Forum: Wirtschaft
Der Staat - ein Geldverschwender?

Mehr als eine Billion Euro - so viel gibt der Staat pro Jahr aus. Die meisten Bürger glauben, das Geld versichere in dunklen Kanälen. Glauben Sie auch, dass zuviel davon verschwendet wird?

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sponleser872 27.08.2010, 02:06
310. -.-

politiker versuchen villeicht verzweifelt, wiedergewählt zu werden.
ALLES andere hat nicht die höchste Prorität.

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matbhmx 27.08.2010, 03:25
311. Artikel ist schlecht recherchiert!

Der Artikel ist ein schönes Beispiel dafür, wie man mit schlecht recherchierten und dargestellten Fakten eigene Vorstellungen transportieren kann. Schon der Ausgangspunkt, die Bundesrepublik sei 1970 mit 64 Mrd. € verschuldet gewesen, ist offensichtlich manipulativ. In der Summe der kommunalen, Länder- und des Bundeshaushalts mag das stimmen. Verschwiegen wird allerdings, dass die Verschuldung des Bundes läppisch war. Verschuldet waren Kommunen und Länder - und zwar fast ausnahmslos die durch die SPD geführten. Das scheint der Autor wohl aus naheliegenden Gründen zu verschweigen. Hübsch auch die - parteigerechte (der Autor mag Mal sein Parteibuch auf den Tisch legen) - Aufbereitung der dann in den 70er Jahren eingetretenen dramatischen Steigerung der Verschuldung. Die Ölkrisen sollen's gewesen sein, die die sozialliberale Koalition die Pflicht nahmen. Nichts als grober Unfug. Die SPD, die, kaum war sie dann doch Mal an der Macht, schon nach kurzer Zeit die Mehrheit der Deutschen nicht mochte (weshalb ja Barzel dann durchaus Chancen hatte, Brandt abzulösen), war sich des Umstandes, die nächsten Wahlen nicht einmal ansatzweise gewinnen zu können bewusst. Und da galt der alte Grundsatz "panem et circenses" (Spiele und Brot). Man kaufte sich die Wähler einfach! Auf welche Weise? Im öffentlichen Dienst gab es plötzlich Lohnsteigerungen von 14 %!!!!! Im Folgejahr gab's nach meiner Erinnerung 9 %! Zum Aufbrechen der bourgoisen Unterdrückungsmechanismen des Monopolkapitals (wer sich die damaligen Parteitage ansieht, wird sich erinnern müssen, dass weite Teile der SPD die DDR für den besseren deutschen Staat hielten und ihm Vorbildfunktion zuschrieben - ja, ja, das will heute kein Sozi mehr wissen! Ist so ein bisschen wie mit den Kriegskrediten bei Kaiser Wilhelm) mussten Gesamtschulen usw. her. Da wurde die Staatsverschuldungsquote zur Umsetzung der eigenen Ideologie und Aufweichung der bürgerlichen Strukturen ins unermessliche getrieben. Der Autor verschweigt auch, dass bis 1990 die Union, trotz der durch die sozialliberalen Regierung auf ein Jahrzehnt nach eigenem Regierungsende die Folgeregierung wegen der Verschuldung in die Pflicht nehmend einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen konnte. Erst der völlig außergewöhnliche Fall der Wiederherstellung der deutschen Einheit führt dazu, dass die Verschuldung in den Folgejahren immens anstieg.

Für die Kommunen galt das Problem: Die kleinen Provinzfürsten, unter der tatsächlichen eigenen Bedeutungslosigkeit leidend, mussten jeder Siedlungsansammlung von mehr als fünf Häusern eine moderne Gesamtschule, eine Sporthalle, die auch bei olympischen Spielen hätte zur Verwendung kommen können, ein fesches Schwimmbad, natürlich ein neues Rathaus usw. aufdrängen, um dem dumpfen Kommunalwähler (vox populi vox Rindvieh) etwas vorweisen zu können. Ähnliches galt auf Länderebene.

Der Artikel verschweigt all das, offensichtlich, weil der Autor nicht objektiv ist. Ein Geschichtsfälscher!

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prophet46 27.08.2010, 03:47
312.

Zitat von micheldeutsch
Das ist ja interessant. Dann sollte man das Ganze mal kaufmännisch sehen. Mit Gewinn/Verlust Rechnung. Da dürfte sich so mancher dieser Herrschaften wundern, was für ihn übrig bleibt.
Die rund 2 Billionen sind ja nur die halbe Miete. In den nächsten Jahren müssen die Versorgungsversprechen in Form von Pensionen im öffentlichen Dienst eingelöst werden, ein bisher weitgehend ungedeckte Scheck für die intensive Ausweitung der Beschäftigung im öffentlichnn Sektor in den 70 er Jahren.
Nach erstn Prognosen werden wir dann so bei 60 % Staatsquote landen. Das Problem iswt noch nicht gelöst.

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Andreas Heil 27.08.2010, 05:54
313.

Zitat von poppi
Glücklicherweise gibt's ja auch noch den Herdentrieb und Weissgarnix, die die Schuldenuhr mal richtig stellen...
Ganz genau.

