Forum: Wirtschaft
Brüchiges Dogma Privatisierung: Warum die britische Regierung jetzt wieder Zugstrecke
AFP

Die britische Regierung muss die Zugstrecke zwischen London und Edinburgh wieder verstaatlichen - ein peinlicher Rückschlag für die konservativen Tories. Die Opposition und große Teile der Bevölkerung fühlen sich bestätigt.

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rantanplan67 21.05.2018, 14:09
80. Naja, aber nur hierbei.

Die Zerschlagung, Pardon, Moderniesierung und Privatisierung des Gesundheitssystems NHS wird viel besser.... sie sind ja schon dabei das NHS so schlecht zu machen, dass das was danach kommt nur besser werden kann.... will die Regierung der Bevölkerung jedenfalls weismachen....

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h2714227 21.05.2018, 14:11
81. Arriva...

Zitat von ach
https://www.youtube.com/watch?v=5KiZGRA_yCE Auch ein interessanter Einblick in das Problem. Hat sich also für Vertragsanwälte voll ausgezahlt die Sache...
Das Beispiel ist noch viel schlimmer, von den drei Betreiber die dort gennant werden sind 2 Tochterunternehmen von Arriva (Northern und Chiltern Railways). Und Arriva ist vollständig im Besitz der Deutschen Bahn. Mit anderen Wort der Deutsche Staat ist auch ganz vorne beim Ausnutzen von Vertragsfehler in UK dabei.

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robr 21.05.2018, 14:14
82. Auch in Deutschland gibt es Probleme...

Zitat von
Ein Beispiel: Ein Jahresticket auf der krisengeschüttelten, rund 80 Kilometer langen Strecke Brighton-London kostet derzeit 4320 Pfund - das sind fast 5000 Euro
Auch in Deutschland gibt es Probleme. Aber für weniger Geld gibt es schon die Bahncard 100, womit man dann ein ganzes Jahr durch ganz Deutschland fahren kann.

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KlausMeucht 21.05.2018, 14:14
83. Konkurrenz?

Zitat von kluch
Negativbeispiele gibt es bestimmt auch. Ein bisschen Konkurrenz kann am m.E. nicht Schaden. Die bodenlose Arroganz und Respektlosikeit vieler Zugbegleiter der DB zeigen, was passiert wenn ein Unternehmen behördenartig arbeitet und nur unkündbare Mitarbeiter hat.
Googeln sie mal nach dem Begriff "natürliches Monopol"

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cobaea 21.05.2018, 14:15
84.

Zitat von mayazi
Kennt sich hier jemand gut genug aus, um zu erklären, warum es in Japan mit den privat betriebenen Bahnen klappt? Die sind sehr teuer, so wie in GB, aber pünktlich, sauber, ordentlich, freundlich, etc.
Dafür müssen Sie nicht bis Japan - die Schweiz ist deutlich näher. Die Züge sind pünktlich - und zwar nicht "DB-pünktlich" sondern tatsächlich - das Personal ist gut ausgebildet, die Züge sind sauber und die Schweizer fahren Zug wie die Weltmeister - und eine Bahncard 50 (in der Schweiz "Halbtax-Abo") kostet 185 Franken/Jahr eine Bahncard 100 (die sich auch auf städtischen Tram-, S-Bahn und Buslinien gilt) knapp 3900 Franken. Allerdings hätte der Versuch einer Privatisierung Null Chancen.

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justliberal 21.05.2018, 14:22
85. Falscher Vergleich

Der Nahverkehr ist in GB nicht so teuer weil die Unternehmen privat sind sondern weil er nicht subventioniert wird. Die Deutsche Bahn (und andere Betreiber) erhalten Milliarden (nicht fuer die Schieneninstandhaltung) fuer die Bereitstellung des Nah- und Regionalverkehrs. Das ist in GB nicht so weil hier das Prinzip gilt das der Nutzer einer Dienstleistung auch dafuer bezahlt. Dazu kann man anderer Meinung sein aber es so hiunzustellen das der Nutzer in GB so viel zahlt weil die Unternehmen privat sind und in Deutschland (oder in Europa) weniger weil die Unternehmen staatlich sind (sind sie uebrigends haeufig gar nicht) ist falsch.

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MeinForumname 21.05.2018, 14:26
86. Wo kommt eigentlich der Glaube an die Verstaatlichung her?

