Forum: Wirtschaft
Deutsche Oligarchen: Zerschlagt die Familienunternehmen

Wir regen uns gern über russische oder ukrainische Oligarchen auf. Und tun so, als hätten wir solche Oligarchen in Deutschland nicht. Dabei nennen wir sie nur anders: Familienunternehmen.

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Montanabear 28.04.2015, 21:33
340. Genau !

Zitat von peitzman
Lieber Herr Münchau, was wäre denn Ihr Alternativvorschlag, um das Familienbetriebsmodell zu ersetzen? Selten so einen Unsinn gelesen...
Die Familienbetriebe sind eben Familienbetriebe, weil sie ihr Handwerk - oft über Generationen - verstehen. Sie haben Wesentliches zur deutschen Wirtschaft beigetragen und , so wie ich es sehe, wäre es gut für das Land, wenn sie es auch weiterhin tun koennten.
Wie Sie sagen : womit sollten sie ersetzt werden und wärre der Ersatz ebenbürtig ? Wer oder was wäre am qualitativen und quantitativen Erhalt eines Betriebes mehr interessiert als Familienmitglieder ?

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Brennstoff 28.04.2015, 21:57
341. Wie steht es denn mit der Verabntwortung?

Ehrlich gesagt ist mir ein Familienbetrieb mit einem kantigen Verantwortlichen an der Spitze angenehmer, als eine moderne Aktiengesellschaft, mit gleich einer Gruppe von Chefs als Kopf.
Während bei der ersten Alternative die Verantwortung ein Gesicht hat und womöglich mit ihrer ganzen Existenz für ihren Laden haftet, sind bei der 2. Alternative die Personen nicht nur beliebig austauschbar, sondern sie teilen die Verantwortung, was je nach Anzahl zu überhaupt keiner Verantwortung mehr führen kann, außer der des eigenen Portemonnaies.
Inwiefern diese Unterscheidung bei einem Weltkonzern wie VW oder BMW überhaupt noch zutrifft, mag ich nicht entscheiden. Unter dem Strich sollte jeder seine Bude so führen, wie es ihm beliebt oder wie es der Markt verlangt.
Solange die Firma erfolgreich ist.

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Montanabear 29.04.2015, 00:07
342. Nachsatz

Zitat von rolli
Sozialneid der Reichen ist weitaus ausgeprägter als der der Ärmeren. Die Reichen gönnen weder den Arbeitnehmern den richtigen Lohn, noch den Arbeitslosen auch nur einen Cent mehr als grade so zum nicht krepieren ausreicht. Viele der "Familienunternehmen" agieren mit Niedrigstlohnsektor und beschäftigen fragwürdige Subunternehmer und Zeitarbeitsfirmen. Sie lassen sich ausquetschen? wie etwa 50% der Arbeitnehmer und finden es besser vom einen als vom anderen ausgequetscht zu werden? Wo ist da der Unterschied? So eine unterbelichtete Denke kann ich nicht verstehen, und wo ist der Unterschied, ob das Familienunternehmen oder der Hedgefonds die Gewinne auf die Caymans verschiebt? Aber um diese Punkte ging es Münchau ja gar nicht. Er sprach nicht von Familienunternehmen, sondern von deren Oligarchen, die heftigst und unter Einsatz aller -auch unfairer - Mittel politisch tätig sind und Politik beeinflussen, wie sie sie haben wollen. rolli
Sie koennen es den Unternehmen nicht verdenken, dass sie die Politik dahingehend beeinflussen wollen, dass sie nicht eines Tages enteignet werden. Das nicht nur für ihr eigenes Wohl, sondern auch zum Nutzen des Landes.

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Montanabear 29.04.2015, 00:11
343. Eingleisig

Zitat von Patrik74
"Unsere westlichen Oligarchen ziehen sicherlich etwas weniger an den Strippen der Politik als ihre neureichen Kollegen aus dem Osten." Dieser Satz war wohl Voraussetzung, dass dieser ......
Während Sie den Beitrag eines Foristen "naiv" nennen, fällt mir auf, dass Ihr Beitrag recht eingleisig ist.
Aber es ist sehr menschenfreundlich, dass Sie die "neureichen Kollegen aus dem Osten." so loyal verteidigen. Nur weiter so und allzeit bereit !