Und da würde ich dann gerne die private Vermögensuhr daneben sehen.

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qvoice 27.08.2010, 06:06
314.

Zitat von Family Man
Das Problem ist das Geldsystem in dem wir leben. Der Staat ist gezwungen Geld zu leihen und dafür Zinsen zu bezahlen. Am Anfang fällt es nicht auf, aber im Laufe der Zeit gehen immer mehr Aufwendungen für Zinsen drauf (momentan etwa 40 Prozent des Steueraufkommens!). Dabei müsste der Staat überhaupt keine Schulden machen. Er könnte sein Geld selber herausgeben und zwar Zinslos. Was glauben Sie, wie wohlhabend wir auf einmal wären!
Fantastischer Vorschlag! Dann gehts uns wieder so toll wie 1923.
http://de.wikipedia.org/w/index.php?...20050211154410
Wir sind Billionär!

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Andreas Heil 27.08.2010, 06:12
315.

Zitat von TV500
Das grundsätzliche Problem ist, dass die verfügbare Geldmenge in den westlichen Geldsystemen aber nicht ausreicht, um die Schulden zu tilgen. ...
Nein, immer noch nicht. Trotz der suggestiven Videos, Proudhon und Gesell.

Die Grundeselei ist, dass die Zinszahlung ja kein Geld aus dem System als ganzes abzieht, sondern Teil des ganzen bleibt. Auch jede Bank hat Kosten, jeder Banker geht gerne essen, usw.

Und die Akkumulationsdynamik, hinter der man mechanistisch den Zinseffekt (Der Zinseszins ist dabei ohnehin schon mathematisch extrem nachgeordnet und weitgehend irrelevant) vermuten könnte, ist schon empirisch nicht zutreffend, da die größeren Umverteilungsströme über schnöde Handelsgewinne und Transaktionsgebühren ablaufen und schon mit Adam Smith klar als dem Kapitalismus selbst (Markt plus Privateigentum) inhärent erkannt waren und nicht "nur" eine Funktion des Geld- oder Finanzsystems sind.

Marktprozesse selbst zeigen zudem fast überall exponentielle Verteilungsmuster, so dass man gar keine Zinsdynamiken bemühen muss, um das Problem letztlich nur zu verschleiern. Faustformel: Je weniger diese Prozesse über progressive Steuern, Solidarsysteme, Vermögens- und Erbschaftssteuern marktexogen korrigiert werden und je mehr sie durch geschachtelte finanzielle Ableitungen von Realwerten potenziert werden, destso selbstzerstörerischer sind sie.

Warum ? - Weil auch die Chancen und Risiken bei den jeweils aktuellen Markttransaktionen auf Basis der als Kapital "geronnenen" früheren immer dysfunktionaler verteilt sind und damit auch Fehlanreize immer stärker akkumulieren.

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Andreas Heil 27.08.2010, 06:30
316.

Zitat von VorwaertsImmer
Lest Euch noch einmal genau durch was Keynes unter antizyklischer Haushaltspolitik versteht. Ihr vergesst nämlich das Sparen. Keynes SPART in guten Zeiten.
Auch wenn das oberflächlich gesehen stimmt, ist doch leider genauso platt und hat so wenig mit Keynes zu tun, wie der "hydraulische Vulgärkeynsianismus" der 70er. Die Idee dahinter gehört auch nicht Keynes, sondern Hicks, der Keynes entscheidende Gedanken damit initial versucht hat, in neoklassische Esoterik zu pressen.

Nicht nur deswegen ist auch das Fazit falsch:

Zitat von VorwaertsImmer
Genau jetzt muss ein Sparpaket her - um die Konjunktur vor einer Überhitzung zu bewahren!
Dafür ist es sehr eindeutig zu früh. Zudem war auch und gerade mit Keynes klar, dass das Geld vor allem dort einzusammeln ist, wo es sich im Laufe der Krisenentwicklung nutzlos aufgetürmt hat.

Nur zur Erinnerung: Den neuen Staatsschulden stehen in gleicher Höhe neue private Finanzguthaben in gleicher Höhe gegenüber und zwar vor allem bei denen, denen der Staat (also "wir" alle) gerade aus der Patsche geholfen hat, weil sie die Weltwirtschaft ein Stück über den Abgrund hinaus gezockt haben.

Schön ist, dass damit Gerechtigkeit (wichtige legitamatorische Grundlage für Ordnungspolitik und funktionale Anreizsysteme in Marktwirtschaften) und ökonomische Notwendigkeiten mal erstaunlich deckungsgleich sind.

Die Verteilungsfrage ist also derzeit von entscheidender Bedeutung.

