Forum: Wirtschaft
Deutsche-Bank-Aussteiger Thomas Mayer: Ein Ex-Banker kämpft gegen das Geldsystem
REUTERS

Thomas Mayer war mittendrin im Finanzsystem, als er an ihm zu zweifeln begann. Er verlor seinen Job als Chefvolkswirt der Deutschen Bank und schrieb ein Buch. Darin fordert er eine neue Geldordnung: Sie soll die Banken entmachten.

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der_c 13.10.2014, 14:48
40. Frei nach Merkel: Gewinne privatisieren und Verluste sozialisieren

Leider hat es die Kanzlerin und große Teile ihrer Union
nicht über das Herz gebracht Investoren in Banken entsprechend an den Kosten der Rettung zu beteiligen, welche jahrzehnte durch Bad-Banks dem Steuerzahler entstehen.

Weiterhin existieren naheu die selben Risiken wie vor dem Debakel weiter. Die vielen stark wirtschaftliberalen in der FDP und die wenigen in der SPD sind zufrieden, aber die anderen in den Parteien bekamen einen Maulkorb. Es dürfte ja nicht der derzeitige oder zukünftige Koalitionspartner verärgert
werden oder gar das eigene Führungspersonal korrigiert werden.

In der Union wiederspricht sowieso keiner, der etwas werden will, Frau Merkel. Und so predigt man spaaren und erntet, in den Ländern die sich daran halten, was
die Ökonomen vorraussagen: Wenn man zu viel und besondern in gewissen Bereichen spart bekommt man fast zwingend eine sich selbst verschlimmernde Kriese.

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Am_Rande 13.10.2014, 14:48
41. Milton Friedman pro Mayer

Das Interessanteste daran ist doch, dass sich Herr Mayer sogar auf Milton Friedman, den Hausgott der Monetaristen, berufen kann:

Zitat von
“[…] Wir kommen zu dem Schluß […], dass, hätte man die Ausgestaltung des Geld- und Bankwesens ganz dem Markt überantwortet, man ein befriedigenderes Ergebnis erzielt hätte, als das, was das Ergebnis des staatlichen Einflusses war. Wir sind auch der Auffassung, dass die Kräfte, die dies bessere Ergebnis in der Vergangenheit verhindert haben, es auch in Zukunft verhindern werden. [...] [D]ie breite Diskussion über mögliche, tiefgreifende monetäre Reformen wird nur geringe Auswirkungen auf den Verlauf der Ereignisse haben, wenn das vorliegende Fiat-Geld-System, in welches die Welt abgetrieben ist, in einer einigermaßen zufriedenstellenden Weise arbeiten wird – wenn es weder riesige Inflationen, noch riesige Depressionen hervorrufen wird. Jedoch, die Möglichkeit, dass es nicht in zufriedenstellenden Weise arbeiten wird, ist sehr real […], insbesondere die Möglichkeit, dass das Fiat-Geld-System zu großer Inflation führen wird. Wenn und falls es dazu kommt, wird viel davon abhängen, welche anderen Organisationsmöglichkeiten des Geldsystems von der Gemeinschaft der Intellektuellen erarbeitet wurden, und in welchem Maße diese als intellektuell respektabel angesehen sein werden. Dieses – die Ausbreitung der Palette von Optionen und deren verfügbar machen – ist, glauben wir, der wichtigste Beitrag des gegenwärtigen Aufschwungs des wissenschaftlichem Interesse in einer Reform des Geldwesens.
(Aus: Friedman – “Has Government Any Role in Money?“ (1986))

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pseudacacia 13.10.2014, 14:50
42. Eina Anfang wäre . . .

nicht immer von "den Märkten" zu sprechen. Denn es sind ja NUR die FINANZ-Märkte gemeint. Also letztendlich völlig unsinnige und überflüssige Märkte. Denn Geld (egal ob Papier oder virtuelles in den Computern der Banken) kann man nun mal nicht essen, man kann sich damit nicht anziehen oder eine Wohnung bauen, höchstens Heizen würde gehen (aber nur kurz), wenn man das Papiergeld verbrennt. Leider ist selbst die Wirtschaftredaktion eines sogenannten "Qualitäts"-Mediums auf diese Schiene aufgesprungen. Es wird so getan, als wenn die FINANZ-Märkte die wichtigsten Märkte der Welt wären.

