Forum: Wirtschaft
Brexit und Gelbwesten: Falsche Wahrheiten
AFP

Das Brexit-Desaster und die Gelbwesten-Bewegung zeigen: Demokratie braucht eine solide Faktenbasis, um vernünftige Entscheidungen treffen zu können. Wenn der Glaube an die Wahrheit bröckelt, droht Unheil.

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labuday 24.03.2019, 09:07
20. Ihr Schluß ist nicht korrekt., es kann wenig Vertrauen in

Zitat von Osservatore
"Wo die politischen und medialen Institutionen wenig Vertrauen genießen, herrscht auch Misstrauen gegenüber der Wahrheit." Eine kühne Behauptung, Herr Müller, finden Sie nicht? Institutionen = Wahrheit - ist das nicht eher autoritären Systemen eigen? Sie sollten daher die Fragen nach dem Woher? und Wer ist schuld? (für die Sie schon Orte und Schuldige parat haben) durch die Frage nach dem Warum? ergänzen. Dazu würde eine gehörige Portion Selbstkritik gehören, zu der aber Menschen, die sich im Besitz der alleinigen, allumfassenden und geradezu göttlichen neolibealen "Wahrheit" wähnen, nicht fähig sind. Oder doch? Dann kämen Sie der Wahrheit tatsächlich ein ganzes Stück näher...
die Institutionen und Medien geben und trotzdem kein Mißtrauen gegen die Wahrheit.

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DJ Doena 24.03.2019, 09:12
21.

Zitat von bassemoluff
....Sozial Media zusammen. Hier werden Gerüchte und Erwartungen gestreut, vom Ausland(Russland, China, USA...) aber auch von Lobbyisten die dann tausendfach weiter verbreitet werden.
Ja und nein. Social Media und das Internet als Ganzes sind eine Axt, mit der von beiden Seiten an den Baum der Demokratie geschlagen wird und die sie zu Fall bringen kann.

Von der einen Seite sind es die von Ihnen angesprochenen Fake News und Lobbyisten.

Von der anderen Seite hackt aber auch die wirklich wahrheitssuchenden Leute daran herum. Vor dem Internet musste man einfach glauben, was die Tagesschau und Heute zu einem Thema zu sagen hatten. Wenn da eine junge, vergewaltigte Frau vor die UNO trat und verkündete, dass Krieg die einzige verbliebene Option sei, dann musste man das glauben, weil man ja nur seine Kumpels vom Skatabend hatte und die wussten auch nicht mehr als das.

Mit der weltweiten Vernetzung ist es aber viel einfacher, echte Augenzeugenberichte von Orten am anderen Ende der Erde zu bekommen und wenn uns dann öffentlich ein Narrativ souffliert werden soll, aber die eigene Nachrecherche zu völlig anderen Ergebnissen kommt, dann entsteht eine Dissonanz, die ebenfalls Misstrauen in das Wort von der Kanzel streut.

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whgreiner 24.03.2019, 09:13
22.

"... bösartige Fake News, in die Welt gesetzt von Propagandisten, Aktivisten oder Geheimdiensten und verbreitet über soziale Netzwerke, genauso wie seriöse Presseberichte, deren Wahrheitsgehalt von den Nutzern zu Unrecht in Zweifel gezogen wird."

Dort also die bösartigen Lügner, und hier der Hort der Wahrheit... Ob das nicht gerade die allerdickste Fake-News ist, sozusagen die Mutter aller Lügen?

Ansonsten kann man den Inhalt des Artikels auch ganz banal kurz fassen: je öfter die Leute merken, dass sie angelogen werden, desto weniger Vertrauen haben sie.

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erla974 24.03.2019, 09:14
23. die Wahrheit

Die zentrale Frage, was Wahrheit ist und dass es verschiedene Wahrheiten, je nach Blickwinkel, geben kann, wird hier einfach abgetan. Eigentlich ist das ja eine einfache Frage - seltsam, dass so viele erkenntnistheoretische Texte existieren. Ich empfehle dringend deren Lektüre. So scheint der Autor festzusetzen, dass die staatlichen Institutionen immer Wahrheit verkünden. Doch Politik ist eben Manipulation der Massen - Kohl spricht von blühenden Landschaften und gewinnt haushoch eine verloren geglaubte Wahl, Lafontaine sagt die "Wahrheit", dass das nicht so einfach sein wird und viel kostet und verliert. Vielleicht hat ja die Politik auch ein bisschen damit zu tun, dass sich die Menschen von ihr abwenden ? Und wenn Gelbwesten dagegen demonstrieren, dass Sozialhilfe weit unter der Armutsgrenze ausbezahlt wird und weiter gekürzt werden soll, aber der Wirtschaft per se Steuern erlassen werden, weil sie dann vielleicht und mit viel Glück investiert (was aber der Gewinnmaximierung widerspricht und daher nicht passiert), und dann gesagt bekommt, es sei indiskutabel da irgendwas zu ändern, hat es wenig mit fake news zu tun, sondern mit im besten Falle schlecht kommunizierter Politik

