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Einwanderungsgesetz für Fachkräfte: Wer darf künftig zum Arbeiten nach Deutschland ko
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Zum ersten Mal bekommt Deutschland ein Einwanderungsgesetz - wenn auch vorerst nur für Fachkräfte. Warum ist es so wichtig? Antworten auf die Kernfragen.

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claus7447 22.11.2018, 08:15
1. Erst wird behauptet man braucht es nicht...

Jetzt die Light Version. Dabei Frage ich mich immer, wo liegt bei der CDU/CSU das Problem, wenn jemand zu uns kommt, arbeitet und für sich selbst sorgt. Auch wenn es ein Asylant ist mit Duldung, er fällt dem Steuerzahler nicht zur Last, sorgt mit seinen Steuern und Sozialabgaben auch noch für Einkünfte beim Staat.

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timpia 22.11.2018, 08:49
2. Preisabsenkung mit Gewalt

Fachkräfte von außerhalb der EU? Das kann doch nur ein Witz sein. Bei zig hundert Millionen Menschen in der EU mit zig Millionen Unbeschäftigten gibt es jede nur denkbare Fachkraft für jeden Unternehmer. Der Preis für einen Facharbeiter steht jedoch oft nicht zum Verhältnis der Verfügbarkeit. Altenpfleger zum Beispil sind angesichts des Mangels unterbezahlt. Das wollen zu wenige machen. Der arbeitslose Mechaniker will seinen Wohnort nicht verlassen, weil er für ein paar hundert Euro gegenüber der Arbeitslosenversicherung nicht neue Kosten am neuen Wohnort riskieren will, Softwareentwickler gegen lieber zu Google als etwa nach Hamburg. Bei entsprechenden Gehältern gibt es keinen Fachkräftemangel. Wenn aber billige Nicht EU Fachkräfte kommen, führt das zu einer Entwertung der hiesigen Fachkräfte. Statt über die ständige Ausweitung von Migration zu schwadronieren wäre die Politik besser dran, die Sozialleistungen und Unternehmenssteuern anzupassen.

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wynkendewild 22.11.2018, 08:58
3. Schutz

Zitat von claus7447
Jetzt die Light Version. Dabei Frage ich mich immer, wo liegt bei der CDU/CSU das Problem, wenn jemand zu uns kommt, arbeitet und für sich selbst sorgt. Auch wenn es ein Asylant ist mit Duldung, er fällt dem Steuerzahler nicht zur Last, sorgt mit seinen Steuern und Sozialabgaben auch noch für Einkünfte beim Staat.
Als Herr Spahn genau dafür sorgen wollte, dass ausländische Kräfte den akuten Pflegermangel beseitigen sollten hat sich die halbe Republik aufgeregt, besonders aus dem linken Lager hagelte es Kritik ohne Ende. Da hat sich niemand dafür interessiert ob die dadurch Steuern entrichten oder Sozialabgaben leisten.

Die Linke vertritt die Position, dass die Menschen zwar herkommen aber nicht arbeiten sollen.

Außerdem sind Ihre Ausführungen nicht nur zu kurz gegriffen sondern auch durchweg falsch. Eine Mehrzahl dieser Menschen wird in den Billiglohnsektor abgeschoben, was nicht nur den Konkurrenzkampf verschärft sondern auch Missbrauch durch den Arbeitsgeber Tür und Tor öffnet, weil diese Menschen weder ihre Rechte kennen noch über die nötigen Qualifikation verfügen um aufsteigen zu können.

Die Menschen von denen Sie sprechen finden indes überall einen Job und sind damit auch nicht gemeint. Die betrifft das alles nicht.

Ein vernünftiges Zuwanderungsrecht schützt somit nicht nur den Arbeitsmarkt sondern unterstützt auch die Gewerkschaften.


MfG:
wynkendewild

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jus94 22.11.2018, 09:00
4. Lohndumping

Setzt die Bundesregierung diesen Vorschlag um, haben wir eines der liberalsten Einwanderungsgesetze der Welt. Kein einziges westliches Land ist bereit seinen kompletten Arbeitsmarkt weltweit zu öffnen. Die Gründe sind einleuchtend, denn der Druck auf deutsche Arbeitnehmer wird massiv zunehmen. Musste man sich derzeit "nur" gegen die europäische Konkurrenz durchsetzen, können nun Arbeitgeber selbst im Niedriglohnbereich auf willige, ausländische "Fachkräfte" zugreifen. Die Folgen dieser völlig kopflosen Politik werden die deutsche Bevölkerung weiter spalten und extremen Parteien zutreiben.

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KingTut 22.11.2018, 09:00
5. Nicht nur die Union

Von einer Regierung sollte man erwarten, dass sie, unabhängig von den nächsten Wahlen, vorausschauende Politik betreibt. Das demographische Problem ist seit Jahrzehnten bekannt, aber dennoch hatte es keine Bundesregierung zustande gebracht, ein vernünftiges Einwanderungsgesetz auf die Beine zu stellen. Da auch die SPD lange genug an der Regierung war, trägt auch sie ein gerütteltes Maß an Schuld für diese Situation, und nicht nur die Union. Dass man sich jetzt, wenn auch mit erheblicher Verspätung, mit dem Thema auf Gesetzesebene befasst, ist sehr zu begrüßen.

