Forum: Wirtschaft
Debatte um Notenbank-Bilanz: Bofinger attackiert Sinns "Jammer-Diskussion"
Deutsche Bundesbank

Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.

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Kalix 28.02.2012, 14:10
1.

Zitat von sysop
Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.

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kettensprenger 28.02.2012, 14:22
2. Albtraum Fiskalunion

Das kann nicht Herrn Bofingers Ernst sein: Eine "Fiskalintegrierung"? Das heißt: Alle Steuerzahler Europas werden in Sippenhaft genommen für Schulden in Gesamt-Europa. Motivation zu ausgeglichenen Haushalten hat dann niemand mehr. Das wäre der Sargnagel für die gesamte Europäische Idee. Die bisher einzige Alternative ist die Erhöhung der Einnahmen und die Entlastung der Sozialkassen durch bandbreitenmodell.de.

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PK2011 28.02.2012, 14:23
3. Titel

Herr Bofinger schreibt:
"Der Versuch, die Situation mit strengen Sparmaßnahmen, immer komplexeren Vertragswerken zur Fiskaldisziplin und Rettungsschirmen zu stabilisieren ist gescheitert. Er hat nur dazu geführt, dass die gesamte Anpassung über die Notenbankkreisläufe geleistet werden muss. Hans-Werner Sinn hat völlig recht, wenn er darauf hinweist, dass das keine Dauer-Lösung werden darf. Aber es gibt darauf nur zwei Antworten: Entweder man gibt die Währungsunion auf, und dann besser heute als morgen, oder man macht sich mit aller Energie daran, die Fiskalintegration in Europa deutlich voranzubringen."

Lieber eine aufgegebene Währungsunion wie eine übermächtige Fiskalorganisation. Diese ist in der notwendigen Zeit nur "per ordre" zu errichten unter Inkaufnahme bedenklicher Kollateralschäden und wird unter Missachtung aller demokratischer Regeln installiert werden müssen.

Ein Europa, dass seine eigenen demokratischen Werte zugunsten der Wirtschaftsgestaltung missachtet - das kann es nicht sein.
Somit bleibt - im Interesse der Menschen - nur die schnellstmögliche Auflösung des historischen Irrtums "EUR".
Herr Bofinger schrieb:
"Deutschland hat die Wahl, ob es das Schicksal seiner Exportindustrie in die Hände der völlig unberechenbaren Devisenmärkte legen will, oder ob es bereit ist, mit seinen Partnerländern gemeinsam einen politischen Rahmen für eine solide Fiskalpolitik in Europa zu schaffen."

Mit Verlaub, das halte ich als Wirtschaftsteilnehmer für nicht zutreffend. Lassen Sie uns unsere Geschäfte weltweit in USD als Verrechnungswährung durchführen - was zu 70% sowieso passiert - und gestehen jeder europäischen Nation ein Währungssystem analog ihrer Wirtschaftskraft und -filiosofie zu.

Dann läuft die Kiste rund.

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silverhair 28.02.2012, 14:24
4.

Zitat von sysop
Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.
"Jammer" hört sich eher nach Propaganda an , H.Bofinger, und mit Sicherheit nicht nach "Wissenschaftlich"!
Man muss H.Sinn weder mögen noch seine Interpretationen für Richtig halten - aber Computersysteme auf denen mit Zahlen gerechnet wird die dann auch noch in der Praxis verwendet werden sind per Definition eben wissenschaftliche Korrekte Systeme - sonst würden sie nicht zum Einsatz kommen!

Es ist auch kein Geheimnis wie sie gebaut sind - eher muss man sich fragen , warum die Mehrheit der Ökonomen regelrechts Schwafelt wenn es ums Geld geht, anstatt sich an einen Simulator von Target2 zu setzen , und erstmal festzustellen wie die Realität aussieht!

H. Sinn hat durchaus korrekt nachgewiesen das im Eurosystem Die Aussenhandelsbilanzdifferenzen im Target2 nachzuweisen sind , und das sie durchaus gewaltige Löcher offenreissen!
Wo er nicht weiter drüber nachgedacht hat ist das - parallel dazu laufende Interbankensystem - und warum - wie er zu recht noch feststellte der Zusammenbruch Ende 2007 der Startschuss für die im Target2 System auflaufenden "Schuldenberge" für Deutschland , den um nichts anderes handelt es sich zustande kommen!

Das allerdings immer wieder eine ominöse Fiskalunion auch von ihnen kann man wirklich da nur als Merkelche Propaganga verstehen - den wo schlicht das Wissen über das Geldsystem so dünn verbreitet ist , da kann auch keine Fiskalunion irgendwas korrieren - sie ist nichts anderes als der Versuch einen wirklich Kommunistischen Planstaat einzurichten - trotz aller historischen Erfahrungen mit Gross u. Zentralstaaten , die alle irgendwann unter ihrem eigenen Gewicht der Regulierung zusammen gebrochen sind!

Auch dazu gibt es hervorragende Wissenschaftlich Erkennnisse , nicht nur aus den Wirtschaftswissenschaften, sondern aus praktisch jedem Natur- Technische, Logistischen - Informationstechnischen Anwendungen - Der "Glaube" man können Zentralsystem durch Labern steuern hat sich immer als tödlicher Irrtum herausgestellt - warum wollen sie also hier einen neuen Anlauf starten!

Seien sie froh das ihr Körper keine "Zentralregierung besitzt" sondern sich evolutionär auf Dezentralisieren eingerichtet hat - es würde keine Primaten , und Sie ebenfalls nicht geben hätte die Evolution diesen Nonsens von Zentralstaat angefangen!

Und nebenbei, auch die USA sind kein "Zentralstaat" sondern ein doch sehr lockerer Staatenverbund, der sein Überleben bis heute genau der Ablehnung der sozialistischen von oben verordneten Gleichmacherei von "Eliten" verdankt!

