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BGH-Urteil: Kleine Wohnung - Geld zurück

Mieter können Geld zurückverlangen, wenn ihre Wohnung kleiner ist als angegeben. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Damit gab er einer Klägerin aus Mannheim Recht: Ihre Wohnung sollte laut Zeitungsinserat 76 Quadratmeter groß sein - in Wirklichkeit waren es nur 53 Quadratmeter.

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unterländer 23.06.2010, 14:40
1. Ach ja, der Titel, der Titel ....... wo war er doch gleich?

Zitat von sysop
Mieter können Geld zurückverlangen, wenn ihre Wohnung kleiner ist als angegeben. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Damit gab er einer Klägerin aus Mannheim Recht: Ihre Wohnung sollte laut Zeitungsinserat 76 Quadratmeter groß sein - in Wirklichkeit waren es nur 53 Quadratmeter.
Da hat also zuvor tatsächlich ein Landgericht entschieden, der Klägerin stünde kein Ausgleich für diese Falschinformation (man könnte durchaus auch an Betrug denken, wie ich finde) zu. Hoffentlich wird der am LG urteilende Richter in die Registratur versetzt.

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spigalli 23.06.2010, 14:40
2. Schön für den Einzelfall...

...aber irgendwie stört mich immer, wenn Gerichte urteilen, dass nur ein Erstattungsanspruch besteht, wenn man um 10% von der Vereinbarung abweicht.
Da denk ich immer - wenn mein Chef mir mal einfach 10% weniger Lohn zahlt, habe ich dann keinen Anspruch? Wenn ich einfach mal 10%*Minderarbeit leiste - hat mein Chef dann keinen Anspruch? Wenn ich 50 Liter tanke, dürfens dann auch nur 45 sein?
In was für einer Welt leben wir eigentlich?
Grüße

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kassandra! 23.06.2010, 15:06
3. Mietzahlungen zurueck bei falschem Mietaufmass

Zitat von sysop
Mieter können Geld zurückverlangen, wenn ihre Wohnung kleiner ist als angegeben. Das hat der Bundesgerichtshof entschieden. Damit gab er einer Klägerin aus Mannheim Recht: Ihre Wohnung sollte laut Zeitungsinserat 76 Quadratmeter groß sein - in Wirklichkeit waren es nur 53 Quadratmeter.
Schick - und in hoechsteigenem Fall sehr zweckdienlich. Mein Angebot: eine 2 Zi. DG Wohnung in Muenchen, lt. Mietvertrag 75 qm; Gutachten nach der Vermessung: knapp 50 qm. Ausgebautes Dachgeschoss, wohnen in & mit der Schraege.

Na, dann ist doch mal eine Sanierung der Haushaltskasse angedacht, dank BGH.
Weiss hier jemand (Sysopa/Admin):
a) wie lange die Klaegerin bzgl. des angezeigten BGH-Urteils bereits in Ihrer Wohnung lebte, bevor sie klagte und
b) in welchem Rahmen sich die Rueckerstattung bewegt?

Infos waeren nett & ueberaus hilfreich.

Merci!

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urmel_66 23.06.2010, 15:24
4. Unseriös

Zitat von sysop
...Wohnung sollte laut Zeitungsinserat 76 Quadratmeter groß sein - in Wirklichkeit waren es nur 53 Quadratmeter.
Ich bin selbst privater Vermieter und würde mich für eine derart grob falsche Angabe wirklich schämen. (Abgesehen von der Nettomiete spielt die Wohnfläche ja meist auch bei den Nebenkosten eine Rolle.)

Auch wenn so etwas wohl nicht die Regel ist, kann man eigentlich allen Mietern bzw. Interessenten nur raten, die Fläche nachzuprüfen. Relativ schnell und elegant geht es mit Laser-Entfernungsmessern, die mittlerweile auch nicht mehr so teuer sind (oder man leiht sich so ein Ding). Leute, die viel Erfahrung mit Wohnungen haben (Makler, Architekten...), sind oft auch in der Lage, die Wohnungsgröße schnell und ziemlich zutreffend zu schätzen (ohne Messung).

