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Einigung in Brüssel: So müssen die Bankkunden Zypern retten
DPA

Wer ein Konto in Nikosia hat, wird jetzt Zypern-Retter: Erstmals werden Bankkunden in großem Stil zur Rettung eines Euro-Krisenlandes gezwungen - bis zu zehn Prozent der Einlagen werden eingefroren. Das sieht die Einigung von Brüssel vor.

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UweZ+ 17.03.2013, 10:07
510. Revolution wegen VERMÖGENSVERLUSTEN...???

Zitat von fragel
...Wer das abstreitet , fordert den Bürgerkrieg heraus , denn dann wäre die Absezung der Bundesregierung schon mehr als überfällig. Euro-einführung ohne Volksabstimmung , Steuergeldverschwendung an EU ohne Volksabstimmung , Steuergeldverschwendung in Form von Bürgschaften für Pleiteländer. Also , warum seid ihr da nicht auf der Straße?
Die Menschen gehen vermutlich deshalb nicht auf die Strasse, weil sie ja aus ureigener Entscheidung Geldvermögen angespart, sprich: auf's augenscheinlich falsche Pferd gesetzt haben.
Es wurde doch niemand dazu gezwungen Geld zu sparen.

Wenn ich mich hab veräppeln lassen und deshalb glaubte, dass der mit "Geld ansparen" verbundene Konsum-Verzicht in fernerer Zukunft das Nachholen des zuvor nicht Verkonsumierten erlauben könne, dann ist das zunächst mal MEIN ureigenes Problem.
Aber keinesfalls das unserer Gemeinschaft.

Denn (i.) habe ich mit dem Horten meines Geldes meinen Mitmenschen geschadet, die durch meinen Konsumverzicht darum gebracht wurden, ihre Wertschöpfung an mich zu verkaufen und damit ihrem Broterwerb nachgehen zu können.

Und (ii.) war ich dämlich, weil otto-normale Beobachtung zur Erkenntnis ausreicht, dass es offensichtlich gar keine natürlichen Wertspeicher gibt, in denen ich heutig verlustfrei einlagern könnte, was ich erst in ferner Zukunft zu verkonsumieren wünsche.

Essbares verfault oder zerfällt zu Staub, broterwerblich unmittelbar Taugliches (Ideen oder Maschinen) wird zwangsläufig durch denn technischen Fortschritt entwertet, selbst massiv in Stahl und Beton Hingeklotztes verrottet ohne kostenträchtige Instandhaltung binnen weniger Jahrzehnte bis zur nutzungstechnischen Unbrauchbarkeit.
Auch vom Geld weiss doch ohnehin jeder, dass dieses immer und überall seinen infationär suizidalen Neigungen erliegt, im güstigsten Fall nur langsam. Denn es gibt historisch nicht ein einziges Beispiel, dass irgendeine Währung irgendwann in der Menschheitsgeschichte mal dauerhaft überlebt hätte.

Wen bitte schön soll ich für meine ureigene Dämlichkeit denn verantwortlich machen...?

P.S.:
Meine Vermögensverluste wegen Geldentwertung sind doch objektiv ein Luxus-Problemchen.

Denn zwei Drittel der Nasen aus unserer Mitte besitzen doch gar kein signifikantes Geldvermögen, weil die zweifelsohne dazu GEZWUNGEN sind im Schweisse ihres wertschöpfenden Angesichts ständig von der Hand in den Mund zu leben.
DEREN ggf. existentiellen Nöte sind TATSÄCHLICH unmittelbar bedrohlich.

Meine Verluste an Angespartem hingegen sind solange nur EINGEBILDET, solange ich das Angesparte ohnehin nicht antaste, weil ich schlicht nicht mal die Kohle auf den Kopf gehauen bekomme, die ich kontinuierlich als broterwerbliches Einkommen einsacke.

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adrianralle 17.03.2013, 10:29
511.