Es ist ja nicht so, dass unsere staatlichen Institutionen Rekorde beim Betrieb und der Bewirtschaftung von Industriebereichen hätten, oder?
Staatliche Wirtschaft bedeutet immer auch Günstlingswirtschaft, das Schaffen von Pfründen und massive Einschränkungen was Weiterentwicklung und Fortschritt betrifft. Es ist der Erhalt des Status Quo. Wenn sich etwas ändern soll, kann nicht der Staat die treibende Kraft sein, niemand in einem Staatsbetrieb wird Risiken eingehen oder Entscheidungen treffen, die ihm oder ihr seinen Job kosten können. So lange wir Senioritätsprinzipien bei der Beförderung pflegen und so lange die fadenscheinigen Ausschreibungsverfahren so gehandhabt werden, wie es derzeit der Fall ist, werden staatliche Unternehmungen nichts verbessern.
Es sei in aller Deutlichkeit darauf hingewiesen: In England springt der Staat ein, nicht um es besser zu machen, sondern um es überhaupt am Laufen zu halten.
Wo sollen denn all die grandiosen Planer und Macher im Staat herkommen? Oder wohnen die derzeit alle in Schläferzellen und halten sich zurück, bis die Verstaatlichung wieder vollständig ist?
Es ist eine völlig unbegründete Illusion, dass Betriebe in staatlicher Hand erfolgreicher sind, als privatwirtschaftlich geführte. Oder was qualifiziert denn einen Politiker, Entscheidungen im Bahnbetrieb zu treffen? Und das sind nunmal die Entscheidungsträger, wenn Betriebe verstaatlicht werden: Politiker.
Nichts wird besser, wenn Politiker das sagen in Betrieben übernehmen.

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justliberal 21.05.2018, 14:26
87. Falsch

Zitat von mregge
„Ein Jahresticket auf der krisengeschüttelten, rund 80 Kilometer langen Strecke Brighton-London kostet derzeit 4320 Pfund - das sind fast 5000 Euro.“ Bei uns kostet die BahnCard 100 (1 Jahr in Deutschland reisen ohne Fahrkartenkauf) 4270€!
Das hat nichts mit der Privatisierung zu tun sondern damit das der Nahverkehr nicht so subventioniert wird wie in Deutschland. Wenn der britische Staat den Unternehmen Subventionen zum Betrieb der Strecken zukommen lassen wuerde (wie in Deutschland) dann waeren die Preise auch dementsprechend guenstiger. Nur das Subventionen halt auch vom Steuerzahler zu zahlen sind (faellt leider nicht vom Himmel).
In Deutschland gilt: der Steuerzahler subventioniert den Bahn-Pendler.
In GB gilt: der Nutzer einer Dienstleistung soll auch dafuer zahlen.

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schlüsselkind 21.05.2018, 14:39
88.

Oh je, die Wiedergabe von Vergleichszahlen bei SPON... Ein immer wiederkehrendes sprachliches Mysteriosum. „...2017 bei 240 Fahrten nicht ein Mal pünktlich angekommen“ - was soll das denn wieder heißen? Entweder ist der Zug bei 240 (von wieviel Fahrten 2017 insgesamt? Immer hatte das Jahr ja 365 Tage) nicht pünktlich angekommen. Oder er ist 2017 nicht ein Mal (also bei keiner einzigen Fahrt) pünktlich angekommen. Oder 2017 gab es insgesamt nur 240 Fahrten - auch dann wäre der Satz verwirrend, und es wäre sinnvoller gewesen zu schreiben: „...bei keiner der insgesamt 240 im Jahr 2017 erfolgten Fahrten pünktlich angekommen“.

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br8ness 21.05.2018, 14:47
89. "Ill Fares The Land"

ist der Titel eines Buches von Tony Judt, in dem er überzeigend dafür eintritt, dass bestimmte Dinge vom Staat gemacht werden sollen, um einer Auflösung der Gesellschaft zu verhindern. Dazu gehört Infrastruktur wie etwa die Bahn. Die gegenwärtige Britische Misere gibt ihm recht (ich war selbst Reisender auf der "Grand Central Railway" - die alles andere als Grand ist). Wie überall, wo der öffentliche Verkehr unter marktkapitalistische Räder geworfen wurde, ist sicheres und verlässliches Reisen zur Ausnahme geworden. Je eher die Bahn, nicht nur im Vereinigten Königreich, sondern auch in Deutschland, den Niederlanden, und anderswo, wieder verstaatlicht wird, desto besser. Die bankruptokleptokansinokapitalistische Privatisierungs-Ideologen müssen so schnell wie möglich aus ihren Ämtern abgewählt werden. Es ist zu hoffen, dass dies bald jenseits des Ärmelkanals geschieht, denn Great Britain, dass immer weniger Great ist, hat unter dem üblen Tory-Nonsens sosehr gelitten, dass sogar die Corbyn-Labour Party als Erlösung betrachtet wird. Natürlich ist das übertrieben, aber auch nicht gänzlich unwahr. So, wie das Land jetzt fährt -"Ill Fares The Land"- geht es mit voller Kraft auf dem Prellbock zu: "train wreck".

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