Eliten an der Spitze von Zentralstaaten sind informationstechnisch die dümmsten Mitglieder des gesamten Systems - sie wissen nichts über alles - aber glauben da ihr nichtwissen irgendwo in der Realität noch die Lokalen Unterschiede reflektiert!

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spatzimatzi 28.02.2012, 14:25
5. Bofinger zündet Nebelkerzen

Zitat von sysop
So habe sich der Süden und Westen Europas mit der Billigung des Rats der Europäischen Zentralbank (EZB) die elektronische Notenpresse geliehen und Geld wie Heu gedruckt. Tatsächlich gibt es in den Problemstaaten der Eurozone heute aber weniger Geld, nicht mehr: Die zurechenbaren Geldbestände der privaten Haushalte und der Unternehmen sind in Griechenland, Irland, Italien, Portugal und Spanien in den letzten zwölf Monate um drei Prozent gesunken.
Natürlich sind die Geldbestände der privaten Haushalte und Unternehmen in den PIIGS-Staaten gesunken - weil damit die chronischen Leistungsbilanzdefizite finanziert werden. Dieses Geld fließt entweder direkt oder indirekt (über das Euro-Ausland) nach Deutschland. Hier baden die Unternehmen und Geschäftsbanken in Liquidität. Die Geldschöpfung gegen minderwertige Sicherheiten in den Peripheriestaaten kommt dabei immer wieder an ihre Grenzen, weil die Sicherheiten ja immer schlechter werden müssen und irgendwann der Standard zu hoch wird. Das erklärt die rückläufigen Geldbestände. Aber man weiß sich ja zu helfen: die EZB lockert einfach immer wieder die Standards, so wie auch jüngst wieder geschehen.

Zwar hat Bofinger recht, dass auch Kapitalflucht insbesondere in den Fällen Italiens und Irlands eine wichtige Rolle spielt, aber entscheidend sind für die Zahlungsbilanzkrise der PIGS die Leistungsbilanzdefizite, und die lassen sich nicht wegargumentieren. Denn es finden ja keine privaten Kreditströme mehr statt. Da aber nach wie vor Leistungsbilanzdefizite existieren und keine Gold- oder Devisenreserven zum Bezahlen eingesetzt werden, kann es sich nur um eine Finanzierung via Target-2-Mechanismus handeln.

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hardliner1 28.02.2012, 14:25
6. Bofinger liegt schief

Welcher Teufel hat Bofinger geritten, dass er zu solchen Vorschlägen kommt? Die Fiskalpolitik in die Hände des Europäischen Parlaments geben? Kennt Bofinger die Zusammensetzung dieses von baylonischem Sprachgewirr befallenen Parlaments? Und natürlich erneuert Bofinger wieder einmal seine Forderung nach Euro-Bonds ohne diesen Begriff zu verwenden. Dass er schließlich auch noch das sattsam widerlegte Exportargument aufs Trapez bringt, zeigt, dass er nicht lernfähig ist.
Tatsache ist: Die Euro-Zone in ihrer jetzigen Form ist nicht lebensfähig. Sie ist zu groß und vor allem ist die Wirtschaftskraft der Mitglieder viel zu unterschiedlich, um eine Gemeinschaftswährung rechtfertigen zu können.

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FidelCastor2 28.02.2012, 14:26
7.

Im Artikel heißt es
Die Lösung liegt in einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik

Mit anderen Worten:
Die Lösung liegt darin, dass wir die Schulden der anderen einfach
übernehmen. Ist doch kein Problem - oder?
Das nennt man dann strategisch weit gedacht.

Wenn es nach mir ginge, müssten Griechenland, Portugal, etc.
sparen oder ihr Land verkaufen, oder was auch immer.
Das wir die Rechnung übernehmen, dafür dass Griechische
Staatsbedienstete immer 14 Monatsgehälter bekommen sehe ich nicht
ein. An uns spart unsere Regierung seit Jahren. Das Geld wird
jetzt bei den anderen verjubelt.

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Zereus 28.02.2012, 14:26
8. ...

Zitat von sysop
Aber es gibt darauf nur zwei Antworten: Entweder man gibt die Währungsunion auf, und dann besser heute als morgen, oder man macht sich mit aller Energie daran, die Fiskalintegration in Europa deutlich voranzubringen.
Eine wirklich wirksame Fiskalintegration mit so etwas wie einem Länderfinanzausgleich, gemeinsamen Anleihen, einer Abgabe des Haushaltsrechts an Brüssel usw. ist nur über die Schaffung einer politischen Union möglich. Diese wiederum ist nicht ohne die Bürger zu machen, und an denen wird der Versuch scheitern. Drückt man diese politische Union gegen den Bürgerwillen durch, riskiert man einen Bürgerkrieg.

Es bleibt also nur die Möglichkeit, die Währungsunion aufzugeben. Und ja, das besser heute als morgen. Es ist aber erfreulich, dass das endlich als echte Option dargestellt wird, und nicht als die Entscheidung gegen Frieden und für Krieg in Europa.

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Whitejack 28.02.2012, 14:26
9.

Zitat von sysop
Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.
Das, was Sinn sagt, klingt logisch. Das, was Bofinger sagt, auch.

Zumindest für den Laien, der von der Materie wenig Ahnung hat. Wie aber soll man nun entscheiden, wer Recht hat? Letztlich wird es wohl doch darauf hinauslaufen, dass man emotional entscheidet, ob man den Euro mag oder nicht. Und daran hat sich interessanterweise in den letzten 10 Jahren praktisch nichts geändert, egal ob die Wirtschaftsdaten nun gut oder schlecht waren.

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