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Boom der Schichtdienste: Immer mehr Deutsche arbeiten am Wochenende oder nachts
DPA

Schuften, wenn andere Leute feiern oder schlafen: Die Arbeit an Wochenenden, in Schichten und in der Nacht nimmt deutlich zu. Inzwischen geht jeder vierte Deutsche am Samstag oder Sonntag regelmäßig in den Betrieb.

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tharimar 18.02.2013, 11:06
160.

Zitat von bikersplace
Sind die Kunden nicht selbst schuld? Ich arbeite bei einem TV und Internetanbieter. Da erwarten die Kunden den Puderzucker im Hintern 24 Stunden am Tag. Was glauben Sie was an der Hotline/im Entstördienst los ist wenn ab 17:00 Uhr das UnterschichtenTV nicht mehr funktioniert oder das Filesharing nicht mehr geht, da das Internet tot ist. Da geht es erst richtig los und man bekommt das volle Spektrum "schlecht deutsch sprechend mit Migrationshintergrund" ab. Ich möchte nicht wissen was los wäre wenn ab 17:00 Uhr am Freitag die Bandansage kommt "Leider rufen Sie ausserhalb unserer Geschäftszeiten an, ab Montag 09:00 Uhr sind wir wieder für Sie da" ..... Trotzdem macht die Arbeit Spass - die Arbeitszeit wird rechlich durch Freizeit vergütet, die ich nehmen kann wann ich will - also passt schon.
Wer eine Leistung anbietet, die 24/7 verfügbar ist/sein soll und sich das auch bezahlen lässt, sollte auch den entsprechenden Service anbieten. Und üblicherweise benötigen die berufstätigen Kunden Fernsehen, Internet und Telefon hauptsächlich in ihrer Freizeit.
Ihr Kommentar ist niveauloser als das was Sie hier als UnterschichtenTV oder "sclecht deutsch sprechend mit Migrationshintergrund" bezeichnen.

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tomex030 18.02.2013, 11:06
161. Rund um die Uhr

Ich bin im September 24 Jahre Angestellter im Schichtdienst hier am Flughafen Tegel, und zwar mit allen Höhen und Tiefen.
Früher gab es noch ein festes Schichtroster, 6 Tage Dienst, 3 Tage frei das in etwa so aussah, 3 Früh 3 Spät und 3 Frei und 1 - 2 mal im Monat denn 3 Früh und danach 3 Nachtdienste.
Diese Form von Kontinuität ist aber auch leider seit ca 2 Jahren Geschichte, immer wieder wird versucht, die Dienste den Gegebenheiten anzupassen, die Zeiten werden angepasst, da wird nach vorne und hinten heraus verrucht, eine bestimmte Anzahl von Mitarbeiter zu strecken und das alles auf Kosten der Mitarbeiter.

Am Anfang fand ich es toll, weil ich oft auch 3 Tage in der Woche frei hatte aber mittlerweile würde ich viel dafür geben, wieder einen normalen Job von Mo - Fr mit festen Zeiten zu machen.
Zu den Belastungen mit diesen Dienstzeiten kommt u.a. auch die Lärmbelästigung der Umwelt, man ist als Schichtdienstleistender nahezu rechtlos, im Jahr 2011 etwa wurde unser Wohnhaus energetisch saniert, das Dach neu gemacht und nach hinten zum Hof hinaus Balkone angebaut.
Das hieß dann für mich über Wochen zu wenig Schlaf, manchmal nur 5 Stunden am Tag aufgeteilt in 2x2 ½ Stunden.
Dazu keine Möglichkeiten an festen Veranstaltungen wie Sport oder Hobby teilzunehmen, Geburtstage von Freunden ausfallen lassen und durch unseren 14 Tage Forcast auf den Dienstplan kann man nicht einmal längerfristige Zusagen zu Ereignissen jeglicher Art machen.


Wäre ich heute noch mal Berufsanfänger würde ich niemals einen beruf wählen, bei dem man im Schichtdienst seine Brötchen verdient!

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Izmir.Übül 18.02.2013, 11:08
162.

Zitat von gazettenberg
Das sind doch alles keine neuen Phänomene. Schon mal von "Halbstarken" gehört, die in den 50ern ihr Unwesen trieben? Wahrscheinlich sind Sie zu jung, um diesen Begriff zu kennen.
Ich bin Jahrgang 1954, kenne den Begriff "Halbstarke" und weiß, dass das absolut harmlose "Himbeerbubis" gegen die heutigen Querulanten, die einfach keinerlei “Beißhemmungen” mehr haben, waren.

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harry hausen 18.02.2013, 11:10
163. Schichtdienst und LehrerInnen

Je nach Arbeitgeber kann Schichtdienst sehr auskömmlich und familienfreundlich sein. Darüber hinaus ist das antizyklische Berufspendeln z.B. im 3-Schicht-Konti-System auch sehr nervenschonend (Beispiel Ruhrpott). Und die Kinder kann man in der Woche sogar an ein paar Tagen in ihre Einrichtungen bringen und dort wieder abholen, ein gemeinsames Mittagessen einnehmen und danach noch den Nachmittag zusammen verbringen. Welcher 9-5-Job bietet diese Optionen, ohne Urlaub nehmen zu müssen? Schichtdienst klingt offensichtlich für viele immer noch nach frühkapitalistischer Ausbeutung... Und ja, LehrerInnen arbeiten meist deutlich mehr als die Schulstunden vermuten lassen! Nacharbeiten, Korrekturen (in höheren Schulformen sehr aufwändig, z.B. Abiturklausuren), Konferenzen, Elternsprechtage usw. treiben die Arbeitsstunden nach oben.

