Forum: Wirtschaft
Bundesfinanzministerium: Scholz prüft mögliches Verbot von Strafzinsen für Kleinspare
Monika Skolimowska / DPA

Manche Banken drohen mit negativen Zinsen für Privatkunden. Bayerns Ministerpräsident Söder will die Strafzinsen vorsorglich verbieten - nun schaltet sich auch das Bundesfinanzministerium ein.

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juergenwolfgang 22.08.2019, 10:04
60. Warum.....

Warum parken Banken überhaupt Geld bei der EZB wenn diese Strafzinsen erhebt. Warum arbeiten Banken nicht mit dem Geld ihrer Anleger und investieren bzw. erwirtschaften Gewinne?
Kann mir dass mal jemand erklären?

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_gimli_ 22.08.2019, 10:18
61.

Zitat von juergenwolfgang
Warum parken Banken überhaupt Geld bei der EZB wenn diese Strafzinsen erhebt. Warum arbeiten Banken nicht mit dem Geld ihrer Anleger und investieren bzw. erwirtschaften Gewinne? Kann mir dass mal jemand erklären?
Ganz einfach: Es gibt mehr bei den Banken deponiertes Geld als Nachfrage nach Krediten. Der Grund lässt sich z.B. hier nachlesen: https://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/europaeische-zentralbank-vor-neuer-geldflut-was-anleger-wissen-muessen-a-1065793-2.html

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a.knieling 22.08.2019, 10:28
62. Verbot von Strafzinsen

Das Verbot von negativen Zinsen setzt vielleicht gar kein gesetzliches Verbot voraus, es kann auch mittels Verfügung durch das Bundesfinanzministerium erfolgen. Mit einer aufwändigen Verbotsuntersuchung gewinnen die Schmarotzer der Banken nur kostbare Zeit, die Sparer weiter abzuzocken … wer weiß, ob wieder englische Schneider auf den Auftrag weiterer Maßanzüge warten.

Selbst wenn ein Verbot der unsinnigen Strafzinsen durch den Bundestag gebracht werden müsste, wäre es nicht verfassungswidrig: der Staat darf negative Entwicklungen des Wirtschaftslebens unterbinden, er darf Verbraucher schützen und schließlich muss er für ein geordnetes Miteinander sorgen. Er ist längst aus der Nachtwächterrolle gedrängt – den Parasiten unserer Gesellschaft ist eben Genug nicht genug.

In diesem Zusammenhang ist in der Tat nicht nachvollziehbar, warum ein Girokosten für einen Teil der Kunden kostenlos ist, ein anderer Teil aber 10.- Euro Kontoführungsgebühr bezahlen muss. Hier Scholz zu zitieren "Am besten wäre es, wenn die Banken das einfach lassen" ist sicher richtig, wird das asoziale Pack aber nicht daran hindern, den kleinen Kunden zahlen zu lassen.

Warum eine rechtliche Prüfung schwierig sein soll, ist kaum nachvollziehbar: Innerhalb einer einzigen Woche hatte der Bundestag en Gesetz zur Rettung der Banken zusammengeschustert. Es dauerte keinen Monat, und das Bundesfinanzministerium hatte einen Gesetzesentwurf zur Rettung Griechenlands erarbeitet. Nur bei Strafzinsen lässt man sich Zeit; das geldgierige Gelumpe fühlt sich sonst gestört und bläst zum Angriff. Ausgerechnet jene Nieten, deren Häuser vor einigen Jahren mit vielen Milliarden gerettet wurden.

So ist nicht erkennbar, dass ein Strafzins zur üblichen Kalkulation gehört. Bisher haben Banken immer daran verdient, indem sie den Sparer mit Niedrigzinsen abgespeist haben, während sie das Geld überteuert und risikoarm verliehen. „Gesetzliche Verbote sind systemfremd“ sabbelt die Kreditwirtschaft, und übersieht die wichtigste Regelung im Bürgerlichen Gesetzbuch. „Das ist ein Eingriff in die Marktwirtschaft“ ereifert sich das Schmarotzertum. Als es um die Rettung der Banken ging, hatten die Nieten in feinen Anzügen das Maul nicht so voll.

