Forum: Wirtschaft
Bilanz 2017: Krankenkassen monierten jede zweite Klinik-Abrechnung
Uwe Anspach/DPA

Die Krankenkassen sind äußert unzufrieden mit den Kliniken - weil im Jahr 2017 jede zweite Rechnung überhöht gewesen sein soll. Nun ist eine schwarze Liste im Gespräch.

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EuphoricRx 02.05.2019, 10:38
10. Was will man erwarten,

Wenn man die Gesundheitsversorgung börsennotierten Konzernen überlässt, welche Gewinne im zweistelligen Prozentbereich erwirtschaften wollen.

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wayne40 02.05.2019, 10:40
11. 4 % Fehlerquote

Der DRG Katalog ist Abrechnungsgrundlage für jährlich ca. 20 Millionen stationäre Fälle mit einem Volumen von ca. 70 Milliarden Euro. Bezogen auf den Gesamtumsatz liegt die Fehlerquote bei 4%. Die Aussage, dass ca.die Hälfte der Abrechnungen falsch sind relativiert sich vor diesem Hintergrund.

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ExNeukoellner 02.05.2019, 10:44
12. ein planwirtschaftlicher Selbstbedienungsladen

für alle Beteiligten, außer für die Beitragszahler, denn die monierten Rechnungen sind nur die Spitze des Eisbergs: Welcher gesetzlich Versicherte kontrolliert denn schon die Kosten seiner Behandlungen? So steigen die Ausgaben für das Gesundheitssystem seit Jahren deutlich schneller als die allgemeine Inflationsrate - angeblich ja wegen demographischer Entwicklung und medizinischen Fortschritts. Doch das System ist gemessen am BSP-Anteil nur in der USA und der Schweiz teurer als bei uns, selbst in Japan ist es bei älterer Bevölkerung und deutlich höherer Lebenserwartung preiswerter (Darf man natürlich nicht so einfach vergleichen, die leben ja auch gesünder als wir...). Aber wenn es für die Gesundheit ist, zahlen wir Deutsche sicher gerne auch 20%-Beiträge. Wenn der Boom zu Ende geht und die Noch-Überschüsse wegschmelzen wie das Polareis in der Sonne, könnte es schon bald soweit sein. Die 50% Arbeitgeber-Anteil sind da übrigens reine "Sozialkosmetik". Die zahlt der Arbeitgeber nur, wenn der Arbeitnehmer sie vorher selbst erwirtschaftet hat.

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krautrockfreak 02.05.2019, 10:44
13. Das Problem ist unser Vollkaskosystem, das von allen Beteiligten aus-

genutzt wird! Es gibt keine Kontrollen, also wird betrogen, wo immer es geht. Was wir brauchen ist ein System, wo der Patient (immer!) eine Rechnung erhält und an den Kosten beteiligt wird. Nur dann hat er den Willen und die Möglichkeit, die Leistungen zu prüfen. Wer Privatpatient ist kennt das schon lange, da funktioniert es zumindest teilweise. Obwohl selbst da die Kassen bei klarem Betrugsverdacht lieber dem Arzt die Mehrkosten erstatten als zu ermitteln.
Unser System ist von vorne bis hinten korrupt und es ist ja nichts Neues, wir bezahlen mit am meisten weltweit und haben mit die krankesten Menschen.... noch Fragen?

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tom1970 02.05.2019, 10:45
14. Einfach nur Pressemeldung ohne Recherche wiedergegeben, schade

