Forum: Wirtschaft
Brexit: Briten wollen länger in der Zollunion bleiben
AP

Die britische Regierung findet keine Lösung für den Grenzverkehr auf der irischen Insel nach dem Brexit. Ohne eine klare Regelung aber ist der Austritt aus der Zollunion unmöglich. Jetzt soll das Thema vertagt werden.

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nmare 18.05.2018, 11:47
20.

Zitat von mapcollect
Die EU hat ihren zweitgrößten Nettozahler verloren, besser gesagt verprellt. Und ob der Brexit GB wirklich schadet ist noch völlig offen - auch wenn in den Medien oft eine anderes Bild vermittelt wird. Eine engere Handelspartnerschaft mit Nordamerika wäre für GB vielleicht genauso vorteilhaft wie eine EU-Mitgliedschaft. Die Angelsachsen fühlen sich ohnehin enger miteinander verbunden als GB mit dem europ. Festland. Dass es auch prima ohne EU funktionieren kann, sieht man an der Schweiz und Norwegen - 2 der wohlhabensten Länder Europs. Für die europäische Idee ist der Brexit jedenfalls eine totale Katastrophe.
Verprellt....
Die britischen Zeitungen und Politiker haben ueber zwei Jahrzehnte grundsaetzlich alles schlecht gemacht, was aus der EU kam. Lief es schlecht im Land, war die EU schuld. Lief es gut, lag es an der grossartigen britischen Regierung. Nebenbei hat sich Boris Johnson, damals noch "Journalist" solche Luegen ausgedacht wie die von der krummen Banane. Die EU haette Geld vom Himmel regnen lassen koennen und das britische Establishment haette sich ueber das Wetter beschwert.

Was die enge Verbindgung mit Nordamerika angeht. Von Trump wurde schon angedroht dass es einen Handelsvertrag nur gibt, wenn GB die Regeln fuer Lebensmittelsicherheit und andere Regelungen fuer Konsumguerter lockert sowie das Land fuer die amerikanischen Health Insurance companies oeffnet und die NHS dem Verkauf preisgibt. Die Preise fuer Medikamente wuerden auch steigen. Ich verstehe nicht ganz was daran gut sein soll und ich habe hier in GB auch noch niemanden getroffen der sich auf die Chlorine Chicken freut.

Die Schweiz und Norwegen zahlen uebrigens Geld an die EU und folgen den 4 Grundregeln, darunter Free Movement. Die koennen also nicht ohne die EU.

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nmare 18.05.2018, 11:51
21.

Zitat von Liberalitärer
Ja, aber wegen der CTA (gemeinsame Reisezone) bewachen die Iren die Grenze für das UK mit. Es gibt kein Schengen für die Republik Irland, eben weil Irland und UK in dieser CTA sind. Und Sie müssen Grenzkontrollen und Niederlassung gedanklich strikt trennen. Der Warenverkehr ist wieder eine andere Sache. Wegen ein paar geschmuggelten Zigaretten wird niemand einen großen Aufstand machen. Es geht natürlich eher und auch um Dinge wie Aktenoffer mit gewissen Inhalten aus Papier oder neuerdings Plastik.
Es geht natuerlich auch um die andere Richtung. Sollte GB tatsaechlich einen Vertrag mit den USA abschliessen dann nur unter der USA Bedingung dass Lebensmittelstandards gesenkt werden um den Import von z.B. Chlorine Huehnchen aber auch Rindfleisch vollgepumpt mit Antiobiotikas zu erlauben. Ist die Grenze zu Irland offen, gelangen diese Lebensmittel ungeprueft von UK in die EU. Will das jemand?

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zynischereuropäer 18.05.2018, 11:52
22. @mapcollect

