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Debatte um Essener Tafel: Versagt hier der Sozialstaat?
DPA

Immer mehr Tafeln versorgen in Deutschland immer mehr Menschen. Doch heißt das wirklich, dass es bei uns immer mehr Arme gibt?

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ruhepuls 06.03.2018, 11:49
70. Arm oder nicht arm?

Zitat von tommirf
Es geht nicht um die Motivationslage, warum sich "arme" Haushalte an Tafeln wenden. Es geht darum, daß solche Haushalte überhaupt existieren, und daß sie immer mehr werden. Und das nicht, weil durch Statistikeffekte die Armutsschwelle nach oben wandert, sonder weil z.B. immer mehr Rentner "entstehen", die ihr Leben lang in niedrigsten Lohnverhältnissen saßen und jetzt in Grundsicherung landen. Dann noch in München oder Stuttgart...
Die Motivation ist schon wichtig. Nehmen wir an, es gäbe Kneipen, in denen Bier kostenlos ausgeschenkt wird. Denken Sie, es gingen dort nur Menschen hin, die zu arm sind, um sich ein Bier zu kaufen?
Die Frage ist: Sind die Tafeln notwendig, damit Menschen nicht hungern müssen oder sind die Tafeln einfach eine Möglichkeit kostenlos an Lebensmittel zu kommen, die man sonst - unter Verzicht auf andere Ausgaben - auch bezahlen könnte? Und das ist ein Unterschied.
Ganz egal, was Sie machen, es wird immer Haushalte geben, die gegenüber dem Durchschnitt schlecht abschneiden - aus vielerlei Gründen. Selbst mit einem allgemeinen Grundeinkommen wird es Arme geben, die sich bestimmte Dinge nicht leisten können, die für andere normal sind. Wenn Sie das verhindern wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Niemand darf mehr verdienen als ein anderer. Und niemand darf entscheiden, was er mit seinem Geld macht. Am besten teilt man jedem jeden Tag seine Mahlzeiten, seine Kleider usw. zu. Denn erst dann kann man sicherstellen, dass keine Ungleichheit durch unterschiedliche Entscheidungen entsteht. Wenn Sie in einer solchen "gerechten" Welt leben wollen?

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daNick73 06.03.2018, 11:49
71. Mangelnde Lesekompetenz einiger Foristen

bei einigen Kommentaren fragt man sich schon, ob diese den Artikel, den sie kommentieren, überhaupt gelesen haben: Es ist FALSCH, dass die Nutzung der Tafel zwingend zeigt, dass Menschen ohne die Tafel Hunger leiden würden. Es ist VÖLLIG VERSTÄNDLICH wenn Menschen, gerade mit geringem Einkommen Zeit bei der Tafel „investieren“, um mehr Geld zur Verfügung zu haben, da es Lebensmittel umsonst gibt.

Aber die Tafeln sind einfach kein Beweis, dass in Deutschland gehungert wird.

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hexenbesen.65 06.03.2018, 11:49
72.

Zitat von Schwarze Seele
Ironie verstehen zu viele nicht! Kurz und gut: Es ist ein Skandal, dass sich bei uns Freiwillige darum kümmern müssen, dass Schwache genug zu essen bekommen. Darüber hinaus muss ein Riegel vorgeschoben werden, dass Migranten, die in ihren Unterkünften versorgt werden, die Tafel-Kapazitäten nutzen. Es geht auch nicht an, dass Deutsche und Ausländer, um die eigene Kohle, oder die vom Amt anderweitig zu verwenden, sich dort bedienen.
Wenn die Migranten aber das Essen aus dem Fenster werfen, weil es nicht "gut genug" ist...und den Tafeln schon drohen, weil sie "nur" Schweinefleisch ausgeben ? Wurde hier auch schon berichtet.
Dass manche Leute lieber dorthin gehen, um Kohle zu sparen, um das in die Heimat zu schicken....war hier auch schon Thema...
Und die, die wirklich darauf angewiesen sind--ANGST haben, sich dort zu melden...und lieber verhungern.... das ist das schlimme.. Aber das intressiert ja keinen der Politiker, die bei einem 200-Euro-Abendessen zusammen sitzen (natürlich vom Staat bezahlt )

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licht_und_schatten 06.03.2018, 11:50
73.

Zitat von bikemike
... Schauen Sie sich von Duisburg bis Dortmund an wie menschen dort leben und ihre Frage ist beantwortet. Hier ist etwas seit jahrzehnten mächtig schief gelaufen. Wie kann es sein , dass ishc unser Politik dafür nicht nur nicht zuständig fühlt , sondern die Situation der Menschen einfach nicht mehr kennt. ...
Berechtigte Frage. Insbesondere weil die von Ihnen genannte Gegend in den letzten Jahrzehnten fast ausschließlich von der SPD regiert wurde. Es ist zwar Verrückt aber mittlerweile tendieren viele Menschen in diesem Ballungszentrum, zur AfD überzulaufen. Das ist im Wesentlichen daher als Verrückt einzustufen, weil das Parteiprogramm der AfD nicht besonders sozial daherkommt. Bar anderer Alternativen, aus Protest und politischer Rache wird eben AfD gewählt. Damit ist die SPD durch ihr eigenes Versagen für den Aufstieg der rechts-konservativen verantwortlich.

