Forum: Wirtschaft
Entfristung bei der Deutschen Post: Wer zu oft krank ist, muss gehen
DPA

Die Deutsche Post macht die Entfristung von Arbeitsverträgen offenbar von der Krankheitsdauer ihrer Mitarbeiter abhängig. Laut einem Medienbericht hat der Konzern dafür eine klare Obergrenze für Fehltage definiert.

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Nania 07.05.2018, 13:50
210.

Zitat von bengel771
Auch wenn ich nicht angesprochen bin, es geht um 20 Tage in 2 Jahren, also 10 pro Jahr. Und es mag Ihre Meinung sein und ich lasse sie Ihnen. Aber Sie sollten wissen, nicht alle Arbeiten sind gleich, speziell bei der Post. Zum besseren Verständnis : Der Artikel sagt, die Post möchte sich nicht direkt zu ihrer Richtlinie äussern. Das ist so nicht ganz richtig, hier mal ein Artikel zu Ausfallzeiten von Zustellern in der Welt von 2016: https://www.welt.de/wirtschaft/article156165691/Laut-Gewerkschaft-ist-jeder-achte-Brieftraeger-krank.html Daraus zitiere ich:Das ist natürlich BWLsprech, aber was sind diese Ausfallzeiten? Dazu mal die IHK: https://www.hannover.ihk.de/ihk-themen/konjunktur-statistik/aktuell/der-krankenstand-steigt-und-steigt.html Ich zitiere daraus:Fazit: Die Post hält Ausfallzeiten von 26 Tagen für normal (normal wären hier allerdings auch nur 20-22), diese gelten aber nur für körperlich sehr anstrengende Arbeiten, die Post weiss das die Arbeit in diesen Bereich fällt. Die Post gleicht dennoch ihre Anforderungen, für die Überführung von befristeten in unbefristete Arbeitsverhältnisse, an das Ausfallniveau von Geisteswissenschaftlern an. Sollte das nicht zu denken geben?
Wie kommen Sie eigentlich darauf, dass Menschen, die forschen, automatisch Geisteswissenschafler sind? Das Bashing wäre hier nicht nötig gewesen. Und wenn Sie mal genau hinschauen, werden Sie sehen, dass gerade in der Forschung arbeitsrechtlich eine Menge schief läuft. Angefangen von Arbeitszeitbegrenzung, über Überstunden bis hin zur Vorstellung, dass man ja auch krank auf der Arbeit erscheinen kann, weil man ja nur "geistig" arbeitet....

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Nania 07.05.2018, 13:52
211.

Zitat von friedrichgadow
Und mal eine Blick auf die Fakten: 1. ein Unternehmen darf auswählen, wen es übernimmt 2. 20 Fehltage = da 5%, der Bundesschnitt liegt drunter 3. Hundebiss oder Beinbruch bei Glatteis fallen ja wohl eher unter Arbeitsunfall als krank Also, Hirn einschalten, Ball flach halten!
Was ist denn, wenn der Beschäftigte in seiner Freizeit fällt? Ausrutschen kann man nicht nur während der Arbeitszeit und auch von der Leiter fallen passiert wohl eher zu Hause. Der Punkt ist: Wir können als Menschen nicht vermeiden, krank zu werden oder einen Unfall zu haben, unabhängig davon, ob nun zuhause oder auf der Arbeit.

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skater72 07.05.2018, 13:55
212. Immer diese Übertreibungen

Zitat von aober
Während die Zahl der selbstverschuldeten Unfälle oder die Tatsache, dass ein Zusteller dem Arbeitspensum regelmäßig nich gewachsen ist durchaus nachvollziehbar und valide sind, ist die Zahl der Krankheitstage asozial und .....
Wenn ich das richtig gelesen habe, sind diese Vorgaben Richtwerte, keine absoluten Ausschlusskriterien. So soll das alles in einer Gesamtschau betrachtet werden. Natürlich wird man bei den Befristeten, die einen guten Job machen und mal mit einer schwerwiegenden Erkrankung ausgefallen sind, diese nicht gleich aus dem Entfristungsprozess herausnehmen. Aber jene, die diese Fristen überschreiten und dies nicht durch normalerweise gute Leistungen ausgleichen, werden dann eben nicht unbefristete Verträge erhalten.
Davon abgesehen, finde ich ohnehin, dass die Verträge nur bei guter Begründung befristet werden können sollten, um den Menschen Planungssicherheiten im Leben zu geben.