Sind sie aber nicht.

Geld darf nur ein Mittel zum Zweck sein. Nämlich nur ein Mittel zum Zweck REALE (also SINNVOLLE) Werte oder Gegenstände zu tauschen. Doch es wird immer mehr zum Selbstzweck.
Erster Vorschlag: Ganz einfach den Glas-Steagall-Act rückgängig machen. Geschäfts- und Investmentbanken VÖLLIG trennen. Dann können die Zocker zocken und pleite gehen, wenn sie sich verzocken. Jedoch die Geschäftsbanken sind für das sinnvolle Bankenwesen nicht gefährdet. Einer Geschäftsbank wird das Zocken mit Wertpapieren einfach verboten. Wer dann Riesenkohle mit Zocken verdienen will, der kann das tun. Aber nicht auf Kosten der Realwirtschft.

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Edelweiß 13.10.2014, 14:52
43.

Zitat von muellerthomas
Absolut richtig. Zudem sollte nicht so getan werden, als sei er nun Anti-Kapitalist geworden, wie einige hier im Forum das offenbar interpretieren. Tatsächlich setzt ein funktionierender Goldstandard nach unten flexible Löhne voraus, was wiederum nur geht, wenn die Arbeitnehmer gar keine Macht mehr besitzen. Wer eine Goldwährung befürwortet, ist also so erzkapitzalistisch, wie es nur geht, ein Feind des Sozialstaates und keineswegs ein Gegner von wirtschaftlicher Macht.
Wobei es noch interessant ist, dass diese Art Erzkapitalisten im Grunde Planwirtschaft wollen - oder wie soll man das sonst verstehen, wenn jemand behauptet, er wüsste genau, wie groß der Kreditbedarf von Wirtschaft und öffentlicher Hand WIRKLICH ist?

Außerdem sollte doch so ein Ex-Chefvolkswirt ein wenig die Wirtschaftsgeschichte im Kopf haben. Der Goldstandard und ähnliche Systeme haben meines Wissens nie lange funktioniert. Wenn die Restriktion für die Wirtschaft zu hart wird, dann blüht halt die Schattenwirtschaft. Schließlich wollen die Leute ja leben. Und das gefällt irgendwann dem Staat nicht, weshalb das System bald wieder abgeschafft wird. Und dann geht alles wieder vorn los.

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otelago 13.10.2014, 14:54
44. Das Gegenteil fand statt

Zitat von rkinfo
Es ist mehr als vernünftig die Banken zu entmachten und nur noch solide Institute wie Sparkassen, Volksbanken und Spezialbanken wie KfW zu genehmigen. Der Rest muss eben grauen Markt bedienen - ohne EZB und Staatenhilfe.
Im Prinzip geht es spätestens seit Ronald Reagans Zeiten in die andere Richtung.

Sehr viel wird jeweils über die volkswirtschaftlichen oder fachlichen Unterschiede zwischen Geldsystemen gesprochen.

Zu kurz kommt dabei allerdings der wesentliche Effekt: Wo liegen die entscheidenden Stellschrauben und Hebel.

Das Finanzsystem heute wurde nach Vorgaben amerikanisch dominierter Wirtschaftsuniversitäten in vorzüglicher Kooperation mit dem amerikanischen Geldadel gebaut.

Die FED, die Ratingagenturen, Rüstungs- und Industriegiganten, Internetfirmen - all das ballt sich rund um einen Zirkel "privater" Besitzer.

Wir denken bei "privat" immer an unser Schlafzimmer.