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kassandra! 23.06.2010, 15:57
5. Wohnungsgroesse vermessen

Zitat von urmel_66
(...)allen Mietern bzw. Interessenten nur raten, die Fläche nachzuprüfen. Relativ schnell und elegant geht es mit Laser-Entfernungsmessern
Schon, nur: dann ist der Mietvertreg meist schon unterschrieben. Ausserdem gibt´s genug Vermieter (ohne alle ueber einen Kamm zu scheren), die nach einer Neuvermessung behaupten, DAS koenne ja so nicht stimmen. Was nicht sein kann, das nicht sein darf...

-> selber erlebt, als das vorgelegte Sachverstaendigengutachten einfach als "nicht glaubhaft" beiseite gelegt wurde.

Aber dafuer gibt es Anwaelte, wenn keine Einigung moeglich ist.

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Frankenfan 23.06.2010, 16:12
6. Aha Betrug?

Zitat von ecua
Wieso tolles Urteil, das war klarer Betrug. Der Vermieter sollte nicht nur Geld zurück zahlen, der sollte noch eine saftige Strafe kriegen. Solche Vermieter bewegen sich unterhalb von Ladendieben.
Im Mietvertrag stand keine Quadratmeterangabe. In dem Vertrag den sie unterschrieben hat ist sie nicht betrogen worden. Sie hat die Wohnung besichtigt und diese offensichtlich so toll gefunden, dass sie einen Mietvertrag unterschrieben hat. Die Miete war vorher bekannt und diese Frau war bereit diese Miete für diese Wohnung zu bezahlen. Es war es ihr wert! Die Wohnung war offensichtlich auch für ihre Ansprüche groß genug, sonst hätte sie von einer Anmietung auch Abstand genommen. Jetzt sitzt sie in einer Wohnung die sie wollte und für die sie auch bereit war genau diese Miete zu zahlen und fühlt sich jetzt betrogen? Sie hat bekommen, was sie vorher gesehen hat. Kein Mensch mietet Quadratmeter, sondern er mietet eine Wohnung. Diese muss für meine Ansprüche passen. Wie viele Quadratmeter es letztendlich sind ist unerheblich. Ich finde es nur erstaunlich, dass ihr die Zweifel an der Fläche erst nach dem Einzug gekommen sind, wenn diese Flächenangabe für sie wirklich so wichtig gewesen ist. Sie hätte ja gleich nachmessen können und dann entweder die Wohnung nicht mieten oder den Mietpreis nachverhandeln können. Aber so ist es viel einfacher. Erst den Mietvertrag unterschreiben, einziehen und dann naher auf Mietkürzung klagen. Denn nach der deutschen Mietrechtssprechung ist ein Mieter der die Miete zahlt unkündbar. Wie praktisch für die Dame.

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mmueller60 23.06.2010, 16:48
7. x

Zitat von Frankenfan
Im Mietvertrag stand keine Quadratmeterangabe. In dem Vertrag den sie unterschrieben hat ist sie nicht betrogen worden. Sie hat die Wohnung besichtigt und diese offensichtlich so toll gefunden, dass sie einen Mietvertrag unterschrieben hat. Die Miete war vorher bekannt und diese Frau war bereit diese Miete für diese Wohnung zu bezahlen. Es war es ihr wert! Die Wohnung war offensichtlich auch für ihre Ansprüche groß genug, sonst hätte sie von einer Anmietung auch Abstand genommen.
Ihre Argumentation ist nachvollziehbar, aber ein wenig zu kurz gedacht. Beim Aussuchen von Wohnungen, Autos, Fernsehern hat niemand außer Profis den "perfekten Blick". Soll heißen, bestimmte Kennzahlen (qm, PS, Bilddiagonale) sind mit die entscheidenden Kriterien, aber gleichzeitig nicht leicht für uns wahrnehmbar. Daher lesen wir die Kennzahlen in einem Prospekt und entscheiden uns mit Vertrauen in die Zahl.

