Forum: Wirtschaft
Braunkohle-Tagebau: Entscheidung am Hambacher Forst
AFP

Darf der Energiekonzern RWE am Hambacher Forst weiter Bäume für den Tagebau roden, während Deutschland über den Ausstieg aus der Kohle diskutiert? Diese Frage gefährdet die Zukunft der Kohlekommission.

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Friedrich der Streitbare 21.08.2018, 18:43
10. Prima

"Ohne weitere Kohleförderung könnten die Kraftwerke in der Region bald nicht mehr betrieben werden, argumentiert RWE. Fünfzehn Prozent der Stromversorgung Nordrhein-Westfalens seien dann gefährdet -"

sage ich zum ersten Teil der Aussage. Jede Dreckschleuder weniger ist ein Fortschritt. Den zweiten Teil halte ich für eine glatte Lüge. Solange wir Österreich dafür bezahlen (!), uns überschüssigen Strom abzunehmen und solange in Bayern modernste Gaskraftwerke nicht in Betrieb sind, weil die NRW-Drecksschleudern "wirtschaftlicher" sind, glaube ich davon kein Wort.

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rstevens 21.08.2018, 18:45
11.

Zitat von rathat
Wenn Grundwasser abgepumpt wird, wie soll es dann Bitteschön zu einem Anstieg des Grundwasserspiegels kommen?
Es ging um das "Einstellen des Abpumpens". Wenn der Tagebau beendet ist, wird nicht mehr abgepumpt und dann laufen die Gruben voll. Aktuell ist geplant, dass die heutigen Tagebaue zur Rheinischen Seenplatte werden.

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2623 21.08.2018, 19:12
12. Wer sich vor Ort umschaut und ...

sich einen Überblick verschafft erkennt leicht, welche Strategie und entscheidend welche Ideologie der Energieerzeuger hier verfolgt. Es ist erschreckend, wenn im Bericht von Mangement dieses Unternehmens gesprochen wird und damit der Eindruck entsteht, wir hätten es hier mit vernunftbasierten Menschen, mit Experten zu tun. Ein Blick auf die haarsträubenden strategischen Fehlentscheidungen nahezu aller energieerzeugenden Großunternehmen zeigt, dass es sich hier nicht um vernuftbasierte Ökonomen handelt sondern - wie im Fall dieses Waldes in der Nähe von Aachen - um ideologische - bitte, es soll nicht banal klingen - ideologische Spielchen, die leider zu nachhaltigen Problemlagen führen werden. Die Kriminalisierung der Menschen in dieser Region, die dies alles über Jahre im Detail verfolgten und erlebten und ihrer Mitstreiter vor Ort in diesem Waldstück ist die Wiederholung der Vorgehensweisen gegenüber den Einpunktbewegungen zur Atomkraftnutzung und der Sensibilisierung der Militärisierung friedensorientierter Gesellschaften über alle Systemgrenzen hinweg. Es ist beschämend zudem sehr unklug. Ein Bekannter, der bei der dortigen Polizei arbeitet berichtete, dass nahezu alle seine Kollegen im Rahmen der internen Vorbereitungen zum großen Polizeiaufmarsch im Rodungszeitraum fast wortgleich von "... den Verbrechern dort im Wald" sprachen, die weggesperrt gehören. Es ist genau diese Entwicklung die eine aufgrund weiterer Politikfelder verunsicherte Gesellschaft, weiter destabilisiert und denen, die nach mehr Staat, mehr Polizei, nach mehr Savinis ruft den Boden bereitet. Wenn die CDU/FDP Regierung irgendetwas verstanden hat, dann beendet sie diesen Unsinn, zeigt Größe und setzt ein Zeichen, aber alle bisherigen Reaktionen der Regierung weisen auf etwas anderes hin. Was dazu führt, das nicht wenige, von denen ich nicht erwartet habe, dass sie sich mit den Waldhütern vor Ort solidarisieren, auf den Weg nach NRW machen, ein Wahnsinn, es endet in Gewalt, weil diejenigen auf beiden Seiten, die aus Gewalt Honig ziehen können, diese entfachen werden.

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elmer_fudd 21.08.2018, 19:43
13. @ shivas88

