Forum: Wirtschaft
Brexit und Gelbwesten: Falsche Wahrheiten
AFP

Das Brexit-Desaster und die Gelbwesten-Bewegung zeigen: Demokratie braucht eine solide Faktenbasis, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Wenn der Glaube an die Wahrheit bröckelt, droht Unheil.

Seite 17 von 20
korrekturen 24.03.2019, 15:57
160.

Zitat von kajoter
Ich erinnere mich an eine Besprechung in Deutschlandfunk Kultur. Das ändert trotzdem nichts an der Tatsache, dass die Wahrheits- und Meinungsfindung in jedermanns Verantwortung liegt und dass die Möglichkeiten dazu durch die Vielfalt der Medien gegeben sind. Sie scheinen z.B. vornehmlich zu lesen und zu sehen, ignorieren aber den Rundfunk, und da werden gerade in den DLF-Schwestersendern wöchentlich mehrere sogenannte "Feature"-Sendungen ausgestrahlt, die sich um die Nachrichten kümmern, die für unsere mitteleuropäische Sicht etwas abseitig erscheinen. Oder um Themen, die einen tieferen Hintergrund haben - wie z.B. die Oligarchie in Russland, die politische Entwicklung in Venezuela oder die Zusammenhänge in puncto Fllüchtlingsströme aus Afrika. Mit anderen Worten: Ihre erste Darstellung war mir eindeutig zu nahe an diesem "Lügenpresse".-Unfug. Dagegen behaupte ich, dass sich wirklich jeder Deutsche eine gut fundierte Meinung bilden kann - so er denn will.
Ich habe einige konkrete Punkt erwähnt, die meiner Meinung nach schwache Punkte in der Berichterstattung darstellen. Ich sehe keine substantielle Antwort von Ihnen. Selbstverständlich höre ich auch gern Radio (aber weniger oft als früher), insbesondere DLF und ich hatte gesehen, dass DLF anscheinend als einzige Media etwas über Todenhöfers Buch gesendet haben. Aber das ist eine Ausnahme, die an der Tatsache nichts ändert, dass mehr zu erwarten wäre.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ruhepuls 24.03.2019, 16:00
161. Der Mensch handelt nicht gegen sich - oder nur selten...

Zitat von jukoma
ist für den einzelnen weniger wichtig als die eigenen Interessen! Ein Grundproblem... Deshalb gibt es auch nicht die gute Demokratie und die böse Diktatur, sondern die Unterscheidung nur im Kopf. Wir „guten Demokraten“ leben seit Jahrzehnten und länger auf Kosten anderer (Rohstoffe und Arbeitskräfte). Im Zeitalter der Nationalstaaten gut zu verdrängen, aber durch die Globalisierung rückt das Problem näher. Trotzdem verdrängen wir dieses Problem wie viele andere auch. Wahrheit kann verdammt unangenehm sein. Wir zitierten Salomos Sprüche heute noch -und das war ein diktatorisches System. Und es besteht die Gefahr, dass die Demokratie wie in der Weimarer Republik scheitert und zerbricht, diesmal aber global! Manche ahnen es, keiner jedoch kann den Prozess aufhalten! Lernen wir wirklich aus der Geschichte? Wir wirbeln tagespolitischen Staub auf und gehen die Grundprobleme nicht an. Leider sehr entmutigend und frustrierend. Und wir lernen aus der Geschichte nicht, dass man manchmal gegen eigene Interessen zum Wohle aller entscheiden muss. Führen dafür aber immer sogenannte „Sachzwänge“ an. Das Kind wird wieder in den Brunnen fallen wenn nicht ein Wunder geschieht!
Es geht weniger darum, dass die Erkenntnis oder Diagnose nicht da wäre, sondern vielmehr darum, dass die Medizin nicht gut schmeckt.
Jeder Ex-Raucher weiß, dass es fast unmöglich ist, aufzuhören, solange die Unannehmlichkeit des Weiter-Rauchens nicht viel größer ist, als die - vermutete - Unannehmlichkeit des Aufhörens.
Wir wissen, wo es klemmt, aber es zu ändern würde bedeuten auf viele, lieb gewonnene Gewohnheiten zu verzichten. Und da drückt sich jeder davor - und zeigt lieber auf den Nächsten.
Wir werden erst dann etwas ändern wollen, wenn uns bereits die Hose brennt. Und dann ist es vermutlich zu spät. Die Menschheitsgeschichte zeigt den immer gleichen Prozess.

