Forum: Wirtschaft
Bundesfinanzministerium: Scholz prüft mögliches Verbot von Strafzinsen für Kleinspare
Monika Skolimowska / DPA

Manche Banken drohen mit negativen Zinsen für Privatkunden. Bayerns Ministerpräsident Söder will die Strafzinsen vorsorglich verbieten - nun schaltet sich auch das Bundesfinanzministerium ein.

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uezegei 22.08.2019, 11:16
70.

Zitat von leonardo da v
Diese Aussage Söders widerspricht der Politik der EZB, die ja gerade durch eine Verbilligung des Geldes Konsum ankurbeln möchte. Reiner Populismus und Eingriff in die Marktwirtschaft.
Man hat Draghi schon viel vorgeworfen, aber Populismus und Eingriff in die Marktwirtschaft ... Ist es nicht die Aufgabe der EZB, bzw. aller Notenbanke, eben gerade Eingriffe in das Wirtschaftsleben zu machen, um Inflation und Geldertstabiltät, sowie die Konjuktur zu steuern ..
Zudem: was genau hat die EZB mit den Einlagen deutscher Sparer bei deutschen Kreditinstituten zu tun (und nur DIE wären durch ein entsprechendes Gesetz betroffen, die EZB keineswegs)?
Und was geschieht mit Spareinlagen ... werden die nicht wieder als Kredite oder Investitionen dem Wirtschaftskreislauf zugeführt und steigern den Konsum?
Alles nicht so einfach, wenn mal einfach nur populistisch rumquäkt, gell?

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_gimli_ 22.08.2019, 11:17
71.

Zitat von muunoy
Söder und Scholz betreiben hier nicht ernst zu nehmenden Populismus. Beide gehören Parteien an, die der Enteignung breiter Bevölkerungschichten durch eine planwirtschaftliche Geldpolitik zugestimmt haben. Bei Scholz kommt erschwerend hinzu, dass seine Partei generell den Vermögensaufbau der arbeitenden Bevölkerung erschweren will. Die zusätzliche Besteuerung von Kleinaktionären wurde hier im Forum schon angesprochen. Die beiden haben einfach nur ein Problem damit, dass immer mehr Wähler erkennen, dass es derzeit nur eine Partei gibt, welche gegen die Politik der finanziellen Repression zur Enteignung der arbeitenden Bevölkerung ist.
Die Sache ist schon ein wenig komplizierter. Das Grundübel ist das Konstrukt der EU und die wirtschaftliche Situation der darin organisierten Länder, ja am Ende das gesamte Wirtschaftssystem, in dem wir leben. Sobald der Zinssatz auf einen signifikanten Wert (sagen wir 2,5%) steigen würde, wäre Italien nicht mehr dazu in der Lage, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen. Kein Staatslenker in der EU ist einen Plan, was dann passieren soll. Es wäre im Prinzip die Implosion der EU. Frankreich geht es nicht viel besser. Die deutsche Industrie ist wiederum auf Absatzmärkte innerhalb der EU angewiesen. Eine gemeinsame Währung funktioniert halt nicht in einem Staatenverbund mit Ländern, die wirtschaftlich völlug unterschiedlich leistungsfähig sind und eine voneinader sehr unterschiedliche Finanzpolitik betreiben/anstreben. Dazu kommen aktuell die globalen Querelen. Das ganze System wird künstlich am Leben erhalten. Hier eine sehr treffende Analyse der aktuellen Situation durch Hans Werner Sinn: https://www.youtube.com/watch?v=9b8IRUGzPRk

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m.s.schneider 22.08.2019, 11:28
72.

Strafzinsen. In welchen Think-Tanks werden solchee Konzepte und vor allem solche Begriffe eigentlich ausgebrütet - Bertelsmann-Stiftung vielleicht? - und über welche Kanäle werden sie samt zulässigem Diskussionskorridor in die Medien eingepflegt? Sie schleifen die Sprache bis sie blutet: 'Reform' für Abbau und Kürzung, 'Freisetzung' für Rausschmiss und jetzt 'Strafzins' für... Enteignung. Nichts anderes ist es. Das Neusprech wird in jeden noch so kleinen Lebensbereich eingeflochten, verworthülst und eingebrannt. Das Problem ist wohl hier das Geld selber. Eigentlich möchte man es nicht mehr, nicht nur kein Bargeld mehr, sondern grundsätzlich nervt es die Gutsherrn im Neofeudalismus, nicht durchregieren und -verwalten zu können, die Leibeigenschaft in spe nicht de facto schon zu haben. Warum ihnen Geld geben für ihren Dienst? Kost und Logis sollten reichen, dankbar sollten sie sein und fügsam. Aber unser Sprechpuppenpersonal in Grau und Blau wird es schon richten. Das werden noch interessante Zeiten, wenn Geld nur noch Tauschmittel für Luxus ist, während man Soylent Green vom Laster aus verteilt.

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franz.v.trotta 22.08.2019, 11:39
73.

Man muss zwei Maßnahmen kombinieren: radikale Einschränkung des Bargeldverkehrs (wie z.B. in Schweden) und Minuszinsen auf Sparguthaben. - Darin könnten die deutschen Banken und Sparkassen (wieder) gesunden. Und goldene Zeiten brechen an.

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uezegei 22.08.2019, 11:41
74.

