Forum: Wirtschaft
Brexit, Trump & Co.: Globaler Siegeszug der Gaga-Politiker
AFP

Brexit-Lustspiel, Trump-Trara, Italo-Dramen: Was wie eine wundersame Häufung irrer Unfälle aussieht, hat gemeinsame Ursachen. Und die drohen auch den Deutschen bald Chaos zu bescheren.

Seite 9 von 21
Tante_Frieda 18.01.2019, 15:49
80. Gespannt

Man würde jetzt gern Mäuschen spielen und sehen,wie die Dame aus der Schweiz und ihre beiden rechten Gesinnungsfreunde,die im Artikel darunter als Illustrationsfiguren auftreten,diesen SPIEGEL-Artikel empfinden :-)

Beitrag melden Antworten / Zitieren
g.eliot 18.01.2019, 15:51
81. "Kälbermarsch"

Eine gute Analyse. Doch der Ausdruck Gaga reicht nicht bei der Beschreibung der Politiker, zu welchen sich die Abgehängten angezogen fühlen, wie z.B. Trump oder auch die AfD. Trump hat bisher das System der Gesundheitsversorgung ersatzlos weitgehend zerstört, hat so viele Sozialleistungen gestrichen oder gekürzt, wie es nur geht. Nur die Basisleistungen, die den Grundansprich darstellen und taditionell nicht berührt werden dürfen, sind davon verschont geblieben.
Ähnlich die AfD, deren Programm auf Eigenveantwortung im neoliberalen Sinne setzt und mit dem der FDP vergleichbar ist.

Es geht also hüben wie drüben um eine kollektive Abarbeitung der gemeinsamen Wut und nicht um eine Besserung der Lage der Betroffenen.
"Hinter der Trommel her
Trotten die Kälber
Das Fell für die Trommel
Liefern sie selber."
"Kälbermarsch", Bertolt Brecht

Beitrag melden Antworten / Zitieren
SammyDJ 18.01.2019, 15:52
82. Die Gedemütigten begehren auf, immer.

Das Gefühl gedemütigt worden zu sein und die Angst davor, gedemütigt zu werden sind die eigentlich toxischen Gemütszustände. Für manche Menschen reicht es schon, wenn der Nachbar sich ein tolleres Auto kauft, um diesen Gemütszustand hervorzurufen und den bisherigen Frieden in der Verpuffung des Selbstwertgefühls nachhaltig zu beschädigen. Es ist gar nicht so sehr der Neid, sondern die Kränkung der relativen Zurücksetzung, die Menschen aggresiv und irrational macht. Da liegt der Fehler des Versailler Vertrags nach dem ersten Weltkrieg, da liegt der Fehler der Wiedervereinigung und des Gebahrens der Treuhand und das ist der Wurm in der Dominanz Deutschlands in der EU - eine so stolze (mit all den Abgründen, die Stolz impliziert) Nation, wie die Briten, will sich nicht vom einztigen Kriegsverlierer dominieren lassen, genauso wenig die Italiener oder die Franzosen, die Polen sowieso nicht. Es gibt eine Hälfte in der westlichen Gesellschaft, die aus Menschen besteht, die sich gedemütigt fühlen oder die sich als gefährdet betrachten, gedemütigt zu werden. Das Problem ist nur, das die Moderne Entwicklungen mit sich bringt, die einfach notwendig und richtig sind und trotzdem als Kränkung empfunden werden: Ein schwarzer Präsident war für viele weiße Amerikaner, die sozial berteits abgestiegen sind eine demütigung zu viel, weil ihr traditionelles Selbstbild dadurch noch weiter in Frage gestellt wurde. Dann auch noch eine Frau, wäre völlig unmöglich gewesen und hätte wahrscheinlich genau den Bürgerkrieg zu Folge gehabt, zu dem Trump aufgerufen hat.
Die Aussicht, es jemandem heimzuzahlen lässt Menschen leider viel zu leicht in Kauf nehmen, dabei selbst zu verlieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Neandiausdemtal 18.01.2019, 15:54
83. Schwarze Null ist Quatsch

