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Einwanderungsgesetz für Fachkräfte: Wer darf künftig zum Arbeiten nach Deutschland ko
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Zum ersten Mal bekommt Deutschland ein Einwanderungsgesetz - wenn auch vorerst nur für Fachkräfte. Warum ist es so wichtig? Antworten auf die Kernfragen.

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CancunMM 22.11.2018, 09:19
10.

Zitat von timpia
Fachkräfte von außerhalb der EU? Das kann doch nur ein Witz sein. Bei zig hundert Millionen Menschen in der EU mit zig Millionen Unbeschäftigten gibt es jede nur denkbare Fachkraft für jeden Unternehmer. Der Preis für einen Facharbeiter steht jedoch oft nicht zum Verhältnis der Verfügbarkeit. Altenpfleger zum Beispil sind angesichts des Mangels unterbezahlt. Das wollen zu wenige machen. Der arbeitslose Mechaniker will seinen Wohnort nicht verlassen, weil er für ein paar hundert Euro gegenüber der Arbeitslosenversicherung nicht neue Kosten am neuen Wohnort riskieren will, Softwareentwickler gegen lieber zu Google als etwa nach Hamburg. Bei entsprechenden Gehältern gibt es keinen Fachkräftemangel. Wenn aber billige Nicht EU Fachkräfte kommen, führt das zu einer Entwertung der hiesigen Fachkräfte. Statt über die ständige Ausweitung von Migration zu schwadronieren wäre die Politik besser dran, die Sozialleistungen und Unternehmenssteuern anzupassen.
Ganz genau so sieht es aus. In Süditalien gibt es Massen von jugendlichen Arbeitslosen, in Spanien genauso. In den Berufen in denen man dieses Arbeitskräfte brauchen könnte, zahlt man hier so wenig, dass diese jungen Menschen aber lieber in der Arbeitslosigkeit bleiben als hierher zu kommen

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haarer.15 22.11.2018, 09:24
11. Überfällig - schon seit Jahren

Es ging von Haus aus um qualifizierte Zuwanderung. Viele andere Länder haben ein solches Gesetz schon lange. Die Wirtschaft hat es längst angemahnt, die SPD, die Linkspartei und die Grünen haben es gefordert - und das immer wieder. Aber die ignoranten Blockierer von der Union haben es lange nicht geschnallt oder einfach ausgeblendet, dass Deutschland nicht erst seit gestern ein eklatantes Demographie-Problem hat und eine Gefährdung des Wirtschaftsstandortes tatsächlich im Raum steht. Zumal einheimische junge, gut ausgebildete Fachkräfte immer öfter eine berufliche Karriere im Ausland suchen. Natürlich sollten die C-Blockierer jetzt nicht versuchen, ein ober-bürokratisches Monster zu entwickeln, was nicht im Sinne des Gesetzes ist.

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haarer.15 22.11.2018, 09:28
12. Klar ist das alles bekannt

Zitat von KingTut
Von einer Regierung sollte man erwarten, dass sie, unabhängig von den nächsten Wahlen, vorausschauende Politik betreibt. Das demographische Problem ist seit Jahrzehnten bekannt, aber dennoch hatte es keine Bundesregierung zustande gebracht, ein vernünftiges Einwanderungsgesetz auf die Beine zu stellen. Da auch die SPD lange genug an der Regierung war, trägt auch sie ein gerütteltes Maß an Schuld für diese Situation, und nicht nur die Union. Dass man sich jetzt, wenn auch mit erheblicher Verspätung, mit dem Thema auf Gesetzesebene befasst, ist sehr zu begrüßen. Wenn Asylbewerber qualifiziert sind oder sie sich während ihres Aufenthaltes in Deutschland Fachkenntnisse aneignen, die unserem Land nützen, dann sollten natürlich auch sie eine Chance bekommen. Andererseits sind wir uns hoffentlich darüber einig, dass die (endliche) Schutzbedürftigkeit eines Menschen Voraussetzung dafür ist, dass sich jemand in unserem Land aufhalten darf.
Aber es ist Fakt, dass es ausschließlich die C-Parteien waren, die sich einem solchen Gesetz lange verweigert haben. Realitätsverweigerung in bester Manier.

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haarer.15 22.11.2018, 09:32
13.

Zitat von CancunMM
Ganz genau so sieht es aus. In Süditalien gibt es Massen von jugendlichen Arbeitslosen, in Spanien genauso. In den Berufen in denen man dieses Arbeitskräfte brauchen könnte, zahlt man hier so wenig, dass diese jungen Menschen aber lieber in der Arbeitslosigkeit bleiben als hierher zu kommen
Viele von denen sind doch schon da - aus Spanien, Italien, Griechenland. Aber für die EU ist das doch gerade kontraproduktiv.