Und ja, ich glaube, dass demokratische Systeme nicht wirklich reformfähig sind, weil diejenigen, die sich reformieren müssten, dies natürlich nicht wollen. (Bevor jetzt wieder jemand denkt, ich meinte nur die Politiker: Ich meine uns alle!).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
pepe-b 24.03.2019, 16:03
162. @-su-

Wir diskutieren hier, wann man etwas als demokratisch legitimiert betrachtet. Ich halte es für absolut legitimiert, wenn bis dato 28 demokratisch gewählte Regierungen eine EU-Kommission wählen und bis dato 28 demokratisch gewählte Regierungen jede einzelne Verordnung oder Richtlinie absegnen muss (nein, NICHT die EU-Kommission) und das dann noch ZUSÄTZLICH noch das EU-Parlament UND nationale Parlamente zustimmen bzw in nationales Recht gießen. Und dass SIE meiner Feststellung ausweichen, dass die deutsche Regierung weniger demokratische Legitimation hat als die EU-Kommission, zeigt, dass Sie nicht zugeben möchten, dass Sie sich mit diesem Scheinargument verrennen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
paretooptimum 24.03.2019, 16:10
163. Das Internet zeigt die Heuchelei auf

Golanhöhen sollen laut Trump zu Israel gehören. Jerusalem soll auch ganz zu Israel gehören. Tibet wird von China besetzt. Die Krim wird von den Russen besetzt. Wo ist da jetzt der Unterschied? Die Russen sind böse und werden Sanktioniert, die Chinesen brauchen wir und die Israelis sind die guten. Tja und da wundert man sich, dass die Leute das Vertrauen verlieren. Entweder es gibt allgemeingültige Regeln oder es wird mit zweierlei Maß gemessen (oder dreierlei). Wie heißt es bei Pippi L. so schön. "Ich mach mir die Welt, wie sie mir gefällt"

Beitrag melden Antworten / Zitieren
charlik 24.03.2019, 16:49
164. Schwammiges Artikel

Selbst das Konzept von „Fake News“ ist schwammig.
Mir stören zwei Sachen 1) Relotius wird hier gar nicht erwähnt 2) Die Vorliebe der Presse für Twitter als Nachrichtenquelle wird gar nicht thematisiert. Dieses „microcosmic rumor mill“ ist doch das perfekte Pendant zu den sogenannten Fake News, die uA über Facebook erstellt werden.
Zum Schluss wird im Artikel „Wahrheit“ mit den Meldungen der Staatsorganen assimiliert.

In Wahrheit findet einfach keine professionelle journalistische Berichterstattung mehr statt. Anstatt den Bürgern anhand von (macht-)unabhängigen, seriösen und präzisen Recherchen und Berichten bei ihrer Meinungsbildung zu unterstützen wird ihnen nur noch einen hastig zusammengestellten Brei serviert oder aber auch zur Ablenkung nur noch Lifestyle Themen (Essen, Sex, Schlaf, Gender, Klatsch...) oder mal wieder ein Trump-Artikel, wenn die Macht von Merkel durch seriöses Berichten wieder hätte bröckeln können.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
GeMe 24.03.2019, 16:49
165. @biber01 Heute, 15:44: 25% Weltoffene

Zitat von biber01
Glücklicherweise hat die Friedrich-Ebert-Studie gezeigt, das die "Weltoffenen" nur 25% der Bevölkerung ausmachen. Ein größerer Anteil würde meiner Meinung nach für dieses Land den Untergang bedeuten
Ich sehe es genau umgekehrt. Wir haben viel zu wenige weltoffene Menschen in diesem Land.
Ich arbeite in einer Firma mit weltweit ca. 600 und in Deutschland 450 Mitarbeitern aus mehr als 20 Ländern. Wir haben Niederlassungen und fast 20 Ländern und Kunden in 50 Ländern. Ohne Weltoffenheit könnten wir die Bude zu machen.
Was wir brauchen, das sind die Vereinigten Staaten von Europa und nicht den nationalistischen Quatsch eines Europas der Vaterländer, in dem unsere Kinder und Enkel dann wieder "Die Wacht am Rhein" singen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
BurgRitter 24.03.2019, 16:58
166. Der Generalverdacht

gegen Alle, entsteht wohl überwiegend aus der Ohnmacht der Einzelperson. Egal ob abgebrochene Hauptschule oder Promotion, unvermeidlich stemmen Bürger so gut wie nichts, sie laufen halt einfach in gut oder gering bezahlten Jobs so mit.
Da sind also Schuldige erforderlich. "Dumme" Politiker, "gierige" Unternehmer, Journalisten die "ihre Meinung" als Tatschen darstellen usw. usw..
Der gesunde Menschenverstand, dass Talent in Kette zu denken, eine Sache immer auf verschiedenen Ebenen zu verstehen, ist leider die Ausnahme. Da ist nichts zu ändern, aber bessere, verständlichere Informationen, eine Politik die Allen das Gefühl vermittelt, mitgenommen zu werden, erforderlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
whitemouse 24.03.2019, 17:19
167. Auch bei uns