Zitat von UweZ+
Es ist nicht ganz falsch was Sie sagen. Allerdings kann man schon auch Leute verantwortlich machen, die ihre Dämlichkeit gefördert haben. Wenn diese nicht gelogen hätten, so nach dem Motto "Sorgt mal für das Alter vor, es lohnt sich." oder "Bei uns ist ihr Geld sicher." hätte er es vielleicht nicht gemacht. Anders herum würde einem bestimmt vorgeworfen man hätte vorsorgen sollen "Hättest nicht so viel ausgegeben und gespart wärst Du jetzt nicht arm und müsstest nicht zum Sozialamt." Das betrifft dann natürlich eher die Kleinsparer.

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UweZ+ 17.03.2013, 11:35
512. ...

Zitat von adrianralle
Es ist nicht ganz falsch was Sie sagen. Allerdings kann man schon auch Leute verantwortlich machen, die ihre Dämlichkeit gefördert haben. Wenn diese nicht gelogen hätten, so nach dem Motto "Sorgt mal für das Alter vor, es lohnt sich." oder "Bei uns ist ihr Geld sicher." hätte er es vielleicht nicht gemacht. Anders herum würde einem bestimmt vorgeworfen man hätte vorsorgen sollen "Hättest nicht so viel ausgegeben und gespart wärst Du jetzt nicht arm und müsstest nicht zum Sozialamt." Das betrifft dann natürlich eher die Kleinsparer.
Damit haben Sie selbstverständlich vollkommen recht...!
Irgendwelche homo-ökonomische Nasen haben sich als Hohepriester verkleidet und in den Kathedralen der Geldströme eine für sie äusserst einträgliche Pseudo-Religion verkündet.

Und wir wollten nur allzu gerne glauben, fielen vor pseudo-spiritueller Ehrfurcht auf die Knie, sangen im Chor Hosiana und beteten, der Marktgott möge es individuell gut mit uns meinen...

Der Marktgott kann in einer Marktwirtschaft aber gar keine Meinung haben...!
Denn dieser Gott sind wir ja kollektiv selbst, entweder in Form von Anbietern, oder in der von Nachfragern.
Und da bis heute keiner vorauszuberechnen vermag, was der kurzlebige Zeitgeist morgen als begehrlich erscheinen lässt, ist Marktwirtschaft zwangsläufig IMMER auch Glücksspiel.

Letzteres haben die Hohepriester des Marktes den Gläubigen trotz besseren Wissens verschwiegen und dieses Verschweigen war tatsächlich betrügerisch.
Den Gläubigen vorzubeten, ein Markt könne angeblich nachhaltige WERTE schaffen, obwohl dieser doch logischerweise nur flatterhafte PREISE hervorzubringen vermag, ist ethisch schlicht eine Sauerei...

Nur macht es wenig Sinn von irgend jemand Sterblichen zu verlangen, genannt übelen Betrug nun "systemkonform" in ein faires Geschäftsmodell zu verwandeln, wie in der christlichen Religion bei der Speisung der Fünftausend angeblich Wasser zu Wein wurde und ein einzelnes Brot sich wie aus dem Nichts vervielfältigte.
Letzteres steht nämlich in krassem Gegensatz zu den Gesetzen des Marktes...:-)

Wer die existentiell bedroht Verarschten schützen will, kann dies logischerweise NICHT mittels jener Marktwirtschaft, die sich immer mittels psychologisch-fundiertem Marketing zur schändlichen Verarschung missbrauchen lässt.
Der muss zumindest ergänzend explizit eine andere Form der Distrubition existentiell benötigter Güter zulassen

Und auch oben genannt verarscht habenden Hohepriester werden nicht nachhaltig glücklich werden mit der von ihnen veranstalteten Sauerei.
Denn für die wird es, ob ihrer nicht unerheblichen Kopfzahl, zwangsläufig ungemütlich eng werden auf den Bahamas...

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Tolotos 17.03.2013, 14:19
513. Die HRE lässt schon mal grüßen!

Zitat von sysop
Retten müssen es doch wohl eher die Steuerzahler, denn die haften für alle übrigen Risiken, und dass ist der wesentlich größere Teil!