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joke61 24.03.2019, 09:19
24.

Zitat von labuday
daß es seine subjektive Meinung (woher stammt die Erkenntnis ? wie messen Sie die Erkenntnis ? Welche Umfragen belegen Ihre Aussagen ?), als die richtige hinstellt. Ihr Stammtisch, Ihr Freundeskreis oder wer stellt solche, nicht mit Fakten belegten, Aussagen in die Welt ? Und wenn so viele Menschen frustriert sind, hätte ich da eine einfache Frage: warum wird dann immer wieder dieses System gewählt ? Können Sie das erklären ? Ich schon: es sind nur wenige, die frustriert sind und das heißt doch, daß alles richtig läuft.
Irrtum! Man wählt für sich das geringere Übel. Das heißt noch lange nicht, dass alles richtig läuft. Und die Menschen die frustriert sind, nähern sich den 40%!

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danduin 24.03.2019, 09:20
25. Da steht Spiegel selbst in der Kritik

Die Presse muss verschiedene Seiten berücksichtigen, und nicht die Meinung des Journalisten oder des Magazins. Das macht Spiegel im Übrigen auch nicht. Fakten müssen ordentlich recherchiert werden. Welche Zeitung macht das noch heutzutage.

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pterodactylus 24.03.2019, 09:20
26. Vor 17 Jahren

sagte Gerhardt Schröder "Diese Art von Kakophonie auch aus den eigenen Reihen ist einer gemeinsamen Politik absolut unzuträglich". Heute haben wir die Kakophonie auf anderer Ebene, in hunderten und tausenden von Nuancen von Berichterstattung, von der jede eine andere Sichtweise auf das selbe präsentiert. Das Problem der Kakophonie ist geblieben: sie ist verwirrend, destrukturierend, es muss in einer Zeit, in der persönliche Zeit immer knapper wird, Arbeit hinein gesteckt werden von jedem Einzelnen, um eine Ordnung herzustellen - und diese ist dann wiederum nur eine stark lokalisierte Sichtweise. Das Problem ist nicht mehr die fehlende Information sondern die Struktur der Präsentation.
Umso wichtiger ist eine Institution wie unsere öffentlich rechtlichen Sender, welche politisch unabhängig genug aber mit klarem Auftrag und unbeeinflusst von privaten Einzelpersonen sind und über das Tagesgeschehen so neutral wie menschenmöglich berichten. Daher steht Deutschland noch immer recht gut da, was das Vertrauen in die Politik angeht. Leider fehlt etwas entsprechendes auf Europaebene, und somit sind viele anfällig für Desinformation bzw. können sich schlicht nicht auf einfache Weise rückversichern, was Sache ist.

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Hinrich7 24.03.2019, 09:20
27. Fakten und Emotionen

Fakten schön und gut, die Menschen entscheiden aus dem Bauch heraus wie man so schön sagt. Selbst Kopfmenschen entscheiden zu 90 Prozent aus dem Bauch heraus - nur Maschinen entscheiden zu 100 Prozent nach Fakten (sofern die Algorithmen das zulassen). Brexit folgt dem klassischen Muster der emotionalen Aufladung, es bedurfte eines Absahners wie Nigel der sich mitten in den Brei Europas setzte und absahnte und das auch noch ungestraft verbreiten konnte. Von innen heraus die Institutionen zerlegen und die Brexiters wollten nur zu gerne an das Gute glauben, z.B. das Gesundheitswesen würde wöchentlich Millionen Pfund erhalten wenn nur endlich der Brexit käme. Solche Lügen sind in der Politik weit verbreitet ud auch schnell wieder vergessen - Fakten zählen nur bedingt.

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Dieter Koll 24.03.2019, 09:23
28. Selbstkritik...

