Forum: Wirtschaft
Deutschland gegen Euro-Bonds: Ökonomie mit Häkelschutz
DPA

Das deutsche Nein zu Euro-Bonds und gemeinsamer Verantwortung zeugt von einem Ökonomieverständnis, das in den Sechziger Jahren steckengeblieben ist - als jeder noch irgendwie für sich selbst sorgen konnte.

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Aberlour A ' Bunadh 20.05.2017, 11:46
360. Safe European Home

Fricke hat natürlich in der Sache absolut recht. Wenn ich auch als Ökonom glaube, dass die Ablehnung von EURO-Bonds keine ökonomischen, sondern absolut POLITISCHE Hauptmotive hat. Somit müsste auch ein Vertreter einer deutschen "Häkelrollen-Ökonomie" der 60er Jahre die Argumentation intellektuell nachvollziehen können. Seit dem ist ökonomisch viel passiert: am 15. August 1971 setzte US Präsident Richard Nixon seine Unterschrift unter ein Papier, dass de Goldbindung des Dollar aufhob. Seit genau diesem Tag ist die Welt ohnehin nicht mehr dieselbe. Heute haben wir voll entwickelte globale Finanzmärkte. Es ist daher originäre Aufgabe der Europäischen Zentralbank geworden, die Banken Union am Laufen zu halten. Und dabei de facto die Rolle eines "Lender of the Last Resort" zu übernehmen, ob dies Häkelrollen-Ökonomen gefällt oder nicht. Das sind die ökonomischen Realitäten. Abschließend noch zu den vielgeschmähten EURO-Bonds: die ökonomischen Vorteile liegen auf der Hand. Die Fragmentierung europäischer Finanzmärkte würde beendet. Eurobonds, die von allen Mitgliedsländern GEMEINSAM garantiert werden, wären eine sichere Anlage. Und vor allem: es würde sich ein Markt für EURO-Bonds entwickeln und damit die Möglichkeit eines effektiven Wettbewerbs mit amerikanischen Staatsanleihen. Das dürfte interessant sein für ausländische Anleger. Bei geeignet institutioneller Ausgestaltung, können die Risiken ("Moral hazard" einiger Mitgliedsländer) effektiv reguliert werden, so dass die Vorteile die Nachteile klar überwiegen. Sag ich doch. In der Ökonomie geht's immer ganz pragmatisch um Alternativkosten.

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peter.di 20.05.2017, 11:46
361. Die Argumente der Eurobond Beführworter werden immer hohler

jetzt ist man schon bei Häckelrollen und den 60er Jahren angekommen. Also ob es sonst überall seit den 70er Jahren gemeinsame Bonds gäbe. Tut es aber nun mal nicht, von daher ist die Argumentation wirklich kontrafaktisch.

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Ökofred 20.05.2017, 11:49
362. verstehe ich nicht...

Zitat von Agiles
Es ist wirklich unglaublich, wie Sie schreiben. Kaum jemand beachtet oder weiß, was Target 2 ist, auch der Kommentator nicht. Mittlerweile sind es 850 Milliarden Euro, die das europaische Ausland DE schuldet. Und es wird nicht zurückgezahlt. Es kann verschenkt werden, das wäre eine großzügige Geste. "Wir verschenken unsere eigenen exportierten Güter!" So schreiben Sie und es stimmt! Es sind im versteckten Sinne Eurobonds, nur sie werden nicht so genannt, weil es dann offensichtlich werden dürfte. Bitte informiert euch darüber. Gruß Agiles
über Target werden 2 Billionen abgewickelt... TÄGLICH. Welche Rolle spielt da eine Differenz von 800 Mrd. (das sind aufs Jahr gerechnet ca. 1 Promille.. wobei die Summe ja nicht mal aufs Jahr anfällt sondern im schlimmsten fall gesamt)

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spmc-12355639674612 20.05.2017, 12:05
363. Sie kennen sich

