Forum: Wirtschaft
Brief aus Griechenland: "Liebe deutsche Steuerzahler..."
DPA

Griechenland bittet um weitere Finanzhilfen, Deutschland zeigt sich bislang hart. Dabei wäre ein griechisches Euro-Aus auch für die Deutschen schädlich - und das nicht nur mit Blick auf die nächsten Ferien. Ein sehr persönlicher Hilferuf aus Thessaloniki.

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MannOhMann 19.02.2015, 20:54
20. Na sowas

Sehr geehrter Herr Tsirpas, vielleicht lesen Sie das. Ich bin einer derer die von seiner Arbeitsleistung Ihren Größenwahn mitfinanziert. Ja ich bin einer der in Deutschland seine Steuern bezahlt UND ich bin sehr erfreut wie diese in Griechenland verwendet werden. Sie sehen das falsch, ich habe nichts gegen das griechische Volk, nein ich bin mir der Lage der "einfachen" Menschen bewußt. Dennoch stelle ich mir die Frage wer diese Lage zu verantworten hat ? War es nicht die Korrupten Regierungen ? Waren es nicht die wirklich Reichen die noch heute keine Steuern zahlen ? War es nicht ein korrupter Beamtenapparat ? Hören Sie auf uns für dumm zu verkaufen. Hören Sie auch damit zu versuchen uns in irgendeiner Form Angst zu machen. Griechenland steht bei uns mit einem hohen Milliardenbetrag in der Kreide. Ein Betrag der z.B. unseren Rentnern fehlt. Ein Betrag der unseren Gesundheitssytem fehlt und ein Betrag der zur Sanierung unserer Infrastruktur fehlt. Sie können sich nicht hinstellen und mit leeren Taschen großspurig finanzielle Reformen versprechen und drauf hoffen das der Rest Europas für Sie den Karren aus den Dreck fährt. Für Sie gibt es am Ende nur 2 Szenarien. Entweder man jagt Sie mit Schimpf und Schande aus Griechenland weil Sie Ihre Wahlversprechen nicht halten können und Griechenland in noch größere Armut stürzen ODER Sie begreifen endlich das vor dem nächsten Geld ausgeben erst mal sparen angesagt ist. Mir ist dabei reichlich egal ob Griechenland jeden Tag in meinem Browser oder auf meinem Tablett erscheint. Wissen Sie es gibt Add-Blocker und diese kann man ganz gut anpassen. Das Deutsche Volk ist nicht gegen HIlfe für ein in Not geradenes Land. Ganz im Gegenteil - NUR das Deutsche Volk läßt sich nicht für dumm verkaufen. Auch ist nicht die Frage ob 2 Millionen Deutsche Urlaub in Griechenland machen. Die Sache ist doch ganz anders - Deutsche Urlauber = Einnahmen in Griechenlands Kassen. Aber ich bin mir sicher das Sie schon im Sommer merken wieviele Deutsche wirklich noch kommen. Denn in anderen Ländern schlägt uns kein Hass für unser Geld entgegen (siehe Kommentare in diversen Zeitungen). Wir Deutsche sind ein einfach gestricktes Volk. Wir gehen auf unsere Arbeit, sind pünktlich und zuverlässig. Arbeiten an Perfektion und mit Weitsicht. Griechenland stellt sich für mich da etwas anders dar und für mich gibt es keinen Ansatz hier eine weitere Unterstützung anzudenken. Den solange das gelieferte Geld sinnlos versickert, können wir das im eigenen Land besser einsetzen.

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NicksAlleVergeben 19.02.2015, 20:56
21. Wenn der ayberger darf, will ich auch

Das ist alles sehr traurig.

Herr Böcking bearbeitet uns mit Herrn Christides auf eine Art und Weise, die mit normaler Berichterstattung nichts mehr zu tun hat. Ich würde nicht peinliche persönliche Briefe öffentlich an das griechische Volk dengeln, alleine, weil ich kein Forum hätte.

