Forum: Wirtschaft
Ende der Friedenspflicht: IG Metall droht mit schneller Streik-Eskalation
DPA

In der Metall- und Elektroindustrie könnte es erstmals seit Jahren wieder zu einem heftigen Arbeitskampf kommen. Ende Dezember läuft die Friedenspflicht aus. Die IG Metall will sich mit Warnstreiks nicht lange aufhalten.

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mxmchn 26.12.2017, 14:16
30. Lohnsteigerungen...

Zitat von sobrinus
ist neben der kalten Steuerprogression der wahrscheinlichere Grund für Stagnation. Wenn man mehr verteilen will als der Kuchen hergibt, wird man noch mehr Produktion ins Ausland verlagern. Übrigens sind die Lohnstückkosten in Deutschland derzeit über den EU- Durchschnitt hinaus gestiegen. Es scheint so, als sägen derzeit viele Beteiligte am Ast von Deutschlands wirtschaftlicher Zukunft: Das Dax-Management teilweise mit Betrug, die Politik mit zunehmenden Eingriffen in den Gewerbebetrieb, die Gewerkschaften mit realitätsfernen Forderungen. Mir ist es als Aktionär übrigens egal, wo meine Company das Geld verdient; die Gekniffenen sind die abhängig Beschäftigten.
...über den Zuwachs an Arbeitsproduktivität hinaus können eine ganze Weile vollkommen in Ordnung sein, ohne dass dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen leidet. Es kommt, um in Ihrem Bild zu bleiben, eben sehr auf Größe, Beschaffenheit und bisherige Aufteilung des Kuchens an. Und da ist es nun mal so, dass letzterer sehr ungleichmäßig verteilt wird. Natürlich ist es mit entscheidend, welche Unternehmen in den Blick genommen werden; ob der Flächentarif (er hat fraglos seine Vorteile) immer ein hinreichend feines Instrument ist, das ist eine andere Debatte. Und dass die Lohnkostenstruktur keineswegs das einzige Kriterium für eine Standortentscheidung ist, sollte sich inzwischen rumgesprochen haben. Wenn das so wäre, dürfte in Deutschland mittlerweile nahezu keine industrielle Produktion mehr stattfinden; die Realität sieht bekanntlich anders aus. Deutschland ist einer der wenigen industriellen Standorte, an denen nicht nur wesentliche Komponenten der Wertschöpfungsketten erhalten geblieben sind, sondern noch ausgebaut wurden (Abgesehen von bestimmten Branchen wie der Textilfertigung); ganz im Gegensatz etwa zu den stramm neoliberal ausgerichteten Volkswirtschaften in Großbritannien und den USA. Zufall? Und die Arbeitnehmer wären wirklich schlecht beraten, die Angstpropaganda der Arbeitgeberverbände mit der Sorge um das Allgemeinwohl zu verwechseln.

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böseronkel 26.12.2017, 14:47
31.

Zitat von Nordstadtbewohner
Ich halte es grundsätzlich für falsch, dass bei solchen Streiks pauschale Lohnerhöhungen durch die Gewerkschaften herausgepresst werden. Jeder einzelne Arbeitnehmer sollte seine Vergütung selbst aushandeln, da die Leistungsfähigkeit der Arbeitnehmer untereinander stark schwankt und sich von daher pauschale Lohnerhöhungen von selbst verbieten. Am besten eignen sich diesbezüglich Akkordlöhne. Wer nicht 6% mehr Leistung abliefert, kann auch keine 6% mehr Lohn bekommen. Gleiches gilt für eine Verkürzung der Arbeitszeit. Da hat es der Arbeitgebervertreter schon direkt angesprochen: Wer nur 4 Tage arbeitet, wird auch nur für 4 Tage bezahlt.
Natürlich sind Akkordlöhne besonders bei unrealistisch niedrigen Vorgabezeiten bestens geeignet den share-holder-value zu verbessern. Allerdings scheint den Nordstadtbewohnern entgangen zu sein, dass in der modernen Elektro- und Metallindustrie stupide Akkordarbeitsplätze weitgehend durch Digitalisierungen ersetzt wurden. Die von den im Hintergrund agierenden Geldgiganten geforderten Gewinne sind in der modernen Produktionswelt nicht ohne gut ausgebildete Kräfte zur Bedienung, Wartung, Entwicklung usw. der Anlagen erreichbar. Klar, kann man die Produktion flott mal ins Ausland verlagern wollen, aber die Erfahrungen eines großen deutschen Autokonzerns im amerikanischen wilden Westen lehrt doch, mit ehemaligen Sklaven der Baumwollfarmer ist das nicht zu machen.

