Forum: Wirtschaft
Debatte um Notenbank-Bilanz: Bofinger attackiert Sinns "Jammer-Diskussion"
Deutsche Bundesbank

Schlummert in der Bundesbank-Bilanz ein gigantisches Risiko? Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn. Jetzt erwidert ihm der Wirtschaftsweise Peter Bofinger: Sinn überzeichne die Bedrohung durch die sogennnten Target-Salden - ohne eine Alternative zur Rettung der Eurozone aufzuzeigen.

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Eutighofer 28.02.2012, 14:29
10. Bofingers Rat -noch mehr Schulden

Herr Bofinger schreibt:
"Für eine Stabilisierung des Banken ist es zum anderen erforderlich, das Vertrauen in die Staatsanleihen der Problemländer wieder herzustellen.... Nach dem Reputationsverlust der beiden letzten Jahre wird man hier um Formen einer GEMEINSAMEN HAFTUNG nicht umhinkönnen. "

Herr Bofinger meint also, wenn Deutschland noch mehr als bisher für die Kredite der Südländer bürge , würde sich das Kreditkarusell schon wieder drehen.
Nein Danke, Deutschland haftet schon genug. Und der Dank dafür ist, dass es in Griechenland üblich geworden ist, die Deutschen als Nazis und Erpresser darzustellen.

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hartholz365 28.02.2012, 14:30
11. Vor ein paar Tagen noch Top Ökonom

Zitat von sysop
Ja, sagt der Ökonom Hans Werner Sinn.
So schnell kann es gehen, der mediale Aufzug bewegt sich nach unten, nicht nur bei der Bild. ;)

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jahiro 28.02.2012, 14:30
12. Im Klartext

Zitat von
Mit den Target-Salden ist somit kein neues Geld entstanden, es wurden lediglich -wie Sinn auch zutreffend feststellt - private Kredite an Banken durch Notenbankkredite ersetzt.
Mit anderen Worten, die Ultra-Reichen haben ihre drohenden Verluste sozialisiert.

Es wurden also mal wieder hunderte von Milliardn Euros von unten nach oben verteilt.

Nebenbei: Warum muss nach Ansicht von Hrn. Bofinger ausgerechnet Hr. Prof. Dr. Sinn jetzt im Alleingang die Eurokrise/ Bankenkrise lösen? Er leistet doch bereits übermenschliches, nur um diese eine Fehlentwicklung an die Öffentlichkeit zu bringen! Mal wiede nur eine weitere Neo-liberale/ Konservative Killerphrase von Hrn. Bofinger, um die Diskussion abzuwürgen ... sonst nichts. Schämen sollte er sich!

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nudelsuppe 28.02.2012, 14:30
13. Bye bye Euro

Zitat von SPON
Eine gemeinsame Haftung ist nur vertretbar, wenn die Länder bereit sind, fiskalpolitische Kompetenzen auf die europäische Ebene zu übertragen. Konkret könnte das bedeuten, dass sich hoch verschuldete Länder die Eckpunkte ihres Budgets vom Europäischen Parlament genehmigen lassen müssen.
Und schon wieder Eurobonds. Das Europäische Parlament soll die Haushalte genehmigen? Keiner will die Souveränität über seine Finanzpolitik aufgeben. An die Kohle der anderen will man aber sicher trotzdem. So kann und wird das nicht funktionieren. Wenn ich das jetzt richtig interpretiere, ist der Euro so oder so dem Untergang geweiht. Eine gemeinsame Fiskalpoloitik wird es meiner Meinung nicht geben. Als, Bye bye Euro. Er hat fertig!

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ak-73 28.02.2012, 14:33
14. Lieber Prof. Bofinger,

ich bin kein Experte auf dem Gebiet der VWL, aber so wie ich Prof. Sinn verstanden habe ist ein signifikanter Teil des Problems die Geldschöpfung über nur unzureichend besicherte Kredite in den Problemländern. Wären die Standards dafür nicht signifikant abgesenkt worden, dann hätte diese Geldschöpfung durch die Problemländer so nicht stattfinden können.

Diesen kann Vorgang könnte man dann durchaus als ein heimliches (und dadurch unaufrichtiges) Anwerfen der Notenpresse bezeichnen.

Der 2. Aspekt ist die wachsende Abhängigkeit des Gläubigers vom Schuldner. Wie hoch müssen die Target2-Ungleichgewichte anschwellen bevor wir uns einen Euro-Austritt nicht mehr leisten können?

Darauf habe ich von keinem Sinn-Kritiker bisher eine hinreichende Antwort gelesen; deswegen bleiben die Thesen von Sinn relevant - auch nach Ihrem Beitrag hier.

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rw2 28.02.2012, 14:33
15. Na wer jammert...

Warum musste erst ein Sinn kommen um das aufzudecken? Auch wenn Herr Sinn überzeichnet gehört ihm doch ein Orden dafür. Und wenn der Herr Bofinger mal seinen Ego überwunden hat, kann er sich mit Herrn Sinn u.A. zusammensetzen und Lösungen für dieses Problem aufzeigen lassen bzw. mit zu gestalten. Fiskaldintegration wird wohl in absehbarer Zeit nicht möglich sein; also doch das Ende der Währungsunion? Herr Sinn hatte schon Auswege in seiner Rede vom Dez. aufgezeigt. Also wer jammert hier?