Im Übrigen dürfte es für die Schwarzgeldinhaber und Steuerflüchtlinge immer noch billiger sein, als die fälligen Steuern zu zahlen, und letztlich abgestraft werden die ehrlichen Bankkunden.

Aber das immer die Ehrlichen die Dummen sind, scheint mir ohnehin das einzig Verlässliche am Prinzip Euro zu sein!
Zitat von
Brüssel - Die Einigung der Euro-Länder auf ein Hilfspaket für Zypern in Höhe von 10 Milliarden Euro enthält zwei wesentliche Neuerungen: Erstmals werden Bankkunden im großen Stil zur Rettung eines Euro-Landes herangezogen.
Sonst waren es ja immer die Arbeitnehmer, aber die werden wohl auch in Zypern stärker zur Kasse gebeten werden, als der arme Geldadel und die bedürftigen Steuerflüchtlinge und Schwarzgeldinhaber!
Zitat von
Erst einmal gar nichts. Zypern erhält keinen Zuschuss, sondern Kredite aus dem bestehenden Krisenfonds ESM, die das Land zurückzahlen muss. Erst wenn Nikosia zahlungsunfähig würde und seine Kredite nicht mehr bedienen könnte, würden die deutschen Steuerzahler zur Kasse gebeten.
Ist das nicht das typische „Bad Bank“ Prinzip?

Wenn man dafür eine parlamentarische Zustimmung und/oder gerade um Wählerstimmen bangt, dann wird erst einmal nur ein „Kredit“ gewährt. So lässt sich begründen, dass dies den Steuerzahler ja gar nicht kostet, -oder dass er mit den (weit unter marktüblichen Bedingungen liegende) Zinsen sogar einen unmoralischen Gewinn erzielt, ohne dass zu diesem Zeitpunkt das Gegenteil beweisbar wäre.

Später (wenn Parlament und/oder Wähler gerade nichts zu melden haben) waschen die entscheidenden Politiker ihre Hände in Unschuld und wundern sich medienwirksam, dass die Kredite nicht zurückgezahlt werden können.

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fprester 17.03.2013, 16:49
514. Von welchen Zahlen sprechen wir?

Zitat von sysop
Wer ein Konto in Nikosia hat, wird jetzt Zypern-Retter: Erstmals werden Bankkunden in großem Stil zur Rettung eines Euro-Krisenlandes gezwungen - bis zu zehn Prozent der Einlagen werden eingefroren. Das sieht die Einigung von Brüssel vor.
Von welchen Zahlen sprechen wir?

Die Republik Zypern hat ein BIP von 18 Mrd. Euro. Der Verschuldungsgrad des Staates beträgt 93.5% des BIP, also 16.8 Mrd. Euro. Das Hilfspaket der Eurogruppe umfasst 10 Mrd. Euro (inklusive Anteil des IWF). Die Sparer sollen 5.8 Mrd. Euro beisteuern. Der Beitrag der Sparer erfolgt à fond perdu, ist also definitiv verloren. Die Beiträge von ESM und IWF von zusammen 10 Mrd. Euro hingegen müssen zurückbezahlt werden. Im ersten Schnit sind also nur die Sparer betroffen. Sie verlieren ihr Geld (resp. die abgezwackten 10% vom Vermögen) definitiv, nicht jedoch IWF und ESM. Das nennt man nach Ansicht der EU Opfersymmetrie!

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heidi1-preiss 17.03.2013, 18:35
515. Eu

Zitat von fprester
Von welchen Zahlen sprechen wir? Die Republik Zypern hat ein BIP von 18 Mrd. Euro. Der Verschuldungsgrad des Staates beträgt 93.5% des BIP, also 16.8 Mrd. Euro. Das Hilfspaket der Eurogruppe umfasst 10 Mrd. Euro (inklusive Anteil des IWF). Die Sparer sollen 5.8 Mrd. Euro beisteuern. Der Beitrag der Sparer erfolgt à fond perdu, ist also definitiv verloren. Die Beiträge von ESM und IWF von zusammen 10 Mrd. Euro hingegen müssen zurückbezahlt werden. Im ersten Schnit sind also nur die Sparer betroffen. Sie verlieren ihr Geld (resp. die abgezwackten 10% vom Vermögen) definitiv, nicht jedoch IWF und ESM. Das nennt man nach Ansicht der EU Opfersymmetrie!
und EBZ nenne ich ganz einfach eine Europäische Zwangsenteignungsbank. Zypern ist das Versuchskaninchen in einem nie dagewesenen Experiment. Es sind doch die Neokonservativen, die die Konsequenzen ihrer Politik auf dem Rücken der Massen verzweifelt aufzuhalten versuchen.