Ich will auch das Schreiben Herrn Christides nicht im Detail zerrupfen, aber dieses folgende Beispiel zeigt schön, warum es den Griechen geht, wie es ihnen nun geht und warum sich daran in den letzten fünf-sieben Jahren nichts geändert hat (freilich sind da dennoch unglaublich viele Fehler und Sentimentalitäten enthalten, dass es wirklich schmerzt):

Zitat von
Mitten in seiner tiefsten Krise hat Griechenland dem Irak mehr als die Hälfte seiner Schulden erlassen, der Rest muss erst ab 2019 zurückgezahlt werden
Genau, Herr Christides! Weil Ihr Land Geld nicht eintreibt (siehe Steuern...) haben Sie nun auch nichts mehr. Sie "verhungern" angeblich, aber erlassen anderen generös Schulden, um sich dann selbst was zu leihen. Das hat was von einer Suchterkrankung.

Ihr Land, Herr Christides, hat dem Irak Geld erlassen auf meine Kosten. Wenn Sie das - oder sonst jemand - anders sieht, soll er sich mal mit aktuellen Minuszinsen und der EZB-Politik befassen. Ich zahle de facto.

Bizarr auch der Hinweis auf den Urlaub. Ich war noch nie in Griechenland, was ich bislang schade fand. Aber ich war in vielen anderen schönen Ländern. Und bei so einem weinerlichen Beitrag wie dem von Herrn Christides denke ich, dass ich auch in absehbarer Zukunft nicht nach Griechenland fahren werde.


Ob Herr Böcking das hier auch alles wieder ins Englische übersetzt, damit Herr Christides dann auch lesen kann?

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mahrud 19.02.2015, 21:03
22. Charmant, aber...

Wie üblich sollen die anderen Schuld sein an Griechenlands Misere, vor allem im Falle eines Grexit.
Erstaunlich ist vor allem, wie Sie sich für diesen Fall die Entwicklung der Drachme gegenüber dem Euro vorstellen.
In diesem Punkt schüren Sie falsche Ängste.
Schreiben Sie lieber einen Hilferuf an Ihre Regierung in Athen, auf Last-Minute-Taschenspieler-Tricks, Spaltungsversuche und Erpressung zu verzichten.
Leider hat es die Regierung Tsipras falsch angefangen und viele Gutwillige verprellt, auch hierzulande.
Da ein Grexit Griechenland selbst am härtesten trifft, sollte Griechenland sich auch am stärksten für seine Verhinderung einsetzen.

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nofreemen 19.02.2015, 21:10
23. Falscher Ansatz

Griechenland muss denDrachmen Einführen und keine Hilfe mehr annehmen. Deutschland muss die Märkte verlieren mit dem teueren Euro. Dafür kann Griechenland selbet prifuzieren und vieles Exportieren mit dem billigen Drachmen. Der Import würde allerdings vermehrt aus Asien kommen müssen wo es richtig billig ist. Griechenland würde nicht verarmen nur weil das Preisniveau tief wäre. Aber Europa wird sich die Augen reiben, ganz klar. Die Finanzhaie möchten ja die Dinge selber schaukeln.

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chrisbatt 19.02.2015, 21:14
24. Schuldenerlass essen Seele auf

Sehr geehrter Herr Christides,

ich kann Ihrer Einschätzung in den meisten Punkten nicht zustimmen. Die Griechen sind offensichtlich ein sehr stolzes Volk, wie kann da ein Erlass von Schulden eine für das Volk befriedigende Lösung sein? Es dürfte klar sein, dass gefühlte 80% der griechischen Schulden eigenverantwortlich entstanden sind, durch einen nachlässigen Staat und ein zu undiszipliniertes Sozialverhalten der Bevölkerung. Ein stolzes Volk möchte aber die Möglichkeit haben, seine Schulden auf Heller und Pfennig zurückzahlen zu können - und diesem Grundbedürfniss sollte auf keinen Fall durch einen Schuldenerlass entgegengewirkt werden. Der griechische Bürger würde dadurch seinen Stolz, seine Seele verkaufen! Auch ich bin schockiert, dass ein vermeintlich zivilisiertes Land wie Griechenland in so kurzer Zeit Vertrauen zerstören kann, ein Grexit würde die Eurozone bereinigen und auf ein qualitativ hochwertigeres Niveau bringen, denn so wie Griechenland, seine Politiker - und auch ein Großteil seiner Bevölkerung - sollte sich in Europa heutzutage niemand mehr aufführen. Europa hat durch Griechenland sehr großen Schaden genommen. Die genannten 50 Mrd. wären zwar weg, aber die deutsche Bevölkerung würde den Verlust kaum spüren. Die Eurozone könnte durch einen Grexit wertvolle Erfahrungen sammeln, für die Zukunft und andere Mitgliedsländer die sich nicht an Regeln halten möchten wären gewarnt. Eigentlich kann der Eurozone nichts besseres passieren als ein Grexit, der hoffentlich kommen wird. Griechenland muss jetzt endlich lernen, Verantwortung für sein Handeln zu übernehmen.

