Forum: Wirtschaft
BGH-Urteil: Sparkassen-Kundin muss sich Kunde nennen lassen
DPA

Eine Frau wollte durchsetzen, dass sie von ihrer Sparkasse als Kundin angesprochen wird - nicht als Kunde. Doch der Bundesgerichtshof hat ihr Gesuch abgelehnt.

Seite 22 von 29
Hans58 13.03.2018, 11:38
210.

Zitat von FocusTurnier
Das war nach den Urteilen und den Urteilsbegründungen der Vorinstanzen zu erwarten. Nun kann die Klägerin zur nächsten Instanz gehen.
Der BGH ist bereits die höchste Instanz in Zivilverfahren.
Sie kann das BVerfG (in einem neuen Verfahren) anrufen (Art 93 Abs. 1 Nr. 4a GG i.V. m. § 13 Nr. 8a BVerfGG) und eine Verletzung eines Grundrechts geltend machen.

Das BVerfG wird ein solches Verfahren mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht annehmen, da ansonsten ein heilloses Durcheinander in der deutschen Sprache zu erwarten ist.

"Eine Durchsage für unsere Passagiere und Passagierinnen.."
"Liebe Mitglieder und Mitgliederinnen..."

Beitrag melden
lasorciere 13.03.2018, 11:41
211.

Die Alte war bestimmt Lehrerin oder Beamtin (oder von mir aus verbeamtete Lehrerin) oder hatte irgendeinen anderen "Klugscheisser-Beruf". Die sollte ihre und die Zeit von anderen nicht mit solchen Lächerlichkeiten verschwenden, dann hätten wir vielleicht Kapazitäten frei, die sich um wichtigere Probleme kümmern. Denn wenn sich eine schon darüber aufregt, weil sie als "Kunde" und nicht als "Kundin" angesprochen wird, dann ist ihr höchstens noch von einem Psychotherapeuten zu helfen - oder notfalls auch von einer Psychotherapeutin. Ich bin übrigens auch eine Frau, und mir ist es schlicht und einfach wurscht, wie ich in Formularen angesprochen bzw. angeschrieben werde, da kommt es mir nur auf den Inhalt an.

Beitrag melden
Meinende 13.03.2018, 11:42
212.

Zitat von acitapple
Die meisten Menschen jedoch denken bei "die Kunden" (Plural) nicht ausschließlich an männliche Kunden, sondern an eine Gruppe beiderlei Geschlechts.
"Kontoinhaber" ist nicht Plural, "der Kunde" für beide Geschlechter auch nicht.

Beitrag melden
fthoe 13.03.2018, 11:42
213.

Sprache ist nicht nur der Schlüssel zur Gleichberechtigung. Der Gebrauch der Spache gibt über viele Dinge auskunft. Trotzdem halte ich die ganze Diskussion über einen politisch korekten Sprachgebrauch für überzogen. Sprache ist nämlich über einen langen Zeitraum entstanden und kann nicht auf sich wandelnde politische Ansichten angepasst werden, ohne dass es zu Friktionen kommt. Benutze ich z.B. die Worte Gast, Besucher etc. dann sind für mich beide Geschlechter gemeint. Zudem merkt man immer mehr, dass der Gebrauch männlicher und weiblicher Formen zeitgleich zunehmend zu einer wenig ernst gemeinten Pflichtübung verkommt. Das hilft niemandem, eher im Gegenteil.

Beitrag melden
themistokles 13.03.2018, 11:42
214.

Ein Urteil, welches aufgrund seiner Begründung eigentlich nur Kopfschütteln hervorruft. Ja, es ist in Ordnung, daß weiterhin nur "Kunde" verwendet wird. Aber die Begründung ist schon etwas plumb. Vor 2000 Jahren dachte man auch noch, die Erde schwimmt auf dem Rücken einer großen Schildkröte im Urozean und die Frau ist die Ursache allen Übels bzw. Sünde.

