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BGH-Urteil: Richter verbieten Extra-Gebühren für Pfändungskonten
dpa

Kunden mit Finanzschwierigkeiten dürfen von Banken nicht extra abkassiert werden. Der Bundesgerichtshof hat übertrieben hohe Gebühren für sogenannte Pfändungsschutzkonten verboten. Die betroffenen Inhaber würden unangemessen benachteiligt.

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weltbetrachter 13.11.2012, 19:59
1. keine wirkliche Lobby

Bankkunden, die von Pfändungen betroffen oder bedroht sind, haben keine wirkliche Lobby. Die werden weder zum Neujahrsempfang eingeladen, noch werden Ihnen "lukrative Kontenführungen" angeboten. Die schwächsten werden ausgenommen. Wenn die Bank aber in Schieflage gerät, dann sind die schwächsten beim Rettungsfond mit dabei. Da sollte man den Leuten im eigenen Land auch helfen und nicht nur denen in Südeuropa.

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weltoffener_realist 13.11.2012, 20:05
2. Spitzenleistungen

Zitat von sysop
... Verbraucherschützer hatten geklagt, weil zum Beispiel die Sparkasse Nürnberg monatlich zehn Euro für ein Pfändungskonto verlangte und damit sieben Euro mehr als für ein übliches Girokonto. Auch die Sparkasse Bremen erhob Zusatzgebühren, wenn ein Kunde sein bestehendes Girokonto als P-Konto führen ließ. Vereinzelt haben Institute nach Angaben aus der Branche sogar mehr als 25 Euro im Monat zusätzlich berechnet. ...
Halt, das kann doch nicht sein! Die Sparkassen sind doch die Guten!

Man kann sich aber schon fragen, warum gerade Sparkassen und Volksbanken Spitzenreiter bei den Dispo-Zinsen sind (Dispozinsen von rund 1*000 Banken und Sparkassen - Zinsen von 6 Prozent bis knapp 17 Prozent - Pressemitteilung - Stiftung Warentest) und dann auch noch bei den Gebühren für Pfändungskonten kräftig hinlangen... Irgendwoher muss das Geld für die netten Wohltaten vor Ort und die tolle Kommunalfinanzierung ja kommen, im Zweifel eben von den schwächsten Kunden

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Demokrator2007 13.11.2012, 20:06
3. Die Krokodilstränen der Abzocker

Zitat von sysop
Die Kreditwirtschaft kündigte an, die richterlichen Entscheidungen umsetzen zu wollen. Allerdings sei damit eine "verursachungsgerechte Verteilung" der Kosten von Pfändungskonten nicht mehr möglich. Durch die P-Konten seien zwar Gerichte entlastet worden, die aufwendige Prüfung sei aber damit auf Banken und Sparkassen "abgewälzt" worden. Die Institute seien nun gezwungen, den Mehraufwand für die Führung solcher Konten auf alle Kunden umzulegen, teilte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raffeisenbanken mit.
Welcher Mehraufwand entsteht denn, wenn man nur das auszahlt was vorhanden ist?
Das Lastschriftverfahren existiert doch nicht wg. eines Kundenvorteils, wie gerne behauptet, sondern weil der Lieferant hierdurch an Vorleistung spart, und der Bank dadurch die Fakturierung erleichtert wird.
Der Dauerauftrag ist ein ähnliches Instrument, für den Kunden aber sicherer in der Bonität.
Er wird nämlich nur ausgeführt wenn der vorgegebene Zahlungsauftrag durchgeführt werden kann.


Ciao
DerDemokrator

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airwick 13.11.2012, 20:09
4. Na

das wird auch Zeit. Die Gebührenordnungen sind in diesem Fall nicht nachvollziehbar gewesen, ein Versuch der Banken, die eh schon satten Gewinne noch zu steigern!

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kuhmann 13.11.2012, 20:32
5.

Das BGH sollte auch mal ein deutliches Wort gegen Doppelpfändungen verlieren! Es ist eine Sauerei, dass ein bereits gepfändetes Gehalt nochmal durch eine Kontopfändung reduziert werden kann, und alle sich gegenseitig den schwarzen Peter zuschieben. Wer nicht die zeit oder die Kraft hat, sich dagegen zu wehren, muss hilflos mitansehen, wie er trotz Arbeiten bis zur Armutsgrenze gepfändet wird. Situation kenne ich leider sehr gut aus dem Bekanntenkreis.

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gfh9889d3de 13.11.2012, 22:03
6.

Zitat von sysop
Die Institute seien nun gezwungen, den Mehraufwand für die Führung solcher Konten auf alle Kunden umzulegen, teilte der Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken mit.
"Institute" ist Banken-Neusprech am Rande der Legalität.

Ich wette, die Banken sind in der Lage, den Mehraufwand zu belegen, tun es aber nicht, weil er im Centbereich liegt. Oder haben sie etwa irgendetwas wesentliches noch nicht automatisiert und verlangen die Begleichung manueller Prozesskosten?!

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berlinfelix 13.11.2012, 22:24
7. Fehlurteil

Persönliche Verschuldung, private Insolvenzen, miserable Zahlungsmoral - den schwarzen Schafen in unserer Gesellschaft wird es viel zu einfach gemacht, für Verpflichtungen nicht einzustehen. Ich finde es nur gerechtfertigt, wenn Banken für die aufwändige Bearbeitung von Pfändungen und deren Verwaltung (ich weiß, wovon ich spreche, ich war selbst Schuldnerberater) höhere Gebühren verlangen. Dieses Urteil ist ein glattes Fehlurteil und beseitigt eine weitere Hürde beim Schuldner. Denn der Weg zur Bank war für Menschen in Schuldensituation noch die letzte Hürde der Scham und hat vor völliger Gleichgültigkeit geschützt. Schade.

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keksguru 13.11.2012, 23:21
8. wieder eine scheinheilige Bankbehauptung....

die pflegen das einmalig in die Banken-EDV ein und dann ist Schluß. Die Existenzminima sind gesetzlich geregelt, das sind keine laufenden Kosten die da entstehen. Nächste Baustelle: Etliche Arbeitgeber erdreisten sich, bei Lohnpfändungen auf das Gehalt 10-25 Euro monatlich zu berechnen.... das dürfte dann wohl auch demnächst fallen.

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klabautermeier 13.11.2012, 23:23
9. @demokrator

Zum Mehraufwand sehen Sie sich doch mal bei dejure den schönen § 850 k ZPO an, was die Bank bei Pfändungen und Zahlungseingängen für den Kunden durchrechnen muss, ehe sie einem Gläubiger den pfändbaren Betrag auszahlen kann. P-Konto heißt ja nicht pfändungsfrei, sondern Pfändungsschutz.
@weltoffener realist:
Weil Sparkassen und Volksbanken im Gegensatz zu den beliebten gebührenfreien und dispogünstigen Direktbanken ein recht dichtes Filialnetz und Geldautomaten auf dem platten Land unterhalten, für das sich übrigens auch andere Filialbanken wie z.B. die Deutsche Bank und andere etwas zu fein sind?

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