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Bewegung im Streit: Kassen verdreifachen Honorarangebot für Ärzte
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Im Honorarstreit zwischen Krankenassen und Ärzten gibt es offenbar eine Annäherung. Laut einem Pressebericht verdreifachen die Kassen ihr Angebot auf 900 Millionen Euro. Die angedrohten Streiks sind vorerst abgeblasen.

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Maria-Galeria 15.09.2012, 06:06
10. Masse statt Qualität

Der normale Hausarzt kann scheints nur gut und wohlsituiert leben mit dem Prinzip Masse
statt Qualität in seiner Praxis. Bei einem
Pauschbetrag pro Patient unter sieben Euro, was ich mal so hab läuten hören, nur bei Anwendung der Apparatemedizien erhöht
sich scheints der Betrag. Ein Tierarzt verdient pro Sichtung eines kranken Haustiers (ca sechzehn Euro, sämtliche Weiterbehandlungen noch ausgeschloßen) mehr als ein Hausarzt pro Patient im Monat bei entsprechender aufwendiger Erkrankung.
Wie wär es mit einem anständigen Grundgehalt für jeden Hausarzt und jeden
gut Therapierten einen Bonus. Mehr Klasse
statt Masse, immerhin studieren diese Menschen entsprechend lang und ein hoher
Ethos wird auch noch abverlangt. Man kann
doch wirklich keine Marktwirtschaftlichen Maßstäbe bei Medizienern ansetzen.
A

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naklar? 15.09.2012, 12:18
11. Ich halte dagegen ...

Wo fängt gute Bezahlung an und wo endet schlechte???

Hauptsache die Ingenieure in Deutschlands kommen ständig gehaltsmäßig jedes Jahr mehr unter Druck. Für vielen von denen ist es verdammt schwer geworden so 60.000€ im Jahr zu verdienen. Dafür droht aber immer mehr Ingenieuren mit Ü50 die Arbeitslosigkeit. Und die freiwilligen Weiterbildungskosten eines Ingenieurs sind extrem hoch und werden kaum noch von den Arbeitgebern geliefert. Der Pool an Ingenieuren ist ja heute weltweit verfügbar, auch dank Homeoffice.

Nun zum Thema Ärzte:
Hier wird seit einigen Jahren immer mehr mit Standard-Alterskrankheiten so richtig Geld verdient. Und die Weiterbildung wird im großen Umfang durch Pharmakonzerne gleich mitgeliefert. Sicher, wer arbeitet schon gern regelmäßig an Wochenenden und Feiertagen? Nur dies dürfte inzwischen 60-70% der Normal-Arbeitnehmer ebenfalls betreffen. Und fragen Sie einmal Vertriebsleute (Metall und Elektrobranche) nach Druck in wirtschaftlichen Krisenzeiten.

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messwert 15.09.2012, 19:36
12. KBV fordert,- wir müssen bezahlen!

In erster Linie verschuldet das Verteilungsmonopol der kassenärztlichen Bundesvereinigung eine ungerechte Leistungshonorierung für die jeweiligen Arztdisziplinen. Während überwiegend Fachärzte deutlich bevorzugt werden, sind es vor allem die Hausärzte die sich zu bescheiden haben. Entsprechend werden wohl vom zusätzlichen 900 -Millionensegen namentlich wieder die Fachärzte am meisten profitieren, obwohl gerade die Hausärzte einem vielfältigen Leistungsdruck ausgesetzt sind.
Im Übrigen, welch beträchtliche Summen jährlich die Krankenkassen selbst und all die ärztlichen Vereinigungen für Verwaltung, Bürokratie und Prestige von den Beiträgen der gesetzlich Versicherten abgreifen, ist wohl aus gutem Grund nie ein Thema.

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spiegelleser987 15.09.2012, 23:01
13. Ich bin ...