Zitat von spon-facebook-837979585
Die Effekte sind schlüssig. Populisten bieten falsche Lösungen für bestehende Probleme an und die Wähler glauben es. Der Autor vergisst aber, dass ohne schwarze Null in der nächsten Generation nur noch mehr gekürzt werden muss und steigende Schulden das zentrale Problem der Weltwirtschaft sind. Um mehr Geld ausgeben zu können muss gleichzeitig mehr eingenommen werden. Vorzugsweise bei denen die vom Boom der vergangenen Jahre mit Abstand am meisten profitierten. Stichwort erhöhte Reichen- und Vermögensssteuer statt Soliabschaffung für die Topverdiener.
Die Schulden der Staaten sind die Vermögen der Reichen. Darauf fußt der Kapitalismus. Was glauben Sie denn , wo Geld herkommt?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
s.l.bln 18.01.2019, 15:59
84. Selbst in dunkler Vergangenheit...

Zitat von biobayer
Dumm nur, dass "diese 12 Prozent" , die SIE herablassend "die Armen und Dummen" nennen, über überdurchschnittlich hohe Bildungsabschlüsse und überdurchschnittlich hohe Einkommen verfügen - bei einem unterdurchschnittlichen Anteil an Arbeitslosigkeit. Letztlich handelt es sich bei der Alternative für Deutschland um eine Werte-Union, die sich dem durch den Linksruck der Merkel-CDU verloren gegangenen vormaligen Markenkern der Unionsparteien verpflichtet weiß.
hat die Geisteshaltung, von Fliegenschiß-Gauland, der "ich würde gerne auf Kinder schießen"-Störchin und "ich weiß nicht, wer mir Geld schenkt"-Weidel nie zum Markenkern der CDU gehört und das schreibt jemand, der die CDU nur unter Gewaltandrohung wählen würde.
Die AFD ist keine Wertegemeinschaft, sondern ein Sammelbecken neoliberaler Rassisten, die es irgendwie schaffen, den Eindruck zu erwecken, sie würden sich "für den kleinen Mann" interessieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
g.eliot 18.01.2019, 15:59
85. Beratung und Koordination der rechten Bewegungen in Europa

Was nicht unerwähnt bleiben darf ist, dass die populistischen rechten Bewegungen Europas und der US durch Zusammenarbeit aneinander gekoppelt sind. Steve Bannon, auf dessen Rat Trump offenbar nach wie vor hört, half den Brexiteers durch Cambridge Analytica, er koordiniert und berät vor Ort die europäischen Populisten: Le Pen, Alice Weidel sowie die Führung der rechten Parteien in Italien und den osteuropäischen Ländern.

Was sich da zusammenbraut, sollte nicht vernachlässigt sondern sehr ernst genommen werden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dbrinkmann 18.01.2019, 16:02
86. Und die sozialen Medien?

Grob fahrlässig vom Autor, die sozialen Medien mit keinem Wort zu erwähnen! Ähnliche Krisen gab es auch schon vorher. Grund für den Aufstieg der Gaga-Politiker sind eindeutig der große Einfluß der sozialen Medien, wo rechtspoulisten Lügenpropaganda-Kampagnen starten. Das war und ist ist bei Trump, beim Brexit, in Brasilien und auch in Deutschland z.B.bei der Afd zu beobachten. Da reicht es schon, wenn Krisen erfunden werden, um Wähler in deren Arme zu treiben. Das sollte durchaus mal erwähnt werden!!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Neandiausdemtal 18.01.2019, 16:02
87. Verwechslung

Zitat von Galluss
Und die letzten zwölf Wirtschaftsminister. Ab Martin Bangemann: Helmut Haussmann, Jürgen Möllemann, Günter Rexrodt, Werner Müller, Wolfgang Clement, Michael Glos, Karl-Theodor zu Guttenberg, Philipp Rösler, Sigmar Gabriel, Brigitte Zypries, Peter Altmaier. Die schlimmsten waren die letzten. In dieser Zeit (ab 1984) hatte nur Rainer Brüderle entsprechende ökonomische Kenntnisse. Und dann schauen Sie mal, seit wann Deutschland ökonomisch nur noch dümpelt und den Ruf als Wirtschaftsnation verspielt hat. Der ehemalige Exportweltmeister hat noch nicht einmal mehr die Exportmengen wie Kalifornien alleine.
Bei Brüderle verwechseln Sie, wohl aus Versehen, ökonomische Kenntnisse mit Wirtschaftskenntnissen. Prost!
Ihr Beispiel mit Kalifornien legt diesen Verdacht nahe.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leonia Bavariensis 18.01.2019, 16:02
88. Der Zusammenhang ist signifikant . . .