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Roßtäuscher 27.08.2010, 07:33
317. Warum der Schuldenberg entstand und wie Politiker

Zitat von sysop
Mehr als eine Billion Euro - so viel gibt der Staat pro Jahr aus. Die meisten Bürger glauben, das Geld versichere in dunklen Kanälen. Glauben Sie auch, dass zuviel davon verschwendet wird?
verzweifelt versuchen, sein Wachstum zu bremsen. Zu bremsen? Plötzlich spricht man nicht einmal mehr von "Abbau" der gigantischen Schulden! Ein Kohl hatte schwarze Kassen und einen Schulden-Finanzminister, der sich heute noch traut, öffentlich seinen Senf zu seinem Schuldenhaufen zu verbreiten. Der frühere Kommunismus Experte, StaMoKap-Vertreter und Juso-Vorsitzende Schröder verbockte dann die Schuldenrückführung so gründlich, wie es gründlicher nicht mehr geht. Zuerst rannte ihm der Oskar vom Hof, weil er wahrscheinlich das Desaster nicht mehr schultern wollte. Noch heute mit seinen ökonomischen Thesen als grandioser Schuldenpapst dastehen würde. Sein Nachfolger Eichel, der Oberlehrer aus Hessen verteidigt nach wie vor ungefragt sein Finanzminister-Wirken und klagt sich damit ständig an. Dazu hat er auch allen Grund. Mit Schröder liberalisierte er die Bank-Zombies - siehe Kontraste Die Macht der Banken – wie die Finanzlobby die Politik bestimmt - Der hat dann gründlich vergeigt, was Weigel auf andere Art vormachte. Und Merkel und Steinbrück schieben ihre Schuldenmilliarden ganz einfach auf die Wirtschaftskrise - Punkt. Sie geben sich als die größten Unschuldslämmer!
Adenauer - Erhard hinterließen übersichtliche Schulden. Beim Kiesinger weiß man es nicht so genau, aber es kann nicht gravierend gewesen sein, denn keiner murrte. Ab Brandt wurde dann allzeit kräftig in die Debit Kiste gegriffen dass einem schlecht wurde. Schmidt verschenkte 700 Mio. aus der Rentenkasse an die Yugos, usw.
Von Kohl bis Merkel, der allerschlechteste war Schröder mit seinen Geschenken an die Banken und die Industrie. Er war das Schlechteste was sich Deutschland je geleistet hat. Er hat nicht nur die Partei an die Wand gefahren, sondern ganz Deutschland - darauf kann er stolz sein, der Putin lupenreine Demokrat. Dem es wichtiger schien, dass niemand sein Haarefärben erwähnte und die Audi-Ringe-Ehen. Und die Merkel kann es erst recht nicht, sie tappst sich von Unvermögen zu Unvermögen.
Wenn man die Politik seit Kohl, samt der Wiedervereinigung genau verfolgt, und die jämmerlichen Kanzler danach, weiß man was dieser Haufen alles am Schuldenberg gedreht hat. Der Schäuble knickt doch heute vor einem Ackermann ein, als wäre er der Leibhaftige, anstatt auf den Tisch zu hauen und die schrägen Banker an ihrer Krawatte über den Tisch zuziehen bis sie blau anlaufen.

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Mangu 27.08.2010, 07:36
318.

Zitat von Andreas Heil
Nein, immer noch nicht. Trotz der suggestiven Videos, Proudhon und Gesell. Die Grundeselei ist, dass die Zinszahlung ja kein Geld aus dem System als ganzes abzieht, sondern Teil des ganzen bleibt. Auch jede Bank hat Kosten, jeder Banker geht gerne essen, usw.
Nein, es kann ja kein Geld abgezogen werden, da immer neues hinzukommen muss, um das Geldsystem am Laufen zu halten. Das ändert trotzdem nichts daran, dass es in einem geschlossenen System (1 Land, 1 Zentralbank) unmöglich ist, jemals die Zinsen vollständig bedienen zu können. In unserem System (mehrere EWU-Länder, 1 Zentralbank) ist es zumindest theoretisch möglich, dass mindestens 1 Land schuldenfrei werden kann und da stände Dtl. mit seinen Exportüberschüssen/Geldimporten noch relativ gut, wenn man das Geld "besser" an den Staat leiten könnte (höhere Besteuerung Reicher, hohe Einkommen und _auch_ hoher Vermögen, auch wenn dies einer Doppelbesteuerung gleichkommt).

Zitat von Andreas Heil
Marktprozesse selbst zeigen zudem fast überall exponentielle Verteilungsmuster
Das stimmt nur, wenn man die Marktprozesse auch in Geld bewertet, da dessen Menge eben steigt und somit die Prozesse nur in Geld nominal und ebenfalls steigend bewertet werden. Real zeigen sich eigentlich nirgendwo exponentielle Entwicklungen.

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pruefer 27.08.2010, 07:41
319.

Die Schulden der öffentlichen Hand haben in den letzten 10 Jahren von 1.199 Milliarden Euro (1999) auf 1.657 Milliarden Euro (2009), also um 458 Milliarden zugenommen. Das Geldvermögen stieg im gleichen Zeitraum von 3.539 Milliarden Euro auf 4.672 Milliarden Euro, also um 1.133 Milliarden Euro. Ein Anstieg des privaten Reichtums um zweieinhalbfache der öffentlichen Schulden. Man könnte auch sagen, das Geldvermögen der Kreditgeber ist fast um 1.133 Milliarden gestiegen, während die Schuldenlast der Steuerzahler um 458 Milliarden gewachsen ist.

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