Forum: Wirtschaft
Deutschland gegen Euro-Bonds: Ökonomie mit Häkelschutz
DPA

Das deutsche Nein zu Euro-Bonds und gemeinsamer Verantwortung zeugt von einem Ökonomieverständnis, das in den Sechziger Jahren steckengeblieben ist - als jeder noch irgendwie für sich selbst sorgen konnte.

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mainemainung 19.05.2017, 13:22
20. Eine konsequente Argumentation

Der erste Teil der Enteignung der deutschen Bürger war die Einführung des Euros - eine Herzensangelegenheit der Franzosen - danke auch an dieser Stelle. Der durch die Abwertung der DM erzeugte Exportüberschuss landet bekanntermaßen nur in wenigen Brieftaschen. Jetzt geht es weiter mit Eurobonds, da darf der Steuerzahler noch mal was drauf legen. Toll. Die EU war gut solange es nur eine Wirtschaftsgemeinschaft war und nur wenige Mitglieder hatte. Jetzt kann man den Verein vergessen. Ich beneide die Briten.

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HaioForler 19.05.2017, 13:23
21.

Zitat von meister_proper
Es scheint vielen im Lande einfach nicht klar zu werden, wie abhängig Deutschland von den europäischen Partnern ist. Wir profitieren zur Zeit am stärksten von der EU, aber viele meinen das würde auch ohne klappen. Diesen Denkfehler müssen wir dringend korrigieren oder wir werden mit den Konsequenzen leben müssen. Nur gemeinsam sind wir stark.
Noch weniger ist klar, dass alle an Deutschlands Töpfe wollen. Keine Sorge: man kauft uns auch ohne Haftung unswere Produkte ab. Was haben Sie davon, wenn sie ein Produkt verkaufen, wenn Sie kein Geld dafür erhalten?

Diese Rechnung könnte glatt von Wagenknecht sein.

Nur ohne Schulden sind wir stärker. Und mit dieser Konsequenz lebe ich gerne.

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Aquifex 19.05.2017, 13:24
22.

Ich vermisse hier nach wie vor die Betrachtung der hinter dem Geld stehenden Werte. Es wird immer so getan, als würde nur Geld hin und her geschoben werden müssen, damit alle glücklich sind. Das Problem ist doch, daß das Geld nicht auf Bäumen wächst, sondern sein Wert erstmal erarbeitet werden muß. Wenn es einen Transfer von Geld von einem land ins andere gibt, dann werden nicht Zahlen verschoben, sondern der Gegenwert von erbrachter Arbeitsleistung. Und wenn da in einem Land sehr viel erarbeitet wird, mit aller Mühe die das kostet, dann ist doch wohl sofort nachvollziehbar, daß die, die dafür geschuftet haben, als erstes mal ihren Anteil dran bekommen und nicht die, die diese Werte eben nicht erarbeitet haben. Es ist doch nur logisch, daß der Gedanke an Eurobonds oder Transferzahlungen erst dann überhaupt diskussionswürdig ist, wenn die erarbeiteten Werte über all gleich sind, also die gleiche Leistung erbracht wird. Ich rede von Arbeit und Werten, nicht von Zinsen oder Dividenden! Es kann doch niemand verlangen, daß auf der einen Seite die Wertschöpfung stattfindet, auf der anderen Seite aber nur Abschöpfung. Da braucht man gar nicht mit Hochfinanz-Thesen und irgendwelchem Vertrauen in den Euro zu kommen. Diese Haltung ist man schlicht der arbeitenden Bevölkerung schuldig, die ihre Zeit und Schaffenskraft aufwendet um Werte zu schaffen.

Interessanterweise wird genau diese Argumentation immer von linke Seite bemüht, um Leiharbeit und prekäre Lohnverhältnisse zu geisseln - was sicher eine Sache ist, die mal angepackt gehört, wenn auch meiner Ansicht nach anders, als den linken das lieb wäre - auf der anderen Seite die geschaffenen Werte aber mit vollen Händen verschenkt, ob als nationale oder dann bald internationale Transfers. Deshalb haben die in Deutschland auch keine Zukunft.

Die Quintessenz ist, daß man den Deutschen nicht wird überzeugen können, daß es "sozial gerecht" ist, daß er die Wertschöpfung für den Rest der Welt ohne Gegenleistung macht, egal ob national oder international. Und da können die Ökonomen ihre Geld-Theorien gegensetzen, wie sie wollen. Überzeugen werden nur ihresgleichen...

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HaioForler 19.05.2017, 13:24
23.

Zitat von spaceagency
wird es auch in Deutschland mal zur Sprache gebracht wie es ist. Es war höchste Zeit
Ja. Und dass es hoffetnlich nie zu einer Schuldengem,einschaft dazu kommen möge.