Leider wird hier wieder einmal ohne Recherche die Meldung einer anderen Zeitung oder wohl genauer eine Meldung des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen wiedergegeben. Ich darf einmal ein Beispiel nennen, was für die Krankenkassen eine “falsche” Abrechnung ist. Hierzu muss man wissen, dass für die Abrechnung einer Behandlungs-Fallpauschale eine bestimmte Zahl von Behandlungstagen erforderlich ist - wenn der Patient kürzer im Krankenhaus liegt, gibt es weniger Geld. Da ich selbst einige Zeit an Überprüfungen durch den Medizinischen Dienst der Krankenkassen teilnehmen durfte, weiß ich wie so etwas läuft. Nehmen wir mal ein Beispiel, die Details stimmen nicht, es geht ums Prinzip: Frau L bekommt eine Schulterprothese eingebaut. Die „untere Grenzverweildauer“ (unterhalb dieser Zeit müssen die Krankenkassen weniger zahlen) beträgt 5 Tage. Frau L wird nach 5 Tagen entlassen. Der Medizinische Dienst behauptet, sie hätte schon nach 4 Tagen gehen können (und damit müsste die Krankenkasse weniger zahlen). Das Krankenhaus muss anhand der vorliegenden Akten beweisen, dass Frau L noch diesen einen Tag im Krankenhaus bleiben MUSSTE. Wenn sich in der schriftlichen Akte kein Eintrag findet der dies nach Ansicht des Medizinischen Dienstes beweist, wird die Abrechnung als falsch deklariert und die Krankenkassen kürzen Geld. Dieses Verfahren wird jetzt für alle Fälle durchgeführt, bei denen man mit einem Tag Aufenthalt im Krankenhaus weniger oder einer komplizierteren Diagnose Geld sparen kann. Und wenn die Krankenkasse mit der Abrechnung nicht einverstanden ist, wird sie als fehlerhaft gewertet. Damit kommen solche hohen Anteile „fehlerhafter“ Abrechnungen zustande. Und jetzt wissen Sie auch, warum Ärzte und Krankenschwestern so viel Zeit mit Aktendokumentation verbringen - wenn nicht jeden Tag genau drinsteht, warum ein Patient im Krankenhaus sein musste, wird schnell mal die Rechnung gekürzt und dann gegenüber der Öffentlichkeit als Betrug dargestellt. Zum Kommentar 2.: Jeder Patient hat seit Jahren das Recht, sich die Abrechnungen vorlegen zu lassen. Für die ambulante Medizin bei allen niedergelassenen Kassenärzten zusammen zahlen die Krankenkassen übrigens pro Quartal eine bestimmte Summe an die kassenärztliche Vereinigung (nach meiner Erinnerung gut 100 Euro pro Versichertem, egal wieviele Ärzte wie häufig in Anspruch genommen werden) - völlig unabhängig davon, was der einzelne Arzt abrechnet.
Es wäre hilfreich, wenn bei solch komplexen Themen wie der Abrechnung im Gesundheitswesen recherchiert und auswogen berichtet würde, statt einfach nur die Meldungen einzelner Akteure zu veröffentlichen. Aber wer kann dies den Journalisten verdenken, das System verstehen nur noch Abrechnungsspezialisten, das begreift keine Krankenschwester und kein Arzt mehr.

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SPONNY7 02.05.2019, 10:54
15. Krankenhäuser monieren alle Krankenkassen!

Der Artikel kann aus Krankenhaussicht auch ganz anders formuliert werden.
Z.B.: "Die Krankenhäuser sind äußert unzufrieden mit den Krankenkassen - weil im Jahr 2017 jede zweite Rechnung gekürzt wurde. Nun ist eine schwarze Liste im Gespräch, die die Patienten der Kassen von der Behandlung ausschließen soll, die eine übermäßige Zeitbindung qualifizierten medizinischen Personals für die MDK-Gespräche verursachen...". Spiegel und SPON! Verfasst einmal einen gut recherchierten und qualifizierten Artikel über den Finanzierungs- und Abrechnungswahnsinn im Krankenhauswesen und zeichnet die Geldflüsse unserer GKV-Beiträge nach. Wie sie in viel zu vielen Krankenkassen und ihren hoch bezahlten Leitungsebenen und teuren MDK-Strukturen versickern. Wie die Dokumentation für eben diese MDK-Prüfungen und deren Durchführung die wertvolle Zeit hoch qualifizierter KH-Mitarbeiter aufffrisst. Wie die Prüfungseskalation auf beiden Seiten Personal und Geld bindet. Das alles ohne jeden positiven Einfluss auf die Versorgungsqualität.
Die Krankenkassen erhalten einen verlässlichen, nie versiegenden Geldzufluss über die GKV-Beiträge und aus Steuermitteln. Unternehmerisches Risikos geht gegen Null. Entsprechend schlank und preiswert sollten die GKV-Strukturen sein. Das Gegenteil ist der Fall. Auf der anderen Seite reiben sich die Beschäftigten im Gesundheitswesen unter teils prekären personellen Ausstattungen auf, um irgendwie den medizinischen Versorgungsauftrag rund um die Uhr zu erfüllen. Und müssen dann noch Erlösausfälle hinnehmen, weil der gut geschulte, nicht von Nacht- und Wochenendarbeit ausgelaugte MDK-Erbsenzähler selbstredend immer (!) irgendeinen kleinen Dokumentationsmangel finden kann, der zu einer Rückstufung im komplexen DRG-Abrechnungssystem führt. Und so wird leicht die reißerische Überschrift "Krankenkassen monierten jede zweite Klinik-Abrechnung" erreicht. Der klinische Alltag jedoch kann eine hinreichende Perfektion gegenüber der Abrechnungsprofessionalität des gezielt auf die Dokumentationslückendetektion geschulten MDK nicht erreichen. Es herrscht keine Waffengleichheit: die Kassen können ihre MDK-Armee nach Belieben ausweiten, so lange sie entsprechend Erlöse bei den Krankenhäusern wegräubern, die Krankenhäuser müssen die Gegenwehr aus ihren DRG-Erlösen finanzieren und diese DRG-Erlöse sind per gesetzlicher Definition (!) ausschließlich für die Deckung der laufenden (!) Kosten der medizinischen Versorgung gedacht.

