Forum: Wirtschaft
Bundesregierung: Alte Dogmen abschalten und die Klimakrise lösen
Patrick Pleul / DPA

Wenn bisher zu wenig gegen den Klimawandel getan wurde, liegt das weniger an per se doofen Erwachsenen. Die Ursache ist eher das alte Dogma von der Eigenverantwortung und vom heiligen Markt. Zeit für eine Renaissance der Politik.

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nachdenken01 18.10.2019, 13:34
1. Markt = schlecht, staatliche Planwirrtschaft = gut?

Es gibt etliche Studien, die genau das Gegenteil behaupten: Die effizienteste Art, die Emissionen einzudämmen ist ein steigender CO2-Preis, sei es durch Emissionshandel oder durch eine Steuer, dessen Höhe regelmäßig anhand der tatsächlichen Emissionsreduktion angepasst wird.
Der Grund, warum der europäische Emissionshandel lange Zeit nicht richtig funktioniert hat, lag nicht an dem System an sich, sondern an der konkreten Ausgestaltung, bei der auf Druck der Industrie viel zu viele Zertifikate vergeben wurden und dubiose Offset-Projekte in der 3. Welt erlaubt waren. Nachdem diese Mängel endlich zumindest teilweise beseitigt wurden, stieg der CO2-Preis auf zumindest ca. 30 Euro und es zeigen sich auch prompt erste Erfolge (der Kohlestrom wird z.B. langsam aus dem Markt gedränkt). Wenn man den Mut hätte, den Absenkungspfad für die Zahl der Zertifikate deutlich steiler zu machen, hätte das massive klimafreundiche Auswirkung auf den Stromsektor, allerdings natürlich verbunden mit einer entsprechenden Preiserhöhung.
Bei dem martkwirtschaftlichen System ist es übrigens völlig irrelevant, wenn sich ein paar Prozent Reiche die Emissionen trotzdem noch leisten können, das macht die Suppe nicht fett. Die damit verbundene Neid-/Gerechtigkeitsdebatte ist albern, da Reiche sich schon immer mehr leisten konnten, als Arme. Man kann ja gerne noch die eine oder andere Regulierung spendieren, die alle trifft, um dem Gerechtigkeitssinn zu dienen (z.B. Tempolimit oder autofreie Sonntage).
Das Gegenargument, dass ein steigender CO2-Preis auf Widerstand stößt und Gelbwesten drohen ist besonders albern, weil es die massiven Widerstände und Proteste/Demonstrationen gegen die fehlende Preiserhöhung völlig ignoriert. Es ist Aufgabe der Politik sinnvolle Entscheidungen richtig zu kommunizieren und zu vermitteln und ggfs. bestimmte Härten übergangsweise abzumildern und unstrittig sinnvolle Alternativen (z.B. ÖPNV und Radverkehr) zu fördern, und nicht sofort einzuknicken, wenn sich irgendwer benachteiligt fühlt.
Der Staat ist völlig damit überfordert, sinnvoll entscheiden zu können, mit welcher Art von Förderung man mit möglichst wenig Geld den größten Effekt erzielt. Selbst wenn ein Elektroauto vielleicht ein wenig umweltfreundlicher ist, als ein Verbrenner (was viele Studien widerlegen): Wie viel tausende Euro Förderung pro Fahrzeug ist denn für so eine läppische Einsparung sinnvoll an Steuergeld ausgegeben?

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curiosus_ 18.10.2019, 13:48
2. Alles schön und gut, nur..

Zitat von Thomas Fricke
Zumal so ein großer Wurf mit Investitionen in neue Infrastruktur und bessere Energien es erst möglich und viel einfacher machen würde, danach auf Alternativen umzusteigen, die heute viel zu teuer sind.
..genau darin liegt ja das Problem begraben. Es muss der passende "große Wurf" sein, damit das:

Zitat von Thomas Fricke
Und dabei auch überlegen, wie viel Geld und Kreditaufnahme es wert ist, all das in die Zukunft zu investieren.
nicht nur eine gigantische Fehlinvestition wird. Nur dadurch, dass man "Alte Dogmen abschaltet" und "irgendwie in die Zukunft investiert" ist halt noch rein gar nichts gelöst.

