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Entscheidung der Schweizer Notenbank: Was Sie über die Franken-Aufwertung wissen müss
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Der Mindestkurs von 1,20 Franken je Euro ist Vergangenheit. Warum hat die Schweizer Notenbank so entschieden, was bedeutet das für die Schweizer Wirtschaft und welche Folgen hat das für die Eurozone? Die Antworten im Überblick.

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Hansjuerg 16.01.2015, 20:40
10. Scheuklappen

Zitat von meisterfischer
Na, da haben wir aber Glück gehabt, was? Swatch-Uhren sind ersetzbar, Eterne-Hemden ebenso, Zement von Holcim brauche ich nicht, Schokolade muss nicht aus der Schweiz sein und die grenznahen Schweizer werden ihr Geld nun in Massen in die grenznahmen deutsche Regionen bringen. Und Urlaub in der Schweiz - kein Interesse. Wollen wir mal sehen, wie das Land mit der Aufwertung zurecht kommt. Und unser Export profitiert. Hey - davon leben wir!
Darf ich Ihnen etwas erzählen:
Es war einmal ein Land in Europa, das hatte eine starke Währung. Die Bürger waren stolz darauf. Nicht umsonst wurde diese Währung in manchen Ländern etwas weiter im Osten als Parallel-Währung eingesetzt obwohl die doch eine eigene Währung hatten. Die Wunschwährung hatte die Bezeichnung DM.
Im Süden gab es ein anderes Land. Dessen Währung war lächerlich. Alle machten sich lustig über sie. Man nannte sie Lira.
Hätte man den Bürgern des Landes mit der DM gesagt ihr müsst eure DM aufgeben und künftig mit der Lira wirtschaften, hätte es eine böse Revolution gegeben. Man kam deshalb auf die Idee der Lira einen neuen Namen zu geben, damit sich niemand aufregt. Man nannte die Lira nun Euro und alle freuten sich so
sehr, dass selbst als allen klar wurde, dass ein Euro eine Lira ist, im Land der ehemaligen DM sogar die Börsenkurse stiegen.

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PriseSalz 16.01.2015, 21:37
11. Sie irren!

Zitat von olddreamer
Der Euro ist keine harte Währung mehr, wie es die DM war. Es profitiert zwar der Export Deutschlands. Importgüter aus der Schweiz werden aber unerschwinglich, ebenso wie Reisen in die Schweiz usw. Wer eine "sichere" harte Währung will, muss teuere Franken kaufen. Deutschland ist ein Weichwährungsland geworden! Das ist die Folge der EZB-Entscheidungen.
Erstens hat auch der Wechselkurs der DM gegenüber anderen wichtigen Währungen Purzelbäume geschlagen. Rechnen Sie einfach mal den Euro zurück in DM und machen Sie eine Zeitreihenanalyse über 50 Jahre: Sie werden erstaunt sein. Zweitens war der Euro hoffnungslos überbewertet. Jetzt erfolgt eine Korrektur. So what? Ein paar Leute weniger werden in die Schweiz reisen oder Schweizer Uhren kaufen, das mag den Schweizern das Geschäft beeinträchtigen. Abgesehen davon verweise ich auf den Beitrag #5 - gute Analyse.

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Tuolumne Meadows 16.01.2015, 23:12
12. Lesen Sie doch den Artikel genau!

Zitat von freespeech1
Warum hat die Schweizer Notenbank so entschieden? Ganz einfach, weil der Franken eine starke Währung ist und der Euro nicht. Warum also sollte sie weiter schwache Euro für einen zu hohen Preis mit guten Franken ankaufen?
Zur Frage 1:
Der Schweizer Notenbank ist letztendlich der Atem ausgegangen, weiter Stützungskäufe zu tätigen. Das hat der Schweizer Notenbank 60-80 Milliarden Euro gekostet, weil aufgrund der Entscheidung plötzlich deren Euro-Depot 20% weniger Wert war. Ganz zu schweigen von den Auswirkungen auf die schweizer Export-Industrie und schweizer Börse.

Die EZB macht eine ähnliche Politik wie die Fed der USA. Anleihen aufkaufen und den Markt mit Geld überschwemmen, um die Währung auf Talfahrt zu schicken und die europäische Wirtschaft dadurch wieder konkurrenzfähiger zu machen. Bei den USA hat diese Politik geklappt. Deren Wirtschaft hat sich inzwischen erholt - und der Dollar steigt auch wieder.