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franziskachr 02.05.2019, 10:56
16. Unbesetzte Arztstellen, fehlende Pflegekräfte, Investitionsstau

Wann kommt endlich ein Gesundheitspolitiker, der auch mal in einer Klinik gearbeitet hat und weiß, wovon er redet und was seine Aufgaben sind? Ein Krankenhaus zu betreiben, sollte eine Selbstverständlichkeit einer Kommune sein und das darf auch gern mein Steuergeld kosten. Die Privatisierungsbemühungen der letzten Jahre führten zu einer Knechtung der Arbeitnehmer bei gleichzeitiger Bereicherung der Aktionäre. Aber so schlimm kann es ja nicht sein, wenn man sich die Rücklagen der Krankenkassen anschaut, die dieses Spiel auch mitspielen.
Aus meiner Branche kann ich berichten, dass unser Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch gerade die Apothekenstruktur zerstört. Nach außen hin das Bekenntnis zur inhabergeführten Apotheke, aber politisch arbeitet er seinem ehemaligen Firmenkumpel Max Müller in die Hände und bevorzugt all die Rosinenpicker, die eben nicht 24 h am Tag Bereitschaft schieben und helfen, wenn die Hütte brennt. Mal sehen, wohin die Reise geht. Ich erwarte dann das Gejammere der Patienten und die Unterstützung der Presse, wenn sich die Wege zur nächsten Apotheke noch mehr verlängern und die Kosten für pharmazeutisches Expertise, die jetzt durch eine Mischkalkulation abgedeckt sind, entsprechend steigen. Aber Hauptsache "Geiz ist geil" und "im Internet klicken, ist fortschrittlich".

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hannibalanteportas 02.05.2019, 10:57
17. @3Kub genauso ist es

Wie bereits gesagt ein sehr einseitiger Artikel, der wie ein Propaganda-Kanal der KK wirkt.
Insbesondere was die sog. sekundäre Fehlbelegung angeht (also die Klinik hat zwar entsprechend der Diagnose richtig behandeln, aber zu lange/zuviel), gibt es strittige Fälle und Gerichtsverfahren en masse.
Und für alle, die jetzt Klinik- oder Niedergelassenen-Bashing betreiben.
Einer der Gründe für die erhöhte Dokumentationszeit ist eben diese sekundäre Fehlbelegung, weil jeder kleine Furz dokumentiert werden muss um die lückenlose Behandlungsbedürftigkeit zu dokumentieren. Das bringt, neben anderen v.a. finanziellen Konsequenzen für die Klinik inkl. Gerichtsverfahren, einen immensen Aufwand für die Behandler, unter dem dann leider die Behandlungsqualität zu leiden hat. Mehr Zeit fürs Papier und weniger für die Patienten.
Zudem kommen immer mehr Überprüfungen dazu, die dann mit noch mehr Papierkram verbunden sind; das höre ich auch von Kollegen aus anderen Häusern.
Natürlich gibt es auch schwarze Schafe, die das bewusst ausnutzen, keine Frage, und mehr abrechnen als sie dürften. Und nicht-Dokumentation ist auch keine Lösung. Doch das Augenmaß ist hier von Seiten der Kassen des lieben Geldes wegen völlig verloren gegangen. Und damit trifft es auch diejenigen, die gut behandeln, aber wo die Kasse dann eben „Einsparpotenzial“ sieht.

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HerrPeterlein 02.05.2019, 10:58
18. Zeit für Dokumentation...

Der eine Kommentar hier zeigt es gut, wie schnell eine Abrechnung für die Krankenkassen falsch ist. Wenn ich überlege wie viel Zeit der Arbeit im Krankenhaus direkt oder indirekt nur für die Abrechnungen drauf geht, dazu noch die Dokumentationen und die ganzen Kosten für die Krankenkassen, Wahnsinn. Dann darf sich aber auch keiner mehr wundern, wenn trotz hoher Kosten, er immer lange warten muss bei Behandlungen.

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sentinel79 02.05.2019, 10:58
19. KK selber schuld

Die KK zahlen mittlerweile kaum etwas, es wird bei allem versucht den Preis nach unten zu drücken. Also wird im Gegenzug von den Kliniken versucht in anderen Rechnungen das fehlende Geld wieder zu erwirtschaften, daran sind ganz einfach die KK schuld. Wundert es noch jemand das die KK jedes Jahr Rekordumsatze erreicht.

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