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aktiverbeobachter 26.12.2017, 15:37
32. Fake News

Zitat von staffriend
wobei der Millionenverdienste der Manageretage natürlich in die Milchmädchenrechnung einfließen. Diese nun mal aussen vor kommt der Durchschnitt der Arbeitnehmer auf realistische 18 - 22 000?. Dann als Vergleich die Mindestlohnempfänger zu nehmen, ist an Dreistigkeit kaum zu überbieten. Die deutschen Arbeitnehmer sollten endlich geschlossen gegen diese Sklaventreiber 2.0 vorgehen und ihr Recht auf den Streik in Anspruch nehmen. Die Parteien (auch die so in Mode gekommene AFD) scheren sich einen Kehricht um Michael aus deutschem Land. Vielleicht noch ein kleiner Teil der Linken. Doch auch das ist fraglich. Also Arbeitnehmer - das Schicksal bitte selbst in die Hand nehmen.
Leider haben Sie überhaupt keine Ahnung vom Thema. Schreien hier aber lautstark herum. Dieser Durchschnitt gilt selbstverständlich nur für tariflich eingruppierte Mitarbeiter/innen. Wenn Sie auch nur ein Funken von Ahnung hätten, wüssten Sie z.B. dass das niedrigste möglichenJahresgehalt im z.B. Bayerischen IG Metalltarif bereits 35.000 Euro beträgt. Sklaventreiberei kann ich hier auch in keiner Weise erkennen. 25-50 Prozent Zuschlag für alle Überstunden, VWL, Arbeitgeberfinanzierte Altersvorsorge, 30 Tage Urlaub, Weihnachts- und Urlaubsgeldzuwendung, lokale Betriebsräte...also Wovon reden Sie?

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sobrinus 26.12.2017, 15:45
33. Et hätt noch immer jot jejange

Zitat von mxmchn
...über den Zuwachs an Arbeitsproduktivität hinaus können eine ganze Weile vollkommen in Ordnung sein, ohne dass dabei die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen leidet. Es kommt, um in Ihrem Bild zu bleiben, eben sehr auf Größe, Beschaffenheit und bisherige Aufteilung des Kuchens an. . . .
Ein Problem der Tarifpolitik ist die Extrapolation von Erfahrungswerten, die nationalen und vor allem internationalen Entwicklungen nicht Rechnung trägt. Das sollte man auch als gewerkschaftlich Gebundener nicht schönreden. Die Unternehmen, die in Deutschland bisher gut verdient haben, haben auch Mitarbeiter überproportinal z.B. in Form von Haustarifen bei der Lohnbemessung bedacht und dazu noch Extravergütungen bezahlt (Daimler,Porsche, Würth, Bosch, SAP u.a.).
Die Zulieferwirtschaft der Großunternehmen wird aber immer mehr ausgepresst und kämpft schon jetzt um die Existenz. Die deutsche Wirtschaft ist überwiegend mittelständisch geprägt.

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sebastianspr 26.12.2017, 16:00
34. 6%

Bitte nicht vergessen die Monate mit einzurechnen. Von geforderten 6% auf 12 Monaten gibt es 4 % auf 24 Monate, das aufgeteilt auf 2 % sofort und 2 % nach 12 Monaten. Die IG Metall verkauft dies als 4% und alle sind begeistert

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curiosus_ 26.12.2017, 16:02
35. Noch eins zu...

Zitat von curiosus_
...Südwestmetallchef Stefan Wolf so: Südwestmetallchef Stefan Wolf sieht vor der nächsten Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie keinen Spielraum für große Sprünge. "Wir müssen die Lohnsteigerungen für ein paar Jahre anhalten", sagte Wolf. "Die Schere darf nicht mehr weiter auseinandergehen. Sonst bekommen wir gesellschaftspolitische Probleme." Außerhalb der Metall- und Elektroindustrie seien die hohen Löhne nicht mehr zu vermitteln. "Wir haben eine übergeordnete gesellschaftliche Aufgabe", sagte Wolf. Der Mann nimmt seine gesellschaftliche Verantwortung ernst. Daran kann man sich ein Beispiel nehmen. So, nun mal ernsthaft: - "Lohnerhöhung von 6%, die durch nichts gerechtfertigt ist": Hier mal was dazu. Der Link passt auch dazu: "Dazu kommt die Wichtigkeit der internationalen Konkurrenzfähigkeit. In Zeiten der Globalisierung wird, wenn die Lohnkosten ins Exorbitante steigen, woanders produziert." - Stichwort "Schweiz". Vergleichen Sie mal deren Lohnkosten mit unseren. Und deren um 50% höhere Exportleistung pro Kopf, sowie deren internationale Wettbewerbsfähigkeit. - Nun was zur "internationalen Konkurrenzfähigkeit": Hier. Mein Arbeitgeber (einer der 3 großen deutschen Automobilhersteller) verdient sich derzeit dumm und dämlich. Hier mal etwas zu "jenseits von Gut und Böse" in der Automobilindustrie. Ich frage mich, in welcher Welt Sie eigentlich leben.
..."verdient sich derzeit dumm und dämlich":

Deutsche Konzerne verdienen so viel Geld wie nie zuvor - Die 100 umsatzstärksten börsennotierten deutschen Unternehmen verdienen in diesem Jahr so viel Geld wie nie zuvor. Das ergibt eine Untersuchung der Unternehmensberatung EY von diesem Dienstag. Demnach stieg der Gewinn der entsprechenden Konzerne in den ersten neun Monaten 2017 im Vergleich zum Vorjahr um 21 Prozent auf knapp 109 Milliarden Euro. Der Gesamtumsatz der 100 Firmen kletterte in den ersten drei Quartalen um knapp sieben Prozent auf 1,25 Billionen Euro.

