Forum: Wirtschaft
Buchauszug "Nationaltheater": Stresstest für die Demokratie
DPA

Woher also kommt der neue Nationalismus? Über Jahrzehnte wurden die westlichen Marktdemokratien geeint von einem Versprechen: Wohlstand für alle. Das zieht nicht mehr.

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Ein kleiner Idiot 19.02.2017, 14:19
1. Definitionen

"Zwar haben staatliche Umverteilungssysteme bislang einiges korrigieren können. Bei den verfügbaren Einkommen (also nach Transferzahlungen und progressiven Steuern) ist die Entwicklung nicht ganz so schlecht."

Ihr Einiges ist an der Stelle doch eher ein Euphemismus - oder? Transferleistungen und Armutsdefinition richtet sich nach der durchschnittlichen Entwicklung in den Ländern. Wenn nun die verfügbaren Einkommen - deutlich - sinken, dann verändert dies die Armutsdefinition und damit die sozialen Transferleistung. Beides sinkt mit dem Durchschnitt und verschlechtert unten die Lage.

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Überfünfzig 19.02.2017, 14:19
2. Nicht der Kapitalismus ist defekt,......

.......sondern die verantwortlichen Politiker, die der zunehmenden Monopolisierung und Marktmachtkomzentration zugelassen und durch eine fahrlässige Subventions- und Niedrigsteuerpolitik weltweit agierende Superunternhmen hofiert haben. Zur Zeit arbeite ich in einem Land, wo es in den Städten noch eine rege regionale Wirtschaft mit vielen Teilnehmer als Kleinunternehmer gibt und die Innenstadt so belebt ist (ohne das man den Autoverkehr ausgeschlossen hat), das man kaum auf dem Bürgersteig vorran kommt. Aber vor den Toren der Stadt stehen schon die ersten Vorboten des internationalen Weltkapitalismus in Form ihrer weltweit immer gleich öden Shoppingmalls mit McDo und Co. die dann auch nicht mehr regional nachfragen und bei dem Besucher- und Käuferandrang heute, scheint es nur noch eine gewisse Zeit zu dauern bis auch das urbane Kleinunternehmertum hier unter die Räder gerät.

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Sandlöscher 19.02.2017, 14:20
3. Korrektur

der globalisierte Finanzkapitalismus ist nicht reformierbar und gehört abgeschafft. Die grauen Finanzmärkte = Schattenbanken (Hedgefonds, Privat Equity Fonds, Finanzkonzerne wie Nlack Rock) stellen die größte Gefahr dar.
Der Neoliberalismus bildet als Ideologie den Nährboden für diese Exzesse und hat den Neo-Faschismus wieder gesellschaftsfähig gemacht. Es wird sich zeigen, ob die Demokratie korrigierend massiv gegensteuern kann oder ob wir auf Berhältnisse wie in den 1930er zugehen. Das Ausgang ist bekannt.

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larsmach 19.02.2017, 14:21
4. Das ist schnöde Mathematik...

Der eine zahlt Steuer in homöopathischen Dosen (z.B. internationale Konzerne in Irland, IKEA mit 0,002% Steuersatz auf 2,5 Milliarden EUR Gewinn!), während Gewinne der Mittelständler und dessen Angestellter mit hohe zweistelligen Steuersätzen belegt werden. Der eine bekommt in einem Jahr Milliarden, z.B. durch Übertragung von einer anderen Person (sog. "Erbschaft"), und damit das steuerlich anders behandelt wird als jedwede andere Einnahmeform, springen absurderweise die Kleinen für ihn in die Bresche - obwohl die meist nie Erbschaftsteuern auf geerbete (und steuerlich überhaupt werthaltige!) Unternehmen zahlen müssen.
Was dabei herauskommt, ist am Ende simple Mathematik, ja: unausweichliche Logik! Einer Handvoll Menschen bleibt gar nichts anderes übrig, als mehr zu besitzen als der Rest der Menschheit (inklusiver aller anderen Milliardäre und Millionäre!). Wahlen werden dann obsolet sein, wenn Konzerne sich leisten können, Anfragen von Staatsanwaltschaften zu ignorieren, wenn Bürger nach Morddrohungen gegen ihre Kinder auf "sozialen" Werbeplattformen solcher Konzerne nachts nicht mehr schlafen können. Facebook testet dieses Machtverhalten gegenüber Polizeien und Staatsanwaltschaften schon heute.
In einem System, in dem lächerliche Steuersätze schon Kritik hervorrufen und Staaten wie Irland sich gar weigern, Konzerne so zu besteuern wie ihre kleinen Wählerinnen und Wähler, brauchen sich etablierte Politiker nicht wundern, wenn diese Steuerzahler es irgendwann satt haben und - noch absurder - einen starken Mann mit nicht rechtsstaatlichen Ideen herbeisehnen.