Wenn Asylbewerber qualifiziert sind oder sie sich während ihres Aufenthaltes in Deutschland Fachkenntnisse aneignen, die unserem Land nützen, dann sollten natürlich auch sie eine Chance bekommen. Andererseits sind wir uns hoffentlich darüber einig, dass die (endliche) Schutzbedürftigkeit eines Menschen Voraussetzung dafür ist, dass sich jemand in unserem Land aufhalten darf.

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max-mustermann 22.11.2018, 09:00
6.

"Zum ersten Mal bekommt Deutschland ein Einwanderungsgesetz - wenn auch vorerst nur für Fachkräfte. Warum ist es so wichtig?"
Na um die Löhne auch weiterhin schön niedrig halten zu können ganz einfach. Ein hoch auf das größte Niedriglohnland in Europa !

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pizzerino 22.11.2018, 09:07
7. Soziales Gefüge

Wollten wir nicht genau das Gegenteil? Asylbewerber sollten so schnell wie möglich hier auch arbeiten dürfen, was auch die Integration fördert.
Fachkräften aus dem Ausland die Möglichkeit zu bieten in Deutschland einen Job zu einem Lohn anzunehmen, der für einen hier in das Lebens- und Preisgefüge integrierten Menschen unattraktiv ist, fördert nicht die Integration, sondern lediglich das Lohndumping.
Respekt und Hochachtung vor AN aus dem Ausland die hier extrem sparsam und fleißig arbeiten, dabei auf zwei Quadratmeter wohnen, und jeden Cent nach Hause schicken. Aber im Sinne eines tragfähigen Sozialgefüges kann das doch nicht sein.

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dipl.inge83 22.11.2018, 09:10
8. Illusion

Mit Rückblick auf die BlueCard und insbesondere hinsichtlich meines Kollegenkreises frage ich mich jedesmal wieder, wer ernsthaft glaubt, D sei für international mobile Fachkräfte anziehend?
Ich hatte/habe Kollegen aus verschiedensten Himmelsrichtungen (Bulgarien, Ägypten, Mauretanien...), Techniker, Ingenieure, die nach wenigen Jahren desillusioniert wieder verschwunden sind bzw. dies gerade organisieren. Die Gemengelage aus hohem Druck im Arbeitsalltag, mauen Konditionen, hoher Steuer- und Abgabenlast, den Lebenshaltungskosten in Ballungsgebieten und überschaubaren Entwicklingsmöglichkeiten stellt der deutsche Ureinwohner nicht in Frage. Diejenigen waren nicht auf der Suche nach einem dichten sozialen Netz für Alter, Krankheit oder Arbeitslosigkeit sondern waren jung, gesund und ehrgeizig. Deshalb wollten sie fürstlich entlohnt werden und davon auch möglichst nichts abgeben.

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bries07 22.11.2018, 09:17
9.

Ich möchte hier eine persönliche Erfahrung teilen, die ich zur Zeit erlebe und die mich sehr beschäftigt.
Ich bin aus betriebsbedingten Gründen arbeitslos geworden, bin mittlerweile 37 Jahre alt und habe vom Arbeitsamt die Bestätigung erhalten, dass ich alle Voraussetzungen für eine Umschulung erfülle. Auf die Frage, in welche Richtung ich mich entwickeln möchte, war für mich sofort klar, dass ich in den Bereich der Krankenpflege gehe. Auch vor dem Hintergrund des aktuellen Fachkräftemangels, war ich der Meinung, dass dies eine gute Entscheidung sei. Scheinbar ist dies aber keine Möglichkeit für unsere Regierung bzw das Arbeitsamt und die aktuelle Gesetzeslage. Unsere Regierung unterstützt leider (bzw. unglaublicherweise) keine Umschulung zum Krankenpfleger.
Um es klar auszudrücken: Niemand kann bei aktueller Gesetzeslage eine Umschulung in den Krankenpflegebereich machen...
In keiner Weise möchte ich dies für populistische Zwecke nutzen, aber ich frage mich ernsthaft, was passieren würde, wenn ich dies in die falschen Kanäle lenken würde.
Angenommen ich würde mit einem populistischen, rechtsorientierten Landtagsabgeordneten reden und meine Situation wie folgt darstellen:
"Scheinbar möchte unsere Regierung lieber Fachkräfte aus dem Ausland als mich..."
Mit jeder Faser meines Körpers weigere ich mich diesen Weg zu gehen. Ich hoffe aber, dass ihr versteht, in welche Richtung sich sowas entwickeln könnte.
Aktuell warte ich auf die Verhandlung vor dem Sozialgericht, bei dem ich Klage einreichen musste, um den Fall abschließend klären zu lassen, nachdem das Arbeitsamt meinen Widerspruch abgelehnt hat.
Unabhängig vom Ausgang, werde ich mich trotzdem zum Krankenpfleger ausbilden lassen, auch ohne Unterstützung des Arbeitsamt oder des Staates. Dies ist aber natürlich mit großen Einschränkungen für mich verbunden, die ich aber gerne auf mir nehme, da ich von der Richtigkeit meiner Entscheidung überzeugt bin.
Ein komischer Beigeschmack wird wohl aber für immer bleiben, da ich dies als große soziale Ungerechtigkeit empfinde, offensichtlich wird diese Meinung von offizieller Stelle nicht geteilt.
Danke für's Lesen, wünsche einen schönen Tag.
#zuvielMeinung #zuwenigAhnung

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