Forum: Wirtschaft
Debatte um Notenbank-Bilanz: Bofinger attackiert Sinns "Jammer-Diskussion"
Deutsche Bundesbank

Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.

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OHCRIKEY 28.02.2012, 17:43
100. ...

Zitat von Nihil novi
Wer noch nicht einmal verstanden hat, dass ein Importüberschuss auch immer einen Kapitalüberschuss nach sich ziehen muss, der sollte sich hier wesntlich kürzer fassen. Richtig ist vielmehr, dass es durch den Exportüberschuss in Deutschland einen Kapitalabfluss gibt. Jaja, die schwäbische Hausfrau und der Hobbyökonom, eine gefährliche Mischung... Also nochmal für Sie in aller Kürze: Außenhandelsüberschuss = Finanzabfluss Außenhandelsdefizit = Kapitalzufluss. Target2: Verrechnungsgröße deutsche Bundesbank keine Sparkasse.
Er hat sich lediglich von der Bezeichnung "Geldbestände der privaten Haushalte" in Boxhorn jagen lassen.
Dass die nun mit den Einkommen sinken dürfte niemanden überraschen.
Womit wir wieder beim Kapitalzufluss wären, der nichts anderes bedeutet als Geld auf Pump.
Was uns zu Target2 führt, der in Griechenland die negative Leistungsbilanz (mit)finanziert.
Das Einkommen von morgen wird also heute verpulvert.
So sehr daneben liegt der Forist also gar nicht.

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fprester 28.02.2012, 17:45
101.

Zitat von sysop
Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.
Ende des Eurosoder Fiskalunion?
Vielleicht sollte man vor der Beantwortung dieser Frage, mal überlegen, welche eine Fiskalunion für Konsequenzen hätte. Das wäre doch eine nette Aufgabe für die beiden Herren Sinn und Bofinger.
Bei der Aufgabe des Euro haben wir nun genügend Horrorszenarien gehört (die allerdings dadurch auch nicht glaubwürdiger werden). Aber eine Fiskalunion? Was konkret beinhaltet eine solche?

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fprester 28.02.2012, 17:54
102.

Zitat von sysop
Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.
Ende des Euros oder Fiskalunion?
Vielleicht sollte man vor der Beantwortung dieser Frage mal überlegen, welche Konsequenzen eine Fiskalunion hätte. Das wäre doch eine nette Aufgabe für die beiden Herren Sinn und Bofinger.
Bei der Aufgabe des Euro haben wir nun genügend Horrorszenarien gehört (die allerdings dadurch auch nicht glaubwürdiger werden). Aber eine Fiskalunion? Was konkret beinhaltet eine solche?

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Nihil novi 28.02.2012, 18:00
103. Jep

Zitat von OHCRIKEY
Er hat sich lediglich von der Bezeichnung "Geldbestände der privaten Haushalte" in Boxhorn jagen lassen. Dass die nun mit den Einkommen sinken dürfte niemanden überraschen. Womit wir wieder beim Kapitalzufluss wären, der nichts anderes bedeutet als Geld auf Pump. Was uns zu Target2 führt, der in Griechenland die negative Leistungsbilanz (mit)finanziert. Das Einkommen von morgen wird also heute verpulvert. So sehr daneben liegt der Forist also gar nicht.
Ach wissen Sie, mit einer etwas souveräneren Notenbankpolitik wäre auch das kein Problem. Um es griffig zu machen, die USA, die man uns 2 Jahrzehnte lang immer als das Modell schlechthin vorgehalten hat, lebt damit recht gut. Man muss sich mal von dieser "Geld an sich ist der Wert" Illussion Abschied nehmen, dann klappts auch wieder.

