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Bürger-Zoff in Oldenburg: Konsumtempel bringt ganze Stadt in Rage

Deutschlands Innenstädte sollen wieder mehr Kunden anlocken - überall im Land entstehen daher neue Shopping Malls. In Oldenburg wehren sich die Bürger mit aller Macht gegen ein Einkaufszentrum, doch die Stadtverwaltung zieht das Projekt durch. Geschichte einer Provinzposse.

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peterbruells 22.09.2009, 21:51
180.

Zitat von pibaer
In meinem Beruf gibt es keinen festen Feierabend, Überstunden sind normal. Und genau das ist auch das Problem dieser Händler - sie sind satt und verwöhnt, dass sie schon ein Kunde kurz vor Feierabend stören kann.
Lassen Sie mich raten: Die werden aber i.A. bezahlt. oder?

Zitat von pibaer
Genau, am besten der Kunde entschuldigt sich noch beim Einzelhändler, dass er es wagt, dessen Ruhe zu stören und für Umsatz zu sorgen. Sollte der Kunde vielleicht nicht auch noch die Schuhe des Händlers küssen? Ich finde, das wäre angebracht.
Kein Händler interessiert sich dafür, ob Sie für Umsatz sorgen. Für den Staat ist das toll, klar, Umsatzsteuer, den Händler interessiert aber der Gewinn. Und da sind die Arbeitskosten auf die Öffnungszeiten berechnet.



Zitat von pibaer
Genau diese Denke ist übrigens, was mich an dieser Einzelhandels-Servicewüste so anwidert. Sie sind teurer, ok. Wenn der Service entsprechend besser wäre, hätte ich damit auch kein Problem. Aber er stimmt nicht. Die Händler jammern lieber, kleben Protestblättchen oder bearbeiten Kommunalpolitiker, um ihren Status zu erhalten.
Oh, als Kunde sehe ich durchaus, dass es genug Einzelhändler gibt, wo es keinen Service gibt. Diese Läden verlasse ich dann auch und betrete sie wieder. Aber aller nennenswerter Service den ich in den letzten Jahren hatte bekam ich bei Inhabergeführten Geschäften, die frechsten Lügen hingegen in Ketten.

Ist aber halt nur persönliche Erfahrung.

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Olaf 23.09.2009, 09:22
181. Titel

Zitat von sysop
Deutschlands Innenstädte sollen wieder mehr Kunden anlocken - überall im Land entstehen daher neue Shopping Malls. In Oldenburg wehren sich die Bürger mit aller Macht gegen ein Einkaufszentrum, doch die Stadtverwaltung zieht das Projekt durch. Geschichte einer Provinzposse.
Ich kenne Oldenburg. In den letzten Jahren sind an den Stadträndern große Shoppingcenter neu entstanden bzw. bestehende wurden ausgebaut. Einmal um das Famila-Center herum, auf der anderen Seite der Stadt um ein neu gebautes IKEA herum.

Will die Innenstadt dagegen bestehen, musste etwas geschehen. Man bekommt dort doch fast nur noch Klamotten, Schuhe und Handys. Damit kann ein Centrum auf Dauer nicht überleben.

Übrigens: Oldenburg ist die erste Stadt in Deutschland gewesen, die ihre Innenstadt in eine Fußgängerzone umwandelte, damals auch gegen den massiven Widerstand der Geschäftsleute.

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autocrator 23.09.2009, 12:20
182. ich sag's ja: uninspiriert & faul

Zitat von Olaf
[...] Übrigens: Oldenburg ist die erste Stadt in Deutschland gewesen, die ihre Innenstadt in eine Fußgängerzone umwandelte, damals auch gegen den massiven Widerstand der Geschäftsleute.
Eben!
Da waren sie die ersten! Das war innovativ, neu, inspiriert, experimentell, außergewöhnlich, schaffte ein neues (!) verständnis von stadt und mensch und lebens- und einkaufsraum!

Es kostete fast nichts (außer erstmal ein paar straßenschilder, ein paar straßensperren und ein paar sitzungen im verkehrsleit-planungskomittee ; insgesamt lachhafte kosten) und wäre, wenn's schiefgegangen wäre, auch schnell wieder rückgängig zu machen gewesen (indem man den verkehr einfach wieder frei gibt).
Man konnte das tageweise schonmal proben, UND man war protagonist, inclusive medienrummel und interessierte delegationen anderer städte, mit denen dann interessante kooperationen gefallen sein dürften ... usw.usf. !

Das fünfzehntausendsiebenhundertvierundneuzigste einkaufszentrum deutschlands hinzustellen ... gäääääääähn.

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Urban Spaceman 25.09.2009, 14:09
183. Es gibt zu viel Verkaufsflächen.

Zitat von sysop
Deutschlands Innenstädte sollen wieder mehr Kunden anlocken - überall im Land entstehen daher neue Shopping Malls. In Oldenburg wehren sich die Bürger mit aller Macht gegen ein Einkaufszentrum, doch die Stadtverwaltung zieht das Projekt durch. Geschichte einer Provinzposse.
Diese Center sind in vielen Fällen Gift für die historisch gewachsenen Innenstadtlagen. Die Crux ist, dass sie meist viel zu groß geplant werden. Wenn eine Stadtverwaltung so einen Kasten durchboxen will, dann werden die abenteuerlichsten Gefälligkeitsgutachten erstellt, die nachweisen sollen, dass der innerstädtische Handel nicht geschädigt werde, sondern im Gegenteil sogar profitiere. Wir hatten die Diskussion vor einigen Jahren auch in unserer Stadt (60.000 Ew.). Mit einer geplanten Fläche von über 20.000 qm, zu allem Überfluss an einem relativ periphären Standort, hätte ECE auf einen Schlag das historische Zentrum entwertet. Zum Glück scheiterte der Plan an der beharrlichen Weigerung eines Grundstückseigentümers. Jetzt kommt das Projekt in abgespeckter Form wieder auf den Tisch, hat nun nur noch 8.000 qm und wieder gibt es ein Gutachten, das behauptet, dass diese Größe genau richtig sei. Auch wenn das nun etwas verträglicher ist, bleibt doch das überall gültige Fazit, dass wir im internationalen Vergleich viel zu viele Flächen im Einzelhandel haben. Da braucht es eigentlich keine Gutachten, wenn man vorhersagen will, was geschieht, wenn man bei seit ca. zwanzig Jahren stagnierenden Umsätzen die Flächen stetig ausweitet.

Die Planungen gehen weiter, obwohl in Kürze das örtliche Quelle-Haus schließen wird und die Zukunft der Karstadt-Filiale ungewiss ist.

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