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muunoy 22.11.2018, 09:35
14. Politik gegen die eigene Bevölkerung

Zitat von dipl.inge83
Mit Rückblick auf die BlueCard und insbesondere hinsichtlich meines Kollegenkreises frage ich mich jedesmal wieder, wer ernsthaft glaubt, D sei für international mobile Fachkräfte anziehend?
Ihren völlig korrekten Beitrag musste ich kürzen, um auch noch was schreiben zu können. Zunächst zur Einordnung meiner Meinung: Viele hier im Forum würden mich sicherlich als neoliberal einordnen, wobei ich mich selbst eher als ordoliberal ansehe.
Als in den 90ern die sog. MINTler keine Jobs bekamen, orientierten sich viele in den gerade beginnenden IT-Boom um. Fachkräftemangel im Bereich MINT gab es nie. Aufgrund der miserablen Job-Situation für MINTler sanken lediglich die Studentenzahlen. Inzwischen sind sie schon wieder viel zu hoch. Volkswirtschaftler nennen das Schweinezyklus. Die Wut unter uns MINTlern, die ein auskömmliches Dasein in der IT gefunden hatten, war auf Rot-Grün ziemlich groß, als die versuchten, die Löhne mit der BlueCard zu drücken. Glücklicherweise hat die extrem hohe Belastung von Arbeitseinkommen in Deutschland aber eine Schutzwirkung für uns, an die auch ich vorher nicht gedacht hatte. Für Hochqualifizierte mit einem jährlichen Brutto-Einkommen von über 60 TEUR (da kann man schon jetzt völlig problemlos nach DE kommen) ist Deutschland viel zu unattraktiv. Auch für Hochqualifizierte aus dem Nahen Osten. Dies nur für alle, die sich wundern, dass unter den aktuellen Zuwandernden so überhaupt keine Hochqualifizierten zu finden sind, obwohl es solche Menschen im Nahen Osten durchaus gibt.
Jetzt soll jedoch die Einwanderung auch für Berufsgruppen ermöglicht werden, die aufgrund geringer Gehälter kaum durch Steuern belastet werden. Die Schutzwirkung der Arbeitnehmer durch die hohen Steuern und Abgaben entfällt somit. Das wird massiv zu Lohndumping führen, da das neue Einwanderungsgesetz keine Lohnuntergrenzen vorsieht. Jeder nur ansatzweise sozial eingestellte Mensch sollte dieses Gesetz daher bekämpfen. Denn machen wir uns nichts vor. In vielen Berufsgruppen - insbes., wenn sie staatlich reguliert sind (z. B. Pflege) - sind zumindest die Netto-Gehälter zu niedrig. Wie man wirklich gegen vermeintlichen Fachkräftemangel vorgehen kann, zeige ich in meinem nächsten Post auf.

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CobCom 22.11.2018, 09:37
15.

Der eigentlich wichtigste Punkt wird nicht berichtet:
Wieviel Geld muss im Arbeitsvertrag fließen?
In anderen Ländern wird erheblich darauf geachtet, dass der Zuzug nicht in untere Lohnbereiche erfolgen kann, also keine Einwanderung ins Prekariat. Meist muss der Arbeitgeber auch mindestens eine befristete Bürgschaft abgeben. Sind wir so dumm / böswillig, dieses Thema auszuklammern?

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muunoy 22.11.2018, 09:37
16. Was gegen angeblichen Fachkräftemangel hilft

Gestern sprach ich mit einem Kumpel, der Prokurist bei einer kleinen Firma ist. Er befragte mich nach Gehältern, die man zahlen müsste, um gute Leute zu bekommen, da die aktuell ein Problem haben. Ich erklärte ihm, dass die Firma definitiv zu wenig zahlt und deshalb keinen bekommt, nachdem ich erfuhr, was die so für Vertrieb und IT zahlen. Meine Empfehlung: Wenn die Firma sich höhere Löhne nicht leisten kann, sollten sie es mal mit 6-Stunden Arbeitstagen versuchen. Die meisten Arbeitnehmer schaffen in 8 Stunden nicht mehr als in 6. Mit diesem Trick kann man durchaus noch gute Fachkräfte außerhalb der Akademiker bekommen, ohne hohe Gehälter zahlen zu müssen. Das Gefasel von Fachkräftemangel ist also dummes Zeug und dient nur dem weiteren Lohndumping. In staatlich regulierten Branchen versagt leider der Markt, weshalb die Gehälter in Pflege u. ä. einfach zu niedrig sind. Dass die Marktwirtschaft funktioniert, sieht man schön in staatlich nicht regulierten Bereichen. Handwerkern geht es derzeit z. B. nicht schlecht. Also, ein Einwanderungsgesetz ohne Vorgabe von Lohnuntergrenzen ist für deutsche Arbeitnehmer inakzeptabel. Für den Steuerzahler ist es inakzeptabel, wenn unser Sozialsystem nicht umgebaut wird. Sozialleistungen sollten in einem Einwanderungsland ausschließlich Versicherungsleistungen mit striktem Äquivalenzprinzip sein. Will die Regierung wirklich Fachkräfte aus demographischen Gründen (was ich hier ja massiv bezweifele) gewinnen, müssten die Steuern auf Arbeitseinkommen drastisch auf das übliche Niveau von Einwanderungsländern gesenkt werden. Ansonsten ist diese Politik gegen die Interessen deutscher Arbeitnehmer bei Wahlen abzustrafen.

