Forum: Wirtschaft
Deflationsgefahr: Warum Deutsche fallende Preise fürchten sollten

Die Mehrheit der Deutschen erwartet steigende Preise - um fallende schert sich dagegen kaum jemand. Das aber ist brandgefährlich.

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HerbertVonbun 26.02.2014, 17:44
10. Dünnes Hemd

Der Text ist schmalbrüstig geraten und wirft Dinge durcheinander. Dass Inflation die Kaufkraft schmälert, erkennt der Konsument, dass er für die gleiche Menge Geld weniger an Ware erhält. Bei der Deflation geht es anderst herum: Für die gleiche Menge Geldes erhält er ein mehr an Ware. Das ist die Sicht des Konsumenten. Für das Unternehmen besteht das Problem, dass seine Preiskalkulation nicht mehr stimmt, wenn er denn überhaupt kalkuliert!, sondern einfach nimmt, was der Markt hergibt. Deckt der Erlös nicht mehr seine Selbstkosten, ist es besser, er bleibt auf seinen Waren hocken und wartet bessere Zeiten ab oder er verlegt sich auf einen anderen Markt. Das ist die Sichtweise der Betriebswirtschaftler. Bei den übervollen Märkten in unserem Land ist eher mit Preisnachlässen zu rechnen als mit Erhöhungen. Das muss aber nun nicht in eine Deflation ausarten, sondern stellt lediglich eine aus dem Gleichgewicht gekommene Angebots- Nachfrage - Situation dar. - Aber nur mal schnell Angst machen, ist in unserer immer hektisch werdenden Zeit ja eher angesagt. - Und seit wann interessieren sich BWL'er um gesamtwirtschaftliche Aspekte? Und selbstverständlich kaufen ich ohne nachzudenken meinen Eisschrank jetzt in Griechenland ein. Wie der dann in meine Küche kommt ist doch einerlei!!?

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eimsbusher 26.02.2014, 17:45
11. Unfug

Zitat von sysop
Die Mehrheit der Deutschen erwartet steigende Preise - um fallende schert sich dagegen kaum jemand. Das aber ist brandgefährlich.
Immer wieder das gleiche Gewäsch über die große Gefahr der Deflation. Mit der man so schön begründen kann, warum man die Geldmenge immer weiter ausweiten und sich über steigende Preise freuen sollte. Richtig ist, dass es Schuldnern in einer Deflation schlecht geht, darum ist es für den Staat keine angenehme Vorstellung. Ebenso geht es dem privaten Schuldner. Wer aber gespart hat und über Vermögen verfügt, also Gläubiger ist, dem kommen fallende Preise gelegen. Es ist ein Unfug zu glauben, Preise müssten immer nur steigen.

Weiterhin ist die stetige Warnung vor der schlimmen Konsumzurückhaltung in Erwartung sinkender Preise m.E. eine Schimäre. Wenn dem so wäre, wäre die IT-Hardwarebranche die letzten 20 Jahre übelst zu bedauern, denn da haben wir fortgesetzte Deflation. Verzichten die Konsumenten deshalb auf den Kauf von Notebooks, Smartphones etc.? Natürlich nicht. Es wird gekauft, wenn man etwas benötigt. Ich kann daran nichts Schlechtes finden.

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rgsf 26.02.2014, 17:52
12. Es gibt Hoffnung

von unerwarteter Seite. Wenn die Gewerkschaften jetzt hohe Lohnerhöhungen durchdrücken freut sich die Masse. Und Inflation tendiert höher, was sehr gut wäre, da stimme ich Ihnen voll und ganz zu. Und das beste: der Inflationsparanoiker weiss gar nicht wie ihm geschieht, aber wird mittelfristig profitieren.

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studibaas 26.02.2014, 18:02
13. Herrlich2