Mit Verlaub, aber was Sie hier anmerken stimmt leider nicht. Selbst ein FTA mit den USA und/oder dem Commonwealth würde den wegbrechenden Handel mit Europa nicht ersetzen. Allein der Distanzen wegen.
Das ein FTA mit den USA ohnehin in den Sternen steht, ich zitiere: "The conclusion is clear: a US-UK FTA is only going to happen if the UK makes concessions that are unlikely to be politically acceptable and in any case, promises relatively limited upside for UK business." Die komplette Studie finden Sie auf den Seiten von Harvard bzw eine kl. Zus.fassung beim Guardian im Politics live Artikel "may loses 15th...".
Zum Thema Norwegen bzw Schweiz: eigentlich sollte es mittlerweile Allgemeinwissen sein, dass beide a) extrem eng mit der EU verknüpft sind und ins Budget zahlen ohne Mitsprache zu geniessen (ergo Ruletaker statt Rulemaker sind, quasi der Albtraum der Brexiteers) und b) sehr kleine Staaten mit sehr spezifischen Voraussetzungen für ihren Wohlstand sind (Banken, Öl), die sich nicht auf größere Staaten verallgemeinern lassen.
An den Foristen, der eine Rückkehr zur reinen Zollunion gefordert hat: völliger Blödsinn. Man hat ja u.a. die EU gegründet, um auch die darunterliegende Politik zu harmonisieren. Die Unterschiede in der Gesetzgebung etc. streuen ja immer wieder Sand ins Getriebe, das will man vermeiden. Für die damalige Zeit war das ein erster Schritt, aber die Welt hat sich seit den 50er/60er Jahren etwas weiter entwickelt und stellt neue Herausforderungen, die kaum noch als kleiner Staat allein zu bewältigen sind.

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allenicksschonweg 18.05.2018, 12:02
23. Ich würde gerne mal wissen...

...wie diese Technologie an der irisch/nordirischen Grenze aussehen soll, von der die da Briten sprechen. Mir fehlt die Fantasie, wie man die Definition einer Zollgrenze durch technische Installationen umgehen will. Entweder man ist Mitglied der Zollunion: Grenzen überflüssig. Oder man ist es eben nicht: Zollkontrolle notwendig. Wie will man das technisch umgehen?

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Wal-Ire 18.05.2018, 12:05
24. Brexit means Brexit!

Lasst sie gehen. Notwendigenfalls ohne Deal. Lasst den Tunnel vollaufen und eine Minensperre im Kanal legen.
Die britischen Medien werden jede - aber wirkliche jede - Schwierigkeit in die das Königreich nach dem Brexit geraten wird der EU anlasten, denn die EU hat ja Angst vor dem Brexit und fürchtet die 6 1/2 Atom-Uboote und die 1 1/2 Flugzeugträger ohne Flugzeuge. Die EU will, daß das Empire untergeht!
Jedes Milligramm an Kooperation mit dem UK wird schlußendlich in eine Dolchstoßlegende umgemünzt werden. Anstelle von Bentley und Rolls kann man auch andere mobile Immobilien erwerben und Whiskey gibt es nicht nur aus Schottland. Haggis und Marmite, okay, da könnte man über Gibraltar oder Jersey eine Exportfunktion schaffen, aber den Rest, den kriegt Europa auch ohne das UK hin. Einzig um Morgan und Ariel ist es schade. Aber Opfer werden wohl auf beiden Seiten gemacht werden müssen.

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Liberalitärer 18.05.2018, 12:10
25. Billig einkaufen

Zitat von nmare
Es geht natuerlich auch um die andere Richtung. Sollte GB tatsaechlich einen Vertrag mit den USA abschliessen dann nur unter der USA Bedingung dass Lebensmittelstandards gesenkt werden um den Import von z.B. Chlorine Huehnchen aber auch Rindfleisch vollgepumpt mit Antiobiotikas zu erlauben. Ist die Grenze zu Irland offen, gelangen diese Lebensmittel ungeprueft von UK in die EU. Will das jemand?
Die Torypartei dürfte dem nicht so abgeneigt sein. Der Austritt aus der Zollunion soll es vor allem ermöglichen, billiger auf dem Weltmarkt einzukaufen. Umstritten ist das natürlich, Allerdings wird man sich ganz gravierende Gesundheitsgefährunden eher nicht leisten, auch Tories wollen keinen Selbstmord begehen.