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KJB 19.02.2015, 21:31
25. Falsche Schlussfolgerungen

Einige Schlussfolgerungen sind schlichtweg falsch oder nicht zu beweisen.
1. Wenn Person A, der Schuldner, insolvent ist und eine Besserung der finanziellen Lage beim Schuldner nicht zu erkennen ist, z.b. in Form von einer Verbesserung der Effizienz etc. dann schießt Person B kein weiteres Geld nach sondern muss einsehen das er als Gläubiger sein Geld abzuschreiben hat. Das ewige Geld nachschießen Spiel hat wie in der Privatwirtschaft auch in der Staatsfinanzierung mal ein Ende.
2. An einer möglichen Hyperinflation eines Drachme Regimes hätten wir absolut keine Schuld. Es ist die freie Entscheidung der Griechischen Regierung/Notenbank ob sie ihre Ausgaben/inländischen Schulden mittels Notenpresse bedienen oder nicht. Eine Option dies nicht. Zu tun wäre zb. Überflüssige Staatsbedienstete zu entlassen, senkt schon mal immens den Staatshaushalt. Griechenland könnte auch Militärische Beistandsverträge abschliessen und sein Militär auflösen/radikal schrumpfen.
3. Im Falle des Grexit verliert Deutschland nur Griechenland als Absatzmarkt, verschmerzlich.
4. Die Strukturen und Voraussetzungen in anderen Krisenländern sind gänzlich andere, ein Dominoeffekt ist mittlerweile minimal.
5. Griechenland als Vorbild? Möglicherweise, dies würde sich jedoch frühestens in 5-8 Jahren in realwirtschaftlichen Zahlen zeigen. Ein Zeitraum in dem der restliche Euroraum nicht still steht und Däumchen dreht.
6. Privat habe ich die Erfahrung gemacht das insbesondere in Urlaubsregionen Griechenlands die Bevölkerung sehr freundlich zu Deutschen Gästen ist weil Sie der Garant für ihren Lebensunterhalt sind. Die wären auch ganz schön doof wenn sie die Deutschen welche ihre Dienstleistungen kaufen und damit Jobs und Einkommen sichern vergraulen würden.
7. Wirtschaftsleistung hin oder her, ein Schuldenerlass erhöht die Pro Kopf Verschuldung in Deutschland und die Schuld muss ebenso bedient und erwirtschaftet werden.

Für Fehler muss man gerade stehen, in Griechenland wurden einfach zuviele Fehler gemacht. Wenn man langfristig mehr ausgibt als man einnimmt ist man irgendwann pleite. Es liegt leider auch an der Mentalität vieler Griechen, ich sage nicht aller, aber viele haben sich in den Staatsdienst geflüchtet, erwirtschaften keinen Mehrwert, sorgten eher dafür das ihre Jobs gesichert und die Nachfrage hoch blieb durch immer mehr Bürokratie die es der Mehrwertschaffenden Bevölkerung immer schwerer machte global wettbewerbsfähig zu bleiben. Did Suppe müssen jetzt die Griechen schon selber auslöffeln.

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eckbusch 19.02.2015, 21:54
26.

Dieser Brief erinnert mich an den Bettler mit dem Schild vor der Brust "lieber betteln als stehlen", was ich immer als Unverschämtheit empfinde, weil ja das "Stehlen" als einzige Alternative mich zwingen soll, ihm was zu geben. So ist auch hier: dieser Brief an die Deutschen malt ein Horrorszenario für den Fall, dass nicht weiter gesponsort wird. Im Grunde ein Drohung.
Grexit auf jede Konsequenz hin ist das Richtige, sowohl für das griechische als auch für das deutsche Volk. Kein normal arbeitender Mensch in Europa hat(te) den geringsten Vorteil durch den Euro; nur die Fettesten wurden noch fetter.

