Forum: Wirtschaft
Bundestagswahl: Was heißt schon gerecht?
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Mit sozialer Gerechtigkeit lässt sich fast jede Forderung nach Belieben begründen oder verwerfen. Sollte der Begriff deshalb aus dem politischen Wortschatz gestrichen werden? Im Gegenteil.

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alsterherr 31.07.2017, 12:50
1.

Es gibt Gerechtigkeit der Möglichkeiten und Gerechtigkeit des Ergebnisses.

Detuschland bietet allen Personen die Möglichkeit, 1.000 € zu verdienen. Sei es durch Bildung und anschließende Arbeit, sei es durch betteln, durch Gründung einer Firma, durch das Erstellen und verkaufen von Dingen, etc ... das alles sind Möglichkeiten, die allen deutschen Frei zugänglich sind, auf dieser Ebene herrscht Gerechtigkeit der Möglichkeiten.

Wenn jemand arbeitet und dafür 1.000 € von seinen Kunden bekommt, jemand der nicht arbeitet und 1.000 € vom Staat bekommt, wäre Gerechtigkeit der Ergebnisse ... ob das dann Gerecht gegenüber dem Arbeiter ist, sei dahingestellt.

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MikelFriess 31.07.2017, 12:54
2. Spannend aber einseitig

"Die Politik steckt in einem Dilemma. Sie könnte die eklatant verletzte Leistungsgerechtigkeit bei den Pflegekräften erhöhen - dann muss sie aber die Beiträge zur Pflegeversicherung anheben, was viele Arbeitnehmer wiederum als übertriebene Verteilungsgerechtigkeit wahrnehmen. "

Warum muss dass nur aus Arbeitnehmerbeiträgen finanziert werden? Ist die Pflege unserer "Alten" nicht ein gesamtgesellschaftliches Problem an dem sich selbstständig Beschäftigte oder Unternehmen auch beteiligen könnten?

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Phil2302 31.07.2017, 12:55
3. Der große Fehler der Gesellschaft

und mithin auch der Grund, warum nie alle zufrieden sein werden: "im Grunde verweigerten sie damit eine Kooperation, die letztendlich auch dem Benachteiligten zugute gekommen wäre: Ein Bonbon ist immer noch besser als keins." Was für ein Fehler! Menschen mit Hartz IV geht es - verglichen mit Menschen auf der ganzen Welt - extrem gut. Nicht arbeiten und keinen Hunger leiden müssen - wo gibt es das? Aber trotzdem sind diese Menschen unzufrieden, weil sie im deutschen Vergleich ganz unten stehen. Daher würde so etwas wie eine Erhöhung des Hartz IV Satzes oder bedingungsloses Grundeinkommen auch nie helfen - weil es die relative Position nicht verbessert, nur die absolute. Und da würden die Menschen sogar 100 Bonbonbs wegwerfen, wenn ein anderer 200 bekommt.

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latrodectus67 31.07.2017, 13:02
4. Bonbons

Das Problem mit dem originären Bonbon Experiment ist, dass die verschenkt wurden. Das ist natürlich passend für Politiker, die das Geld anderer Leute "verschenken", aber unpassend für die Menschen die dieses Geld durch ihre Arbeit erwirtschaften. Auch im weiteren werden die Ansichten einer Agenda untergeordnet, eine Pflegeversicherung die "der Staat" finanziert, aber die dann ausschliesslich über höhere Abgaben nur der "Arbeitnehmer" erhöht werden könnte. Die Agenda ist, dass der Staat zwar von allen nehmen könnte, aber für Pflegeversicherung nur Arbeitnehmereinkommen aber keine zb Kapitalertragssteuer herangezogen werden könnten.
Summarisch ist die "Gerechtigkeit" nur wie sehr man die Bürger die Arbeiten müssen ausquetschen kann um gerecht zu erscheinen.

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whitewisent 31.07.2017, 13:03
5.

Das Bild zeigt vieleicht unbeabsichtigt eines der größten Probleme der gegenwärtigen Debatte. Alleinerziehende Mutter mit Kind des Mittelstands gegen einen alleinlebenden Wohnungslosen.