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Gastone 18.05.2018, 12:10
26. Binnenmarkt

Zitat von mapcollect
Dass es auch prima ohne EU funktionieren kann, sieht man an der Schweiz und Norwegen - 2 der wohlhabensten Länder Europs. Für die europäische Idee ist der Brexit jedenfalls eine totale Katastrophe.
Norwegen und die Schweiz gehören dem Europäischen Binnenmarkt an.
Norwegen offiziell als Mitglied des Europäischen Wirtschaftsraums, die Schweiz durch ein kompliziertes Geflecht bilateraler Verträge, die letztlich das Gleiche in grün sind. Beide Länder müssen sich dafür an die Grundsätze der EU inklusive der "vier Freiheiten" halten, Europäisches Recht akzeptieren und finanzielle Beiträge in beachtlicher Höhe leisten. Sie wissen, dass ihr Wohlstand ganz entscheidend an der Teilnahme am Binnenmarkt abhängt - und es daher eben nicht ohne EU geht.

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nasodorek 18.05.2018, 12:15
27.

Zitat von mapcollect
Ist noch viel zu früh um Lehren zu ziehen. Und Schadenfreude bringt da niemanden weiter. Die EU hat ihren zweitgrößten Nettozahler verloren, besser gesagt verprellt. Und ob der Brexit GB wirklich schadet ist noch völlig offen - auch wenn in den Medien oft eine anderes Bild vermittelt wird. Eine engere Handelspartnerschaft mit Nordamerika wäre für GB vielleicht genauso vorteilhaft wie eine EU-Mitgliedschaft. Die Angelsachsen fühlen sich ohnehin enger miteinander verbunden als GB mit dem europ. Festland. Dass es auch prima ohne EU funktionieren kann, sieht man an der Schweiz und Norwegen - 2 der wohlhabensten Länder Europs. Für die europäische Idee ist der Brexit jedenfalls eine totale Katastrophe.
Wenn UK den Status von Norwegen oder Schweiz wollen, müsste es aber weiter zahlen, und dürften nichts mit entscheiden.

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stadtmusikant123 18.05.2018, 12:18
28. xxx

Zitat von alter_nativlos
Sollte die EU den Briten entgegenkommen? Ich meine, nein! Die Insulnber würden eine Position der Stärke umgekehrt ja auch ausnutzen! Zur Erinnerung: "We want our money back!" ...und sie haben es bekommen. Jetzt sitzt die EU am längerem Hebel und sollte ihn im Interesse ihrer Steuerzahler und künftiger Millionen Flüchtlinge, die auf dem Kontinent und nicht auf der Insel landen werden auch bedienen!
Das Entgegenkommen bezieht sich auf die Abwicklung des britischen Plans der "technischen Zollabwicklung".

In diesem Zusammenhang steht auch eine Verlängerung der Übergangsfrist von ein paar Monaten.

Im Übrigen ist sich die Regierung nicht uneinig , ob Brexit - der Apfel ist schon lange geschält, die Regierung ist sich nur nicht einig, über die Frage der Grenzkontrolle IR - Nordirland.

Aber auch das ist hinfällig, wenn Brüssel den kommenden Plan bezüglich der Grenzgestaltung nicht akzeptiert.

Dann geht es langsam aber sicher Richtung "Harter Exit".

Kein Exit, Norwegen/Schweiz-Modell sind doch nur Wunschvorstellungen der EU-Fans, die leider vergessen , dass dies die schlechtesten Varianten für die Briten wären.
Die EU hat sich ihr Negativ-Image hart erarbeitet, nun muss sie es eben aushalten und ausbaden.

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MathiasF 18.05.2018, 12:26
29.

Zitat von mapcollect
Dass es auch prima ohne EU funktionieren kann, sieht man an der Schweiz und Norwegen - 2 der wohlhabensten Länder Europs. Für die europäische Idee ist der Brexit jedenfalls eine totale Katastrophe.
Ohne EU wären weder Schweiz noch Norwegen wohlhabend - weshalb beide eine enge Verbindung an die EU akzeptieren. Beide zahlen in den EU-Topf ein, übernehmen zwangsweise die Regelungen der EU, besitzen aber keinerlei Mitspracherecht dabei. Den Briten wurde dieser Status angeboten, aber den wollten sie nicht... Kein Wunder, hat man doch die Pflichten einer EU-Mitgliedschaft ohne die entsprechenden Rechte. Wirtschaftlich ist man voll dabei, politisch voll außen vor.
Wären die Norweger und Schweizer rational, hätten sie längst die EU-Vollmitgliedschaft beantragt - infolge ihrer aktuellen Bindung müßten sie fast nichts dafür tun, alle EU-Regelungen gelten sowieso schon bei ihnen. Aber Menschen sind nicht rational...

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