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Ein Tag als DHL-Zusteller: Wenn der Paketbote vergeblich klingelt
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Das ist so nervig: Paketzusteller klingeln nicht, sondern werfen einfach nur Benachrichtigungen in den Briefkasten. Moment, stimmt das wirklich? Ein Selbstversuch als DHL-Bote. Von Nicolai Kwasniewski

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KaroXXL 08.07.2016, 17:39
100. Richtig

Zitat von waechstwiebloed
Wenn die Löhne besser wären, käme bestimmt auch der Service nicht zu kurz. Aber einen Minimindestlohn für solch "niedere" Arbeiten, halten viele Foristen schon für in Ordnung. Bis sie merken, daß diese Dienstleistung sehr wohl ihren Wert hat, wenn sie feststellen, daß z. B. ihre Pakete nicht geliefert werden.
Das wird ignoriert, Hauptsache die eigenen Bedürfnisse werden maximal befriedigt. Die zwanzig im Monat online bestellten teils garnicht wirklich gebrauchten Unterhaltungselektronikartikel haben gefälligst pünktlich da zu sein und der Postbote hat auch die Treppe hochzukommen.
Solidarität mit Leuten in prekären Arbeitsverhältnissen? Ein klein wenig Verständnis? Denkste!

Typisch...

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hisch88 08.07.2016, 17:42
101. Dritte Welt D im Service und Zulieferdienst.

Wenn Sie ein Super organisiertes Land kennenlernen wollen, wo der Service der Zulieferer von Päckchen und Paketen grundsätzlich den Empfänger per Handy-Anruf oder SMS auf die 15 Minuten genau angekündigt wird, müßen Sie nach China gehen.

Die Service-Leistungen sind so hoch entwickelt, da lebt Deutschland noch in der Steinzeit.

Alles was zum Servicebereich eines Landes gehört ist in China vorbildlich, Deutschland extrem rückständig "Lieferung (eventuell) zwischen 10:00 bis 14:00 Uhr" "oder doch vielleicht Morgen?".

Das gilt auch beim Bankensystem, wo jeder Kontoeingang oder Kontoausgang sekundenschnell als SMS beim Sender eintrifft.

Überweisungen ebenfalls im Sekundentakt vom Sender zum Empfänger überwiesen werden (auch zwischen unterschiedlichen Banken), während in D die Banken erstmal 1-2 Tage auf dem Geld sitzen bleiben, ohne ersichtlichen Grund.

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fridayn 08.07.2016, 17:45
102.

Zitat von markus_wienken
Amazon hat eigene Auslieferer? Seit wann und wo denn das?
Hier in Berlin seit einigen Wochen.

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hisch88 08.07.2016, 17:47
103. Schlampiger Zulieferer

Hab DHL Paket von D nach Österreich geschickt. Wurde abgegeben bei einem der auch im Hause wohnt (50 Wohnungen). Benachrichtigungszettel wurde in den Briefkasten geworfen mit der Nachricht "Paket wurde beim Nachbarn abgegeben."

Nicht geschrieben wurde welcher Nachbar. Eine sehr ärgerliche E-Mail (an 4 Verteiler geschickt) von mir an DHL hat das Paket dann finden lassen. Bin mir sicher in dem Fall hat es gewaltig Ärger gegeben bei den Zustellern dort vor Ort

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Lektorat Berlin 08.07.2016, 17:54
104. Das ist von kompetenter Stelle geklärt:

Zitat von alsterherr
Sollte hier nicht ergründet werden, WAS genau die Leistung von DHL ist? Bis wohin ist denn DHL verpflichtet zu liefern? Bis zur Grundstücksgrenze oder ersten Haustür (wo die meisten Briefkästen hängen) oder weiter? Was sind de AGBs und WAS genau ist Bestandteil des "vertrages"?
Leistung der Paketdienste (aller!) ist es, die Lieferung der NATÜRLICHEN Person zuzustellen. Gibt es keine "natürliche" Person, weil Empfänger z.B. eine Firma ist, ist der der Vertreter dieser Firma, mithin also wieder: eine natürliche Person, die Stelle, der angeliefert werden muß.
Das ist _gesetzlich_ so definiert (Postgesetz? Verbraucherschutz? Fragen Sie mich nicht, lässt sich aber bestimmt nachgoogeln), der Postkasten ist also STETS nur eine NOTlösung - und eben nur, weil die natürliche Person halt nicht angetroffen wurde.
Dies ist im Rahmen einer Reportage zum Thema abgeklärt worden vom Justitiariat einer Rundfunkanstalt des Öffentlichen Rechts (der DHL wurde in dieser Reportage die Gelegenheit gegeben, sich zu äußern - was sie aber nicht tat).
Heißt also: Wenn die DHL gewerbsmäßig SO verfährt, wie sie es tut, begeht sie einen Betrug. Tagtäglich und zigtausendfach.
Bei uns im Hauses und in der Nachbarschaft haben wir uns jetzt zusammengeschaltet: Seit einiger Zeit scannen wir alle unsere "konnte-leider-nicht..."-Kärtchen vor der Abholung ab und tragen sie in eine gemeinsam geführte Negativ.-Liste ein, um ggfs. irgendwann gemeinsam die DHL/Post wegen gewerbsmäßigen Betrugs vor Gericht zu zerren. War der Ratschlag des Justitiars.

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MatthiasPetersbach 08.07.2016, 18:01
105.