Hat man uns doch bei Euro-Einführung gesagt oder? Haben die Schmiermäuler und Wendehälse wieder gelogen?

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willi2004 19.05.2017, 13:25
24. Herr Fricke für Ihren Beitrag würden Sie in der Schule höchstens eine 4 bekommen.

Da Sie nur 40% des Inhaltes besprechen die dieses Thema hat. Ich glaube viele Politiker und selbst Herr Schäuble würden Geld locker machen oder auch teilweise gemeinsame Bonds rausgeben. Aber nur wenn Deutschland auch ein Mitspracherecht natürlich über die EU bzw. das Europäische Parlament hätte in den einzelnen Länder Arbeitsmarktreformen und wirtschaftspolitische Reformen durchzuführen. Wenn die einzelnen Länder auf Ihr Recht sich berufen dies alleine zu tun dann kann man keine gemeinsame Bonds rausgeben, da das Geld dann sowieso weg ist. Deutschland, Österreich und z.B. Holland haben Reformen für einen modernen flexiblen Arbeitsmarkt, Steuerreformen, Ausbildungsmaßnahmen und mehr durchgeführt so das diese Länder jetzt gut da stehen, aber für den einzelnen Bürger hat das auch Probleme gebracht wie erzwungene Selbstinitiative, kein Job für das ganze Leben, kurze Arbeitslosengeldzeiten, Druck zur Jobaufnahme, Druck zur Weiterbildung und und. Andere Länder haben durch den Druck der Bürger dieses nicht gemacht und deshalb persönliche Vorteile gehabt. Nein Eurobonds erst wenn die EU näher zusammengerückt ist und Reformen automatisch in allen Ländern durchgeführt werden. Ansonsten Hilfe ja aber mit Sparzwang falls keine Reformen durchgeführt werden können da die Bürger das nicht wollen.

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curiosus_ 19.05.2017, 13:26
25. Ich weiß ja nicht, wer…

Zitat von Thomas Fricke
Was bedeutet, dass der Rest der Welt bei uns in der Summe von 2010 bis 2017 allein Waren und Dienstleistungen in Höhe von atemberaubenden 1,7 Billionen Euro mehr gekauft hat, als wir im Ausland gekauft haben.
…Ihre Zahlen häkelt, aber die Deutsche Bundesbank hat da andere Zahlen für den Leistungsbilanzüberschuss. Hier die Summe vom 1.1.2010 bis zum 31.3.2017:

1,49523 Billionen Euro

So, und nun zum Rest. Da fehlt zunächst mal etwas Struktur, Leistungsbilanzüberschuss und Exportanteil am BIP wird wild vermischt. Also hier mal etwas strukturierter:

Zitat von Thomas Fricke
Die Welt hat sich bei uns verschuldet
Bezogen auf die Euro-Zone stimmt das nicht, hier die Zahlen von 2016 (destatis, Handelsbilanz. Ist nahezu deckungsgleich zur Leistungsbilanz:

Deutscher Handelsbilanzüberschuss: 252,9 Mrd. Euro

Deutscher Handelsbilanzüberschuss mit der Nicht-Euro-Welt: 240 Mrd. Euro (95 %)

Deutscher Handelsbilanzüberschuss mit der Euro-Welt: 12,9 Mrd. Euro (5 %)

Das mit "die Welt hat sich bei uns verschuldet" stimmt somit zwar für die Nicht-Euro-Welt, aber kaum für die Euro-Welt. Denn mit der ist der Handel nahezu ausgeglichen, also ist da nichts Wesentliches mit "hat sich bei uns verschuldet".

Warum sollten dann ausgerechnet für diesen Raum Schulden mit gemeinsamer Haftung eingeführt werden? Wenn da doch, mangels Schulden der beteiligten bei uns, eigentlich gar keine von uns schuldenfinanzierte Exporte vorliegen? Dann müssten wir doch viel eher die 95% Überschuss mit der nicht-Euro-Zone derartig absichern, oder etwa nicht?


Und dazu:

Zitat von Thomas Fricke
Wer jedenfalls Euro-Bonds auf die plumpe Formel reduziert, dass da Schulden vergemeinschaftet werden, hat womöglich noch nicht ganz verstanden, in welcher Epoche wir heute leben.
Was ist das denn effektiv sonst als eine Schuldenvergemeinschaftung? Aus Sicht des Geldgebers ist das nichts anderes, denn er stuft den Zinssatz für sein zu verleihendes Geld anhand des Ausfallrisikos ein. Und da zählt nun mal die Gesamtheit derer die für die Schulden haften. Und, wie oben gezeigt, handelt es sich zusätzlich noch um eine sachlich völlig unbegründete Vergemeinschaftung.

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tomwessel85 19.05.2017, 13:27
26.