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Norden 28.02.2012, 18:11
104. Nebelkerzen

Zitat von Whitejack
Das, was Sinn sagt, klingt logisch. Das, was Bofinger sagt, auch. Zumindest für den Laien, der von der Materie wenig Ahnung hat. Wie aber soll man nun entscheiden, wer Recht hat? Letztlich wird es wohl doch darauf hinauslaufen, dass man emotional entscheidet, ob man den Euro mag oder nicht. Und daran hat sich interessanterweise in den letzten 10 Jahren praktisch nichts geändert, egal ob die Wirtschaftsdaten nun gut oder schlecht waren.
Nein, das kann auch der Laie nachvollziehen: Bofinger argumentiert nicht logisch; Sinn analysiert und macht Lösungsvorschläge!
Griechenland importiert viel mehr, als es ausführt; wohlhabende Griechen exportieren ihr Kapital ins Ausland und legen es (individuell vernünftig) auf Konten, in Aktien und Immobilien an. Die Leistungsbilanzdefizite Griechenlands und der Erwerb von ausländischen Werten werden aus Guthaben und Bankkrediten finanziert. Die gr. Banken bekommen dafür Kredite der griechischen Notenbank, diese das Geld von der EZB. Die EZB leitet es weiter an die Bundesbank und diese an die deutschen Banken, die dadurch ihre Kreditaufnahme bei der Bundesbank verringern. Im Ergebnis hat dann die Bundesbank weniger gut besicherte Forderungen gegen deutsche Banken (gut besichert heisst durch Forderungen gegen den Bund oder Pfandbriefe) und mehr letztlich weniger werthaltige (Target-)Forderungen gegen die EZB. Die EZB hat dadurch Forderungen gegen die griechische Notenbank aufgebaut, die wiederum Forderungen gegen gr. Banken hat, die mit Anleihen des gr. Staates besichert sind.
Letztlich werden der Überhang der gr. Importe über die Exporte und der Vermögensaufbau von Griechen in anderen Ländern von der Bundesbank über Target und z.T. aus den Hilfsprogrammen finanziert. Der Anteil von Griechenland, Portugal, Irland und Spanien an den Zentralbankkrediten in der Euro-Zone hat sich seit 2007 von ca. 15% auf über 60% erhöht.
Das hat Sinn herausgearbeitet. Dieser Prozess stösst an Grenzen!
Dabei ist der Unterschied zwischen den 4 Ländern groß: Irland hat kein Leistungsbilanzdefizit, sondern hatte Kapitalabwanderung zu bewältigen; Spanien zumindest bis 2010 private Kapitalimporte und zeigt ernsthafte Anpassungen; Portugal zwar ähnliche Daten wie Griechenland, aber eine höhere Veränderungsbereitschaft. Ein gut gemanagter Austritt Griechenlands aus dem Euro könnte dem Land die internen Anpassungen erleichtern und seinen Partnern vernünftige Hilfen für Griechenland.

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quark@mailinator.com 28.02.2012, 18:13
105. Klar doch :-) ...

Zitat von
Bofinger "Der Preis dafür besteht darin, dass ihre Forderungen gegenüber Banken in den Problemländern nun als Target-Forderungen in die Bilanz der Bundesbank gewandert sind."
Na toll, d.h. statt der privaten Banken hat nun die Bundesbank das Problem - Forderungen gegenüber (fast) bankrotten Ländern. Was soll mich das denn beruhigen ?

Um mal eine gruselige Analogie zu wählen - Staaten verhandeln nicht mit Geiselnehmern, auch dann nicht, wenn es deren Leben kostet. Das führt dazu, daß es weniger Geiselnahmen gibt. Entsprechend sollten Staaten auch auf die ökonomische Erpressung durch Banken reagieren. Egal was es kostet, wer sich verzockt hat am Ende sein Vermögen verloren zu haben. Wenn es uns auch diesmal vielleicht sauer aufstoßen mag, aber auf Dauer hält es die Banken(eigner) sicher vom Zocken ab. Es ist empörend, in welchem Maße hier Steuergelder eingesetzt werden, um allemöglichen Banken zu erhalten. Leider findet sich solches Geld nicht für Dinge, die dem kleinen Mann am Herzen liegen. Unser Sozialsystem haben wir ja schon toll zusammengekürzt. Nun zwingen wir das dem Rest Europas auch noch auf.