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muunoy 22.08.2019, 10:29
63. Populismus

Söder und Scholz betreiben hier nicht ernst zu nehmenden Populismus. Beide gehören Parteien an, die der Enteignung breiter Bevölkerungschichten durch eine planwirtschaftliche Geldpolitik zugestimmt haben. Bei Scholz kommt erschwerend hinzu, dass seine Partei generell den Vermögensaufbau der arbeitenden Bevölkerung erschweren will. Die zusätzliche Besteuerung von Kleinaktionären wurde hier im Forum schon angesprochen. Die beiden haben einfach nur ein Problem damit, dass immer mehr Wähler erkennen, dass es derzeit nur eine Partei gibt, welche gegen die Politik der finanziellen Repression zur Enteignung der arbeitenden Bevölkerung ist.

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hefe21 22.08.2019, 10:32
64. Kettenreaktion

Zitat von juergenwolfgang
Warum parken Banken überhaupt Geld bei der EZB wenn diese Strafzinsen erhebt. Warum arbeiten Banken nicht mit dem Geld ihrer Anleger und investieren bzw. erwirtschaften Gewinne? Kann mir dass mal jemand erklären?
Weil im Geldsystem alles mit allem zusammenhängt. Die 1 Billion über Target eingeschleusten Guthaben liegen z.B. zwangsläufig als reziprokes Guthaben der Banken bei der EZB, weil dieses ja von selbiger eingeschleust wurde. Bei jeder Überweisung, ob von Palermo nach Buxtehude oder auch nur von Paderborn dorthin, entsteht bei den beteiligten Banken eine Guthabenskette über die das Endguthaben des eigentlichen Empfängers mit der kreditschöpfenden Bank verbunden ist. Der Negativzins der EZB trifft primär jene Bank, die das Guthaben bei ihr führt - also die Bundesbank. Diese gibt diese an die nächste Sekundärebene weiter und es stellt sich nun die Systemfrage, ob dieser "Trickle down" der speziellen Art bis zum Buchungsgrund (also den privaten Guthaben) durchsickern wird. Beziehungsweise die Frage, ob dies offen ausgewiesen geschieht, oder über angedachte Verschleierungskonstrukte wie "Verwahrgebühren".
So nebenbei würden Bankguthaben mit einer solchen "Depotgebühr" ihren bisherigen Status verlieren und in die Nähe beliebiger Finanzwaren wie Anleihen und Aktien gerückt, für deren Verwahrung ja eine solche Gebühr von den Banken erhoben wird.

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arr68 22.08.2019, 10:34
65. natürlich kann der Staat bei Banken mitreden,

der Staat hat die Banken schließlich auch schon mit viel Geld gerettet...

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5mark 22.08.2019, 10:35
66. Das Gesetzt gibt es bereits

Scholz sagt: "Am besten wäre es, wenn die Banken das einfach lassen."
Und er hat Recht. Das wäre wohl das Beste. Für die Banken.

Wir brauchen kein Gesetz gegen Negativzinsen. Solch ein Gesetzt gibt es nämlich bereits. Zugegeben, es ist nirgens niedergeschrieben aber trotzdem um ein Vielfaches wirksamer als irgendein in unseren Gesetzbüchern stehendes Verbot.

Es ist das Gesetz des Marktes.

Ich stelle da nur mal ein kurzes Gedankenexperiment an. Was passiert als nächstes, wenn eine Bank Negativzinsen auf Kontoguthaben installiert? (Ich meine echte Negativzinsen nicht als Kontoführungsgebühren verkleidete Negativzinsen die ja nicht von der Höhe des Kontoguthabens abhängen.)

