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Drohende Griechenland-Pleite: Drei dornige Wege zur Euro-Rettung
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Griechenland droht der Bankrott - doch was kommt danach? Wenn Regierungen und Notenbanken den Euro erhalten wollen, müssen sie sich womöglich auf riskante Manöver einlassen. Jede der diskutierten Therapien hat gehörige Nebenwirkungen. Die Suche nach dem geringsten Übel hat begonnen.

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Liberalitärer 20.08.2012, 20:29
1. Es wird immer besser

Zitat von sysop
Griechenland droht der Bankrott - doch was kommt danach? Wenn Regierungen und Notenbanken den Euro erhalten wollen, müssen sie sich womöglich auf riskante Manöver einlassen. Jede der diskutierten Therapien hat gehörige Nebenwirkungen. Die Suche nach dem geringsten Übel hat begonnen.
Danke Herr Kaiser, sooooo ganz langsam geht es ja in die richtige Richtung. Widerspruch nur in einem Punkt. Ich denke nicht, dass bei Lösung drei - gerade im Sinne der Gewaltenteilung - Schmieding Recht hat. Ziel ist es ja gerade eine Zentralbank zu haben, die nicht politischer Kontrolle unterliegt, sondern unabhängig agieren kann. Haushaltspolitik unterliegt selbstverständlich strengster parlamentarischer Kontrolle und wird zudem durch Rechnungshöfe etc unterstützt. Geldpolitik soll ja gerade eben nicht demokratischer Kontrolle unterliegen. Deshalb mein Einsatz gegen den ESM und für eine unabhängige EZB. Eurobonds sind tumbe Gleichmacherei und der ESM wird nicht funktionieren. Insgesamt danke SPON, dank Herrn Kaiser sind die Beiträge endlich qualititativ wirklichbrauchbar, bezahlt den Mann gut, er verdient es.

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scratchpatch 20.08.2012, 20:33
2. Unendliche Risiken

Man sieht schon jetzt, dass auch die dritte Lösung, der Ankauf von Staatsanleihen durch die EZB, für Länder wie Deutschland mit Kosten verbunden ist. Investoren würden dann nicht mehr in sichere Anlageorte flüchten, wenn die EZB sowieso für alle garantiert. Sie wären nicht mehr bereit, niedrige oder gar keine Renditen für deutsche Staatsanleihen zu verlangen. Das würde Milliarden kosten.
Noch schlimmer ist das mangelnde Vertrauen. Man stelle sich vor, die EZB hätte Unmengen spanischer und italienischer Anleihen aufgekauft und dann entscheiden die Spanier oder Italiener bei den nächsten Wahlen, dass sie eine Partei bevorzugen, die verspricht, über einen Schuldenerlass zu verhandeln. Wollen wir, dass uns ein Zapatero oder Berlusconi erpressen kann? Wer unbegrenzte Garantien abgibt, begibt sich in die Hände des Begünstigten.

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SenYek 20.08.2012, 20:56
3. Das Kernproblem bleibt ungelöst...

Alles sehr schöne Ansätze - aber das *eigentliche* Problem bleibt ungelöst. Es besteht darin, dass die europäischen Staaten (einige schlimmer, andere weniger schlimm)... weniger Einnahmen als Ausgaben haben. Und nur eine äusserst geringe Sparneigung (wer kann z.B. auch nur eine einzige substanzielle Einsparung der aktuellen Bundesregierung benennen?). Da kann man mittelfristig mit Geldpolitik und Euro-Schmonds soviel zaubern wie man will - das kann einfach nicht gutgehen.

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luny 20.08.2012, 20:59
4. Wenn...

Zitat von sysop
Griechenland droht der Bankrott - doch was kommt danach? Wenn Regierungen und Notenbanken den Euro erhalten wollen, müssen sie sich womöglich auf riskante Manöver einlassen. Jede der diskutierten Therapien hat gehörige Nebenwirkungen. Die Suche nach dem geringsten Übel hat begonnen.
Schon mal darüber nachgedacht, daß es gar keine Lösung gibt?

Die deutsche Bundesbank ist mit dem Gebaren der EZB nicht
einverstanden. Staatsanleihen von notleidenden EUR-Ländern
aufzukaufen, gehört nicht zur Aufgabe der EZB.

Wenn das die Lösung sein soll, will ich das Problem wieder.

LUNY

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teredonavalis 20.08.2012, 21:03
5. Das kleinste Übel: die Rückkehr zur D-Mark

Zitat von sysop
Griechenland droht der Bankrott - doch was kommt danach? Wenn Regierungen und Notenbanken den Euro erhalten wollen, müssen sie sich womöglich auf riskante Manöver einlassen. Jede der diskutierten Therapien hat gehörige Nebenwirkungen. Die Suche nach dem geringsten Übel hat begonnen.
Das kleinste Übel: die Rückkehr zur D-Mark. Der Euro hat nur Nachteile für Deutschland. Für seine Rettung kompromittieren wir die Zukunft unserer Kinder und Enkelkinder.