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lollopa1 06.03.2018, 11:50
74. eventuell haben sich die Tafeln selbst überholt.....

die Grundidee der Tafeln war doch Lebensmittel, die noch geniessbar waren, leider vom Supermarkt aus den Regalen genommen, an Menschen zu verteilen die halt nicht 2 Euro für ein Kilo Bananen zahlen können. Was daraus geworden ist tut keinem gut. Wenn es wirklich so wäre dass in D Menschen verhungern läuft es hier verkehrt, aber ich bin beruhigt, in D muss niemand verhungern oder auf der Strasse erfrieren, er/sie muss halt nur den Hintern bewegen und zu einer Einrichtung/behrde gehen, dort wird jedem geholfen. Und die Mär von der armen Frau die 50 Jahre malocht hat und nur 399 Euro Rente bekommt, die wird geschwind aufgestockt, sie muss nur den Antrsag ausfüllen, und dabei wird ihr auch geholfen. btw: und die Rezeptgebühr fällt auch weg.

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mwroer 06.03.2018, 11:51
75.

Ich bin ja selten radikal. Im vorliegenden Fall allerdings würde ich zu gerne die Möglichkeit haben den Autor dazu zwingen zu können mal 3 Monate von der Mindestrente leben zu müssen.

Das würde die meisten seiner Fragen beantworten - ganz ohne den vermutlich angepeilten staatlichen Forschungsauftrag im mindestens 6 stelligen Bereich.

Vielleicht könnte er einfach mal 2 Monate als Ehrenamtlicher bei der Tafel arbeiten und die Leute fragen. Wir machen das nämlich und wissen: Die Leute kommen zu uns weil das Geld nicht für Essen reicht und nicht weil der neue Harry Potter Roman, oder was gerade angesagt ist, wichtiger ist.

Das Angebot wird nicht angenommen um sich anderes leisten zu können, das Angebot wird angenommen um satt zu werden oder - aber das ist jetzt wahrscheinlich schon wieder vermessener Luxus - auch mal ne Packung Kekse zu haben falls die Enkel zu Besuch kommen.

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pittiken 06.03.2018, 11:52
76.

Zitat von duckjibe
tja, es gibt doch tatsächlich Menschen, die sich tagtäglich mit diesen "beliebigen Bevölkerungsgruppen" beschäftigen dürfen / müssen. Lehrer beispielsweise, die an Brennpunkt-Schulen unterrichten. Dort sind in der Tat einige Tatsachen allgemein bekannt. Kinder aus Hartz IV-Familien sind selbstverständlich und so gut wie immer mit der neuesten Elektronik ausgestattet, bis hin zum IPhone. Diese Dinger werden als Ego-Stütze unbedingt benötigt und dokumentieren einen vermeintlich vorhandenen Status. Ebenso selbstverständlich ist, dass genau diese Kinder üblicherweise keine Frühstücksbox mit selbstgeschmierten Stullen mitbringen. Nein, die haben einfach Geld dabei, um sich nebenan beim Bäcker irgendwas zum Essen zu kaufen. Dabei gibt es übrigens keine fundamentalen Unterschiede zwischen dem alteingesessenen Prekariat und den neu Zugewanderten. Es handelt sich also (anders als Sie annehmen) nicht um "dummdreiste Klischees", sondern um schlichte Beobachtungen, die jeder Sachkundige bestätigen kann. Dass diese Beobachtungen nicht in jedermannes einfaches Weltbild passen, steht auf einem anderen Blatt.
Woher will denn der Lehrer das wissen?

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cabeza_cuadrada 06.03.2018, 11:53
77. doch die gibt es

Zitat von mali123
vielen unbesetzten Stellen annehmen. (Sarkasmus off) Oder gibt es nicht so viele Stellen?
offene Stellen wo man hinsieht. Selbst in einer Stadt wie Berlin können sie ja mal in einer Stunde die Schilder mit "Aushilfe gesucht" " Verkäuferin gesucht" "Bedienung gesucht" zählen. An einem Subway laufe ich täglich vorbei, da steht schon seit Monaten dass die Öffnungszeiten auf Grund von Personalmangel reduziert wurden. Oder sind diese Stellen nicht annehmbar?

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duckjibe 06.03.2018, 11:53
78. Oh, ja, bitte...

Zitat von Knippi2006
lol, allein der Begriff "Leistungsträger" ist eine eigene Diskussion wert. Aber da schon ihre Grundthese ein Märchen ist, brauchen wir gar nicht damit anfangen. Oder reicht es nicht mehr für den dritten Urlaub und den Drittwagen?
.. eine Debatte über "Leistungsträger" wäre fein.
Ähm - kennen Sie sich in dieser Materie aus?

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tinosaurus 06.03.2018, 11:54
79. Schön gesehen

Zitat von suburber
Ich wollte nur die Frage der Überschrift beantworten: Ja. In einem Land, welches so etwas wie "Die Tafeln" braucht und in dem dann diese Institutionen vom Staat euphemistisch als "Eigeninitiative" oder wahlweise auch als "gesellschaftliches Engagement" bezeichnet werden, läuft etwas gründlich schief. Ich möchte nichts Schlechtes gegen "Die Tafeln" sagen. Gott sei Dank gibt es "DIe Tafeln". Aber es ist geradezu erbärmlich, dass ein derart reiches Land wie Deutschland so etwas braucht!
Kann hier nur zustimmen. Wer wie auch immer bei der Grundsicherung gelandet ist, hat ein gravierendes Problem. Mit 400 Euro, wovon noch einige Kosten für Strom und Ernährung abgehen, kann man sich als arm betrachten.

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