Forum: Wirtschaft
Ende der Hilfsprogramme: Unsere Lehren aus der Griechenlandkrise
DPA(3);NurPhoto via Getty Images;Kyriakos Athanasiadis;Rainer Langer;Alexandros Avramidis

Nach acht dramatischen Jahren laufen nächste Woche die Hilfsprogramme für Griechenland aus. Haben Sie gewirkt? Und ist die Krise jetzt vorbei? Der SPIEGEL hat verantwortliche Politiker und normale Bürger gefragt.

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PeterMüller 14.08.2018, 11:30
20. Bezahlt haben die Falschen?

Griechenland hätte nie im Euro aufgenommen werden dürfen, aber wie Theo Waigel sagte: "Man konnte [wollte, anm. d. Autors] den Euro nicht ohne das Gründerland Europas, dem Erfinder der Demokratie, beginnen". Auch dass Griechenland das viele Geld aus Europa seit EG-Beitritt und die billigen Kredite nach Euro-Start nicht nutzte, um zu investieren und die Finanzen auf Vordermann zu bringen, sondern weiter zu verkonsumieren, war ein riesiger Fehler. Ein Fehler, den nicht die EU oder die anderen Länder zu verantworten haben, sondern a) die griechische Politik und b) das griechische Volk, das immer nur jene wählte, die noch mehr Geld rauswarfen. Dass das, als die Blase platzte zu dramatischen Verwerfungen führte, war unausweichlich und wäre ohne den Euro sicher ein paar Jahre früher gekommen, aber fast genau so heftig.
Was aber ärgerlich ist, ist dass nur die Mittelschicht dafür gezahlt hat, in dem sie wegbrach und/oder ihre Heimat verlassen haben [mussten] und die Unterschicht sogar noch krasser. Die Oberschicht aber ist fast ohne Kratzer davon gekommen. Und das kann man einerseits den Griechen vorwerfen, dass sie - gerade unter einer linken Regierung! - das zugelassen haben und dass die EU hier Griechenland nicht dabei unterstützt oder sie dazu gedrängt hat, die Millionen und Milliarden der (Super-)Reichen anzuzapfen. Sei es mit Enteignungen, mit Reiseverboten etc. Denn diese Leute haben von der Party vorher schließlich am meisten profitiert. Und das sage ich als klar marktliberaler Wertkonservativer.

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hefe21 14.08.2018, 11:34
21. Ying und Yanis

Den Vogel schiesst natürlich wieder der Weltökonom Varoufakis ab. Vielleicht recherchiert endlich mal jemand, dass die "törichten Banken" (O-Ton Y. V.) mit Steuererleichterungen auf die Zinserträge von Griechenanleihen gezielt dorthin gelockt wurden. Es galt, nun doch noch nach über 100 Jahren die olympischen Sommerspiele an ihren Ursprungsort zurückzubringen. Nach dem EM-Gewinn 2004 drehte zudem die Analysten-, manche nennen sie auch Finanzzuhälterbranche, durch und verkaufte den Balkanaussenstaat als "Tiger vom Peleponnes".
Und dass, wieder nach Y. V., die "Sparpolitik 28 Prozent der Einkommen auslöschte", das ist ungefähr so, als würde man einem Klautrupp sein Einbruchswerkzeug abnehmen und der dann klagen, dass er dadurch eine Einkommensminderung hinnehmen musste.
Kein Wunder, dass Schäuble es schliesslich ablehnte, mit diesem eitlen Egomanen, der selbst ein typischer Abkömmling der dortigen Oligarchie ist, weitere Zeit zu vergeuden. Wie wohltuend sind doch einsichtigere Stimmen anderer oben befragter Hellenen.

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mostly_harmless 14.08.2018, 11:38
22.

Zitat von schraubenzieher
Die Schweiz ist gut beraten, wenn sie sich mit Händen und Füssen gegen einen Beitritt zum Geld vernichtenden Moloch EU wehrt.
Die Schweiz ist über Verträge quasi Mitglied der EU. Nur ohne mitbestimmen zu können. Und zahlt dafür pro Haushalt rund 3000 Euro und Jahr.