Zitat von shivas88
@ 1. Tevje Da ich mir die Situation persönlich vor Ort angesehen habe, um mir ein eigenes Bild zu machen, kann ich Ihnen sagen, dass das so nicht korrekt ist. Es handelt sich beim Hambacher Forst um einen Stieleichen-Hainbuchen-Mauglöckchenwald, der einzigartig in Mitteleuropa ist. Zudem leben zahlreiche seltene Arten in dem Wald, darunter eine geschützte Fledermausart (Myotis bechsteinii), die auf Höhlen in alten Bäumen angewiesen ist und daher nicht mal schnell umgesiedelt werden kann. Der Wald müsste schon längst geschützt sein, RWE hat aber offenbar genug Einfluss auf die Landesregierung, um solche Schutzbemühungen zu verhindern. Reine Ironie ist, dass Flächen von Naturschutzorganisationen enteignet und RWE zugeschustert werden unter der Begründung des "Allgemeinwohls". Meiner Meinung nach sollte ein Unternehmen, welches mit "Gemeinwohl" argumentiert, kostendeckend aber nicht gewinnorientiert wirtschaften, sonst ist es wohl eher "Eigenwohl". RWE ist auf maximalen Profit aus und somit ist der erzeugte Strom teurer als er müsste, wohingegen die ökologischen Kosten bequem auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Ich verstehe nicht, wie so viele Menschen sowas gutheißen können.
Ich erinnere mich an eine TV-Doku aus diesem Jahr, in der berichtet wurde, dass die rot-grüne NRW-Regierung den Hambacher Forst nicht als erhaltenswert an die EG-Komission meldete, in dem sie die Meldefrist verstreichen ließ. Ich kenne diese Gegend seit Anfang der 80er Jahre sehr gut und die Zeit als z. B. der Ort Lich-Steintrass verlassen auf den Abriß wartete. Die rekultivierten Flächen (z. b. Sophienhöhe) haben keinerlei Erholungswert und Bereiche wie der besagte Forst sind unwiederbringlich verloren. Die Zeiten der fetten Entschädigungen für Umgesiedelte sind lange vorbei. Einige haben sich saniert, viele sich mit Neubauten übernommen und die Zeche für diese Umweltzerstörung zahlen wir alle.

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Aquifex 21.08.2018, 20:04
14.

Zitat von shivas88
@ 1. Tevje Da ich mir die Situation persönlich vor Ort angesehen habe, um mir ein eigenes Bild zu machen, kann ich Ihnen sagen, dass das so nicht korrekt ist. Es handelt sich beim Hambacher Forst um einen Stieleichen-Hainbuchen-Mauglöckchenwald, der einzigartig in Mitteleuropa ist. Zudem leben zahlreiche seltene Arten in dem Wald, darunter eine geschützte Fledermausart (Myotis bechsteinii), die auf Höhlen in alten Bäumen angewiesen ist und daher nicht mal schnell umgesiedelt werden kann. Der Wald müsste schon längst geschützt sein, RWE hat aber offenbar genug Einfluss auf die Landesregierung, um solche Schutzbemühungen zu verhindern. Reine Ironie ist, dass Flächen von Naturschutzorganisationen enteignet und RWE zugeschustert werden unter der Begründung des "Allgemeinwohls". Meiner Meinung nach sollte ein Unternehmen, welches mit "Gemeinwohl" argumentiert, kostendeckend aber nicht gewinnorientiert wirtschaften, sonst ist es wohl eher "Eigenwohl". RWE ist auf maximalen Profit aus und somit ist der erzeugte Strom teurer als er müsste, wohingegen die ökologischen Kosten bequem auf die Allgemeinheit abgewälzt werden. Ich verstehe nicht, wie so viele Menschen sowas gutheißen können.
Hmm, ich weiß nicht, wo Sie ihre Informationen her haben, aber daß RWE die ökologischen Kosten auf die Allgemeinheit umlegen könnte, stimmt schlicht nicht. Tatsächlich ist RWE verpflichtet, die abgebaggerte Natur wieder herzustellen und das tut man da auch. Daß im Hambacher Forst eine seltene Fledermausart lebt ist das eine, aber wissen Sie auch, wieviele seltene und geschütze Arten mittlerweile auf der Sophienhöhe heimisch sind, die eben ein Renaturierungsgebiet von RWE ist?
Es gibt neben diesen recht umfangreichen Bemühungen auch kleinere. Wir sprechen in der Gegend gerne vom "Kröten-Phantasia-Land". Das ist ein sehr aufwendig angelegtes Arial mit verschiedenen Tümpeln, Verbindungskanälen und Sumpfflächen, die ein einzigartiges Rückzugsgebiet für Kröten, Frösche und Lurche aller Art bilden.
Für umgesiedelte Fledermauspopulationen gibt es eigens aufgestellte Orientierungsbaken, die den Tieren die Orientierung ermöglichen und vieles mehr. Da werden eigene biologische Abteilungen für beschäftigt. Daß sich RWE nicht um Naturschutz kümmern würde, stimmt schlicht nicht.
Natürlich ist RWE ein gewinnorientiertes Unternehmen, wie jeder Solarstromerzeuger auch. Daß der Strompreis so hoch ist, liegt vor allem an der falsch kalkulierten Eiskugel des Herrn Trittin. Das will aber nach wie vor niemand wahr haben.
Was mich noch interessieren würde ist, welche Naturschutzorganisation Flächen besass, die enteignet und RWE "zugeschustert" wurden. Da haben Sie doch sicher eine Quelle zu.

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Ökofred 21.08.2018, 20:37
15. tja... wenn das so ist..