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RioTokio 07.05.2018, 13:57
213.

Zitat von DE_Bananen_Staat
Ich würde behaupten dass das ziemlich A-Sozial ist. Nur weil es rechtens und / oder wirtschaftlich ist, heisst es nicht dass man das begrüßen muss oder sich nicht darüber aufregen darf. Mit Menschen wie Maschinen oder Nutztieren zu kalkulieren und umzugehen ist ekelhaft. Jede Aufregung mehr als gerechtfertigt.
Stellen Sie sich vor Sie wären der Unternehmer.
Wenn sie genug Postbotenbewerber hätten, wen würden Sie nehmen?
Den der oft krank ist, der Unfälle mit dem Postauto baut oder den anderen?

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RioTokio 07.05.2018, 14:00
214.

Zitat von Wilke
Zumal das im Land der Zeitarbeit Deutschland schon leider Standdard ist, die Angst immer im Nacken den Job zu verlieren und sich dann vom Jobcenter in noch billigere Löhne pressen zu lassen.
Die Beschäftigungslage ist gut wie nie.
Auch wer den Job verliert, hat gute Chancen einen neuen zu finden.
Wer leistungsschwach ist, muss sich in jedem Job Sorgen machen.
Am Besten man wechselt zu öffentlichen Arbeitnehmern.
Der Steuerzahler finanziert da auch die leistungsschwachen und schwer kündbaren Arbeitnehmer mit.

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RioTokio 07.05.2018, 14:03
215.

Zitat von rotaticus53
Die Frage ist doch, wer bestimmt die Kriterien, was ist zu langsam, denn erfahrungsgemäß versuchen Unternehmen ihre Mitarbeiter bis aufs letzte aus zu quetschen. Sicher gibt es auch gute und schlechte Bezirke, wo es eben etwas länger dauert. Natürlich spielt auch die Verkehrssituation in Großstädten eine enorme Rolle. Durch den Zeitdruck, dem Stress, auch bloß nicht öfter krank zu sein, usw. sind die meisten Zusteller ausgelaugt, unkonzentriert, auch weil sie arbeiten, obwohl sie krank sind... passieren sicherlich mehr Unfälle als bei einem ausgeruhtem, motiviertem Fahrer. Schon seit Jahrzehnten ist bewiesen, nur zufriedene Mitarbeiter sind gute Mitarbeiter. Dieser "Katalog", ist das allerletzte!. Einerseits wird immer behauptet, dies sei ein Job im Niedriglohnsektor, andererseits ist die Erwartung an die Fähigkeiten der Mitarbeiter extrem hoch, ohne zu berücksichtigen, wie krank ein Mensch durch diesen permanenten Stress wird. Die Aufregung ob solcher Machenschaften ist noch viel zu gering, es muss personelle Konsequenzen geben!
Bei der Post arbeiten die meisten Leute als Zusteller.
Mir ist nicht bekannt, dass dort unmenschlich hohe Anforderungen bestehen. Die gibt es wohl eher bei der privaten Konkurrenz.
Der Job selbst stellt keine hohen Anforderungen.
Man muss eigentlich nur Adressen lesen können.
Körperlich kann es anstrengend sein, deshalb schaut die Post auch, ob die Gesundheit der Zusteller gut genug ist.
Ist doch verständlich.

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RioTokio 07.05.2018, 14:05
216.

Zitat von KlausMeucht
Ich möchte das Beispiel von Enron einbringen. Die haben jedes Jahr die 10% schlechtesten entlassen, und den 10% besten extrem hohe Prämien gegegeben. Das Ergebnis: Die Firma ging pleite. Warum: Die Mitarbeiter haben gegeneinander und nicht miteinander gearbeitet. Sie haben Fehler nicht gelöst sondern entweder verschwiegen oder auf andere geschoben.
Gutes Beispiel.
Aber ein solches Vorgehen ist von der Post nicht bekannt.
Ob Enron daran pleite ging oder an etwas anderem, ist die Frage.