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tomrobert 18.02.2013, 11:11
164. Die Behörden kümmern sich nicht!

In Bereichen wie dem Logistik und Transportwesen arbeiten die Leute in subunternehmerisch organisierten Bereichen Tag und Nacht.Die arbeiten Nachts durch und machen am Tag noch Abholungen.
Da wird die Arbeitszeitordnung schön ignoriert. Und wer nicht mitmacht ist einfach draußen.
Das könnte man stillschweigend akzeptieren bei gutem Lohn . Die Leute dort ruinieren allerdings nur ihre Gesundheit. Das geht gefährdet allerdings andere Verkehrsteilnehmer. Nur die Behörden kümmern sich nicht.
Würden sie das tun, wäre manches Geschäftsmodell in diesem Bereich nicht mehr durchführbar.

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koios 18.02.2013, 11:14
165. Sibyllinisch

Als die BKin im Mai 2010 sagte "Der Aufschwung kommt bei den Men-
schen an, bei immer mehr Menschen", hatte wohl niemand die Vorstel-
lung dazu, was sie damals tatsächlich damit meinte.
Generaldebatte im Bundestag - Merkel: "Der Aufschwung kommt bei den Menschen an" - Politik - Süddeutsche.de

Heute sehen wir klarer, denn wie alles im Leben so hat auch der Auf-
schwung seine zwei Seiten. Die positiven Seiten des Aufschwungs zeigen
sich in den verbesserten Unternehmensbilanzen, den exponential gestie-
genen Managergehältern und neuen Rekorden bei den Steuereinnah-
men.

Die negativen Seiten wie steigende Abgaben und Gebühren, stagnieren-
de Löhne, generell befristete Arbeitsverträge und eine stark wachsende
Zahl von Arbeitsverhältnissen auf Leih-Basis sind die Ergebnisse, die als
Auswüchse des Aufschwungs "...bei immer mehr Menschen" angekom-
men sind.

An dieser Stelle meinen herzlichsten Dank an die "erfolgreichste Regierung
seit der Wiedervereinigung"!
(Ironie aus)

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andre_jordan 18.02.2013, 11:16
166. Vielleicht liegt es auch daran, ...

.....dass immer mehr Menschen in Deutschland zu jeder Zeit und überall möglichst schnell bedient werden wollen!

Man nennt das dann Service. Die Rufe nach längeren Ladenöffnungszeiten gibt es ja immer noch.

Und wenn Kreti und Pleti dann um 21:55 Uhr in den Rewe hetzen, weil sie sich nicht organisieren können, muss immer noch jemamd hinter der Kasse "schuften"!

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Euron 18.02.2013, 11:16
167. ?

Zitat von spackolatius
Ich habe noch nie verstanden warum es in Büros keine Schichtarbeit gibt....
Ich auch nicht.

Hat jemand eine Erklärung hierfür? Danke.

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HerrStahl 18.02.2013, 11:18
168. optional

Schade das Nacht- und Wochenendarbeit immer nur aus Sicht derer dargestellt wird die dann nicht wollen oder können.

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tjivi 18.02.2013, 11:19
169. @Izmir. Übül und alle die den Lehrerberuf kennen und anerkennen

Ich stimme den in den Überschriften genannten Personen zu.
Meine beste Freundin ist Lehrerin. Es ist für sie selbverständlich, ihren Beruf so gut wie möglich auszuführen. Der ist nämlich immer "Berufung" für sie gewesen. Das bedeutet auch, auf soziale und andere Probleme zu reagieren und Schüler zu motivieren. Sie arbeitet deutlich mehr als 10 Stunden an 7 Tagen in der Woche.
Unsere allein auf Leistung und Erfolg gemessen am Geldbeutel ausgerichtete Gesellschaft ist völlig dekadent. Wenige profitieren, die meisten schuften bei zu geringem Gehalt. Sicher man kann nicht alles wollen. Geld, viel Freizeit und rund um die Uhr im weitesten Sinne konsumieren. Allein im Gesundheitswesen sehe ich keine andere Lösung. Natürlich: die Unternehmen wollen und müssen international "mithalten" können. Dafür wären aber zumindest eine adäquate Entlohnung und Respekt vor den Mitarbeitern sowie ein paar nette Worte angebracht. Ich kenne mittelständische Unternehmen, die noch diese Werte zugunsten der Qualität und des Betriebsklimas leben. Mit Erfolg!
Für mich habe ich schon lange entschieden: raus aus der gut bezahlten Unternehmensberatung und selbständig in meinem Traumberuf arbeiten. Auf 70 Stunden komme ich auch, wenn ich will. Weniger Geld und eine hohe Lebenszufriedenheit sind es wert. Habe es nie bereut.
Leider kann nicht jeder so frei entscheiden.

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