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ingbeti 22.11.2018, 09:45
17. Grau ist alle Theorie

Ich habe gerade erlebt, wie schwierig und kompliziert die Visa-Beantragung für eine osteuropäische Ingenieurin (Mangelberuf!) mit Arbeitsvertrag in der Praxis ist. Einschließlich miesester Behandlung durch eine Mitarbeiterin der Visa-Stelle, keine deutsche, sondern eine einheimische Kraft. Und z.Zt. wochenlanges Warten, ob das Visum auch erteilt wird. Auch für den deutschen Arbeitgeber unerträglich.

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lolli.eveacc 22.11.2018, 09:49
18.

Zitat von dipl.inge83
Mit Rückblick auf die BlueCard und insbesondere hinsichtlich meines Kollegenkreises frage ich mich jedesmal wieder, wer ernsthaft glaubt, D sei für international mobile Fachkräfte anziehend? Ich hatte/habe Kollegen aus verschiedensten Himmelsrichtungen (Bulgarien, Ägypten, Mauretanien...), Techniker, Ingenieure, die nach wenigen Jahren desillusioniert wieder verschwunden sind bzw. dies gerade organisieren.
Genau das ist das Problem. Wir haben bereits Zugriff auf den gesamten Arbeitsmarkt in Europa und trotz hoher Arbeitslosigkeit woanders reciht dies nicht aus, um die Lücken in Deutschland zu füllen.

Das lässt nun einie Schlüsse zu:

1) Auch von ausserhalb der EU werden wohl keine Spitzenkräfte nach Deutschland kommen, da das Umfeld nicht attraktiv genug ist.

2) Da keinerlei echte Kontrolle bezüglich der Notwendigkeit von frischem Personal in einzelnen Bereich stattfindet wird dies maximal zu einem Zuzug von Leuten im "qualifizierten" Mindestlohnsektor führen, wo wir eh schon zu viele Leute haben. Das führt maximal zu Lohndumping sowie noch mehr Konkurenz in dem Sektor, und da sehen wir doch eh schon z.B. im Transportwesen, was es heisst wenn der deutsche Brummifahrer mit einem polnischen Kollegen in Konkurenz tritt.

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Havel Pavel 22.11.2018, 10:00
19. Das sollte überprüft werden!

Das ist doch eine ganz simpel zu verstehende Sache, gewiss hatten Sie vorher in ener besser bezahlten Position, z. B. als Ingenieur gearbeitet. Natürlich bezahlt die Arbeitsagentur keine teure Umschulung für enen Beruf in dem Sie deutlich weniger verdienen würden, zudem sind Sie natürlich angehalten eine neue Anstellung im erlernten Beruf aufzunehmen, wobei Sie hierzu auch einen Wohnortwechsel in Kauf nehmen müssten, sofern in zumutbarer Erreichbarkeit keine freie zu besetzende Stelle ausfindig zu machen ist. Wenn Ihnen die bestehenden Reglungen spanisch vorkommen sollten und Sie diese als widersinnig und veränderungswürdig anssehen, dann wenden Sie sich doch einfach an einen für dieses Resort zuständigen Politiker der dies prüfen soll. Dafür wird er ja schliesslich bezahlt! Zuvor würde ich aber in jedem Fall von der Arbeitsagenur eine detailierte Stellungnahme zur ablehnenden Haltung gegenüber Ihren Wünschen anfordern auf die Sie sich dann explizit beziehen können. Mündlich wird von so manchem Mitarbeiter schon mal was leichtfertig dahergesagt, wenn es jedoch in verbindlicher Form erfolgen muss sieht es in so manchem Fall dann doch etwas anders aus!

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