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adrianralle 17.03.2013, 19:10
516.

Wobei man irgendwie auch sagen muss, dass es wie es jetzt läuft nicht wirklich kapitalistisch ist. Wenn jemand pleite ist, geht er im Kapitalismus pleite und genau das geschieht mit den Banken nicht, oder? Ich habe das Gefühl, dass selbst die guten Seiten des Kapitalismus (also hier die Pleite) ausgeschaltet werden damit bestimmte Leute kein oder wenig Geld verlieren.

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UweZ+ 17.03.2013, 20:35
517. ...

Zitat von heidi1-preiss
EU und EBZ nenne ich ganz einfach eine Europäische Zwangsenteignungsbank. Zypern ist das Versuchskaninchen in einem nie dagewesenen Experiment...
NIE da gewesenes Experiment...???

Mit Verlaub, alle 40-60 Jahre traten bisher im Kapitalismus globale Krisen der Art auf, dass weltweit knapp die Hälfte aller Volkswirtschaften in Zahlungsschwierigkeiten gerieten.
Carmen M. Reinhart und Kenneth S. Rogoff, "This Time is Different: A Panoramic View of Eight Centuries of Financial Crises", Harvard, 2008
(Fig. 1, s. 4)


IMMER in Folge von Finanzmarktkrisen, immer durch (leider erst) retrospektiv eindeutig zuordnenbares Fehlverhalten der privatwirtschaftlichen Finanzmarktinstitutionen.

Und IMMER überlebten ein Grossteil der privatwirtschaftlichen Banken.

Und schon IMMER mussten die an dem Desaster völlig unbeteiligten, vermögenslos von der Hand in den Mund Lebenden einen gut Teil der fremden Zeche löhnen.

Und IMMER WIEDER dachten/denken ein paar Jahrzehnte später die kurz vor der Krise volldeppert wollüstig in ihren grossen und kleinen, übervollen Geldspeichern Badenden: DIESES MAL ist ganz bestimmt ALLES ANDERS...

Und auch die jetzige Krise begann bereits lange bevor die grossen und kleinen Kapitalisten sich dies eingestanden.
Denn der Profit, den Kapitalanleger aus ihrem an Schuldner bester Bonität verliehenen Geld ziehen können, schrumpft doch bereits nachweislich seit mehr als 20 Jahren mit linearem Trend von damalig NOMINAL ca. 9 % auf heutig grob schlappe 1 %.
Zieht man davon die Inflationsrate ab, wird unmittelbar klar, wie erbärmlich Kapitalisten heutzutage leiden müssen.
Und es ist schlicht kein vernünftiger Grund in Sicht, warum sich genannt langjährig linear fallender Trend ohne kapitaleindampfende Cäsur eigentlich wieder umkehren sollte.

P.S.:
Die sich im Verlauf genannten Fallens der Kapitalrenditen widerspiegelnde Abnahme der kapitalistischen Profitrate hat übrigens offensichtlich NICHTS mit Zypern, Griechenland, Spanien, überhaupt der EU, der EZB oder dem Euro zu tun.
Denn während des ersten Jahrzehnts oben genannt mit linearem Trend fallender Umlaufrendite, fiel genannte Profitrate in der Währung Deutsche Mark im Mittel genauso schnell, wie nachfolgend weitere gut zehn Jahre lang in der Währung Euro...

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Temporalis 18.03.2013, 22:02
518. @Markenfetischist

Im Kapitalismus gehen die Firmen, die sich verzocken pleite!. Dieser Finanzfaschismus hat mit Kapitalismus nichts zu tun!

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