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torotti 14.08.2018, 11:41
23. Gewinner sind die Krisen-Urheber

Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass massive Finanzwetten gegen den Euro den Urknall der Griechenlandkrise ausgelöst haben? Die "Finanzhilfen" für Griechenland haben größtenteils die Griechen selbst bezahlt. Gewinner sind am Ende die Banken und damit die Urheber der Krise. Die "faulen Griechen" mussten dagegen eine an Arroganz kaum zu überbietende und reichlich interessenbefeuerte BILD-Kampagne ertragen. Daran haben sich in abgeschwächter Form leider auch die meisten seriösen Medien beteiligt. Auch der SPIEGEL.

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neue_mitte 14.08.2018, 12:08
24.

Zitat von torotti
[...] Die "Finanzhilfen" für Griechenland haben größtenteils die Griechen selbst bezahlt. Gewinner sind am Ende die Banken und damit die Urheber der Krise. Die "faulen Griechen" mussten dagegen eine an Arroganz kaum zu überbietende und reichlich interessenbefeuerte BILD-Kampagne ertragen. [...]
Die Griechen haben doch auch jahrzehntelang von den Krediten profitiert, die nun zur Rückzahlung anstehen. Oder wo meinen Sie, ging das Geld hin? Der aufgeblähte ÖD mit aufgeblähten Gehältern ist soweit gediehen, dass doch jeder jemanden in der Familie im ÖD sitzen hat. Der ÖD war jahrzehntelang die Sehnsucht der Griechen, dort hinein zu kommen. Wovon wurde der denn finanziert? Steuern? Nein. Sonstige Abgaben? Nein. Es waren die Kredite.

Griechenland ist im Grunde des Kerns auf dem Niveau von Marokko oder Ägypten. Nur die Kredite ermöglichten einen allgemeinen Lebenstandard auf europäischem Niveau. Das funktioniert nur nicht mehr. Selbst mit 100% Schuldenschnitt muss Griechenland seine Ausgaben, seine Infrastruktur... auf nordafrikanisches Niveau drosseln. Wenn das mit den Einnahmen schon nicht klappt, wenn man die Reichen weiter schonen möchte, wenn Steuervermeidung absoluter Volkssport bleiben soll, dann geht es nicht anders.

Was meinen Sie, wer unsere Schulden bezahlen würde, wenn die fällig wären. Wir selbst. Bei uns machen Zinsen und Tilgung eh schon einen ordentlichen Anteil des Staatshaushaltes aus. Wir selber bezahlen somit auch unsere Kredite. Somit ist es nur fair, wenn auch die Griechen an der Begleichung der Schuld beteiligt werden. Wer sonst? Wir Europäer?

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hansaeuropa 14.08.2018, 12:12
25. die wichtigste Lehre ist, ...

dass man mit Deutschland keine Währungsunion eingehen kann. Bis heute hat der Mainstream aus Ökonomie und Medien die Eurokrise nicht im Ansatz verstanden! In Griechenland und in großen Teilen Europas wurde völlig sinnlos eine ganze Generation geopfert. Wir sollten endlich anfangen, die Geschehnisse wissenschaftlich aufzuarbeiten. Varoufakis hat dazu schon gute Grundlagen geleistet.

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rudi_ralala 14.08.2018, 12:15
26.

Zitat von hefe21
Den Vogel schiesst natürlich wieder der Weltökonom Varoufakis ab. Vielleicht recherchiert endlich mal jemand, dass die "törichten Banken" (O-Ton Y. V.) mit Steuererleichterungen auf die Zinserträge von Griechenanleihen gezielt dorthin gelockt wurden. Es galt, nun doch noch nach .....
Und was hat jetzt der "Weltökonom" Yannis Varoufakis damit zu tun?
Er passte schlicht und einfach nicht in das Finanzkomplott unter Führung des "Universalökonomen" Schäuble. Weil er einer der Wenigen war, die von Wirtschaft etwas verstanden.

