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Bürger-Zoff in Oldenburg: Konsumtempel bringt ganze Stadt in Rage

Deutschlands Innenstädte sollen wieder mehr Kunden anlocken - überall im Land entstehen daher neue Shopping Malls. In Oldenburg wehren sich die Bürger mit aller Macht gegen ein Einkaufszentrum, doch die Stadtverwaltung zieht das Projekt durch. Geschichte einer Provinzposse.

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w.o. 20.09.2009, 09:41
10. Gerd Schwandner

Wer Gerd Schwandner aus seiner politischen Betätigung in Baden-Württemberg kennt, wundert sich nicht. Sein Opportunismus ist allseits bekannt.

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thomas daum 20.09.2009, 09:48
11. Es ist eben nicht so, dass die Mehrzahl der Bürger gegen das EZ sind

Nicht die Mehrzahl der Bürger sind gegen das Einkaufszentrum, die ansässigen Einzelhändler sind gegen den Bau. Und der einzige Grund für den Aufstand ist die Furcht vor Konkurrenz. Was die Konsumentenseite betrifft – die kann von mehr Auswahl und natürlich auch mehr Preiskonkurrenz nur profitieren. Bemerkenswert ist hier nur wie es die Einzelhändler der Oldenburger Innenstadt geschafft haben, Meinung zu machen und zu organisieren. Wieder ein gutes Beispiel dafür wie mit Geschrei die schweigend Mehrheit überstimmt wird.

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Haida 20.09.2009, 09:52
12. Durchhalten im Widerstand!

Noch ein kleiner Tipp für Anwohner und Gegner: die Fläche muss durch archäologische Ausgrabungen untersucht werden. Zahlen muss der Investor...
Das sollte erst auch noch geprüft werden, und so eine Ausgrabung kann sehr lange dauern, so dass Investoren evtl. abgeschreckt werden.
Unterschriftensammeln und/oder was als "Flashmobb" bezeichnet wird, wirkt auch besonders vor der Wahl sehr gut: im Internet aus Twitter verabreden, und dem Bürgermeister überall hin folgen und tosenden Ablaus spenden, "yeah".
AUch Bürger können sich sehr gut festbeißen, so dass es für die Politker nicht mehr zu ertragen ist.
Schließlich soll Oldenburg doch eine schöne Stadt bleiben, in der man in den netten Altstadtcafes gerne den Cappu schlürft ohne von monotoner Architekur angeödet zu werden.

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wahlossi_80 20.09.2009, 09:54
13. Wider den Götzendienst!

Diese Entwicklung gibt es leider in sehr vielen Städten. Gerade in kleineren Orten frohlocken die Bürgermeister über jegliche Investition. Städtebaulich halte ich diese "Konsumtempel" für äußerst schädlich, denn sie ignorieren in der Regel die umliegende Bebauung und schreiben sich auf anmaßende Weise in die Zeichenlandschaft der Stadt ein. Damit wären wir bei einem weiteren Aspekt. Mag sein, dass das Wort "Konsumtempel" ironisch gemeint ist. Nach der Lektüre von Walter Benjamins "Kapitalismus als Religion" und nachdem ich in Dresden die jüngst eröffnete "Centrum Galerie" besucht habe, fiel mir auf, wie die Kategorie der Erhabenheit den Bau beherrscht - der kathedralenhaft riesige Innenraum, der entfernt an Triumphbögen angelehnte Eingang, der gewaltige Baukörper von außen betrachtet. Angesichts der drängenden ökologischen Probleme und angesichts der Wirtschaftskrise sollten diese "Konsumtempel" endlich wieder ein menschliches Maß annehmen. Und die Vergötzung der materiellen Güter und der unaufhörliche Kult des Konsums sollten endlich wahren Werten weichen.

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kanone3 20.09.2009, 09:54
14. Verödung?

Zitat von thomas daum
Nicht die Mehrzahl der Bürger sind gegen das Einkaufszentrum, die ansässigen Einzelhändler sind gegen den Bau. Und der einzige Grund für den Aufstand ist die Furcht vor Konkurrenz. Was die Konsumentenseite betrifft – die kann von mehr Auswahl und natürlich auch mehr Preiskonkurrenz nur profitieren. Bemerkenswert ist hier nur wie es die Einzelhändler der Oldenburger Innenstadt geschafft haben, Meinung zu machen und zu organisieren. Wieder ein gutes Beispiel dafür wie mit Geschrei die schweigend Mehrheit überstimmt wird.
Wollen die Bürger aber eig. auch, dass dann die Innenstadt verödet und im ECE-Tempel im Prinzip nur große Ketten nach und nach die Läden übernehmen? Die Einkaufswelt ist dann im Prinzip austauschbar, egal ob man sich in Oldenburg, Nürnberg, Dresden oder sonstwo befindet. Die gleichen Ketten und die Architektur ist im Prinzip auch überall mehr oder weniger gleich.

