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Comeback der Dorfläden: Provinz probt die Tante-Emma-Revolution

Sie sind klein - aber sie bieten alles, was der Kunde braucht: In immer mehr deutsche Dörfer kehren Tante-Emma-Läden zurück, weil die Bewohner nicht zu den weit entfernten Supermärkten fahren wollen. Die Renaissance der Mini-Händler wird mit Staatsgeldern gestützt.

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frubi 03.11.2009, 11:07
1. .

Zitat von sysop
Sie sind klein - aber sie bieten alles, was der Kunde braucht: In immer mehr deutsche Dörfer kehren Tante-Emma-Läden zurück, weil die Bewohner nicht zu den weit entfernten Supermärkten fahren wollen. Die Renaissance der Mini-Händler wird mit Staatsgeldern gestützt.
Find ich prima. Aber wieso benötigen diese Läden Staatsgelder? Damit die Preise auf Discounter Niveau bleiben? Das kann auch nicht der Sinn der Sache sein.

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sgift 03.11.2009, 11:15
2. Missverstaendnis?

Zitat von frubi
Find ich prima. Aber wieso benötigen diese Läden Staatsgelder? Damit die Preise auf Discounter Niveau bleiben? Das kann auch nicht der Sinn der Sache sein.
So wie ich es verstanden habe hat die Gemeinde damit das Gebaeude gekauft. Kein Einzelhaendler kann es sich leisten erstmal 1.8 Millionen fuer ein Gebaeude zu investieren, von den Schulden wuerde er nie mehr wegkommen. Also muss die Gemeinde vorleisten, wenn sie moechte, dass sich ein Haendler bei ihnen niederlaesst. Mit den Preisen hat das nichts zu tun.

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ex_t_kunde 03.11.2009, 11:36
3. hervorragendes Ziel aber Subventionen sind das falsche Mittel

Da ich in der Regionalplanung tätig bin, beobachte ich die dargestellte Tendenz mit grosser Freude. Leider muss ich auch feststellen, dass Tante-Emma-Läden zur Zeit nicht gegenüber den ganz eng kalkulierenden Discountern konkurrenzfähig sind wenn sie keine staatliche Unterstützung unterhalten.

Subventionen sind aber trotzdem der falsche Weg! Durch eine kleine Änderung der Ladenschlusszeiten liessen sich kleine kundennahe Geschäfte sehr viel wirksamer unterstützen als durch Subventionen und unser Nachbar Dänemark hat es vorgemacht: Die komplette Liberalisierung der Ladenschlusszeiten wird langfristig nur den grossen Ketten nutzen. Im Gegenteil dazu hat Dänemark zwar auch die Ladenschlusszeiten aufgehoben - aber nur für Geschäfte bis zu einer bestimmten Grösse (vielleicht 150 m2, die genaue Zahl kann ich jetzt nicht sagen) und ausschliesslich mit Waren des alltäglichen Bedarfs. Die Folge: Ein Boom kleiner Tante-Emma-Läden in den Quartieren und auf dem Dorf, die zudem sehr viel mehr Beschäftigung generiert haben als die durchrationalisierten Discounter. Und das ohne 1 cent Subventionen.

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thrasymachnos 03.11.2009, 11:40
4. Tante Emma kommt wieder, auch in Berlin !

Also ich wohne "mega zentral" in Berlin Schöneberg, nur 5 Minuten vom KaDeWe. Aber wenn ich mal eine bestimmte Schraube oder Lampe (Halogenbirnen!) brauche, muss ich schon ins Auto steigen und in das nächste Bauhaus fahren. Bei Büromaterial(Druckerpatronen!), ist es das Selbe, seit das kleine Hertie Kaufhaus am Ende der Akazienstraße zu ist. Jetzt muss ich mit dem Auto ins Europa Center zu Saturn.

Was ich hier in Berlin (!) beobachte ist, dass der kleine Laden (teilweise)wieder zurückkommt. Es giebt hier schon noch einen Lampenladen, im Kopierladen gibt es auch Büromaterial und viele Feinkost Läden leben zwischen Reichelt und Edeka.
Der Faktor der Konkurenzfähigkeit, ist :
Laufe ich hin oder steige aufs Fahrad - oder muss ich das verdammte Auto wegen irgendeiner Kleinigkeit nehmen ?

Und deshalb kommen die kleinen Läden (jedenfalls teilweise) wieder zurück. Und auf dem Land sowieso, weil da die Wege natürlich extrem viel weiter sind, als in der Berliner Innenstadt. Das ist nur eine Frage von Spritkosten, Nerven - also im Stau stehen, Parklatz suchen und bezahlen und genervt wieder zurück fahren.

Das ist natürlich nicht mehr der Tante Emma Laden von früher, aber sehr wohl so etwas in der Art. Und das wird sich auch rechnen, weil ein Markt dafür da ist.

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spiegel-hai 03.11.2009, 11:46
5. wunderbar

Zitat von sysop
Sie sind klein - aber sie bieten alles, was der Kunde braucht: In immer mehr deutsche Dörfer kehren Tante-Emma-Läden zurück, weil die Bewohner nicht zu den weit entfernten Supermärkten fahren wollen. Die Renaissance der Mini-Händler wird mit Staatsgeldern gestützt.
war allerdings eine Frage der Zeit. Nur müssen diese Läden, um sich auf Dauer zu halten, einen "Mehrwert" bieten, wie Nachbarschaftlichkeit, der es den Leuten wert erscheint, dort eventuell etwas mehr für ihren täglichen Bedarf auszugeben.