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karl-felix 29.04.2015, 00:46
344. So

Zitat von Bondurant
mit der Argumentation Steuerhoheitsrecht kann man jeden Lebenssachverhalt beliebig besteuern, etwa die Körpergröße. Oder das Gewicht, da kann man ja sogar selbst dran drehen. Die Frage nach einer inhärenten Gerechtigkeit stellt sich da nicht mehr. Aber Sie gehören möglicherweise zu denen, die sagen, wer mehr hat als ich, muss was abgeben.
ist es. Es gab auch einmal eine Fenstersteuer und eine Flottensteuer. Das ist das originäre Recht des Staates, verstossen Sie dagegen, werden Sie härter bestraft als ein Mörder. Fragen Sie einmal Al Capone, Herrn Graf oder Uli Hoeness.
Es gibt keine inhärente Steuergerechtigkeit. Nicht umsonst sagt Jesus: Gebt dem Kaiser was des Kaisers ist. Der hatte genug zu leiden. Der brauchte sich diesen Tort nicht auch noch anzutun.

Und völlig richtig, so wie ich mehr abgeben muss als Sie, ist es wünschenswert, dass der der mehr hat als ich, auch mehr abgibt. Das ist glaube ich weltweit unter allen Zivilisationen unstrittig. Ich finde die Begrenzung meiner persönlichen Steuerquote auf 45% nicht in Ordnung. Aber das ist eben das Recht des Gesetzgebers.

Mir hat halt nur gut gefallen, dass z.B. im Mittelalter es Leute gab, die sehr stolz darauf waren , mehr zu zahlen als andere. Heute ist da mehr die Geiz ist geil Mentalität gefragt, oder ? Ich würde diese mittelalterliche Transparenz dem heutigen Steuergeheimnis vorziehen.

Selbstverständlich müssen die starken Schultern mehr tragen als die schwachen. Das ist das Mindestmass an Solidarität, das ich von einem Citoyen im Gegensatz zum Bougeois erwarte.

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Bondurant 29.04.2015, 10:04
345.

Zitat von karl-felix
Mir hat halt nur gut gefallen, dass z.B. im Mittelalter es Leute gab, die sehr stolz darauf waren , mehr zu zahlen als andere. Heute ist da mehr die Geiz ist geil Mentalität gefragt, oder ?
Das sehen Sie falsch. Wenn große Steuerzahler heute als besonders nützliche Mitglieder der Gemeinschaft - öffentlich - anerkannt würden, wäre einiges zu gewinnen. Heute ist es ja so, dass man auch den großen Steuerzahler von vornherein unter den Verdacht stellt, dass er eigentlich noch mehr hätte bezahlen müssen.

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Arminiafan 29.04.2015, 11:16
346.

Ja aber zahlen wir nicht alle hierfür unsere Steuern?
Sie fahren auch jeden Tag Auto, Bus oder Bahn und nutzen Infrastruktur.
Aber das kann ja kein Argument sein Erbe so zu besteuern, dass evtl. der wirtschaftliche Fortbestand eines Unternehmens gefährdet ist.
Hauseigentümer werden da ja uch mit Freibeträgen bevorzugt.
Ich habe jetzt jahrelang in der Prüfung gearbeitet und so eine Auswahl an Unternehmensformen kennen gelernt. Tatsächlich sind die familiengeführten Unternehmen zumeist die mit für die Mitarbeiter besten Strukturen. Klar existieren persönliche Verflechtungen, aber das gilt auch insichtlich der Mitarbeiter. Die Gründer haben diese Unternehmen zumeist aus ganz kleinen Anfängen heraus entwickelt und neigen idR nicht dazu unnötige Risiken einzugehen. Für die Mitarbeiter bedeutet dies einen höheren Sicherheitsgrad. Gerade in den Krisenjahren 2008/2009 habe ich gesehen wie viele dieser "Familenunternehmen" aus dem eigenen Vermögen beigesteuert haben um die Mitarbeiter nicht entlassen zu müssen.
Die Familien neigen nicht dazu Gewinnanteile direkt zu entnehmen. Die werden schön im Betrieb gelassen und dort genutzt.
So etwas habe ich bei den großen Konzernen im Streubesitz noch nicht gesehen. Da werden einfach Unternehmensmitarbeiter in Zeitarbeitsfirmen ausgegliedert, nur um die Kennzahlen zu verbessern. Der einzige der daran verdient ist der Inhaber der Zeitarbeitsfirma.

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