Zitat von diekhus
Herr Fricke hat offenbar schon mal was von Globalisierung gehört. Griechenland, Italien und Frankreich offenbar nicht. Wenn wir in Europa , auf dem Weltmarkt mithalten wollen, müssen wir unsere Produkte zu Weltmarktpreisen verkaufen können. Wenn die oben genannten Länder das nicht wollen, die dafür nötigen Reformen nicht endlich durchsetzen, so ist das ihr gutes Recht. Daß wir aber dafür da sein sollen , per Eurobonds oder Transferunion deren Unvermögen zu bezahlen , halte ich für übele Propaganda.
ja in den drei genannten Ländern anscheinend supergut aus und wissen, welche Produkte sie wohin zu welchen Preisen exportieren. Ich schlage vor, Sie setzen sich mal einen Nachmittag lang hin und informieren sich ein wenig über die griechischen, französischen und italienischen Produkte, die exportiert werden. Sie werden erstaunt sein, dass es da nicht nur um Tourismus und Landwirtschaft geht. Im Falle Griechenlands sind beide Sparten vielleicht ziemlich wichtig, aber Italien und Frankreich? Die bauen auch Autos und Maschinen von hoher Qualität und stellen alle möglichen Alltagsprodukte her, die Sie auch in Ihrem Supermarkt nebenan finden. Etwas weniger arrogant daherzuschwafeln und sich stattdessen etwas besser zu informieren, tut manchmal gut.

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spmc-12355639674612 20.05.2017, 12:12
364. Nein, es ist anders!

Zitat von karl_in_nagold
Wenn wir exportieren bis zum Umfallen, unsere Exporte aber mit Krediten bezahlt werden, die wir nie mehr zurückbezahlt bekommen, dann ist es letztlich so, als hätten wir unsere Waren verschenkt. Nur wir Deutschen kapieren das nicht. Wir lassen uns einreden, wir müssten auch noch "Danke" sagen, wenn wir Geschenke verteilen. Viel klüger wäre es, wie würden einfach weniger arbeiten, d.h. so viel, dass es gerade für uns selbst reicht.
Es ist eher so, als ob Sie in Ihrer Stammkneipe anschreiben lassen. Das heißt nichts anderes, als dass der Wirt Ihnen einen Kredit gewährt. Er kennt Sie ja, weiß, dass Sie wiederkommen und (wahrscheinlich) irgendwann Ihre Schulden bezahlen. Es gab mal einen Wirt in Paris, bei dem viele Künstler ein- und ausgingen, die ja immer sehr knapp bei Kasse waren. Sie haben ihn mit Bildern bezahlt. Was glauben Sie, was diese Sammlung inzwischen wert ist? Sie sehen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, anderen Leuten Kredit zu gewähren, damit sie weiter bei Ihnen einkaufen. Das gilt im Kleinen wie im Großen.
Sinnvoll wäre angesichts des Überschusses, wenn die Löhne sich dem anpassten, aber die Deutschen sind ja gewohnt, sich von den Oberen alles gefallen zu lassen, auch eine zu geringe Entlohnung ihrer Arbeit.

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larsmach 20.05.2017, 12:17
365. Ein Drittel deutscher Steuereinnahmen für Zinsen verbrannt

In den 1990ern wurde ein Drittel sämtlicher Steuereinnahmen in Deutschland nur für Zinskosten verbrannt - weil das große Versprechen gebrochen wurde, "in schlechten Zeiten Kredite aufzunehmen", um sie "in guten Zeiten zurückzuzahlen". Heute verbrennt Italien Geld für hohe Zinszahlungen - obwohl das Land vor Zinskosten seit Jahren sogar Überschüsse erzielt!
Ja: Die "Finanzmärkte" folgen einer eigenen Logik...
...und Griechen sind nicht "faul": Laut OECD Vergleich wird nur in den Niederlanden pro Kopf noch weniger gearbeitet als in Deutschland. Griechenland rangiert derweil ganz oben: Mehr als 40% längere Jahresarbeitszeit pro Kopf (bei effektiv weniger Lohn/Gehalt als im Urlauber-Deutschland). Wie müssen diese Menschen sich heute fühlen!?

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Agiles 20.05.2017, 12:21
366.

Zitat von Ökofred
über Target werden 2 Billionen abgewickelt... TÄGLICH. Welche Rolle spielt da eine Differenz von 800 Mrd. (das sind aufs Jahr gerechnet ca. 1 Promille.. wobei die Summe ja nicht mal aufs Jahr anfällt sondern im schlimmsten fall gesamt)
Hallo Ököfred,
hier ein Link und Empfehlung der FAZ:
http://www.faz.net/aktuell/finanzen/anleihen-zinsen/bundesbank-neuer-rekordwert-im-target-system-15001698.html
Die Leserzuschriften sind sehr interessant unter dem Artikel.
Gruß
Agiles

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denny101 20.05.2017, 12:25
367.