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DJ Doena 20.09.2009, 09:55
15. immer das selbe

Ich (31) kann mit diesen Einkaufszentren herzlich wenig anfangen. Die sind sowieso immer alle gleich, ob nun das Ettlinger Tor in Karlsruhe oder die Alexa in Berlin oder das Le Prom in Berlin.

Der Artikel hat schon recht. H&M, Douglas, dann noch ne Apotheke, eine Fressecke, ein Deichmann, ein Theaterkartenverkauf, eine Thalia und ein Mediamarkt/Saturn. Fertig ist das Einkaufszentrum.

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Hovac 20.09.2009, 09:59
16. Politik

Zitat von Nanthan
Schreckliche Erinnerungen an meine Heimatstadt Würzburg! Dort das gleiche Theater. Wenn sich die Provinzler erst einmal festgebissen haben, wächst dort kein Gras mehr. Dabei veröden die Innenstädte auch ohne die verfemten Shopping Mals, wenn man die zunehmende Ausbreitung von Drogerie oder Modeketten und Coffee-to-go-Bars so nennen will. Wie macht man Stadte wie Oldenburg oder Würzburg attraktiver? Mit z. B. ausgefallener Gastronomie und Events vielleicht. Auf jeden Fall ist Einfallsreichtum und Aufgeschlossensein für neue Ideen sehr hilfreich. Nicht Augen zu und Kopf in den Sand, immer fest dagegen!
Wann veröden Innenstädte, mit Menschen auf der Strasse oder mit Menschen im Center?
Eigentlich geht es aber darum das der Bürgermeister nur deswegen abgewählt wurde, sich die Politik aber einen Sch. um die Wahlabsicht des Wählers schert.

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bissig 20.09.2009, 10:01
17. 2 Paar Schuhe ... Wahlversprechen und Stimmungen

Dass Politiker Opportunisten sind, sieht man hier im Kleinen - im Grossen gibt's das in ein paar Wochen/Monaten. Allerdings muss man es hier den Parteien lassen, dass sie keine richtigen Wahlversprechen machen - dann kann man ihnen auch nicht vorwerfen, ihre Versprechen gebrochen zu haben. Ist irgendwo auch ehrlich. Leider gibt es kein Gesetz, das vorschreibt, dass nur, wer klare Aussagen trifft, auch gewählt werden darf. Jahrelang haben wir uns über die Amis amüsiert, die einen inhaltsleeren Personen- aber keinen Themen-Wahlkampf betreiben. Ganz ehrlich: was anderes haben wir hier auch nicht mehr. Nur hat der mündige Bürger ein kurzes Gedächtnis und wird das nächste Mal wieder brav sein Kreuzchen an der üblichen Stelle machen. Und wie heisst es so schön bei Monthy Python: Jeder nur ein Kreuz.

Was den Shopping-Center in Oldenburg anbelangt: hier wird der Bürger entscheiden - ganz basisdemokratisch. Entweder die Leute gehen dort einkaufen, oder sie tun es nicht. Wie repräsentativ die dargestellte Stimmung ist, wird sich ja dann zeigen.

Und was man in Oldenburg ganz deutlich gesehen hat: es werden keine neuen Regierungen gewählt, sondern nur alte abgewählt.

Armes Deutschland. Mangels Alternativen wird Helmut II wohl weiterhin alles aussitzen dürfen, anstatt das zu tun, wofür sie bezahlt wird: zum Wohle des Volkes regieren.

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Mocs 20.09.2009, 10:04
18. Abnicker gibt es überall...

Zitat von DJ Doena
Ich (31) kann mit diesen Einkaufszentren herzlich wenig anfangen. Die sind sowieso immer alle gleich, ob nun das Ettlinger Tor in Karlsruhe oder die Alexa in Berlin oder das Le Prom in Berlin.
Stimmt - überall die selben 08/15-Ketten

Wäre schade, wenn so etwas http://www.die-huexstrasse.de/ durch die Einkaufscenter das Wasser abgegraben wird.

Lübeck hat auch gerade so einen neuen "Hochbunker nach Wehrmachtstandard" (13.200 qm Verkaufsfläche) in die Innenstadt geklatscht - http://www.haerder-center.de/htdocs/index.php .

Man beachte auch die wunderbare Architektur, die die Backsteingotik Lübecks ganz wunderbar bereichert http://www.lbbw-immobilien.de/tmplpics/4213_tmpl3.jpg

Dabei gibt es hier schon zwei "Passagen" die mehr oder weniger im Sterben liegen.

Aber wenn es dem "Shopping" dient, wird es von der Bürgerschaft emsig abgenickt.

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touri 20.09.2009, 10:09
19. Minderheit?

Zitat von thomas daum
Nicht die Mehrzahl der Bürger sind gegen das Einkaufszentrum, die ansässigen Einzelhändler sind gegen den Bau. Und der einzige Grund für den Aufstand ist die Furcht vor Konkurrenz.
Sicher doch, deswegen hat diese Minderzahl es ja auch irgendwie geschafft einen langjährigen Bürgermeister aus dem Amt zu verjagen. Ich glaube Sie haben das Wort "Demokratie" irgendwie falsch verstanden.

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