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derandereblick 19.02.2017, 14:25
5. Leider mal wieder zu kurz gedacht

"Was nicht erwirtschaftet wird, kann nicht verteilt werden." Nach einem so einfachen Ursache-Wirkung-Prinzip funktionieren Volkswirtschaften leider nicht. Es kann nur etwas erwirtschaftet werden, wenn es Nachfrage dafür gibt, das heißt, wenn entsprechende Kaufkraft vorhanden ist. Wenn die Kaufkraft wie derzeit nicht steigt, wird auch nicht mehr produziert. Das Ganze ist also ein Kreislauf.

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Freidenker10 19.02.2017, 14:32
6. Die Politik ist in der Lobbyfalle

Hinzu kommt das sich die Politik schlicht nicht mehr traut große Vermögen oder Einkommen angemessen zu besteuern. Was spräche denn dagegen den Spitzensteuersatz auf meinetwegen 55% ab einem Einkommen von 500.000 zu erhöhen? Wir hatten schon deutlich höhere Spitzensteuersätze! Was spräche dagegen endlich auch mal die großen Erbschaften zu besteuern und nicht immer gleich einzuknicken nur weil die Quandt oder Oettker heißen! Was spräche dagegen Kapitalerträge wie Einkommen zu besteuern? da gäbs sicherlich noch mehr Möglichkeiten und mit dem Geld könnte man locker die unteren und mittleren Einkommen entlasten. Dann muss man aber auch für Lohnzuwächse sorgen, denn zusammen mit der Steuerlast sind die stagnierenden Löhne Schuld am Niedergang des Mittelstands. Verdi hats gerade wieder vorgemacht: Mit viel tamtam feiert Verdi seinen Abschluss im öffentlichen Dienst, aber wenn man genau hinsieht steht da unterm Strich wieder mal nur der Inflationsausgleich und wie sollen die Reallöhne denn steigen mit solch schwachen Gewerkschaften?

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freidenker49 19.02.2017, 14:35
7. Die Renationalisierung ist nur eine Korrektur

der Globalisierung, die nur eine ganz kleine Clique mit super Gewinnen versorgt.
Wenn der Textilarbeiter in Bangladesch nur 50 $ im Monat verdient, die Hemden aber mit 0 % Zoll nach Deutschland exportiert werden, dann streicht der Unternehmer den enormen Zwischengewinn ein. Die Kosten Unterschiede werden nur zu einem kleinen Bruchteil an den Endverbraucher weitergegeben.
Da ist es dann ganz natürlich, wenn dieser unfaire Wettbewerb beendet werden soll.
Und nichts anderes ist die Wiedereinführung von Zöllen. Auch wenn die Nutznießer sonst wie laut Protektionismus schreien.

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De facto 19.02.2017, 14:38
8. Planwirtschaft

Die Zentralbanken haben weltweit mehr als 11.000 Milliarden in das System gepumpt und dabei das wichtigste Gut auf dem Marktplatz zum Nullpreis festgenagelt - das Geld. Kapitalismus bracht ein steurungsmechanism und das ist der Preis des Geldes. Wir kreieren Zombie Banken und Unternehmen wo der einzige lohnende Investition ist Geld zu Nulltarif zu leihen und eigene Aktien zurückzukaufen. Die Ökonomie braucht 'Animal spirits' aber das gibt nicht zum Nulltarif.

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Hank-the-Voice 19.02.2017, 14:44
9. Donald Trump kündigt offen Pressezensur an

Gerade kam es auf NTV: "Wenn die Medien euch weiter belügen werde ich Sie damit niemals durchkommen lassen." ab sekunde 40 http://www.n-tv.de/mediathek/videos/politik/Reisen-und-Schutz-der-Trump-Familie-uebersteigen-uebliche-Kosten-enorm-article19708893.html

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