Forum: Wirtschaft
Brexit und Gelbwesten: Falsche Wahrheiten
AFP

Das Brexit-Desaster und die Gelbwesten-Bewegung zeigen: Demokratie braucht eine solide Faktenbasis, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Wenn der Glaube an die Wahrheit bröckelt, droht Unheil.

Seite 1 von 20
jjcamera 24.03.2019, 08:10
1. Quellenfrage

Ein vernünftiger und kluger Mensch kann sich nur eine Meinung bilden, indem er möglichst viele Meldungen und Kommentare der unterschiedlichsten Quellen verarbeitet. Schon das Nicht-Berichten über ein Ereignis, oder das Weglassen eines Details, das dem Berichterstatter nicht relevant erscheint, einen Leser, der sich ein umfassendes Bild machen will, aber interessieren würde, ist bereits eine Meinungsmanipulation.
So gesehen, kann es nur eine sehr fließende Grenze zwischen News und Fake-News geben. Was in welche Schublade gehört, kann nur der Nachrichtenkonsument selbst klären.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Leser161 24.03.2019, 08:18
2. Ja

Und genau ist das Problem. Wenn Fakten immer so geschoben werden, wie es jemandem gefällt, dann glauben die Menschen irgendwann nur noch was ihnen gefällt. Beispiel Scheuer: Tempolimit bringt nichts für CO2 das sage ja der gesunde Menschenverstand. Ich sage ja nicht das wir ein Tempolimit brauchen, aber zu sagen es brächte nichts wegen gesunder Menschenverstand ist halt falsch. Ein bisschen brächte es auf jeden Fall, auch wenn es vielleicht bessere Mittel gibt. Punkt ist, wie soll ich irgendwas glauben was mir gesagt wird, wenn so offensichtlich die Wahrheit verbogen wird?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
DJ Doena 24.03.2019, 08:23
3.

Hier ist glaube ich eines der Grundprobleme: Das Leben ist keine Mathematik. Es gibt nicht nur die eine Wahrheit. Natürlich gibt es auch im Leben die reine Unwahrheit (aka eine Lüge), aber es können durchaus zwei Aussagen wahr sein, die politisch an gegenläufigen Enden stehen.

Und das muss sich dann auch in der öffentlichen Meinung widerspiegeln.

Im Laufe der letzten paar Jahrzehnte hat sich die Presse und auch die Politik immer mehr aufsynchronisiert auf das, was als Wahrheit zu gelten hat und was politisch nicht korrekt ist, zu sagen.

Wenn man an einer namenlosen Politikeraussage nicht mehr ablesen kann, ob sie von CDU, SPD oder Grünen kommt, dann landen wir in einem immer enger werdenden Meinungstunnel und immer mehr Leute fühlen sich dann von Politik und Presse nicht mehr repräsentiert.

Und DANN braucht wirklich bloß noch ein Blöker à la Trump daher kommen, der behauptet, für diese Repräsentationslosen zu sprechen und er sammelt völlig unterschiedliche und zum Teil auch konträre Gruppen ein, allein schon, weil niemand sonst für sie spricht.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
dragonsito 24.03.2019, 08:24
4. Vertrauen ist wichtig und darf nicht leichtfertig verspielt werden

ein wichtiger Punkt den dieser Artikel aufgreift. Demokratie funktioniert nur solange der Souverän glauben kann, dass die Politiker in seinem Interesse handeln.
Die Posse um Artikel 13(jetzt 17) hat hier mit Sicherheit auch ordentlich geschadet.
Ich meine hier vor allem den Versuch der CDU vertreten durch Manfred Weber die Abstimmung vor die angekündigten Proteste zu ziehen und eben dies im Interview zu leugnen.
Oder einen Herrn Caspary der mal kurz in der Bild unterstellt alle Demonstranten wären gekauft oder desinformiert.
Beides ist nicht geeignet Vertrauen zu erhalten.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
oliver_st 24.03.2019, 08:28
5. Tiefes Misstrauen

Der Grund für die anhaltenden Gelbwestenproteste sowie die nach wie vor große Zustimmung zum Brecht ist das tiefsitzende Misstrauen gegenüber den EU Institutionen, die sich immer stärker in unser tägliches Leben einmischen. Europäisches Recht bricht nationales Recht, der Bürger schaut hilflos zu. Jüngstes Beispiel Dieselgrenzwerte die zu Fahrverboten führen, oder Uploadfilter. Das Demokratiedefizit der EU ist unverkennbar und das ist der Grund für die Proteste.
So lange sich die EU nicht grundlegend reformiert, ihre Entscheidungen nicht demokratisch legitimiert und aufhört sich derart in nationale Entscheidungen einzumischen, so lange wird die Unzufriedenheit zu einem. Auch im obrigkeitshörigen Deutschland, dem vorgebetet wird dass es ihm noch nie so gut ging wie heute.
Die Realität sieht für immer mehr ganz anders aus.
Der Deutsche wird es merken wenn er zwangsweise einfache Eautos bauen muss die keiner haben will und sich kaum einer leisten kann!