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RioTokio 07.05.2018, 14:08
217.

Zitat von gantenbein3
Man muss sich das mal vorstellen: Jemand war in zwei Jahren fünfmal krank. Jetzt wird sie/er erneut krank; sagen wir mit etwas Ansteckendem, wie Grippe z.B. Die/der Betreffende darf jetzt nicht zuhause bleiben, sonst steht der Arbeitsplatz auf dem Spiel. Was für eine Alternative! Schlicht menschenverachtend. Wer so etwas zu verteidigen sucht, sollte einmal selbst in diese Lage kommen, damit sie/er weiß, wovon die Rede ist.
Wer in zwei Jahren sechs mal krank wird hat ein Problem.
Ob der Zustellerjob da der richtige ist, ist die Frage.

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tobyr 07.05.2018, 14:28
218. Ha!

Zitat von FalscheVereinsfarbe
.... ich habe geschwindelt, es waren nicht mal 10 Tage! Bekomm diese Tage aber auch nicht bezahlt! Vielleicht liegt es daran? Aber Sie würden meinen Job auch keine 10 Tage machen ........
Sie Drückeberger! Ich war nicht nur noch nie krank, ich fühle mich an mindestens 50% der Tage so über-energetisch, dass ich einem Kollegen sage, er kann zuhause bleiben und ich erledige seine Arbeit noch mit! Und außerdem bin ich während der Ausbildung jeden Tag 35 km zu Fuß durch den Schnee zur Schule gelaufen! Bergauf! In beiden Richtungen!

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rotaticus53 07.05.2018, 14:33
219. Bravo!

Zitat von LorenzSTR
Eine altbekannte Masche ist es, Kunden gegen Mitarbeitende ausspielen zu wollen. Das kennt man auch von Amazon. Als ob Kunden eine homogene Masse wären, die nur konsumieren und selbst nicht von der asozialen Arbeitswelt betroffen sind. Typisch ist natürlich auch der deutsche Reflex, jegliche Ausbeuter groß zu verteidigen, weil man sich denen irgendwie näher fühlt als den unteren Klassen. Sogar dann, wenn man selbst von besseren Bedingungen profitieren würde. Aber die eigenen Interessen kennt man in Deutschland dank neoliberaler Dauerpropaganda sowieso nicht. Und deshalb ist die Empörung über die, die für mehr Gerechtigkeit eintreten, natürlich stets deutlich höher als über die fetten Profite der Post, von denen wie üblich nur selbsternannte Leistungsträger und nicht die wirklichen Leistungsträger profitieren.
Absolut treffend analysiert, sieht man ja hier im Forum zur Genüge, das sich auf die Un- Zufriedenheit der Kunden berufen wird. Alleine dies ist doch schon blanker Unsinn, denn wissenschaftliche Forschung zu Arbeitsbedingungen belegen schon seit langem, das diese Art der "kreativen Motivierung" der Mitarbeiter in die erste Hälfte des vergangenen Jahrhunderts gehört. Ein zufriedener, gut motivierter Mitarbeiter, leistet deutlich mehr als ein mit Druck und Angst "motivierter" Mitarbeiter.
Zu der neo-liberalen Dauer Propaganda gehören auch diverse "Hartz4" Shows bei den Privatsendern, wo uns diese Personengruppe als faul, arbeitsscheu, dumm, alkohol und/oder drogenabhähig, möglichst ohne Schul oder Ausbildungs Abschluss, mit Riesen Schuldenberg wegen Katalog Bestellungen/Handykosten usw. . Motto: Es gibt immer jemand auf den man runter schauen kann! Oft greift bei dem Thema auch die "Bild" unterstützend ein, indem sich ein armes Schwein rausgepickt wird, auf dem sich trefflich rumhacken lässt.
All das hinterlässt Spuren bei den Zuschauern/Lesern, erhöht auch den gesellschaftlichen Druck auf den einzelnen.

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