Zitat von gerollheimer
..... Der Anteil der GKV Patienten liegt bei mir bei etwa 82%. Die Behandlung von Privatpatienten ist finanziell essentiell. Mit diesem GKV-Gewinn können Sie keinen Bankkredit bekommen oder Praxiskredite abbezahlen (Investitionsvolumen ca. 250.000 Euro: bei einem 12 jährigen Kredit benötigen Sie entsprechend alleine hierfür pro Jahr: ca. 30.000 Euro brutto, denn die Tilgung ist ja natürlich nicht absetzbar und geht vom Netto weg). Nach 10 Jahren benötigen Sie wieder Investitionen und müssen zuvor Rücklagen bilden. Sind genug Privatpatienten da, ist es möglich ganz gut zu verdienen, aber "Reichtum" wie hier ständig behauptet generieren Sie nicht.....
Ich bin privat versichert. Die PKV hat seit einigen Jahren die Beiträge regelmäßig extrem erhöht. Die Begründung lautete, dass die anderen immer teureren Zahnersatz haben wollten. Iregndwann hatte ich die Schnauze voll und ich habe den Betrag begrenzt. Dafür muss ich nun noch mehr selbst dazuzahlen. Aber was sind schon 1000 Euro, wenn man 1500 weniger zahlt. In Summe spart man wenigstens 500 Euro... dachte ich. Bis ich mal zum Arzt musste. Die PKV hat mir nicht verraten, dass ich beim Facharzt nur 70% erstattet kriege. Auch diese 30% muss ich nun selbst zahlen.

Nun war ich mal bei einem Facharzt. Der musste nicht mehr viel machen, die Schmerzen hatten sich nach weinigen Tagen bis zum Termin von selbst erledigt. Die Aktion umfasste bei zwei Arztbesuchen insgesamt etwa 4 Minuten. Weil bei PKV-Patienten die Gebühren mit 2,3 multipliziert werden, muss ich für diese Minuten 150 Euro zahlen. Das macht einen Stundensatz von 2250 Euro für den Arzt. Vor etwa 10 jahren hatte ich ein ähnliches Problem. Freitagnachmittag gab es keine Sprechzeiten mehr, deshalb empfahl mein Hausarzt, die Notaufnahme eines Krankenhauses zu besuchen. Man hat aber nichts getan, weil zu dem Zeitpunkt auch kein Arzt mehr da war. Ich habe nicht mal ein Rezept für Schmerztabletten gekriegt. Ich sollte mich nur bis Monatg ins Bett legen. Das habe ich aber abgelehnt. Für eine Diagnose ohne Behandlung (Dauer etwa 1 Minute) musste ich 200 Euro bezahlen.

Finden Sie das gerecht? Meinen Sie nicht, dass auch andere Selbständige ausreichend verdienen sollten und investieren müssen?

Ich habe nichts dagegen, wenn Hausärzte mehr kriegen. Bei Fachärzten habe ich jetzt aber ein Problem wenn ich Aufwand und Einnahmen vergleiche.

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Thomas Schröter 16.09.2012, 10:54
14. schädliche Dienstleistungen

Zitat von sysop
Im Honorarstreit zwischen Krankenassen und Ärzten gibt es offenbar eine Annäherung. Laut einem Pressebericht verdreifachen die Kassen ihr Angebot auf 900 Millionen Euro.
Meine persönliche Erfahrung mit meinen Hausärzten:
1.) monatelang auf Termin warten weil Praxis geschlossen
2.) jammern wg. angeblicher ununterbrochener und quasi unbezahlter Arbeit
3.) Arzt befindet sich selber in einem jämmerlichen Gesundheitszustand
......
..) Arzt ist bester Kunde beim Immobilienmakler.
Die Liste ließe sich beliebig in dieser Art fortsetzen und ist relativ unabhängig vom Einkommen der Patienten.

Resultat:
Ich bin geheilt und absolut gesund.

Habe mich selbst in das Fach eingelesen und achte diszipliniert auf Gesundheitsprävention, betreibe regelmäßig Ausdauer- und Kraftsport ohne mich zu überfordern, achte darauf was ich nur in geringen Mengen esse, meide Drogen und den Arzt.