Zitat von lupenreinerdemokrat
Gerade *weil* Deutschland mit seinen geringen Löhnen, Sozialleistungen für Arbeitslose, geringen Renten und hieraus möglichen extremen Exportüberschüssen die EU "beglückt", haben wir ja den ganzen Schlamassel. Es wird Zeit, dass Deutschland erkennt, dass man nicht durch Kaputtsparen im eigenen Land und Export des erarbeiteten Wohlstands ins Ausland auf Dauer bestehen kann. Weder die eigene Bevölkerung - der so langsam ein Licht aufgeht, was die "Globalisierung" für sie wirklich bedeutet, noch die Ökonomien im Ausland werden sich das noch lange leisten können.
Studieren Sie doch mal die Statistik, die ein Vorposter hier verlinkt hat:
https://www.destatis.de/DE/PresseService/Presse/Pressemitteilungen/2017/02/PD17_045_51.html
Die Bilanz zwischen DE und der gesamten Euro-Zone ist praktisch ausgeglichen, und das in einer Zeit, wo DE prosperiert und es einigen anderen Ländern schlecht geht. Ich hab jetzt keine Zahlen dafür, aber ich kann mir vorstellen, dass die Bilanz in anderen Zeiten durchaus schlechter und zu Lasten von DE aussehen könnte.
Also ist in keinster Weise der Exportüberschuss von DE Schuld am Schlamassel der Südländer. Das geht gar nicht, weil er NICHT EXISTIERT !! Er wäre es nicht einmal wenn er gegenüber den Euro-Ländern sehr hoch wäre, denn die Schuld an ihren Schlamasseln haben diese Länder selber, jedes für sich aus unterschiedlichen Gründen.
Im Gegenteil, durch den deutlichen Exportüberschuß von DE in nicht-EU Länder wirkt die deutsche Wirtschaft wie eine Lokomotive für andere Länder.
Ich kenne hier in Italien einige Unternehmen, die einen beträchtlichen Teil ihres Umsatzes mit Zulieferungen für die deutsche Industrie machen, sogar welche, die nur noch nach DE, AT oder CH liefern, weil sie von der hiesigen Zahlungsmoral und dem hiesigen Rechtssystem die Schnauze voll haben. Ohne eine gut gehende deutsche Wirtschaft könnten diese Unternehmen NICHT ÜBERLEBEN.
Die gute Wirtschaft in DE und auch die hohe Reisefreudigkeit der Deutschen sind also eine Stütze für die Wirtschaften der Südländer.
Hören Sie und andere Foristen also bitte auf, die Exportüberschüsse als Ursache der Probleme herbeizureden. Das ist absolut falsch und verhindert nur die wirklichen Ursachen zu erkennen und anzugehen.

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spaceagency 20.05.2017, 12:40
368. deny - das ist Unsinn

natürlich gibt es einen Handelsüberschuss und der ist NICHT ausgeglichen wie sie hier erzählen. Es reicht nach Handelspartner Deutschlands zu googeln wenn sie jetzt gerade keine Zahlen haben.
Natürlich ist die Wirtschaft Italiens mit jener Deutschlands in enger Zusammenarbeit. Das war schon immer so und hat mit der Zahlungsmoral nichts zu tun. Es wäre schön wenn sie etwas objektiver schreiben würden und nicht nur von ihrem Glauben und den eigenen Erfahrungen berichten. niemand bestreitet die Probleme Italiens aber sie übertreiben masslos und verklären Deutschland dabei

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peter.di 20.05.2017, 12:48
369. Eurobonds würden das Problem der Eurozone nur noch weiter verstärken

Das Grundproblem der Eurozone ist, dass Eigentverantwortlichkeit und Haften für die Folgen des eigenen Handels nicht mehr zusammengehören. Eurobonds würden das Problem nur noch weiter verstärken, bestenfalls kurzfristig einigen Ländern Entlastung bringen. Kurz gesagt: Eurobonds: Problem schafte = nationale Souveränität, Für die Problem haften = gemeinsame Haftung. Wer glaubt, dass so etwas funktionieren kann, befindet sich intellektuell noch im Kindergarten.

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