Zitat von Bobby Shaftoe
Besonders spaßig: Mit der Zustellungskarte zur Postfiliale latschen und sich den Spruch anhören müssen: "Ihr Paket ist nicht da, der Fahrer hat es heute nicht mehr geschafft". Nicht mehr geschafft? Das weiß ich bis heute nicht. Ich kann nur mutmaßen: Heckenschützen, Riesenloch in der Straße, Milzbrand oder Tank leer.
Oder einfacher: Zuviel Arbeit, zuwenig Zeit. Ihnen anscheinend unbekannt.

Die Ignoranz mancher Zeitgenossen ist einfach nur noch unbegreiflich. Es soll Jobs geben, wo ein erfolgreicher Arbeitstag sich nicht im überbezahlten Rumschubsen von ein paar Mails erschöpft, sondern wo man den Unwägbarkeiten des Lebens ausgesetzt ist.

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Lektorat Berlin 08.07.2016, 18:02
106. Ich

Zitat von FehlGeleitet1
Ich habe für verschiedene Firmen wie z. B. DHL, DPD und Transoflex sowohl als Zusteller als auch im Backoffice gearbeitet. Der Zusteller ist das unterste Glied in der Kette und kann für die katastrophalen Zustände überhaupt nichts. Man muss früh morgens um 05:30 Uhr die 120-200 Pakete jeden Tag aufs neue nach Strassen und Anfahrten sortiert in den Transport alleine einladen und abends die Retouren abladen und abrechnen. Man hat eine 12 Stunden Tag und eine 6 Tage Woche. Immer mehr Verkehr, immer weniger Parkmöglichkeiten, jeden Tag aufs Neue irgendwelche Hausnummern od. Nammensschilder suchen. Hundert Mal am Tag Transporter auf und zuschliesen, Stockwerke hoch u, runter laufen und soll dabei noch freundlich wirken und so das Unternehmen repräsentieren. Das hält man nicht lange körperlich und seelisch durch. Und ich war - wie soviele andere auch-- eine Art Sub-Sub Unternehmer als Zusteller, das heißt bei Krankheit kein Geld, kein Weinachts- od Urlaubsgeld usw. Günther walraff hat ja mal undercover als Paketzusteller gearbeitet, er hat die Zustände sehr gut beschrieben, nur geändert hat sich seitdem absolut NICHTS.
glaube Ihnen das gern, und ja, auch ich möchte nicht so einen Job haben.
Aber: 1. wird niemand gezwungen, diesen Job zumachen und 2. ist es Merkmal (eines von vielen, zugegebenerweise) einer zivilisierten Gesellschaft, dass ein funktionierendes Postwesen existiert. Wenn noch nicht einmal DAS klappt, wie soll dann eine arbeitsteilige Gesellschaft überleben? Das ist ja nun wirlich das Mindeste! Ich kann mich bei meinen Jobs, wenn ich die nicht in time fertigbringe, auch nicht gegenüber meinen Auftraggebern mit "Ja, die DHL-Mann hat aber bnicht geklingelt..." rausreden.
Die Basics müssen schon klappen in einem modernen Industriestaat. Und die Post gehört ganz klar dazu!

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bold_ 08.07.2016, 18:02
107. Ganz viel!

Zitat von markus_wienken
Was hat der Auftraggeber mit dem schlechten Service des Dienstleisters zu tun? Erschließt sich mir nicht
Man (also nicht ich) bestellt bei A und bezahlt die Ware und natürlich auch die Lieferung.

Wären die Käufer bereit, etwas mehr für einen seriösen Lieferservice zu zahlen, dürfen Sie davon ausgehen, daß A sich diesen Aufpreis in seine Taschen stecken würde.

Die Käufer wollen es nicht anders - dann sollen sie auch nicht meckern.

Und - wie ich bereits schrieb - niemand hat A eingeladen, in D sein Unwesen zu treiben.

Gitte Haenning: "Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben..."

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MatthiasPetersbach 08.07.2016, 18:11
108.

Das würde sich alles ändern, wenn die Leute, die in der ökologischen Nische der Festanstellung 3000.- Euro plus X monatlich verdienen, dafür streiken würden, daß der Paketfahrer Rahmenbedingungen vorfindet, die ihm zeitlich und verdienstmäßig ermöglichen, seinen Job richtig zu machen.

Würde dann teurer, aber wahrscheinlich wäre die Lawine der Sozial-Nebenkosten, die auf uns zukommen, wenn die prekär Beschäftigten Stütze oder Aufstockung oder Rente verlangen, deutlich kleiner.

SO ähnelt es nur dem überaschten Gequengele, daß im Joghurt für 19 ct keine echten Erdbeeren drin sind.

Das Fatale ist, daß sich mittlerweile der X-beliebige normalverdienende Mensch als KUNDE schon an der Ausbeutung der Armen beteiligt.

Das haben die gut hingekriegt. Und wie immer wird dann aufeinander gehetzt und gescholten - dabei trifft es die Falschen. Wohl weil wir uns an die Richtigen nicht hintrauen.

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Lektorat Berlin 08.07.2016, 18:15
109. Das

ist heute - leider - bei allen Nicht-Festangestellten so.
Ich persönlich kennen aus den guten alten Mauerzeiten noch so "soziales Gedöns", ich hatte sogar noch "Mutterschutz" bei der Geburt meiner beiden Kinder. Wenn ich das meinen Kindern (heute teenagers) erzähle, staunen die Bauklötze und fragen fassungslos "Wie? NICHT gearbeitet und trotzdem Geld gekriegt? Wie cool ist das denn?"
Und dann kommen uns die armen Ausgebeuteten in Ost-Deutschland damit, dass wir ihr wunderbares Auferstanden-aus-Ruinen-Land in Trümmer gelegt und ihre blühende Industrie gegroundet und sie selbst an den Bettelstab gebracht haben...

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