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Hannibal Murkle 18.10.2019, 13:59
3.

Laut einer N-TV-Umfrage wollen 83% der Bürger NICHT für Klimaschutz zahlen. Eine ZDF-Umfrage zum Spritpreis kam auf 2/3 - selbst bei den Anhängern der Grünen fast 40%.

Die angeblich 1,4 Millionen, die am 20.09 auf den Straßen waren, sind nicht mal 2% der Gesellschaft - eine Woche später waren es bereits weit weniger. Und die restlichen 98% zählen nicht mehr?

Die Durchschnittstemperaturen sanken nach einem Peak 2016 im folgenden Jahr, 2018 wieder, obwohl sie laut Klimamodelle nur steigen sollten. Man sollte erst mal diese Modelle prüfen, auch wenn nicht alle Klimatologen sie anzweifeln - seit wann laufen Naturwissenschaften durch Abstimmungen? Mal waren 99,9% der Geographen überzeugt, die Erde sei flach - stimmt es heute noch?

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ulrich g 18.10.2019, 14:12
4. Super Artikel

Erst den Energiemarkt dann die Bundesbahn privatisieren. Ergebnis Katastrophe, marode Infrastruktur und hohe Preise. Und der Staat hat alle Hebel aus der Hand gegeben und nachhaltig etwas für den Klimaschutz zu tun. Statt dessen werden überflüssige Schuldzuweisungen befeuert und ideologischer Klimaschutz ohne Wirkung gefördert.

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curiosus_ 18.10.2019, 15:54
5. Die Bundesbahn..

Zitat von ulrich g
Erst den Energiemarkt dann die Bundesbahn privatisieren. Ergebnis Katastrophe, marode Infrastruktur und hohe Preise. Und der Staat hat alle Hebel aus der Hand gegeben und nachhaltig etwas für den Klimaschutz zu tun. Statt dessen werden überflüssige Schuldzuweisungen befeuert und ideologischer Klimaschutz ohne Wirkung gefördert.
..ist nicht privatisiert und war das noch nie. Die gehört zu 100% dem Bund.

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christoph.bohr 18.10.2019, 17:22
6. ohne Sonne und Wind wird es nix !