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tromsø 28.02.2012, 18:21
106. Streiten geht nicht

Zitat von kein Ideologe
vermutlich, ich werde wohl heute abend beides nochmal genau lesen. Die Griechenlandkrise macht uns zwar arm, aber auch schlau. Wenn alles krachen geht, oder auch nicht, hat man wenigstens hinterher verstanden wie so eine Währungsunion funktioniert. Hätten sich die Großkopferten nicht chon vor 15 Jahren dazu streiten können?
Denn dann war und ist man automatisch ein Gegener der hochgelobten EU. Also kein Europäer.

Seit wann wird denn argumentativ diskutiert in der europäischen Politik? Wäre mir neu. Die Mehrheit folgt der Pfeiffe des Premiers / Kanzlers wie auch immer und die Minderheit (Opposition) findet alles schlecht, was von der Regierung kommt.
Argumente? Fehlanzeige! Darum sind die Politiker ja noch blöder als der Durchschnitt der Bevölkerung. Sie müssen ja gar nicht wissen, über was sie abstimmen, sondern nur, ob ein ja oder nein für oder gegen die Regierung spricht

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sacco 28.02.2012, 18:40
107.

"Warum stellt man das Ganze nicht so dar: Die Target-Salden haben es deutschen Banken ermöglicht, ihre Engagements in den Problemländern massiv zurückzufahren, ohne dass es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems im Euro-Raum gekommen ist. Der Preis dafür besteht darin, dass ihre Forderungen gegenüber Banken in den Problemländern nun als Target-Forderungen in die Bilanz der Bundesbank gewandert sind."

kurz: die banken haben sich auf kosten des steuerzahlers saniert. das erfolgsmodell wird die bevölkerung nicht nur deutschlands enteignen. offenbar findet dies herrn bofingers beifall. das ist nicht jämmerlich, das ist verbrecherisch.

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E.Cartman 28.02.2012, 18:48
108.

Zitat von sacco
"Warum stellt man das Ganze nicht so dar: Die Target-Salden haben es deutschen Banken ermöglicht, ihre Engagements in den Problemländern massiv zurückzufahren, ohne dass es zu einem Zusammenbruch des Finanzsystems im Euro-Raum gekommen ist. Der Preis dafür besteht darin, dass ihre Forderungen gegenüber Banken in den Problemländern nun als Target-Forderungen in die Bilanz der Bundesbank gewandert sind." kurz: die banken haben sich auf kosten des steuerzahlers saniert. das erfolgsmodell wird die bevölkerung nicht nur deutschlands enteignen. offenbar findet dies herrn bofingers beifall. das ist nicht jämmerlich, das ist verbrecherisch.
Erklären Sie mir bitte, wie das die Bevölkerung der europäischen Staaten enteignet, insbesondere im Vergleich zur Streichung aller Ersparnisse.

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tromsø 28.02.2012, 18:52
109. Richtig

[QUOTE=suwarin;9728211]

Solange der Sozialstaat sowohl diesseits wie jenseits der Alpen auf Schulden basiert, ist das Sozialstaatssystem keinesfalls zukunftsfähig. Leider ist dieses Schuldenmachen systemimmanet, da Sozialleistungen bessere Chancen auf Wiederwahl versprechen. Ob wir gerade eine Änderung erleben werden wir sehen.

QUOTE]

Dass man einen Sozialstaat solide gegenfinanzieren kann, beweist Schweden seit Jahren. Dafür sind aber auch (horrende) Steuerquoten nötig, die alle zahlen!

Und hier liegt die Knacknuss. Wie soll man den Nordländern beibringen, dass sie Steuern zahlen für Südländer? Ist wohl noch machbar.

Wenn sich nur alle daran beteiligen würden!

Aber wenn irgendwo EU-Geld veruntreut wird, Steuern im grossen Stil hinterzogen, ja dann ist es mit der Solidarität schnell vorbei!
Wieso? Weil die Empfänger bescheissen! Wären es die Geldgeber aus dem Norden, könnte man ja noch darüber hinwegsehen, solange das Geld fliesst

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