Da geht einem doch sofort das soziale Herz auf, und man möchte dem Mann alle Bonbons schenken. Oder vieleicht doch nicht? Was wäre, wenn die Mutter keinen Unterhalt vom Kindesvater erhält, und deshalb 50 Stunden in der Woche als Steuerberaterin arbeiten müßte, und sich gerade diesen einen Tag für den gemeinsamen Einkauf freigehalten hat? Was wäre, wenn sie nach Abzug aller Kosten am Monatsende für sich 400 Euro übrig behalten würde, genausoviel wie der Mann? Wäre es da gerecht, ihr weitere 40 Euro wegzunehmen, damit es dem Mann besser geht? Es gibt mehr als eine soziale Gerechtigkeit, es ist jedoch der Makel der gegenwärtigen Dauerdiskussion, daß die oberen 3 Prozent gegen die unteren 30 Prozent gestellt werden, wie gut oder schlecht es den zwei Dritteln dazwischen geht, juckt keinen. Denn einen Absturz von 55 auf 35 Prozent betrachtet man als gesellschaftlich akzeptabel, egal wieviel oder wie wenig der Einzelne für diese Einordnung kann.

Verbessern, ohne die Lage anderer zu verschlechtern, nur das ist sozial.

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rosinci 31.07.2017, 13:04
6. Interessant

Schon die ersten Zeilen erahnen, in welche richtung es geht!
Zitat: "soziale Gerechtigkeit - doch viele Forderungen würden die Ungleichheit eher verstärken"
Seit wann werden soziale forderungen die Probleme verstärken? Wenn soziale Ungleichheiten herrschen, ist es foch der logik schuldig die zu beheben. Es sei denn , man ist Kolumnist und aus einer familie stammend,wo einer aus dem Springerverlag langjährig dort angestellt gewesen ist , der diese Merkelsche Parole, alles alternativlos den Menschen ihre legitime sozialen forderungen absprechen tut.
Ich bin weder Links noch rechts, aber soziale Ungerechtigkeiten können nicht "weggeredet" werden. Spiele gibt es auch nicht, bin mal gespannt lit welchem terrornews wird bald konfrontiert werden...

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mulbrich 31.07.2017, 13:04
7. Pflegeversicherung

Eines in der Argumentation bzw. Rechnung zur Pflegeversicherung verstehe ich nicht: Wenn der prozentuale Beitragssatz zur Pflegeversicherung über lange Zeit gleich geblieben ist, sollte doch wegen der steigenden Löhne doch auch die gesamte für die Pflege zur Verfügung stehende Summe sich erhöhen. Dann könnten doch die Pflegesätze und damit auch die Einkommen der in der Pflege Beschäftigten entsprechend der Durchschnittseinkommen erhöht werden.

Für mich heisst das also, dass die Kosten der Pflege relativ zu anderen Bereichen schneller ansteigen. Wenn das so ist, dann müssten vielleicht hierfür die Ursachen gefunden werden, z.B. ein grösserer Anteil pflegebedürftiger Menschen in der Bevölkerung.

Vielleicht lässt sich das ja aufklären.

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fördeanwohner 31.07.2017, 13:05
8. -

Für mich hat soziale Gerechtigkeit nichts mit Pauschalität zu tun. Steuern für alle runter? Mehr Kindergeld für alle? Bessere Bezahlung für alle? ...
Wichtig ist, dass alle Menschen, die in Vollzeit arbeiten, davon leben können und später auch genügend Rente erhalten, um davon leben zu können, ohne dass der Staat helfen muss. Menschen, die aus bestimmten Gründen (Krankheit, Kinderbetreuung bei Alleinerziehenden, Weiterqualifizierung u.a.) nur in Teilzeit arbeiten können, sollten Unterstützung erhalten und die Nachteile aus der Teilzeit im Ruhestand ausgeglichen bekommen.
Niemand sollte in Arbeit weniger Geld zur Verfügung haben als jemand, der nicht arbeitet, es sei denn Letzterer ist krank und kann nicht arbeiten.
Der Staat sollte etwas mehr eingreifen, als er es derzeit tut.

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jstawl 31.07.2017, 13:08
9. Pflege

Da in Beitrag 2 schon das zitiert wurde: "Die Politik steckt in einem Dilemma. Sie könnte die eklatant verletzte Leistungsgerechtigkeit bei den Pflegekräften erhöhen - dann muss sie aber die Beiträge zur Pflegeversicherung anheben, was viele Arbeitnehmer wiederum als übertriebene Verteilungsgerechtigkeit wahrnehmen. "

Liegt das unbedingt an der Pflegeversicherung? Wenn zwischen den verschiedenen Trägern von Pflegeeinrichtungen die Unterschiede in der Bezahlung des Pflegepersonals bei ca. 30 % liegen, könnte man das Problem auch wo anders suchen.

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