Wir müssen klagen! Gegen unsere Vertreter wegen Untreue !
Die Energie-Wende absichtlich falsch verstanden - Windräder praktisch verboten - eine Klage gegen die Klima-Gesetze sollte man unbedingt einreichen. Maßgeblich Mitglieder unserer GroKo haben auch schon früher gegen alle Gutachter und Experten entschieden. Beispielsweise als unser Umweltministerium Atommüll in Fässer in feuchte Salzstöcke werfen lies. Der Schaden MRD für unsere Kinder.
Die Klima-Gesetze sind absichtlich so gestaltet, dass alte Strukturen noch lange bestehen können mit dem Effekt, dass nicht weniger Öl, Gas und Kohle verbrannt wird. Gute Handwerker und Forscher wissen genau wann sie Experten mit hinzuziehen müssen, unsere Politiker entscheiden alles ohne Rücksicht auf Physik und Chemie und auch entgegen jede Vernunft. Begründet wird das falsch, nämlich mit der Konsensbildung der Volksvertreter untereinander, der Schluss, dazu seien Fakten von Experten geliefert, gerade nicht notwendig.
Energie brauchen wir, weniger CO2 produzieren wir nur wenn weniger verbrannt wird. Anstellen dessen haben wir keinen schnellen Brüter und auch keinen in Aussicht für die nächsten Jahre, genau so wenig wie Wasserstofftankstellen.
Bewährte Technik haben wir allerdings - aber gerade die wird verhindert und niemand in der Regierung äußert sich dazu - außer Herr Söder der sagt Windräder machen wir in Bayern keine mehr dafür mehr Solar. Windräder laufen auch nachts, es ist essentiell Windräder und Photovoltaik auszubauen.
Wir könnten sehr schnell 50% an Öl, Gas und Kohle einsparen -das eingesparte Geld finanziert Infrastruktur wie Windräder, Photovoltaik, Wärmepumpen. Solarthermie und andere bewährte Technik.
Keiner wehrt sich gegen das faktische Verbot von Windrädern mit den jetzt neu festgeschriebenen Abstandsregeln. Wir sollten uns gerichtlich wehren gegen Steuern auf die Sonne - in Form von Steuern auf selbst erzeugten und selbst verbrauchten Strom mit Photovoltaik. Eingeführt von unserem Sonnenkönig Herrn Gabriel mit Unterstützung von Herrn Altmaier.
Wir sollten uns gerichtlich wehren sich gegen sinnlose Steuerung mit CO2 Abgaben - nichts anderes als Ablasshandel.
Wir müssen gerichtlich durchsetzen das die politischen Entscheidungen dazu führen die sinnvollen und direkt verfügbaren Technologien konsequent zu nutzen.
Die bestechend einfache Logik ist, wir brauchen Photovoltaik möglichst auf allen Dächern, Windräder und große preisgünstige Stromspeicher wie Redox FLow Batterien die in Japan (60 MWh) schon erfolgreich eingesetzt werden.
Es ist einfach viel billiger und sauber mit Wind und Sonne Energie bereitzustellen und diese zu speichern. Ein weltweiter Markt mit echter Einsparung an Schadstoffen und CO2.
Für Europa wäre es ein riesiges Konjunkturprogramm mit vielen sinnvollen neuen Arbeitsplätzen bezahlt aus eingespartem Öl, Gas und Kohle.
Übrigens liegt laut Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe Deutschland auf Platz 1 bei der Braunkohleförderung, und fördert mehr als Russland und die USA zusammen. Falls es mal wieder heißt, Deutschland ist viel zu klein, um etwas zu ändern.

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ayee 18.10.2019, 18:00
7. Naive, bequeme Denkweise

Es ist ebenso naiv, wie bequem, auf die große Systemlösung zu warten, denn Systeme sind extrem träge. Es ist eine ganz einfache Sache: Wenn alle Individuen das Problem für sich lösen würden, hätten wir das Gesamtproblem nicht. Da aber alle darauf warten, dass sich irgendwie das System ändert, bleibt das Problem bestehen. Und alle wundern sich. In unserer Demokratie frage ich mich auch, wie man darauf hoffen kann, dass sich das Problem löst, wenn die Individuen nicht entsprechend handeln/wählen. Und ich sehe bei Wahlergebnissen keinen langanhaltenden ökologischen Trend. Gleiches beim Konsumverhalten. Bleibt festzuhalten, die meisten Menschen wollen keine Ökologie. Ja, das System ist schuld. Aber wer ist das System? Richtig, in einer Demokratie sind das die Menschen.

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SummseMann 18.10.2019, 18:10
8. Wenn, dann richtig

Ich vermisse das Ansprechen des Hauptproblems: Zu viele Menschen. Deutschland kann ja nur als Vorbild dienen, da wir keinen Einfluss auf das Klima haben. Und als eines der dichtbesiedelten Länder sollten wir mit gutem Beispiel vorangehen und die staatlichen Subventionen zur Steigerung der Bevölkerung endlich abschaffen und Anreize schaffen kinderlos zu bleiben. Ein erfolgreicher Umbau des Sozialsystems würde sicher global Aufsehen erregen und Nachahmer finden. Das wäre das nachhaltigste was wir für das Klima tun könnten. Oder traut sich Hr. Fricke nicht an das Thema und es geht im doch nur um freie Wirtschaftsbashing?

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MichaelundNilma 18.10.2019, 18:25
9. Copy and paste

Das alles gibt es schon in Skandinavien. Es bedarf nur des Entschlusses, sich die skandinavische Vorgehensweise zum Vorbild zu nehmen. Auch bei uns sollte es möglich sein, jährlich steigende Quoten von Elektrofahrzeugen im Verkehr, verbindlich vorzuschreiben, damit die Industrie planen kann, in welche zukünftige Technik sie investieren muß.

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