... und wurde auch an anderer Stelle schon mehrfach nachvollziehbar und logisch hergestellt. Dazu passt der Ausbruch eines hiesigen Wutbürgers, der von mir am Rande einer ihrer Demonstrationen mit der Vorlage eines zusammengefassten AfD-Wahlprogramms gefragt wurde, von welchen der Programmpunkte er sich eigentlich was versprechen würde. Reaktion: Das ist mir doch wurscht! Und rannte zur entgegengesetzten Seite.
Daraus schließe ich, dass es völlig egal ist, was man den Frustrierten programmatisch vorlegt, sofern man ihnen den Eindruck vermittelt, sie würden gehört. Der Kater wird hinterher um so heftiger ausfallen, aber dafür werden die Gaga-Politiker dann schon eine ihrer bekannten Schuldzuweisungen an Dritte aus der Tasche holen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
peer.seus 18.01.2019, 16:03
89. Dass das so schwer sein soll zu begreifen: Zufriedenheit ist ein Asset

nDass das so schwer sein soll zu begreifen: Die Zufriedenheit ist ein gesellschaftliches Asset, das Neoliberalisten natürlich zu Geld gemacht haben!

Es ist eben nur die halbe Wahrheit, dass die Existenzbedrohung der Leute in Harz-IV sie schon irgendwie motivieren würde, irgendwas zu machen - und das für ganz wenig Geld.

Die andere Hälfte der Wahrheit ist, dass man denjenigen, die das kognitiv nicht verarbeiten können - die vielen schlichten Geister - eben auch irgendwelchen Stuss erzählen könne, wer Schuld neben ihrer eigenen Unfähigkeit wirklich Schuld an ihrer Existenzgefährdung sein würde.

Das ist die Doppelstrategie, die Syndikate à la Mont Pèlerin Society gefahren haben: Die Ideologie vom angeblich "freien Markt und bösen Staat" ist sakrosankt - während man die Monopolisierung gerade bei den anstrengungslos Profit-Abschöpfern voran treibt. Die Schere geht auseinander, Jobs für die Minderqualifizierten gibt es schlicht nicht.

Was sollen die Abghängten und geistig nicht ganz demokratisch/helle tickenden Leute machen? Klar: Die haben Unmut bis zur Gewaltbereitschaft. Und genau das ist dann der Nährboden, auf dem sich über schein-rationale Europa-feindlichheit die schmierige Schicht aus afd mit all ihren rechtsextrem-menschenfeindlichen Medusen-Köfchen wächst und gedeiht.

Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es der extremistische Neoliberalismus ist, der eben viel zu viel Raum bekommen hat: Wenn man ihn, genau wie den Kommunismus oder Faschismus, zur Staatsreligion erhebt, dann neigt sich Einbahnstraße eben Richtung Abgrund - mit dem schmierigen Belag aus politischem Geweese.

Marktwirtschaft ist gut! Aber die Diktatur eines monopolisierten Marktes - und d stehen wir heute! - ist eben das Gegenteil von freiem Markt. Auf den unteren Ebenen kämpfen die Armen ums Überleben und nehmen jeden Job an, während die oberen Schichten jeden Tag um 14:00 zu Golf spielen fahren - Stakeholder-Management, wissen schon ..

Es geht nicht um Neid, sondern um ein funktionierendes System - und das braucht menschlich-demokratische Leitplanken. Unkontrollierbare Wissensmonopole, wie sie zunehmend vorpreschenden IT-Monopole hervor bringen, sind das pure Gift für diese Marktwirtschaft!

Wir müssen neu justieren, wer in der digitalen gesellschaft wieviel Macht haben soll. Lässt man es mit der neoliberalistischen ideologie laufen, dann landen wir in einem Feudalismus 2.0!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 9 von 21