Merke:
Die Qualität von Dienstleistungen fällt ab einem gewissen Einkommensniveau
mit steigendem Honorar. Der Honorarempfänger wird zum Geldjunkie, der nur noch der Befriedigung seiner Sucht nach immer mehr Papiergeld oder realwirtschaftlich unbedeutenden Nullen auf dem Bankkonto nachjagt, wodurch für ihn die Erbringung qualitätiv hochwertiger und vor allem für den Kunden nützlicher Dienstleistungen unmöglich wird.

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n+1 16.09.2012, 16:33
15. Da kann ich beruhigen

Zitat von docrernat
Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, die durchschnittliche Honorarerhöhung zu berechnen? Ich tat es: 1. Bei den angebotenen 900 Mio (und 150000 Ärzten) bedeutet das eine jährliche Erhöhung um 6000 EUR pro Arzt. 2. Bei den geforderten 3,5 Mrd. EUR wären das 23333 EUR/Jahr und pro Arzt! Da stimmt doch wohl etwas nicht, oder?? in einer Zeit, in der einige Mio Menschen mit der "Grundsicherung" kämpfen... Armes Deutschland
Überbezahlt sind die Ärzte in Deutschland nicht. Höchstens die Radiologen.
Im internationalen Vergleich sind die deutschen Ärzte im unteren Mittelmaß. Sowohl von ihrer Leistung her als auch von der Bezahlung.

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hausdoc 17.09.2012, 14:23
16. Falsche Interpretation von Honorarerhöhungen

Zitat von docrernat
Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, die durchschnittliche Honorarerhöhung zu berechnen? Ich tat es: 1. Bei den angebotenen 900 Mio (und 150000 Ärzten) bedeutet das eine jährliche Erhöhung um 6000 EUR pro Arzt. 2. Bei den geforderten 3,5 Mrd. EUR wären das 23333 EUR/Jahr und pro Arzt! Da stimmt doch wohl etwas nicht, oder?? in einer Zeit, in der einige Mio Menschen mit der "Grundsicherung" kämpfen... Armes Deutschland

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hausdoc 17.09.2012, 14:36
17. Keine persönliche honorarerhöhung

Zitat von docrernat
Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, die durchschnittliche Honorarerhöhung zu berechnen? Ich tat es: 1. Bei den angebotenen 900 Mio (und 150000 Ärzten) bedeutet das eine jährliche Erhöhung um 6000 EUR pro Arzt. 2. Bei den geforderten 3,5 Mrd. EUR wären das 23333 EUR/Jahr und pro Arzt! Da stimmt doch wohl etwas nicht, oder?? in einer Zeit, in der einige Mio Menschen mit der "Grundsicherung" kämpfen... Armes Deutschland
Vermutlich werden die angebotenen Honorarerhöungen nicht zu einem Einkommenanstieg der meisten Ärzte führen, sondern das Angebot der ambulanten Versorgung ausweiten. Ein Beispiel: Im Rhein-Erft-Kreis soll die ambulante Behandlung Sterbender mittels eines Palliativdienst ausgebaut werden. Dafür fehlten bisher die Mittel, nun können sie eingesetzt werden. Jeder einzelne kann nur hoffen, diesen Dienst niemals benötigen zu müssen. Auch dürften viele Patienten mit Bandscheibenvorfällen jetzt schneller eine Kernspintomografie der LWS erhalten. Gleiches gilt für eine Reihe ambulanter Operationen: Star-OP der augen, wird praktisch nie mehr im Krankenhaus gemacht. Die Patienten und natürlich auch wenige Ärzte profitieren von dem zusätzlich investiertem Geld. Als Hausarzt kann ich nur vermuten, daß ich, wie in den letzten 12 Jahren, keine einzige Einkommenserhöhung hieraus ableiten darf, denn unsere Leistungen sind weiterhin nicht höher bezahlt. Inflationsbedingt bedeutet ein seit 2001 immer gleich hohes Honorar bei 28,8% Kaufpreissteigerungen natürlich einen massiven realen Kaufkraftverlust. Der Überschuss aus meiner durchschnittlich großen Kassenpraxis als Hausarzt beträgt übrigens 2000,- bis 2.500,- Euro. Hiervon sind rentenversicherung €990, Krankenkasse €650, Berufsunfähigkeitsversicherung €250,- zunächst einmal abzuziehen. De Fakto bleibt von meinen 55 Wochenstunden Arbeit für Kassenpatienten nichts übrig. Wieviele Privatpatienten zu mir kommen, ist ein Zufallspiel. Bei diesen Patienten sind die "Preise" übrigens seit 1996 nicht mehr erhöht worden. Wenn man angeblich zu toll verdient, dann verstehe ich nicht, warum auch am Stadtrand von Köln niemand mehr als Hausarzt arbeiten möchte. Nachwuchs gibt es jedenfalls nicht mehr.