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otelago 13.10.2014, 14:58
45. naja

Zitat von vantast64
...die Manager der Atomindustrie überzeugen mußten, daß Atomenergie Teufelszeug ist. ...
das ist nicht wirklich ehrlich. Die Anti AKW Proteste wurden von Medien stets programmatisch vollverstärkt. Die Medien in D haben ständig eine atomkritische Haltung gefördert. Wer glaubt, der deutsche Atomausstieg sei ein Ergebnis von Studentenprotestender glaubt auch an den Weihnachtsmann.

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Ursprung 13.10.2014, 14:59
46. Globalbankrotteure

Nicht ein Forist bisher, nicht der Artikelschreiber und der, ueber den geschrieben wird, ohnehin nicht, erwaehnt auch nur mit einem Wort das System islamischer Banken.
Die auch ohne Zinserhebung sehr, sehr gesund sind und zudem im Wirtschaftsgeschehen ihres Einflussbereiches entscheidend mitwirken.
Warum wird das nicht erwaehnt? Sich nicht damit auch nur auseinandergesetzt? Nichts darueber publiziert?
Weil alle, die darueber Bescheid wissen, sehr genau zu wissen glauben, dass dann der "westliche Kapitalismus" und dessen "fuehrende" Rolle in der Weltwirtschaft sofort implodieren muesste?
Also die eigene Abstauberolle (vulgo banca rotta dieser Welt) auffliegen muesste?

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kufu 13.10.2014, 15:08
47. Ein echter Durchblicker

Der Herr schreibt seit Jahren jeden Sonntag in der FASZ, dass gleich die Rieseninflation kommt (er meint die echte, nicht die gefühlte). Seine Vorhersagen sind ein absolut zuverlässiger Kontraindikator, fast schon auf Sinn-Niveau.

Und bevor hier alle den vermeintlichen Kritiker des Kapitalismus hochleben lassen: Es handelt sich weder um Ghandi noch um Mutter Theresa, sondern um einen Ultra-Liberalen, dem wirtschaftliche Abstürze egal sind, solange er keine Inflation für sein Sparkonto befürchten muss.

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Drscgk 13.10.2014, 15:09
48. Mann, was bin ich verärgert

Ich hatte so darauf gehofft, dass das Finanzsystem der Ackermänner, das von kompletten Idioten für komplette Idioten gemacht ist, beibehalten wird und das ganze Monster den realen und den Finanzkapitalismus hinwegfegt, bevor jemand aufmerkt. Und nun kommt Thomas Mayer, der ungläubige Thomas, und bringt vielleicht auch dem letzten Finanzrindvieh bei, dass Vorsicht geboten ist. Da wird es vielleicht so schnell nichts mit meiner Hoffnung, den Kapitalismus endlich über seine eigene Dummheit bald los zu werden. Na, dann eben später.

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otelago 13.10.2014, 15:23
49. Frage

Zitat von kufu
Der Herr schreibt seit Jahren jeden Sonntag in der FASZ, dass gleich die Rieseninflation kommt (er meint die echte, nicht die gefühlte). Seine Vorhersagen sind ein absolut zuverlässiger Kontraindikator, fast schon auf Sinn-Niveau. Und bevor hier alle den vermeintlichen Kritiker des Kapitalismus hochleben lassen: Es handelt sich weder um Ghandi noch um Mutter Theresa, sondern um einen Ultra-Liberalen, dem wirtschaftliche Abstürze egal sind, solange er keine Inflation für sein Sparkonto befürchten muss.
Ok, kann sein.

Meine Frage:

Gibt es einen Kritiker der Hochfinanz, den man nicht ins Lächerliche ziehen kann?

Oder so:

Ist es möglich, das bestehende Finanzsystem zu kritisieren?

Oder so:

Geht es überhaupt um das Geldsystem an sich, oder geht es nicht vielmehr darum, das Geldsystem zu einem zentral steuerbaren Instrument der Wohlstandsverteilung zu machen?

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