Aber am besten war der hier:
"Wenn die Deutschen jetzt wirklich eine höhere Inflation erwarten würden, dann könnten sie sich eine goldene Nase verdienen, indem sie normale Staatsanleihen verkaufen und solche kaufen, deren Ertrag sich automatisch an die Inflationsraten anpasst."
Welch ein Bullshit. Erst mal 3 Basis Dinge: Um ihren Vorschlang in der Praxis umzusetzen müsste man erst mal Staatsanleihen in größeren Mengen besitzen. Das tun die meisten nicht. 2. stellt sich die Frage, wie viele Leute überhaupt mit Staatsanleihen und Wechselkursen zu anderen Wertpapieren handeln,- wohl die wenigsten, das wären wohl eher die Analysten in der Bank / Broker. Und drittens wüsste zumindest ich nicht (und die meisten Deutschan auch nicht) welche Wertpapiere ihren Ertrag RISIKOLOS automatisch an die Inflationsraten anpassen. Wäre ihnen aber sehr dankbar wenn sie die Antwort posten, dann verdiene ich mir eine goldene Nase.
Denn:
Da die Geldmenge durch Zinseszins Effekt eigentlich stärker wachsen muss als der Wachstum realer Werte / Menge an Dienstleistungen (Mathematisch belegbar) ist Inflation die zwingende Konsequenz einer Gesellschaft in der es Zinsen gibt. ,- also jeder.
Und je mehr virtuelles Geld man druckt (wir nennen das Vergabe günstiger Kredite) desto mehr muss die Inflation steigen. Und das tut sie auch seit der Einführung von Geld in Deutschland,- ausgenommen einige Branchen, wo die Produktivität tatsächlich schneller wächst als die Inflation, war zur Deflation führt.
Eine Ausnahme wäre tatsächlich, wenn entgegen aller Wahrscheinlichkeiten die Produktivität gemittelt über alle Branchen höher ist als der Zinseszins Effekt, wir also mit weniger Aufwand deeeeeeeeutlich mehr produzieren. In dem Fall werden die Produkte wirklich günstiger,- und wen störts? Das Problem ist eher, das wir dann mit hoher Arbeitslosigkeit rechnen müssten, weil halt dann nicht genügen Arbeit für alle da wären, weil wir zu produktiv werden. Die Folgen davon beschreibe ich hier aber nicht mehr. Sprengt zum einen die max. Zeichenmenge, zum zweite ist das Eintreten dieses Falles mehr als unwahrscheinlich.

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yonsito 26.02.2014, 18:09
14. der Spiegel bleibt dran

Schon über den ersten Artikel zu diesem Thema habe ich mich geärgert. Und da die Resonanz wohl nicht groß genug war, gibt es jetzt noch eine Kolumne dazu. Diese Art von Panikmache ist verantwortungslos und schädlich.

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ikwer 26.02.2014, 18:19
15.

Zitat von sysop
wonach 92,3 Prozent aller Deutschen die Inflation erwarten [...] die Inflation betrug 1,5 Prozent.
Also haben die 92,3 Prozent doch Recht. Wo liegt das Problem? Wir sind noch ganze 1,5 Prozent von einer Deflation entfernt, warum muss ich dann jede Woche nen Panikmache-Artikel bei Spon lesen?

Desweiteren begrenzen sich die negativen Auswirkungen der Deflation (Kauf wird verschoben in erwartun niedrigerer Preise) auf teure und selten gekaufte Güter, z.B. Autos, Immobilien, Möbel, Unterhaltungselektronik. Und die unterliegen, zumindest gefühlt, einer viel stärkeren Inflation als 1.5% (Außer der Unterhaltungselektronik, aber die kurbelt ja nur die Wirtschaft in China und nicht in der EU an).

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luny 26.02.2014, 18:21
16. Aufgeschobene Kaufentscheidungen

Zitat von AGA2759
lese ich von aufgeschobenen Kaufentscheidungen. Wenn der Kühlschrank kaputt ist, wird er ersetzt. Oder wer kauft spontan, einfach so, mal wieder einen neuen Kühlschrank? Kühlschranksammler?
Hallo AGA2759,

mich würde interessieren, wie denn die angeblich aufgeschobenen
Kaufentscheidungen zu der wiederum angeblichen "Kauflaune"
paßt, von der ständig berichtet wird.

LUNY

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Spiegelkritikus 26.02.2014, 18:33
17. Die Perspektive der Normalbürger und das deutsche Drama

Zitat von sysop
Die Mehrheit der Deutschen erwartet steigende Preise - um fallende schert sich dagegen kaum jemand. Das aber ist brandgefährlich.
Zunächst einmal: Ein Normalbürger, der wenig Geld in der Tasche hat, fürchtet keine Deflation, ganz im Gegenteil: Wenn schon die Löhne seit Jahren stagnieren, dann sollen als kleiner Ausgleich wenigstens die Preise mal fallen. Die deutschen Geringverdiener, Armutsrentner und Arbeitslosen spüren natürlich gewaltig, wie ihre Kaufkraft geschwunden ist. Den Anfang nahm das Drama mit der Einführung des Euro, der die Kaufkraft fast von heute auf morgen deutlich gedrückt hat. Den Rest erledigten die Agenda 2010: Absenkung des Rentenniveaus, Nullrunden, ein jämmerliches Hartz4, Explosion des Niedriglohnsektors, jahrelange Lohnstagnation usw.