Übrigens ist es schon spannend zu sehen, wegen was manche Unternehmen bis vor dem BGH ziehen. Das Wort "Kundin" im elektronischen System reinzuprogrammieren und bei der nächsten Bestellung von Formularen das Wort unterzubringen ("Kunde/Kundin") ist nun wirklich kein Hexenwerk und zu überschaubaren Kosten zu bewerkstelligen.

Beitrag melden
dasbeau 13.03.2018, 11:43
215.

Zitat von tubolix
Das "Sie" in der Ansprache bezieht sich auf die 3.Person Mehrzahl. Ansonsten hiesse es nicht "Haben Sie ..." sondern "Hat Sie ..."
Dass sich dies auf die 3. Person Plural bezieht, ist, denke ich, auch dem Mitforisten klar.
Die Frage ist: WARUM ist die 3. Person Plural identisch mit der femininen 3. Person Singular?
Und wenn jemand darauf die Antwort gibt, dass sei gar nicht identisch, sondern "was ganz anderes", warum sollte dann das Wort "Kunde" (o.ä.) zwingend männlich sein...?

Beitrag melden
matijas 13.03.2018, 11:43
216. noch Glück gehabt

Zitat von twistie-at
Auch finde ich dann bestimmte Texte schwer lesbar. "Unser(e) Kund_in findet seine/ihre Dokumente in seiner/ihrer Mappe, die wir ihm/ihr bei Eröffnung seines/ihres Kontos von seinem/r/ihrem Sachbearbeiter_in erhält..." Dann lieber "Bei Kontoeröffnung erhalten Sie eine Mappe mit all Ihren Dokumenten".
Und da haben wir noch Glück, dass wir mit "Sie" und "Ihren" geschlechtsneutrale Worte haben. Ansonsten würde die Sprache nur noch aus Schrägstrichen bestehen.
Dann besser gleich Deutsch abschaffen und Englisch. Gegen "the customer" kann man (pardon frau) schlecht klagen.

Beitrag melden
static2206 13.03.2018, 11:44
217. Wait what?

Das sowas überhaupt bis zum obersten Gericht kommt ist erschreckend. Während sich Frauen im namen einer Religion bis zur unkenntlichkeit verhüllen müssen, indem Frauen bis zu 40% weniger verdienen als Männer ist es wirklich das wichtigste auf einem Formular, dass vielleicht auch einfach durch damalige oder immer noch bestehende technische Begrenzungen einfach das kürzere Kunde verwendet in korrekter Weise angesprochen wird? Von mir aus könnte statt Kunde auch Goldesel stehen. Aber solange irgendwelche Menschen mit zu viel Zeit wegen so einem Mist bis vors BGH kommen, wundert es nicht, dass zumindest verfassungsfragwürdige Dinge wie das NetzDG nicht behandelt werden können.

Beitrag melden
j.w.pepper 13.03.2018, 11:44
218. Das Zitat mit den "2000 Jahren"...

...stammt nicht vom BGH, sondern ausweislich des Artikels vom erstinstanzlichen Landgericht (und dass es dessen Begründung wirklich zugrunde lag, glaube ich auch erst, wenn ich das Urteil gelesen habe).

Jedenfalls spricht in der Pressemitteilung des BGH vom heutigen Tag nichts dafür, dass hier eine Entscheidung der Sorte "Das haben wir noch nie so gemacht" getroffen wurde. Außerdem kann man der Mitteilung entnehmen, dass es hier allein um die Frage ging, ob eine solche "Gleichbehandlung" (oder eben Sprachpanscherei) durch das saarländische Gleichstellungsgesetz vorgeschrieben ist, wie die Klägerin meinte - mehr nicht.

Und gerade wegen der letzteren Feststellung wird die Klägerin wohl auch mit einer Verfassungsbeschwerde kein Glück haben.

Beitrag melden
Meinende 13.03.2018, 11:46
219.

Einfache Lösungen:
Statt Kontoinhaber*in oder Kunde/Kundin steht demnächst auf den Formularen schlicht:
"Konto geführt von"

Man kann, wenn man will...

Beitrag melden
Seite 22 von 29
Diskussion geschlossen - lesen Sie die Beiträge!