Auch bei uns wird Politik auf reine Gefühle oder auf Lügen gestützt. a) Der Atomausstieg war allein auf negative Gefühle nach Fukushima gestützt. b) Der Braunkohleausstieg wird schlicht auf Lügen gestützt. Tatsache ist, dass sein Effekt für das Weltklima praktisch gleich Null ist.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
ip0 24.03.2019, 18:33
168. Britische konservative

Politiker haben ihre Wähler in der Brexit Debatte vorsätzlich belogen.
Macron gibt den modernen Europäer während er versucht auch in Frankreich endlich den Neoliberalen Raubzug durchzuführen und auf Proteste mit Waffengewalt reagiert.
In Deutschland schützt die GroKo eine zutiefst kriminelle Automobilbranche, blockiert den Umweltschutz, unterstützt Steuerhinterzihung und hetzt gegen Ausländer...
Als progressiver demokratischer Europäer kann ich das Misstrauen jeder/s Aktivistin/en links und rechts verstehen.
Solange Lobbiismus keine Straftat und Bestechlichkeit im Amt kein Kapitalverbrechen ist wird das Vertrauen weiter abnehmen und interessante Analysen wie dieser Artikel zu kurz greifen.
You simply don’t trust them because they are proven liars.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
anja-boettcher1 24.03.2019, 18:55
169. Qualität faktischer Darstellung

Das Ausmaß der von vielen Menschen erfahrenen Asymmetrie von sozialem Gewicht und Einfluss und die daraus erodierende Basis des Zutrauens der Menschen in die demokratische Verfasstheit dieser Gesellschaft und ihrer kommerziellen wie ö.r. Medien machen jede weitere Meinungszensur wie eine Fortführung des Meinungsmanagements unsinnig: Eine Lektüre von mehr als drei Zeilen eines weiteren Meinungsartikels wie hier, ohne eine ernsthafte Beendigugn eines Kampagnenjournalismus für die Interessen und zur Bestätigung des Lebensgefühls einer Minderheit, sorgt eh bei einer Mehrheit nur noch zum Abschalten.

Wenn die Medien, wie der Spiegel hier weiter Kritik zensieren, sind sie am Ende. Denn die Qualität unserer Medien ist, mit der Asymmetrieentwicklung des Neoliberalismus erbärmlich geworden. Zwischen Fakten und Meinungen wird hier schon lange nicht mehr unterschieden. Moralisieren, das nur der Selbstinszenierung des Schreibeden dient, hat lange eine moralisch verantwortliche Haltung im Sinne Kants, nämlich eine, in der die, die falsch handeln, Verantwortung dafür übernehmen, abgelöst. Nachrichten erfolgen im Konjunktiv (Hysterie über eine vermeintliche "Destabilisierungstätigkeit" der Russen, die nie nachgewiesen wurde), während unbequeme Recherche gegen Machtmissbrauch eigener Machtträger nicht mehr ausrecherchiert wurde. Unglaubwürdige tendenziöse "Quellen" von NGOs und nebülösen Bloggern ersetzen gesichert recherchierte Tatsachen, die nach dem Maßstab von Recherche, der Wissenschaft oder sich verbürgender öffentlicher und verbindlicher Auskünften von Amtsträgern Verbindlichkeit beanspruchen können. Unsägliche Emotionalisierung durch ein am Nudging orientiertes "Wording" zeigt, dass die Leser nicht mehr ernst genommen werden - obgleich sie so viel gelernt haben wie die Journalsiten auch. Die Destabilisierung der Gesellschaft leitet sich aus der mangelnden Seriösität derjenigen Funktonsträger ab, die von ihr profitieren. Gegen Kritik wurde sich mehr als ein Jahrzehnt nur immunisiert. Stattdessen konnte man der Haltung in Politik und Medien nur die Worte Bert Brechts entgegensetzen: "Wäre es nicht besser, die Regierung löste das Volk aus und wählte ein Neues?" Die Hybris, mit der unterstellt wurde, die Leute wären nicht in Kontrolle über die eigenen Erfahrungen und Interessen, denen nun Politik und Medien zu dienen haben, zumindest der Mehrheit der Menschen, wurde imer unerträglicher. Noch immer wird kategorisch die Einsicht abgeblockt, dass - wie immer - der Fisch vom Kopf her stinkt. Oben wurde diese Gesellschaft seit den neoliberalen 90ern verbaselt - nicht primär "unten". Die Prenzlbergschickeria-Generation sind wie die jungen Buddenbrooks: Während die erste Generation diese Republik aufgebaut hat, die zweite solide verwaltet, haben die seit den 90ern tätigen in ihrer Dekadenz nur Abrissarbeit betrieben - und verweigern die Einsicht. Weitere Plädoyers sind nutzlos: Dient endlich selbst dieser Gesellschaft und bringt endlich Leistung statt Meinungsmache - wie jede Krankenschwester und jeder Bauarbeiter das auch muss. Sonst könnt Ihr Eure Labels einfach einsargen. Was sollen die Leute damit?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 17 von 20