Es wird folgendes passieren: in dem Moment in dem eine solche Maßnahme in Kraft tritt, geht der Bank schlagartig das Bargeld aus und einen Tag später sollte sie einen Insolvenzantrag stellen, weil sie nämlich die Forderungen ihrer Gläubiger die Kontoguthaben in Bargeld auszuzahlen nicht mehr bedienen kann. Schneller können die Banken ihre Geschäftsmodelle nicht beenden.

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yogi65 22.08.2019, 10:37
67. Automatismus

Zitat von juergenwolfgang
Warum parken Banken überhaupt Geld bei der EZB wenn diese Strafzinsen erhebt. Warum arbeiten Banken nicht mit dem Geld ihrer Anleger und investieren bzw. erwirtschaften Gewinne? Kann mir dass mal jemand erklären?
Das machen die Banken nicht aktiv. Das ist ein Automatismus unseres Bankensystems. Die Liquidität die die Bank nicht ausgeliehen oder sonstwo investiert hat oder cash im Tresor liegen hat fließt auf das Zentralbankkonto der Bank.
Ist das Zentralbankkonto der Geschäftsbank im Plus zahlt die Bank Strafzinsen. Ist es im Minus zahlt die Geschäftsbank den normalen Refinanzierungszinssatz. Am besten also die Bank hat gar kein Saldo bei der Zentralbank. Also wenn sie alles Geld das sie durch Einlagen zur Verfügung hat ausgeliehen hat. Das ist auch das Ziel, funktioniert halt nur nicht immer. Gerade wenn die Wirtschaft nicht so gut läuft. Geld in größeren Beträgen cash vorzuhalten ist ziemlich teuer (wg. Sicherheitsmaßnahmen, Tresore etc.) und wird daher eher wenig praktiziert.

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tatsache2011 22.08.2019, 10:40
68. Positivzinsen auf Darlehen

Zitat von lobro
... Wenn schon Negativzinse auf Spareinlagen, dann wären doch eigentlich auch Positivzinsen auf Darlehen logisch, d.h., 10000 Euro leihen und nur 9500 Euro zurückzahlen.
Der Bund leiht sich Geld und muss weniger zurückzahlen.

"Rendite von minus 0,11 Prozent. Investoren müssen also dafür bezahlen, wenn sie dem Bund für 30 Jahre Geld leihen."
https://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/negative-rendite-bund-verdient-geld-mit-dreissigjaehriger-anleihe-a-1283029.html

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mawies 22.08.2019, 11:11
69. Würg ihn bis er kotzt - private Vorsorge

Wie war das noch mit der Vorsorge für Alter?
So läuft diese private Vorsorge dann ab und welche Möglichkeiten hat der normale Bürger:
Aktien & Co. - spekulative Form, kann funktionieren, muß aber nicht. Ich erinnere mich da noch an die Volksaktie der Telekom.

Lebensversicherung - gibt nur noch geringe Erträge von denen die Inflation abgezogen und dann auch noch versteuert werden müssen.

Direktversicherung / betrieblichen Altersvorsorge meist für kleine und mittleren Betrieben - Dank Ulla Schmidt (SPD) & Co. darf mach seit 2004 die Sozialabgaben inkl. der des Arbeitgebers jetzt nachträglich entrichten. Das gilt auch für Verträge die vor 2004 abgeschlossen wurden. Im schlechtesten Fall bekommt man nicht mal das, was man zuvor eingezahlt hat wieder raus
.
Sparkonto - Gespartes Geld - minus Inflation und jetzt noch Strafzinsen. SUPER!

Die Banken und das Großkapital wurden gerettet auf Kosten der Sparer und der Alterversorgung des normalen Bürgers.
Scholz kann sich seine Show für die Galerie sparen. Wir holen das Geld einfach vom Konto und gut ist. Aber deshalb wird die Abschaffung des Bargelds vermutlich auch focusiert. Immer schön den deutschen Michel die Hsnd an die Kehle legen.

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