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eingedanke 28.02.2012, 14:34
16. interessante Kritik an "Jammerern"

Wenn ich den Author richtig verstanden habe lese ich in seinem Beitrag 4 Punkte zur Lösung:

- grundlegende Sanierung der Banken in den Problemländern
Deutschland ist auch ein Problemland was die letzte Bankenrettung bewiesen hat

- einheitliche Bankenaufsicht
Ja, auf gehts, geredet wird darüber seit Jahren

- Vertrauen in die Staatsanleihen....Formen einer gemeinsamen Haftung
Das bedeutet dann offizielle Transferunion oder?

- Die Lösung liegt in einer gemeinsamen europäischen Finanzpolitik
Das bedeutet dass 17 Verfassungen geändert werden müssen und die Wähler dem zustimmen

Und damit ist der € dann gerettet?

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Lipper 28.02.2012, 14:35
17. Schönfärberei

Bevor es zu der von Bofinger empfohlenen Fiskalunion kommt, könnte Griechenland in die Staatspleite stürzen. Dann dürften die Verbindlichkeiten der griechischen Notenbank abzuschreiben sein. Diese Gefahr scheint mir real zu sein und hat nichts mit Stammtisch- Gerede zu tun.

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spiekla 28.02.2012, 14:36
18. Sinn ist also zu blöd

Zitat aus dem Artikel:
"Der Preis dafür besteht darin, dass ihre Forderungen gegenüber Banken in den Problemländern nun als Target-Forderungen in die Bilanz der Bundesbank gewandert sind."

das o.g. nicht zu begreifen? Nein - vielmehr zeigt Bofinger nicht klar genug, das die EZB Haftungsübernahme dem Steuerzahler gigantische neue Risiken auflädt.
Was Bofinger völlig ausblendet ist:
Eine Konsolidierung der PIGGS funktioniert nur über die Realwirtschaft und nicht durch fiskalisches Umschichten. Wer zu € Preisen und Kosten nicht wettbewerbfähig ist, hat keine ausreichende Wertschöpfung für Schuldendienst und soziale Wohltaten.

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WolfHai 28.02.2012, 14:42
19. Falsche Diagnose - falsche Therapie

Zitat von sysop
..., dass es sich bei den Target-Salden nicht um ein eigenständiges Problem, sondern vielmehr um ein Symptom einer tieferliegenden Krise handelt. Sie besteht darin, dass das Vertrauen in die Banken der Problemländer massiv gelitten hat und dass zudem immer mehr Investoren einen Austritt einzelner Länder aus der Währungsunion befürchten.
Natürlich sind Targetsalden Symptom eines tieferliegenden Problems, nicht die Ursache. Und zwar - und das spricht Prof. Bofinger in seiner Stellungnahme gar nicht an - sind sie Symptom der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit der Krisenstaaten, die sich in Zahlungsbilanzdefiziten ausdrückt, von denen die Target-Salden das finanzielle Gegenstück darstellen (Leistungbilanzdefizit Griechenland 2011: 10% vom BIP, Portugal: 9,9%).

Vereinfacht geht es so: das Leistungsbilanzdefizit führt zur Rezession/Depression in den Krisenländern, dies trägt zu Staatsbudgetdefiziten bei. Es kommt zu Zinserhöhungen in diesen Ländern, Austrittsgerüchten und dann zur Kapitalflucht. Dass europäische Banken aus den Krisenländern Kapital abziehen, ist Teil dieser Kapitalflucht. Die Kapitalflucht erhöht die Targetsalden noch einmal.

Rettungsschirme und "Brandmauern (fire walls)" können vielleicht kurzfristig die Kapitalflucht unterbrechen. Sie kaufen auch Zeit, in denen das europäische Finanzsystem noch nicht zusammenbricht. Da das ursprüngliche Problem aber nicht in dem "verlorenen Vertrauen" in die Banken der Krisenländer liegt (die haben das Vertrauen nicht ohne Grund verloren), sondern in der mangelnden Wettbewerbsfähigkeit, können sie das Problem nicht lösen.

Ich kenne keinen Mechanismus, der die fehlende Wettbewerbsfähigkeit der Krisenländer in absehbarer Zeit und ohne tiefe, langandauernde Depression wiederherstellen könnte außer (1) Euro-Austritt, (2) Abwertung, (3) internationale Übergangskrisenhilfe. Die Alternative wären: "Interne Abwertung", also Reduzierung des Lohnniveaus in den Krisenländern (nur mit Depression und politischen Unruhen denkbar, funktioniert in Griechenland zur Zeit nicht), oder massive Inflation des Euro.

Wer meint, dass Euro-Austritt und Abwertung schwierig und teuer seien, hat Recht. Die Alternativen - langjährige Transfers auf Deutschlands Kosten und trotzdem langjähriges Elend in den Krisenstaaten - ist schlimmer. Es gilt analog: Das Leben ist schlecht - wenn man allerdings die Alternative betrachtet...

Zusammenfassend: Prof. Bofingers Diagnose greift zu kurz. Deshalb wird die von ihm vorgeschlagene Therapie unwirksam bleiben - aber trotzdem teuer. Auch wenn Prof. Sinns Erklärungen vielleicht nicht in allen Details 100% richtig sind: Prof. Sinn hat Recht.

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