Oder messen Sie wirklich anhand Ihres Reisegepäcks im Autohaus nach, ob das Kofferraumvolumen, wie vorher anhand der Prospekte verglichen, gleich wie bei Ihrem aktuellen Auto ist? Wenn ja, wie schaffen Sie es, sich genau zu erinnern, welches Gepäck Sie bei Ihrer letzten großen Reise dabeihatten?

Auch bei Fernsehern täuscht die Größe, wenn man nicht direkt den Vergleich nebeneinander sieht. Trotzdem habe ich das Recht auf meinen 80er-Fernseher, wenn ich einen solchen kaufen wollte und die Preis-Leistungs-Einschätzung an dieser Größe orientierte.

Und zuletzt, mal ganz pragmatisch: Sind Sie mal umgezogen? Ist Ihnen dabei in der alten oder in der neuen Wohnung aufgefallen, wie völlig anders die Wohnräume (auch größentechnisch) wirken, wenn die Einrichtung weg ist?

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dogs 23.06.2010, 17:08
8. Rechtsprechung

Zitat von spigalli
...aber irgendwie stört mich immer, wenn Gerichte urteilen, dass nur ein Erstattungsanspruch besteht, wenn man um 10% von der Vereinbarung abweicht. Da denk ich immer - wenn mein Chef mir mal einfach 10% weniger Lohn zahlt, habe ich dann keinen Anspruch? Wenn ich einfach mal 10%*Minderarbeit leiste - hat mein Chef dann keinen Anspruch? Wenn ich 50 Liter tanke, dürfens dann auch nur 45 sein? In was für einer Welt leben wir eigentlich? Grüße
Zustimmung. Die richterliche Großzügigkeit in diesem Punkt ist mir auch ein Rätsel. Es dürfte doch einem Vermieter ohne Probleme zuzumuten sein, eine Wohnung exakt zu vermessen. Auch zu Schrägen oder Balkons gibt es ja genaue Vorgaben, wie die in die Messung einfließen.
Böse Zungen behaupten ja, es könnte daran liegen, dass Richter eher als Vermieter denn als Mieter auftreten ;-)

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kassandra! 23.06.2010, 17:25
9. Nun auch fuer Vermieter: definitive Angaben, sonst Rueckzahlung!!

Zitat von Frankenfan
(...) Kein Mensch mietet Quadratmeter, sondern er mietet eine Wohnung. Diese muss für meine Ansprüche passen. Wie viele Quadratmeter es letztendlich sind ist unerheblich. Ich finde es nur erstaunlich, dass ihr die Zweifel an der Fläche erst nach dem Einzug gekommen sind, wenn diese Flächenangabe für sie wirklich so wichtig gewesen ist.(...)Denn nach der deutschen Mietrechtssprechung ist ein Mieter der die Miete zahlt unkündbar. Wie praktisch für die Dame.
Spricht hier gar ein bald gebeutelter Vermieter???
Gewagt, sich mit Ihrer Behauptung ueber den BGH zu stellen!
FALSCHE Aussage, denn die Groesse von Wohnungen betrifft auch die Nebenkosten, die sog. zweite Miete.
Weiterhin gibt´s Mietspiegel, die bei vergleichbaren Wohnungen in Euro pro Quadratmeter (Stichwort: Mietwucher oder passend) messen. So wird bisweilen aus einer guenstigen Wohnung schnell ein ueberteuertes Domizil.

Wie unpraktisch fuer Vermieter, dass bei unwahren, d.h. massiv geschoenten Angaben zur Wohnungsgroesse per sofort adaequat gemindert werden kann.

Meint eine, die selber beide Seiten der Mieter-/VermieterInnen-Medaillie bestens kennt...
Oder auch: ehrlich waehrt am laengsten!

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