Früher gab es Berichte, bei denen von Ereignissen berichtet wurde. Heute ist alles eine Story...eine Geschichte, die allerdings aus dem subjektiv gefärbten Blickwinkel erzählt wird. Dann wird was halbwahres dazugetan oder unliebsame Fakten einfach weggelassen. Jeder Journalist glaubt heute, den Lesern/Zuhörern alles erklären zu müssen.... entweder weil er seine Kunden für unmündig hält, sein Geltungsdrang zu groß ist oder der Druck vom Auftraggeber zu groß ist. Leider passiert es dann häufig, dass der Journalist die Zusammenhänge selbst nicht verstanden hat oder es wissentlich falsch erläutert.
Das große und tiefe Misstrauen gegenüber den "klassischen Medien" ist hausgemacht und meiner Meinung nach hilft da nur noch eine große Katharsis.
Natürlich darf jeder seine Meinung sagen, aber dann bitteschön auch so kennzeichnen. Neulich hat während einer PK ein Journalist gesagt..... "wenn Sie sich nicht über XY äußern, dann müssen wir ja das interpretieren" ..... NEIN, das muss ein Journalist nicht, darf es nicht einmal..... denn ohne Fakten ist alles Kaffeesatzleserei und schlimmstenfalls Latrinenparolen.... es sei denn, er schreibt es..... "Ich glaube dass.... aber weiß es nicht". Das wäre dann ehrlich und jeder könnte damit umgehen, wie er will.

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s.l.bln 24.03.2019, 09:23
29. Schon klar...

Zitat von Fuxx2000
Wie so oft ist der Artikel viel zu unkritisch. Ohne Frage sind die vielen Fake-News von afd und Co ein großes Problem. Ich bin mir aber sicher, dass dieses Phänomen vor allem ein Symptom ist. Denn tatsächlich wissen wir ja, dass die Politik Entscheidungen trifft, die vor allem gut für die Reichen sind. Am Ende profitieren in unserem aktuellen System immer die oberen 10%. Alle die einen alternativen Weg suchen, werden häufig von den Medien in den Populisten Topf geworfen. Das beste Beispiel ist Bernie Sanders in den USA. Wie der hier von SPON beschrieben wurde grenzt schon fast an gezielte Desinformation. Die Menschen sind frustriert vom politischen System, dass immer nur den Reichen dient und da ihnen über Jahrzehnte von den Medien einindoktriniert wurde, dass es wirtschatfspolitisch niemals Alternativen geben kann, wenden sie sich aus Frust über die Unveränderbarkeit der Verhältnisse der einzigen Alternative zu die noch bleibt: Hass und Wut.
...und aus Wut über Politiker, welche vermeintlich dem Kapital dienen, wählt "der kleine Mann" dann den übelsten neoliberalen Haufen, hervorgegangen aus dem rechten Flügel der FDP, welcher am liebsten sämtliche sozialen Errungenschaften incl. Arbeitnehmerschutz usw. abschaffen würde?

Wer soll diese derart autoaggressiven Wutbürger denn ernst nehmen?
Hier geht es nicht um wirtschaftliche Dinge oder reale Probleme in größerem Ausmaß. Es tobt ein Kulturkampf.
Größere Teile der Gesellschaft haben sich im Verlauf der 70er-80er Jahre weiterentwickelt, sind weltoffener geworden, haben ein Umweltbewußtsein entwickelt und dem Humanismus mehr Raum in der Gesellschaft gegeben.(In der DDR hat diese Entwicklung nicht stattgefunden.)
Dann gibt es weiterhin die Teile der Gesellschaft, die gedanklich noch in der piefigen Kohl Republik verhaftet sind, als man bei der CDU noch mit ausländerfeindlichen Parolen Wahlkämpfe gewinnen konnte.
Diese Leute können nur schwer damit umgehen, daß die Gesellschaft und damit natürlich auch die Politik, die Medien und die Kultur diese Richtung eingeschlagen haben.
Wenn ich in einer Welt lebe, die entgegengesetzt zu meinem persönlichen Weltbild rotiert, empfinde ich das womöglich als Meinungsdiktatur und lege mir ein Realitätsmodell zurecht, das mein Weltbild stützt. Dank Internet finde ich heute andere, die genauso ticken, (oder ich lebe einfach im Osten) und kann mich mit denen zusammen in eine Wut steigern, die am Ende auch mich selbst trifft.
Ein Mensch ist dumm, viele sind dümmer...

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