Forum: Wirtschaft
Diskriminierung: Arbeitsgericht weist "Ossi"-Klage ab

"Ossis" sind kein eigener Volksstamm: Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage einer Ostberlinerin abgeschmettert, die sich diskriminiert fühlte. Sie bekam eine Jobabsage, angeblich wegen ihrer Herkunft. Die Richter sahen darin keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz.

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Takamisakari 15.04.2010, 15:35
1. Titel elendiger

Zitat von sysop
"Ossis" sind kein eigener Volksstamm: Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage einer Ostberlinerin abgeschmettert, die sich diskriminiert fühlte. Sie bekam eine Jobabsage, angeblich wegen ihrer Herkunft. Die Richter sahen darin keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz.
Hätte mich ehrlich gesagt auch gewundert wenn anders entschieden worden wäre.
Mal sehen was als nächstes kommt.

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latinistin 15.04.2010, 15:42
2. die klage....

.....selbst ist meines erachtens absurd. regional bedingte herkunft kann nun mal (und da brauche ich nichtmal paragraphen- und rechtswissen) nicht als angehörigkeit zu einem volksstamm gerechnet werden - das haben bis jetzt nichtmal die bayern geschafft! ;-)

dennoch ist in meinem eigenen erweiterten bekanntenkreis bereits der satz gefallen (interessanterweise auf "ostdeutschem" boden von einem "westdeutschen" firmenmitarbeiter) : ich stelle nicht gern ossis ein, das merkt man einfach, wo die herkommen!

diese bemerkung, so zufällig sie gefallen sein mag, passt natürlich wunderbar in die diskussion. ich will darüber nicht urteilen, aber jemanden wegen seiner herkunft, ob nun volksstammm oder nicht, abzuurteilen, ist einfach nicht in ordnung.

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franksterling 15.04.2010, 15:43
3. -

Wuerde zu gern wissen was es da sonst noch so fuer interne Notizen gibt.
Wuerde eine Sammlng solcher Dokumente zusammengefasst in einem Buch sofort kaufen. Hat mich zum lachen gebracht.

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herr-vorragend 15.04.2010, 15:47
4. .

Man muss sich mal vor Augen führen, dass die Frau die bereits vor der Wende in den Westen kam immernoch als Ossi bezeichnet wird.

Zitat von Spiegel Online
Das Minus auf der Bewerbung sei ein Zeichen für die "fehlende Qualifikation" gewesen. Der Ausdruck "Ossi" sei positiv gemeint gewesen.
Es kann jeder sagen wen er in seinem Unternehmen beschäftigen möchte und wen nicht. Aber eine solche Argumentation ist doch lächerlich und feige.

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fleischwurstfachvorleger 15.04.2010, 15:51
5. 2 Anmerkungen

Zitat von sysop
"Ossis" sind kein eigener Volksstamm: Das Arbeitsgericht Stuttgart hat die Klage einer Ostberlinerin abgeschmettert, die sich diskriminiert fühlte. Sie bekam eine Jobabsage, angeblich wegen ihrer Herkunft. Die Richter sahen darin keinen Verstoß gegen das Gleichbehandlungsgesetz.
Das AGG ist noch nicht wirklich bei den Arbeitsrichtern angekommen. Meistens schlagen sie sich auf die Seite des Arbeitgebers, oder einen Vergleich vor.

Der Inhaber der Fensterfirma hat wie ein typischer schwäbischer Krämer gedacht und gehandelt. Hätte er der Dame 1650 € gezahlt, sozusagen als Schmerzensgeld für die Dummheit seiner Mitarbeiter, wäre die Angelegenheit erledigt gewesen. - Aber nein, man muss ja den Klageweg bestreiten bzw. einen auf Unnachgiebig machen.

Sich dann hinterher zu beklagen, dass man Aufträge wegen dieser Angelegenheit verliert, zeigt die geistige Beschränktheit des Mannes auf.

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Noodles 15.04.2010, 15:54
6. Berufung ist zugelassen

was nichts heißen muss. Interessant ist die Feststellung das es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Zulassung der Revision kommt. Letzteres ist nicht selbstverständlich, ersteres in aller Regel schon. Hier hat sich ein Gericht geweigert die Finger zu verbrennen. Ist bei unteren Instanzen nicht selten. Weiteres bleibt abzuwarten.

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brux 15.04.2010, 15:58
7. Toll

Das kann ja interessant werden: Diskrimierung ist verboten, aber nur wegen Rasse, Ethnie, Alter, Geschlecht, Religion, Behinderung, und sexueller oder politische Orientierung.
In der Logik unserer kognitiv beschränkten Juristen darf man als unter anderen Gesichtpunkten durchaus diskrimieren, z.B. wegen Haarlänge oder -farbe.

Vielleicht können die Forumsteilnehmer ja eine kleine Sammlung von erlaubten Diskriminierungsgründen für reaktionäre Unternehmen zusammenstellen.

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makutsov 15.04.2010, 16:03
8. Traurig aber geracht

So absurd wie der ganze Vorgang ist, so lustig ist auch die Gerechtigkeit die es über den Arbeitgeber bringt. Ich habe es selbst erlebt, gerade in Schwaben und Bayern besteht eine ausgeprägte Fremdenfeindlichkeit. In Bayern werden Lehrer mit der Begründung abgelehnt, man würde sich nicht so ein Ei ins Nest legen wollen, wenn sie aus den unchristlichen neuen Bundesländern kommen würden. Und das ist keine Seltenheit!

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meinungsherrscher 15.04.2010, 16:06
9. Titellos

Zitat von Noodles
was nichts heißen muss. Interessant ist die Feststellung das es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zur Zulassung der Revision kommt. Letzteres ist nicht selbstverständlich, ersteres in aller Regel schon. Hier hat sich ein Gericht geweigert die Finger zu verbrennen. Ist bei unteren Instanzen nicht selten. Weiteres bleibt abzuwarten.
Nun ja, dass Ossis von den höheren Gerichten als Volksstamm anerkannt werden, ist zu bezweifeln, dass der Vermerk als diskriminierend anerkannt werden könnte ist da eher wahrscheinlich.
Letztendlich ist auch nicht wirklich eindeutig, ob der betreffende Vermerk eine positive oder negative Kategorisierung ist. Aber nehmen wir mal an, die Argumentation des Arbeitgebers stimmt, dann ist es fraglich, warum noch eine weitere Kategorisierung als Ossi stattgefunden hat, wenn die Frau aus Qualifikationsgründen sowieso nicht in Betracht kommt. Was nützt dann der angeblich positive "Ossi" Vermerk?

Wie ein Vorredner schon sagte: Hätten die Leute das Geld bezahlt, wären Sie glimpflich ob ihres Patzers davongekommen. Jetzt haben sie sich ganz schon was an Land gezogen.

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