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Ezechiel 14.08.2018, 12:18
27.

Zitat von wasistlosnix
Es waren die Banken die Griechenland das viele Geld geliehen haben und ein griechischer Staatsbankrott hätte die eine oder andere Bank wieder in die Krise gestürzt. Es war mal wieder eine Bankenrettung auf Kosten von Steuerzahlern. Das Geld das Deutschland Griechenland geliehen hat wirft mehr Rendite ab als der freie Markt. Am Ende verdienen die anderen europäischen Länder daran. Schäuble und Konsorten haben mit den Sparprogramen nur gerade gebogen was die Banken all die Jahre vergessen haben. Die Banken wussten das die Kredite faul sind haben aber fleißig weiter ausgezahlt.
Es ist ja nicht so, dass die Banken die Griechen mit "vorgehaltener Pistole" gezwungen hätten, das Geld zu nehmen. Und wenn es dann genommen ist, ist es auch wieder zurück zu zahlen. Egal ob es sinnvoll oder für Unsinn ausgegeben wurde. Es spielt auch keine Rolle, dass die griechischen Eliten das Volk ausgebeutet haben. Die Bankenrettung ist dann wieder ein anderes Thema. Es entlastet die Griechen nicht als Nehmer und Verwender der Kredite.

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Ezechiel 14.08.2018, 12:28
28.

Zitat von torotti
Erinnert sich eigentlich noch jemand daran, dass massive Finanzwetten gegen den Euro den Urknall der Griechenlandkrise ausgelöst haben? Die "Finanzhilfen" für Griechenland haben größtenteils die Griechen selbst bezahlt. Gewinner sind am Ende die Banken und damit die Urheber der Krise. Die "faulen Griechen" mussten dagegen eine an Arroganz kaum zu überbietende und reichlich interessenbefeuerte BILD-Kampagne ertragen. Daran haben sich in abgeschwächter Form leider auch die meisten seriösen Medien beteiligt. Auch der SPIEGEL.
Die Finanzhilfen für Griechenland sind noch nicht bezahlt. Sie sind im Schuldenpaket von rd. 350 Milliarden (Statista, geschätzt bis zum Jahresende 2018) enthalten. Hinzu kommen noch die Forderungen der EZB aus dem Target 2 Zahlungssystem. Die Einbußen, die die griechische Bevölkerung durch die Sparmaßnehmen hinnehmen muss, dienen nur dem Zweck, dass sich die Staatseinnahmen und die Staatsausgaben wieder annähern und die Ausgabenunterdeckung langsam abgebaut wird.

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isele67 14.08.2018, 12:37
29. ,

Der Beitrag bringt nichts Neues und ist oberflaechlich uninformiert geschrieben. Das Problem war das Griechenland keine Banken mit eigenem ausreichenden Kapital hat. Es wurden die ausländischen Banken gerettet auf Kosten der griechischen Bevölkerung, die verarmte. Jeder im Euro Raum hatte Angst davor,dass Griechenland den Weg Islands gehen würde! Wäre am Anfang ein Betrag von ca 100 Mrd ? zinslos gegeben worden und die ausländischen Spekulanten und Banken wären auf den Zinsen sitzen geblieben wäre dies ein Zeichen der EU Solidarität. So hat allein Deutschland im Kreditprogramm 6 Mrd Zinsen verdient! Natürlich zahlt man nichts an Griechenland.China. Investoren, Fraport haben zum Schnaeppchenpreis Filetstuecke bekommen etc. Seit Jahren werden keine Staatlichen Investionen gemacht, seit 8 Jahren schrumpfen die Stellen. Man hat den griechischen Staat gezwungen, das Land kaputt zu sparen. Nur ein Beispiel: Anhebung der. Mehrwertsteuersatz auf 24%, Vermögenssteuer ab dem 1.Haus,alles auf Betreiben Deutschlands.Mit einem Land,das zu2% zum BSB der EU beitraegt kann man es machen- da wundert man sich,das eine EU Feindschaft in vielen EU Ländern entsteht.

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