Heute kämpfen viele zusätzlich mit steigenden Mieten, Energiekosten, teilweise Lebensmittelpreisen etc.. Diesen Menschen bringt es nicht allzu viel, wenn Computer billiger geworden sind. Sorge vor Deflation ist ihnen fremd, zudem können sie mit diesem Begriff meist gar nichts anfangen. Sie fürchten (zurecht), dass ihre Kaufkraft weiter abnimmt und setzen das eben mit gefühlter Inflation gleich, ist doch klar.

Deflation sollte unsere Politik und Medien beschäftigen, dann käme man schnell darauf, dass einfach deutlich höhere Löhne bezahlt werden müssen. Aber dagegen sperrt sich bekanntlich die (Export-) Wirtschaft, weil mit Gewinneinbussen verbunden. Die kapitalhörige Politik schliesst sich dieser Weigerung an.

Ich habe hier schon vor Jahren geschrieben, dass der Euro allenfalls dann eine kleine Überlebenschance hat, wenn der Deflationspolitik im Süden eine entsprechende Inflationspolitik iim Norden und vor allem in Deutschland als Pendant gegenüber gestellt wird. Nichts ist geschehen, die Gier der Unternehmer ist übermächtig und die Politik versagt (die durchschnittlichen Unternehmensgewinne sind in den letzten Jahren regelrecht explodiert). Man kann eben nicht alles haben: Maximalen Profit für die Industrie, anständige Kaufkraft und Binnennachfrage der Masse und den Erhalt dieser Eurozone. So sieht es aus!

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macro! 26.02.2014, 18:37
18. Ökonomisches Halbwissen...

wird hier von allen Kommentatoren aufgezeigt. Im zweiten Kommentar wird die Inflation einmal über größere Geldmenge im Warenkreislauf, im nächsten Satz plötzlich über steigende Löhne erklärt (was beide sich ausschließende theoretische Ansätze sind, siehe Keynes vs. Friedmann). Auch Münchau vermischt diese Ansätze leider. Wer der Statistik übrigens nicht traut, kann sich auch mal ins Thema BIP-Deflator hereinlesen. Dieser Inflationsindex bildet die gesamte Produktion der BRD ab und ist in der Wissenschaft gebräuchlicher. Münchaus Warnung ist trotz einiger logischer Defizite richtig und wichtig. Deflation ist gefährlich: Welcher Unternehmer, der in neue Anlagen Investieren will, tut dies bei der Erwartung immer weniger Umsatz zu erzielen. Gleichzeitig ist er irgendwann gezwungen die Nominallöhne zu kürzen, was die Deflation nur noch weiter beschleunigt und den Kaufkraftgewinn, den hier einige bejubeln, wieder zunichte macht. An Münchau: mehr Grafiken und verweise auf Quellen, sonst wird Ihnen diese begründete Warnung keiner Abnehmen.

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Blindleistungsträger 26.02.2014, 18:40
19. Au, Backe

Wenn ich diesen Wirtschaftsfuzzimist von den Kühlschränken immer lese, dann kriege ich regelmäßig die Krise. Kein Mensch wartet darauf, dass ein Kühlschrank - oder was auch immer - im nächsten Jahr billiger wird. Diese Denke ist lediglich kurzfristig wirksam. Wenn richtige Menschen tatsächlich so handeln würden, wie sich die Wirtschafts-Automatenmenschen das so vorstellen, dann wäre in den letzten Jahrzehnten so gut wie kein PC an Endverbraucher verkauft worden. Die würde alle auf das ultimativ beste Preis-Leistungsverhältnis warten. Wenn richtige Menschen etwas benötigten oder begehren, dann kaufen sie es sich - wenn sie denn Geld haben. Da aber liegt das Problem. Wir werden seit nunmehr Jahrzehnten mit deflationären Löhnen abgespeist. Daher können die Leute immer weniger konsumieren und das hat psychologische Folgen. Richtige Menschen sind nämlich psychologische Wesen und keine Automaten wie der Homo Ökonomikus. Wird man über längere Zeit vom Konsumieren abgehalten, dann findet gewissermaßen eine Entwöhnung statt. Man merkt, dass es auch ohne viel Konsum geht, weil es ja mangels Geld gehen muss. Auch wenn man wenig Geld hat, gehen Kühlschränke nämlich kaputt. Einen neuen kann man sich dann aber nicht kaufen. Man ist gezwungen sein Leben ohne Konsum zu organisieren. Damit entfernt man sich von der ganzen Konsumhaltung, man geht gewissermaßen dem Markt verloren. Und das führt dann dazu, dass man die Anschaffung von Kühlschränken - oder was auch immer - mehr und mehr hinauszögert.

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