Aber, logisch, "Wenn ich solche Forderungen lese, frage ich mich, in welcher Welt die IG Metall eigentlich lebt. Lohnerhöhung von 6%, die durch nichts gerechtfertigt ist". Klar

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defabry 26.12.2017, 16:04
36. Frechheit!

Bin 20 Jahre in Deutschland. Da habe ich eine Ausbildung zum CNC-Dreher absolviert. Fahre zur Zeit Opel aber vorher mal VW. Damals, als ich noch nicht in einer tarifgebundene Firma gearbeitet habe, habe in kleinere mittleren Firmen gearbeitet. Musste oft die Tür den Chef (den systematisch Cayenne, Mercedes usw gefahren haben) für 1 Mark bzw 50 Cent mehr die Stunde beten. Es war immer die gleiche Antwort: zu viele Ausgabe, du kostest zu viel, im Ausland die Produktion kostet wenig....jetzt ig-Metal fordert 6% und plötzlich höre ich wieder die gleichen Worte wie damals. Aber das höre Ich heute wo Deutschland, aber vor allem den Arbeitgeber und die große Firmen , so gut wie nie ging. Ich würde gerne paar Leser in einer Werkstatt einladen um zu zeigen was bedeutet das 3 Schicht System, was das arbeiten im Werkstatt heisst. Würde auch noch ein mal erklären das die Kollegen des E+Metall Branche und zwar Schraube nach Schraube erwirtschaftet allein ein Drittel der BIP des landes...also ein bisschen mehr Respekt wäre schön!

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friedrichgadow 26.12.2017, 16:49
37. Kartell der Besitzenden

So eine Tarifpolitik lädt niemanden dazu ein, sich den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie anzuschliessen. Gerade in den immer noch so genannten Neuen Bundesländern ist die Tarifbindung niedrig und viele (nicht alle!) nicht tarifgebundene Unternehmen zahlen grottenschlecht. Die Lücke wächst weiter und die Schwachen werden immer mehr abgehängt. Bravo, IGM, so definiert man also heute Solidarität...!?

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immerfroh 26.12.2017, 17:04
38.

Zitat von friedrichgadow
So eine Tarifpolitik lädt niemanden dazu ein, sich den Tarifverträgen der Metall- und Elektroindustrie anzuschliessen. Gerade in den immer noch so genannten Neuen Bundesländern ist die Tarifbindung niedrig und viele (nicht alle!) nicht tarifgebundene Unternehmen zahlen grottenschlecht. Die Lücke wächst weiter und die Schwachen werden immer mehr abgehängt. Bravo, IGM, so definiert man also heute Solidarität...!?
Also die mitunter miserable Bezahlung der IGM anzukreiden, geht doch etwas zu weit.
Wie soll denn deren Solidarität aussehen ? Lohnkürzungen für ihre Mitglieder ?
Gerade weil es zu wenig organisierte Belegschaften im Osten gibt, sind die außertariflichen Löhne so extrem weit weg von den hohen statistische Löhnen.

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sabaka56 26.12.2017, 19:10
39.

Hallo Nordstadtbewohner
Ich nehme an Sie wohnen in einer anderen Nordstadt wie ich. Die Arbeitnehmer die laut Herr Dulger 56 TSD im Schnitt verdienen wohnen bei uns in Pforzheim in der Südstadt. Es geht um die Menschen die zwischen E1 und E5 oder 6 verdienen. Die sollen eine Lohnausgleich bei einer familiär bedingten verkürzten Arbeitszeit bekommen. Die 6% Lohnforderung sind ein alter Hut. Ich bin seit 40 Jahren dabei, und weiß, dass maximal die Hälfte der Forderung rauskommt. D. h. wenn wir nur 3% verlangen gibt es höchstens 1 - 1,5 %. Ich verfolge schon seit einiger Zeit Ihre Artikel zu verschiedenen Themen. Entweder sind Sie schon reich auf die Welt gekommen oder haben Aktien geerbt. Vieleicht auch durch Glück oder Spekulation, auf keine Fall durch Hände Arbeit, sonst würden Sie nicht solche Kommentare loslassen.
Ein Nordstadtbewohner

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