Bedenklich ist nur die niedrige Hemmschwelle mit dem Geld von anderen (hier der deutsche Steuerzahler) umzugehen. Gäbe es in Deutschland direkte Demokratie, wäre Griechenland heute wieder bei der Drachme und Deutschland ein souveräner Nationalstaat ohne EU Bürokraten die hier reinregieren.

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mettwurstlolli 19.05.2017, 13:27
27. Oh Gott

Unseren wöchsentlichen Fricke gib uns heute. Immer das selbe.
Nein Herr Fricke, wenn man nicht für andere mithaften will, ist man deswegen nicht in den sechziger Jahren stecken geblieben, erst recht nicht, wenn man sich in Europa umschaut und feststellt, dass die Südländer die Zeit, die ihnen Draghi verschafft hat (und mehr kann er nicht) zu nahezu NICHTS genutzt haben. Keinerlei strukturelle Reformen in Italien, in Portugal und in Frankreich. In GR nur, weil die Geberländer den nächsten Scheck noch mal festgehalten haben.

Vielleicht sollten Herr Fricke sich fragen, ob er für die Schulden seiner Arbeitskollegen mithaften würde, wenn sie dafür gemeinsam Kredite bekämen, oder ob ihm das nicht auch zu heikel wäre.

Aber es ist eine politische Frage, und es steht ja jedem frei, eine Partei zu wählen, die die eingesammelten Steuergelder für Bürger anderer Länder zum Fenster rauswirft, weil die das blöd finden, ihren Arbeitsmarkt und ihr Sozialsystem zu reformieren.

Ich werds nicht tun.

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saftfrucht 19.05.2017, 13:31
28. Daneben.

Leider hat Thomas Fricke das grundlegende Problem noch überhaupt nicht verstanden. Und das ist, dass überhaupt erst die Existenz von Zentralbanken und Giralgeld die Art von Krisen und Unsicherheiten erzeugt, die Herr Fricke jetzt mit Eurobonds bekämpfen will - die übrigens verfassungsrechtlich überhaupt nicht drin sind. Weder das Grundgesetz noch der Lissabonvertrag würden da mitspielen. Nicht dass das die Eurokraten daran hindern würde, es trotzdem zu tun - Verträge beugen ist ja deren Lieblingsbeschäftigung.
Auch die Behauptung, die Finanzwirtschaft hätte uns in dieses Unglück gestürzt, ist ein Trugschluss. In Wahrheit haben die Märkte nur angemessen reagiert und als das Korrektiv funktioniert, das sie sein sollen. Marktgesetze sind Naturgesetze, die man nicht mit politischem Willen außer Kraft setzen kann. Genau das haben aber die US-Politiker versucht, als sie Hypothekenbanken dazu verpflichtet haben, Subprime-Hypotheken zu vergeben. Die Märkte haben eben reagiert und versucht, das daraus entstehende Risiko zu mitigieren, indem sie diese schlechten Hypotheken mit guten gebündelt haben. Nur kamen immer mehr schlechte dazu, weil die Politik nicht dazugelernt hat und das Geld zu billig war. Das war nicht der Fehler der Märkte, wer das behauptet hat schlicht nicht verstanden was passiert ist, so auch Herr Fricke.
Die einzige Lösung für das Problem ständig wiederkehrender Konjunkturzyklen und Krisen ist der Wechsel zum harten Goldstandard für alle großen Währungen. Der politische Wille dazu war in den 1980ern in den USA am aufkeimen, leider wurde er in den 1990ern dann begraben und ist heute ferner denn je. Auch wenn uns das System irgendwann völlig um die Ohren fliegt, weil man die dann aktuelle Blase nicht mehr mit einer noch größeren umfassen kann (wie 2007 geschehen), werden die Politiker wieder ein Giralgeldsystem einführen, weil sie nicht die Disziplin haben nur mit dem Geld zu arbeiten was auch wirklich durch Produktivität gedeckt ist.

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luny 19.05.2017, 13:32
29. Revival

Hallo Herr Fricke,

an der Tür des hiesigen Wollegeschäftes ist ein Zettel angebracht.
Darauf steht, daß wieder Häkelkurse angeboten werden. Die Nach-
frage sei groß. Man möge sich bitte umgehend anmelden, bevor
der Kurs komplett ausgebucht ist.

Das bringt Ihre Argumentationslinie doch stark ins Wanken.

Häkeln ist nicht OUT, nein, Häkeln ist IN und erlebt gerade ein
beispielloses Revival.

Auf Ihre weitere Argumentationslinie einzugehen, daß Eurobonds
total klasse sind, lohnt aufgrund Ihrer ersten falschen Annahme
in Bezug auf das Häkeln eher nicht.

LUNY

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