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sgift 03.11.2009, 11:54
6. Tolle Idee

Zitat von ex_t_kunde
Im Gegenteil dazu hat Dänemark zwar auch die Ladenschlusszeiten aufgehoben - aber nur für Geschäfte bis zu einer bestimmten Grösse (vielleicht 150 m2, die genaue Zahl kann ich jetzt nicht sagen) und ausschliesslich mit Waren des alltäglichen Bedarfs.
Danke. Und alle bei denen aus welchen Gruenden auch immer kein kleiner Laden oeffnen kann (z.B. Grossstadt mit hohen Mieten) sollen dann weiter/wieder unter diesem nutzlosen Gaengelgesetz leiden? Na spitze.
Tante-Emma-Laeden werden sich da wo sie ihre Vorteile haben, also in Doerfern, auch so durchsetzen. Da braucht man nicht die arbeitende Bevoelkerung mit nutzlosen Sperrzeiten quaelen.

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T.Rödel 03.11.2009, 11:56
7. Super!!

Zitat von sysop
Sie sind klein - aber sie bieten alles, was der Kunde braucht: In immer mehr deutsche Dörfer kehren Tante-Emma-Läden zurück, weil die Bewohner nicht zu den weit entfernten Supermärkten fahren wollen. Die Renaissance der Mini-Händler wird mit Staatsgeldern gestützt.
Das finde ich wirklich toll!!
Ein Hoch auf das innige Gespräch zwischen dem Kunden und der Verkäuferin/Verkäufer, der anständigen Beratung, der Zeit die in dem Kunden investiert wird.

Neulich , in einem bekannten Elektroladen: Stätiges hinterher Laufen nach einem ansprechbarem Verkäufer: einer der sich stets irgendwie unsichtbar machte, der andere der mürrisch eine Frage meinerseits beantwortete, allerdings ohne Beratung: ' Die stehen da hinten rechts vor dem Regal, hmpff..'

Vor langer Zeit in Berlin Eichborndamm gabs den angeblich ältesten Tante Emma Laden Deutschlands. Leider scheint der Herr verstorben zu sein. Hat das Spass gemacht Morgens dort Splitterbrötchen und ein kleines Stückchen Leberwurst zu kaufen...Das Austrauschen der Neuigkeiten vom letzten Mal gabs umsonst...

Das ganze funktionierte aber auch nur weil der Herr schon Jahre lang ziemlich früh geöffnet hatte somit die Kundschaft schon früh morgens ansprach. Nicht nur das Sortiment spielt eine Rolle, ganz besonders die Öffnungszeiten sind wichtig.

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franxinatra 03.11.2009, 12:00
8. Zu Tränen rührend weltfremd

Wer die Arbeit kennt, die hinter so einer Aufgabe steckt, den muss das nackte Entsetzen packen, mit wie viel Ignoranz ein Geschäftsprinzip propagiert wird, das nur auf massiver Selbstausbeutung beruhen kann.

Kein Angestellter würde, und das noch für den Ertrag, eine solche Belastung auf sich nehmen.

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wadenbeisser88 03.11.2009, 12:03
9. Eitelkeiten und Steuerverschwendung: Gülzow ist überall

Dieses und vergleichbare Modelle "funktionieren" nur solange, wie Ministerien und Gemeinden sich in die Tasche lügen: Die Miete der so gegründeten Tante-Emma-Läden deckt kaum die Zinsen für den Kredit, den die Gemeinde aufnehmen mußte. Realistische Ansätze für Gebäudeunterhalt und Abschreibungen gibt es nicht - sollen sich spätere Generationen mit offenen Rechnungen plagen. Der Zuschuß aus der Landeskasse ("Fördermittel") bleibt eh' unberücksichtigt - obwohl er ja einmal von korrekt wirtschaftenden Einkommens- und Gewerbesteuerzahlern erwirtschaftet wurde.

Bei korrekter, nämlich umfassender und kostendeckender, Kalkulation müßte das Dorf Gülzow mit seinen nur gut 1.000 Einwohnern aus der monströsen Immobilie einen Ertrag von monatlich weit über € 10.000,-- erzielen. Das könnte selbst ein Discounter von der Größe eines Aldi-Ladens nicht erwirtschaften...

Fazit:
Im Ministerium werden Projekte gefördert, für deren Gelingen oder Mißlingen man natürlich keine Verantwortung übernimmt. Ein Bürgermeister läßt bauen in der Gewißheit, daß größere Reparaturen erst nach seiner letzten Amtsperiode auftreten und in der Hoffnung, daß der Kaufmann bis dahin durchhält (was in Schleswig-Holstein bei diesen Projekten übrigens in der Regel nicht der Fall ist...). Und der Gemeinderat findet es (sich) toll, ein so großes Haus gebaut zu haben. Mit den finanziellen Konsequenzen beschäftigt sich vorsichtshalber niemand.

Und die Einwohner der Dörfer freuen sich - nicht wissend, daß sie als Steuerzahler Monat für Monat für diese Eitelkeiten kräftig zur Kasse gebeten werden.

Und warum steigt die Schuldenlast der öffentlichen Haushalte eigentlich von Jahr zu Jahr immer weiter?

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