Zitat von 5mark
Scholz sagt: "Am besten wäre es, wenn die Banken das einfach lassen." Und er hat Recht. Das wäre wohl das Beste. Für die Banken. Wir brauchen kein Gesetz gegen Negativzinsen. Solch ein Gesetzt gibt es nämlich bereits. Zugegeben, es ist nirgens niedergeschrieben aber trotzdem um ein Vielfaches wirksamer als irgendein in unseren Gesetzbüchern stehendes Verbot. Es ist das Gesetz des Marktes. Ich stelle da nur mal ein kurzes Gedankenexperiment an. Was passiert als nächstes, wenn eine Bank Negativzinsen auf Kontoguthaben installiert? (Ich meine echte Negativzinsen nicht als Kontoführungsgebühren verkleidete Negativzinsen die ja nicht von der Höhe des Kontoguthabens abhängen.) Es wird folgendes passieren: in dem Moment in dem eine solche Maßnahme in Kraft tritt, geht der Bank schlagartig das Bargeld aus und einen Tag später sollte sie einen Insolvenzantrag stellen, weil sie nämlich die Forderungen ihrer Gläubiger die Kontoguthaben in Bargeld auszuzahlen nicht mehr bedienen kann. Schneller können die Banken ihre Geschäftsmodelle nicht beenden.
Da dürfen Sie beruhigt sein, das wird nicht passieren, denn das "Gesetz des Marktes" ist in vielen Fällen reine Theorie.
Bevor sich jemand seine Ersparnisse unsicher in den Strumpf steckt und sich Gedanken über eine diebstahlsichere Verwahrung machen muss, lässt man es lieber auf dem Konto.
Zudem: so viel Bargeld, dass die Sichteinlagen im Falle der Abhebung durch die Bankkunden abdecken könnte, ist schlichtweg nicht existent.

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uezegei 22.08.2019, 12:00
75.

Zitat von _gimli_
Die Sache ist schon ein wenig komplizierter. Das Grundübel ist das Konstrukt der EU und die wirtschaftliche Situation der darin organisierten Länder, ja am Ende das gesamte Wirtschaftssystem, in dem wir leben. Sobald der Zinssatz auf einen signifikanten Wert (sagen wir 2,5%) steigen würde, wäre Italien nicht mehr dazu in der Lage, seinen Verbindlichkeiten nachzukommen. Kein Staatslenker in der EU ist einen Plan, was dann passieren soll. Es wäre im Prinzip die Implosion der EU. Frankreich geht es nicht viel besser. Die deutsche Industrie ist wiederum auf Absatzmärkte innerhalb der EU angewiesen. Eine gemeinsame Währung funktioniert halt nicht in einem Staatenverbund mit Ländern, die wirtschaftlich völlug unterschiedlich leistungsfähig sind und eine voneinader sehr unterschiedliche Finanzpolitik betreiben/anstreben. Dazu kommen aktuell die globalen Querelen. Das ganze System wird künstlich am Leben erhalten. Hier eine sehr treffende Analyse der aktuellen Situation durch Hans Werner Sinn: https://www.youtube.com/watch?v=9b8IRUGzPRk
Irgendeinen Sinn in den Aussagen des Herrn Sinn zu finden, ist ein komplett sinnloses Unterfangen.

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Steve111 22.08.2019, 12:12
76. Ein Hauch von DDR , Herr Scholz !

Die Durchreichung der Negativzinsen an die Kunden ist keine Geschäftemacherei
der Banken, sondern logisch und begründet.Von einem Vermieter wird ja auch
nicht verlangt, die Nebenkosten seiner Mieter zu tragen.
Die Politik soll sich da raushalten - wenn Negativzinsen (die man locker durch Tagesgeld
umgehen kann) verboten werden , führen die Banken stattdessen wieder flächendeckend
Grundgebühren für die Konten ein - profitieren tun nur diejenigen, die hohe Geldbeträge
auf ihren Girokonten horten.Ist das erwünscht ?

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SaveTimE 22.08.2019, 12:22
77. Den Artikel braucht man nicht zu lesen

Um zu wissen, dass es erstens Unfug ist, zweiten vom BfG zerrissen wird, drittens es um 'Stimmenkauf' der Grenzdebilen geht.
Liebe SPON Redaktion, währet ihr so nett eine zusätzliche Rubrik einzurichten mit dem Titel "Unfug aus aller Welt". Dort können dann Nachrichten wie diese und anderer Trump-, Johnson-, Putin-, Erdogan-Statements und die des Scholz-o-maten gesammelt und veröffentlicht werden.
Entlastet die Hauptseite und die Dultsamkeit des Lesers.

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_gimli_ 22.08.2019, 12:22
78.

Zitat von uezegei
Irgendeinen Sinn in den Aussagen des Herrn Sinn zu finden, ist ein komplett sinnloses Unterfangen.
Ja, ja, ist schon gut. Sinn ist einer der wenigen deutschen Experten auf dem Wirtschafts- und Finanzsektor, die Durchblick haben und die Konsequenzen der Handlungen in Politik und Wirtschaft emotionsfrei auf den Punkt bringen.

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doctiloquus 22.08.2019, 12:26
79.

"...Dürfen Kleinsparer per Gesetz vor Strafzinsen geschützt werden?..." Was steckt dahinter? Das Wissen, dass die Einführung von Negativzins für Kleinsparer in einer Katastrophe endet. Denn was wird passieren? Jeder normal denkende Mensch wird nicht akzeptieren, dass das Verleihen von Geld dem Verleiher Kosten verursacht. Und das zu Recht, denn es verstößt gegen ein natürliches Wirtschaftsprinzip. Also wird der Kleinsparer versuchen, sein Geld abzuziehen. Das wiederum ruft ein paar Akteure auf den Plan, die versuchen werden, genau das zu verhindern. Sei es durch Lahmlegen der Infrastruktur oder Bargeldabschaffung oder sonstwas. Und das wird die Zündung am Pulverfass verursachen. Das System wird auseinanderfliegen, es wird richtig gewalttätig werden. Super Aussichten.

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