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luny 20.08.2012, 21:06
6. Demokratische Kontrolle

Zitat von Liberalitärer
Danke Herr Kaiser, sooooo ganz langsam geht es ja in die richtige Richtung. Widerspruch nur in einem Punkt. Ich denke nicht, dass bei Lösung drei - gerade im Sinne der Gewaltenteilung - Schmieding Recht hat. Ziel ist es ja gerade eine Zentralbank zu haben, die nicht politischer Kontrolle unterliegt, sondern unabhängig agieren kann. Haushaltspolitik unterliegt selbstverständlich strengster parlamentarischer Kontrolle und wird zudem durch Rechnungshöfe etc unterstützt. Geldpolitik soll ja gerade eben nicht demokratischer Kontrolle unterliegen. Deshalb mein Einsatz gegen den ESM und für eine unabhängige EZB. Eurobonds sind tumbe Gleichmacherei und der ESM wird nicht funktionieren. Insgesamt danke SPON, dank Herrn Kaiser sind die Beiträge endlich qualititativ wirklichbrauchbar, bezahlt den Mann gut, er verdient es.
Hallo Liberatlitärer,

wie jetzt, Haushaltspolitik unterliegt strengster parlamentarischer
Kontrolle, gleichzeitig postulieren Sie, daß die Zentralbank keiner
politischen Kontrolle unterliegt?

Jetzt habe ich es verstanden. Sie sind für eine Zentralbankdiktatur.

Wer soll denn Ihrer nach für das bezahlen, was die EZB gerade
versucht zu inszinieren? Mit dem Kauf von Staatsanleihen aus
notleidenen EUR-Ländern mutiert die EZB zur Bad Bank.

LUNY

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Liberalitärer 20.08.2012, 21:12
7. Alte Bundesbank

Zitat von luny
Schon mal darüber nachgedacht, daß es gar keine Lösung gibt? Die deutsche Bundesbank ist mit dem Gebaren der EZB nicht einverstanden. Staatsanleihen von notleidenden EUR-Ländern aufzukaufen, gehört nicht zur Aufgabe der EZB. Wenn das die Lösung sein soll, will ich das Problem wieder. LUNY
Oder die längst überflüssige Behörde ein wenig zurückstutzen? Noch einmal zum Mitschreiben, Offenmarktpolitik und Zinssetzung war und ist auch heute noch Kernaufgabe einer Notenbank. Das sah auch die "alte" Bundesbank so. Das ist doch alles ein sehr durchsichtiger Versuch der Politik, die Unabhängigkeit der EZB auszuhebeln.

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libertarian2012 20.08.2012, 21:16
8.

Das ganze wird nicht gutgehen. Habe ich schon vor ein paar Jahren gesagt. Hier werden wieder mal die eigentlichen Probleme zu "Loesungen" erklaert. Das hat noch nie geklappt und wird es auch diesmal nicht. Suedeuropa ist am Ende und wenn das solvente Resteuropa nicht aufpasst, wird es bald genauso schlecht dastehen. Was am Ende wahrscheinlich sowieso der Fall, weil auch Deutschland et al massive strukturelle Probleme haben, die staendig schlechter werden. Es faellt ob des allgemeinen Wohlstandes und des hoeheren Grads and Wirtschaftskraft nicht ganz so auf. Es fehlt zudem der Willen, die Richtung zu aendern und den gescheiterten Wohlfahrtsstaat zureuckzudrehen. Beaengstigend auch, wieviele Anzeichen es gibt, den Wohlfahrtsstaat mit Elementen von Unrechtsstaaten anzureichern. Man denke an illegale Steuer CDs, offene Diskussionen ueber kalte oder heisse Enteignung, weitere Einschraenkungen der persoenlichen Handels- und Handlungsfreiheit, usw. - alles dann im Namen der "Rettung" von etwas wo man sich mal fragen sollte, was man da eigentlich genau retten will. Was nuetzt eine schoene grosse Freihandelszone mit gemeinsamer Waehrung, wenn niemand mehr handeln soll ausser ein paar Buerokraten, die alles besser wissen zu glauben?

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Berliner42 20.08.2012, 21:17
9. k.T.

Alle 3 Varianten suchen nur den geringsten Widerstand und beweisen deshalb wenig Phantasie und Willen. Um die bösen Spekulanten dazu zu bringen, den Südstaaten Geld zu leihen, sollten die sich vielleicht zu attraktiven Schuldnern machen. Das geht mit solider Haushaltspolitik, Reformen und Verantwortung für die eigene Situation. Wenn das glaubhaft angegangen wird, werden auch die Risikoprämien sinken.

Wenn aber einfach nur die EZB einspringen soll, werden die Zinsen nicht niedriger werden. Die EZB wird den ganzen Müll aufkaufen müssen und am Ende auf den Zahlungsausfällen sitzen bleiben bzw. die Staaten werden Schulden mit Schulden bedienen. Das ist die südeuropäische Art Finanzpolitik zu betreiben. 10% Inflation sind dann sicher.

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