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chaoz 17.09.2012, 14:41
18. rechnerisch richtig - sachlich falsch

Zitat von docrernat
Hat sich schon mal jemand die Mühe gemacht, die durchschnittliche Honorarerhöhung zu berechnen? Ich tat es: 1. Bei den angebotenen 900 Mio (und 150000 Ärzten) bedeutet das eine jährliche Erhöhung um 6000 EUR pro Arzt. 2. Bei den geforderten 3,5 Mrd. EUR wären das 23333 EUR/Jahr und pro Arzt! ...
Die Rechenaufgabe wurde hier exakt gelöst...per Dreisatz oder Taschenrechner..oder wie auch immer.
Die Schlussfolgerung ist jedoch falsch. Es handelt sich ja hier nicht um den Gewinn des Arztes als Person, sondern den Umsatz der Firma "Arzt". Hier sind aber auch insbesondere die Löhne der Arzthelferinnnen (MFA) zu betrachten. Diese stiegen beispielsweise jüngst um 2,9%. Diese Kostenenentwicklung ist von der gedachten Erhöhung abzuziehen...ebenso wie die Kostensteigerungen in den letzten Jahren seit 2008, in denen es keine Anpassung der Auszahlungen der Krankenkasen gab.
Es bleibt also ein Nettominus für den Unternehmer Arzt.. bei einem Steigen der Löhne der Mitarbeiter und anderer (Vermieter etc.).
Fazit: Wer bereit ist, selber ein Gehalts-Minus hinzunehmen, weil es anderen schlecht geht, egal von welchem Gehaltslevel ausgehend, der darf dieses m.E. dann auch für Ärzte einfordern.

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hausdoc 17.09.2012, 14:41
19. Rechnen müßte man können!

Zitat von webwanderer
schnüren der Mehrheit die Luft zum Atmen ein, unterstützt durch die unsägliche Politik, die genau das gleiche Spielchen auch noch auf der großen Bühne betreibt. Zahlen? Die Vergütung der Ärzte ist laut AOK zwischen 2007 und 2011 um 16 Prozent gestiegen. Waren das auch die Steigerungsraten der Gehälter beim durchschnittlichen Arbeitnehmer? Der Überschuss aus kassenärztlicher.....
Ich bin seit 2001 Kassenarzt (Hausarzt am Stadtrand von Köln). Meine PRaxis ist immer voll, Leerlauf gibt es nie, und immer wieder stehen auch Nahctdienst und Wochenenddienst über 16 -24 Stunden in der Praxis an.

Die KV nordrhein bestätigt mir, daß meine Praxis mit 800 Patienten pro Quartal etwa durchschnittlich groß ist. Mein Honorar betrug zwischen 152.000,- Euro und maximal 168.000,- Euro bei Praxiskosten von 130.000,- bis 140.000,- Euro . Die verbleibende Differenz von 30.000,- bis 40.000,- ist damit mein Brutto-Jahresgehalt. Lieber Webwanderer, einer von uns beiden kann wohl nicht richtig rechnen? Könnten Sie mich bitte aufklären? Vielen Dank!

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