 14.09.2012, 19:47
6. Die wenigen, die den Hals einfach nicht voll kriegen...

schnüren der Mehrheit die Luft zum Atmen ein, unterstützt durch die unsägliche Politik, die genau das gleiche Spielchen auch noch auf der großen Bühne betreibt. Zahlen? Die Vergütung der Ärzte ist laut AOK zwischen 2007 und 2011 um 16 Prozent gestiegen. Waren das auch die Steigerungsraten der Gehälter beim durchschnittlichen Arbeitnehmer? Der Überschuss aus kassenärztlicher Tätigkeit betrug in 2011 laut einer GKV-Studie pro Arzt 134.000 Euro - dazu kommen Einnahmen aus Zusatzleistungen und Privatpatienten! Bezahlt wird das hauptsächlich von denjenigen, die mit schöner Regelmäßigkeit von der Politik aufgefordert werden, den Gürtel enger zu schnallen und deren GKV-Beiträge in den letzten Jahren drastisch gestiegen sind (meine von 11,8 auf 15,5%), also keine Lohnsteigerung und dazu noch höhere Beiträge, es steht eben keine Gewerkschaft und marktschreierische, dazu mit der Politik tief verfilzte Lobby hinter der Mehrheit der Bevölkerung, die diesem erpresserischen Treiben resignierend zusieht.

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gerollheimer 14.09.2012, 23:58
7. Irrglaube

Zitat von webwanderer
schnüren der Mehrheit die Luft zum Atmen ein, unterstützt durch die unsägliche Politik, die genau das gleiche Spielchen auch noch auf der großen Bühne betreibt. Zahlen? Die Vergütung der Ärzte ist laut AOK zwischen 2007 und 2011 um 16 Prozent gestiegen. Waren das auch die Steigerungsraten der Gehälter beim durchschnittlichen Arbeitnehmer? Der Überschuss aus kassenärztlicher Tätigkeit betrug in 2011 laut einer GKV-Studie pro Arzt 134.000 Euro - dazu kommen Einnahmen aus Zusatzleistungen und Privatpatienten! Bezahlt wird das hauptsächlich von denjenigen, die mit schöner Regelmäßigkeit von der Politik aufgefordert werden, den Gürtel enger zu schnallen und deren GKV-Beiträge in den letzten Jahren drastisch gestiegen sind (meine von 11,8 auf 15,5%), also keine Lohnsteigerung und dazu noch höhere Beiträge, es steht eben keine Gewerkschaft und marktschreierische, dazu mit der Politik tief verfilzte Lobby hinter der Mehrheit der Bevölkerung, die diesem erpresserischen Treiben resignierend zusieht.
Generell gilt unter Kassenärzten möglicherweise mit wenigen Ausnahmen die Tatsache, dass die Kasseneinnahmen hoffentlich gut die Nebenkosten kompensieren. In meiner Praxis belaufen sich die Nebenkosten ohne etwaige Tilgungen auf ca. 150-155.000 Euro, die GKV Einnahmen machen 165-170.000 Euro aus (inklusive allem: auch etwaiger Igel). Der Anteil der GKV Patienten liegt bei mir bei etwa 82%. Die Behandlung von Privatpatienten ist finanziell essentiell. Mit diesem GKV-Gewinn können Sie keinen Bankkredit bekommen oder Praxiskredite abbezahlen (Investitionsvolumen ca. 250.000 Euro: bei einem 12 jährigen Kredit benötigen Sie entsprechend alleine hierfür pro Jahr: ca. 30.000 Euro brutto, denn die Tilgung ist ja natürlich nicht absetzbar und geht vom Netto weg). Nach 10 Jahren benötigen Sie wieder Investitionen und müssen zuvor Rücklagen bilden. Sind genug Privatpatienten da, ist es möglich ganz gut zu verdienen, aber "Reichtum" wie hier ständig behauptet generieren Sie nicht. Sind Sie in einem städtischen oder ländlichen Gebiet mit wenig Privatpatienten tätig, wird es sehr eng.
Wir werden unsere Nebenkosten weiter reduzieren und unseren bisherigen Service (Versenden von Rezepten etc., personalintensive Hilfestellungen für Patienten, z.B. die Terminierung von radiologischen Untersuchungen, relativ lange telefonische Erreichbarkeit) in Zukunft einschränken, um auch Personalkosten einzusparen. Leider treffen diese Entscheidungen immer die falschen Patienten: Patienten mit Behinderungen und schweren Krankheiten, ein Klientel für das ich mich eigentlich besonders verantwortlich fühle. Leider werde ich mit dieser Verantwortung von den Kassen ziemlich im Regen stehen gelassen, denn diese Patienten sind für mich finanziell sogenannte Nullnummern oder Zuzahlungsposten: Aus meiner Sicht ist dies die eigentliche Unverschämtheit am deutschen Hamsterradsystem.

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reflect1220 15.09.2012, 01:55
8. Pflicht zum Zusatzbeitrag zum Wohl der Ärtze

nicht representatives Praxisbeispiel: treffen sich zwei Ingenieure: beide Abi mit 1,x, Studium an Top-Uni, mit NC aber nur max 50% schaffen das Dipl., beide Karierre bei Top-Konzernen mittlerweile mit Personalverantwortung und weit mehr als 50 Wochenstunden , Bruttogehalt zusammen dennoch weit kleiner 150 TEUR (brutto)!!!, alle Abi-Freunde, die trotz wesentlich schlechterem Abi Medizin studiert und alle trotzdem erfolreich abgeschlossen haben verdienen alleine 160 TEUR und einige ein vielfaches mehr, klar die machen auch viele Stunden und dabei auch nicht wenge um sich über ihr "jämmerliches Einkommen" zu beklagen. Über die extremungleiche Verteilung zwischen den einzelnen Fachrichtungen wird zwar auch unter der Hand viel gesprochen aber letztlich jammern alle Ärtze und damit auch um z.B. Radiologen etc. nochmal locker 30.000 Eur zusätzlich zu sichern statt zuerst für eine gerechte Umverteilung innerhalb der niedergelassenen Ärzte zu sorgen aber die Versicherten müssen ja so oder so bezahlen um die armen Ärtze vor dem Hungertod zu retten

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killerbiene 15.09.2012, 05:50
9. Die Kassen sind voll

klar, daß da die Lobbyisten schreien. Nur der Patient ist wieder der Hansel.

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