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großwolke 19.02.2015, 21:57
27.

Keine gute Polemik, dieses Briefchen. Um mal die Fakten gradezurücken:

1. Die meisten "deutschen Steuerzahler" sind inzwischen soweit, dass sie die 50 Mrd. Euro mit Freuden abschreiben würden, wenn sie dafür sicher sein könnten, dass es bei diesem Betrag bleibt.

2. Schauen Sie mal Richtung Kosovo. Oder Libyen. Oder anderen Failed States. Deutsche Nachrichten würden sich höchstens noch aus einem Grund mit Griechenland befassen: Wenn griechische Wirtschaftsflüchtlinge in Horden die Heimat verlassen, um am Wohlstand der EU teilzuhaben. Wobei in meinen Augen nicht mal das eine Katastrophe wäre. Diejenigen, die losgehen, gehören selten zu den Faulen...

3. Griechenland wird nicht zum Erfolgsmodell, egal mit welcher Währung. Jedenfalls nicht allein aufgrund dieser Währung. Möglich, dass Griechenland neue Stärken gewinnt, dass die Krise ungeahnte Talente erwachen lässt. Andere Länder werden sich das jedenfalls genau ansehen und kritisch analysieren, wo das Wunder herkommt, wenn denn eines kommt. Und sich dann sehr genau überlegen, ob sie dazu auch fähig sein könnten, bevor sie die Segnungen der Währungsunion in den Wind schlagen.

4. Schauen Sie nach Ägypten. Oder nach Bulgarien. Wo der Tourismus eine der wenigen Quellen guter Einkünfte ist, findet man Wege, seine Goldesel zu schützen. Selbst vor der lokalen Mafia oder religiösen Eiferern. Zumal es da ja noch jede Menge anderer Nationalitäten gibt, die der Effekt einer schwachen Drachme ebenfalls anziehen wird, so dass die Deutschen in diesem Mix sicher kaum noch herausstechen werden.

Ganz persönlich sage ich Ihnen: Sie sollten darauf hoffen, dass keiner mehr einlenkt, dass die Pleite kommt. Egal ob Schuldenschnitt oder Zahlungsunfähigkeit, erst wenn der tiefstmögliche Punkt erreicht ist, wird es bei Ihnen wieder nachhaltig aufwärts gehen können. Insofern bin ich ganz bei Ihnen, wenn Sie die europäischen "Hilfs"angebote in ihrer jetzigen Form vielleicht ablehnen.

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hartmannulrich 19.02.2015, 21:59
28. Zwei Fragen

1. Will Griechenland nun bildlich gesprochen Geld für eine Herzoperation (sprich: um wieder selbständig leben zu können) oder für den Computer (d.h. zum Verbrauch)?
2. Wird der Verfasser so einen freundlichen Brief auch an die Steuerzahler in der Slowakei schreiben? Die sind ärmer als die Griechen und sollen trotzdem für sie zahlen.

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lemmy01 19.02.2015, 21:59
29. Wie üblich kein Blick nach vorne!

Nachdem mein letzer Beitrag(sversuch) nicht veröffentlicht wurde, versuche ich es jetzt nochmals etwas moderater formuliert.

Würde ich so einen Brief schreiben, wäre meine Vorgehensweise eine andere. Ich würde schreiben, dass früher vieles schief gelaufen wäre, aber Griechenland nun endgültig raus aus diesem "Loch" möchte. Also auf eigenen Beinen stehen möchte, weil Steuern tatsächlich erhoben werde und eine effiziente und bestechungsfreie Verwaltung eingeführt wird. Und dazu braucht man halt noch einmal die Unterstützung der anderen Euro-Länder.

Davon steht in diesem Brief aber überhaupt nichts. Es steht drin: Auch nach einem GREXIT nervt Griechenland noch die anderen Euro-Staaten. Auch nach einem GREXIT wird der Urlaub in Griechenland nicht schöner/preiswürdiger.

Zum letzten Punkt: Warum Urlaub in Griechenland? Viele Länder haben sonnenverwöhnte Strände und einen reichen kulturellen Hintergrund.

Insgesamt: Wäre der Brief der Business Plan eines start ups um bei Investoren Geld einzusammeln: 0 Euro. Der Brief reicht noch nicht einmal aus um zur Solidarität aufzurufen.

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