Zitat von Tevje
liegt der Horizont der Braunkohleförderung im Jahr 2040, also noch etwa 22 Jahre. Dabei ist vorgesehen, die Förderung und Energieerzeugung daraus sukzessive zurück zu fahren, bis zum Abbaustopp und der Stilllegung der Kraftwerke. Diese Vereinbarungen sollten in einem Rechtsstaat wie der BR Deutschland eingehalten werden. Der Hambacher Forst ist forstlich und ökologisch nur von regionaler Bedeutung, und auch dort nicht essentiell für die Umwelt. Aus den Abbauflächen werden durch Zuleitung von Oberflächenwasser und Einstellen des Abpumpens von Grundwasser und in Folge dessen Anstieg des Grundwasserspiegels wieder ökologisch wertvolle Flächen entstehen, wobei aus den dafür zurückgestellten Beträgen Fördermaßnahmen beitragen werden. Diese entstehenden Flächen werden den temporären Verlust eines Sekundärwaldes ökologisch gesehen mehr als nur ausgleichen. Hier geht es dem BUND ausschließlich um Eigenwerbung und Durchsetzung eines Eigenwillens um des Willens willen. Nichts weiter. Der BUND muss den entstehenden wirtschaftlichen Schaden ja nicht tragen.
2040, ist das nicht viel zu kurz? warum nicht 2400? Der volkswirtschaftliche "Nutzen" dieser Übung ist doch unbestritten, hängen doch wieviel Arbeitsplätze dran? 20.000 vielleicht? Wieviel arbeiten jetzt schon in der Windenergie, 200.000 ? Arbeit die sich auch exportieren lässt, was bei der Kohletechnik schwer ist.
Also die Anzahl der Arbeitplätze ist hier sicher nicht der wesentliche Antrieb... aber manche Lobbys haben wohl noch andere Argumente...

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torstenschäfer 21.08.2018, 20:58
16. Folgekosten Braunkohle

Die Schäden durch den Tagebau im Bereich der Wasserwirtschaft - zum Beispiel Austrocknung von Feuchtgebieten, Verunreinigung von Trinkwasservorräten, Absinken des Grundwasserspiegels - werden im Einzelfall noch bis zum Jahr 2350 (!) zu spüren sein. Das sagt ein von RWE selbst in Auftrag gegebenes Gutachten. Die Summe, die RWE für die Beseitigung dieser Schäden zurückhält, beträgt nach Angaben des Unternehmens jedoch nur 165 Millionen Euro. Dreimal können Sie raten, wer das nachher zu bezahlen hat.

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joha80 21.08.2018, 21:02
17. Der Wert vom Wald ist egal, es geht um das Symbol und das Einhalten de

Wie der Klimawandel sich anfühlen kann, hat jeder in diesem Sommer erlebt. Der Zusammenhang von CO2 auf die Atmosphäre ist hinreichend und abschließend geklärt. Die Notwendigkeit einer drastischen Drosselung von klimaschädlichen Gasen durch das Pariser Klimaabkommen auch durch unsere Regierung anerkannt. Die Kohleindustrie hatte seit Jahrzehnten Zeit, sich auf dieses Szenario vorzubereiten, sollte sie daran bankrott gehen, liegt die Schuld ausschließlich in einer mangelnden Unternehmensführung.

Es ist völlig unstrittig und eindeutig, dass die Verstromung von Kohle sobald wie möglich eingestellt werden muss, um die Klimaziele zu erreichen. Hierfür muss nur ein Schalter umgelegt werden, eine Maschine ausgeschaltet werden.

Wer dies nicht will, sollte sich Gedanken machen, wie er hilft, ansonsten diese Ziele erreichen zu können. Zum Beispiel auf jegliche Flugurlaubsreise verzichten, kein Fleisch mehr konsumieren und nur noch per Fahrrad fahren. Alles zusammen wird nicht gehen. also macht euer Kreuz, beidem, was ihr am ehesten abschalten könnt.

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thoms1957 21.08.2018, 22:34
18. Die Kommission ist überflüssig

Sie wurde von der Bundespolitik installiert, um Zeit zu schinden, Profite der Stromkonzerne zu sichern und um Streit in der Koalition zu vermeiden. Wenn Du nicht mehr weitet weißt, gründe einen Arbeitskreis. Der gesellschaftliche Konsens ist eigentlich da: Die Mehrheit der Bürger ist für Klimaschutz und Kohleausstieg. Das Kapital und seine Lobbyisten sowie gewogene Politiker sind das nicht. Diese Gruppen haben so lange viel mehr Einfluss als ihnen zusteht, wie wir dummen Wähler immer weiter diese bräsige Merkelpolitik in Form der Groko ermöglichen. Stillstand ist somit programmiert. Nächste Chance auf Veränderung ist 2020. Dann bestimmt ganz ohne SPD.

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go-west 21.08.2018, 23:34
19. Das alles wäre vermeidbar gewesen,

wenn man nicht im Gegensatz zu fast allen anderen Industrienationen aus der Kernenergie ausgestiegen wäre. Nachahmer für dieses angeblich vorbildhafte Vorgehen Deutschlands hat es nicht gegeben.

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