Beitrag melden Antworten / Zitieren
carbonischuch 24.03.2019, 08:30
6. Wer ist glaubwürdig?

Das Hauptproblem sind eben nicht die "Fake-News" in den sozialen Medien. Ursächlich für die Vertrauenskrise ist die eingefärbt Berichterstattung der "seriösen" Medien und der sogenannten "Öffentlich-rechtlichen". Vor Jahren haben viele diese noch täglich
gelesen bzw. geschaut, dass war eine Selbstverständlichkeit. Aber die nachweislich verfälschte Berichterstattung der letzten Jahre hat Vertrauen zerstört und deshalb glauben viele diesen Medien nicht mehr oder zumindest nicht mehr im vollen Umfang. Dieses ursprüngliche Vertrauen vieler Bürger wurde leichtfertig aus ideologischen Gründen verspielt, die Folgen bekommt man nun zu spüren. Denn erst dadurch sind die Menschen viel offener für die Meinungsmache in den sozialen Medien geworden.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
nachdenker3 24.03.2019, 08:33
7. Nachtdenker

Das Internet legt sehr viel offen, vorallem auch die schiere Inkompetenz vieler Staatsdiener und die vielen komischen , Entscheidungen die diese Leute fällen und wie sie diese umsetzen. Oft gegen jede Vernunft.
Man nehme nur die Beamtensprache als Beispiel , ein so extrem verschachteltes und kompliziertes, oft unverständliches
Konstrukt, das einem die Haare zu Berge stehen... Es ist eine tiefe , den Bürger verachtende Einstellung welche im Grunde dahinter steckt.
Diese Leute denken ohne Zweifel ihnen gehöre der Staat und der Bürger muss von Ihnen auf Linie gebracht werden. Die Menschen merken dies immer mehr. Wut resultiert daraus.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Fuxx2000 24.03.2019, 08:42
8. Zu unkritisch

Wie so oft ist der Artikel viel zu unkritisch. Ohne Frage sind die vielen Fake-News von afd und Co ein großes Problem. Ich bin mir aber sicher, dass dieses Phänomen vor allem ein Symptom ist. Denn tatsächlich wissen wir ja, dass die Politik Entscheidungen trifft, die vor allem gut für die Reichen sind. Am Ende profitieren in unserem aktuellen System immer die oberen 10%. Alle die einen alternativen Weg suchen, werden häufig von den Medien in den Populisten Topf geworfen. Das beste Beispiel ist Bernie Sanders in den USA. Wie der hier von SPON beschrieben wurde grenzt schon fast an gezielte Desinformation. Die Menschen sind frustriert vom politischen System, dass immer nur den Reichen dient und da ihnen über Jahrzehnte von den Medien einindoktriniert wurde, dass es wirtschatfspolitisch niemals Alternativen geben kann, wenden sie sich aus Frust über die Unveränderbarkeit der Verhältnisse der einzigen Alternative zu die noch bleibt: Hass und Wut.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Osservatore 24.03.2019, 08:44
9. Selbstkritik dringend nötig

"Wo die politischen und medialen Institutionen wenig Vertrauen genießen, herrscht auch Misstrauen gegenüber der Wahrheit." Eine kühne Behauptung, Herr Müller, finden Sie nicht? Institutionen = Wahrheit - ist das nicht eher autoritären Systemen eigen?

Sie sollten daher die Fragen nach dem Woher? und Wer ist schuld? (für die Sie schon Orte und Schuldige parat haben) durch die Frage nach dem Warum? ergänzen. Dazu würde eine gehörige Portion Selbstkritik gehören, zu der aber Menschen, die sich im Besitz der alleinigen, allumfassenden und geradezu göttlichen neolibealen "Wahrheit" wähnen, nicht fähig sind. Oder doch? Dann kämen Sie der Wahrheit tatsächlich ein ganzes Stück näher...

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 1 von 20