Die Hebel einer EZB sind einfach etwas länger als die Hebel der Schweizer Notenbank.

Zur Frage 2:
Die Schweizer Notenbank hat dies jahrelang gemacht, um die Export-Industrie der Schweiz zu unterstützen. Der größte Handelspartner der Schweiz ist die EU - und ein zu hoher Wechselkurs ist Gift für die Export-Industrie der Schweiz. Deshalb auch entsprechende Reaktion der schweizer Industrie und der schweizer Börse.

Was habe ich von einer starken Währung, wenn meine Industrie vor die Hunde geht und evt. sogar abwandert? Die Handelsbilanz muss stimmen - besser ist jedoch ein Export-Überschuss - dazu muss ich preislich (bei aller Qualität) auch konkurrensfähig sein.

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Tuolumne Meadows 16.01.2015, 23:42
13. Vorbildfunktion?

Zitat von ulli7
Die Vertreter der Eurozone sollten sich in Grund und Boden schämen, dass die kleine Schweiz mit nur acht Millionen Einwohnern zeigt, was der Euro wert ist. Der neue Wechselkurs ist eine Schande für Deutschland und die Eurozone !
Die Schweiz lebt seit Jahren über bilaterale Verträge und einem Freihandelsabkommen mit der EU recht gut - ohne große Verantwortung/Risiko/Förderung für den "gemeinsamen" Marktes zu übernehmen. Der Wohlstand der Schweiz (und die harte Währung) beruht zum großen Anteil auch aus dieser besonderen Beziehung zur EU.

Wie sagt man so schön: Hochmut kommt vor dem Fall - und letztendlich sitzen wir alle in einem Boot! Nur einige weigern sich zu rudern.

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maxbee 17.01.2015, 05:31
14.

Zitat von meisterfischer
Na, da haben wir aber Glück gehabt, was? Swatch-Uhren sind ersetzbar, Eterne-Hemden ebenso, Zement von Holcim brauche ich nicht, Schokolade muss nicht aus der Schweiz sein und die grenznahen Schweizer werden ihr Geld nun in Massen in die grenznahmen deutsche Regionen bringen. Und Urlaub in der Schweiz - kein Interesse. Wollen wir mal sehen, wie das Land mit der Aufwertung zurecht kommt. Und unser Export profitiert. Hey - davon leben wir!
So, so, Sie glauben also WIR leben vom Export.
Ich hingegen weiß, dass über 80% der berufstätigen Deutschen von ihren Löhnen/Gehältern leben und die haben sich bekanntlich keineswegs mit den, in den vergangenen Jahren rasant gestiegenen Exporten erhöht.
Im Gegenteil! Kein Land in Europa weist einen so hohen Niedriglohnsektor auf wie das Export-Wunderland Deutschland.
Träumen Sie also weiter vom Nutzen den die Exporterfolge dem deutschen Normalbürger bringen.

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maxbee 17.01.2015, 05:40
15.

Zitat von PriseSalz
Erstens hat auch der Wechselkurs der DM gegenüber anderen wichtigen Währungen Purzelbäume geschlagen. Rechnen Sie einfach mal den Euro zurück in DM und machen Sie eine Zeitreihenanalyse über 50 Jahre: Sie werden erstaunt sein. Zweitens war der Euro hoffnungslos überbewertet. Jetzt erfolgt eine Korrektur. So what? Ein paar Leute weniger werden in die Schweiz reisen oder Schweizer Uhren kaufen, das mag den Schweizern das Geschäft beeinträchtigen. Abgesehen davon verweise ich auf den Beitrag #5 - gute Analyse.
Purzelbäume hat die DM nie geschlagen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen kannte diese nur einen Weg - nach oben!
Aber dank Ihrem Sachverstand wissen wir nun wenigstens, dass der Euro die ganze Zeit überbewertet war und jetzt erst seinen adäquaten Wert erreicht hat - also alles bestens! Schliesslich ist er immer noch stärker als der abgeschmierte Rubel und die indische Rupie - toll!

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hermannheester 17.01.2015, 09:49
16. Die Euro-Krise und kein Ende

Der Euro schwächelt vor sich hin und spielt den Rubel. Damit könnte man die derzeitige Situation umschreiben. Nun hat also auch die Schweiz für sich erkannt, dass ein schwacher Euro die Schweiz billiger kommt als ein Euro, den man selbst immer wieder aus der Kursversenkung freikauft. Die Realität naht mit gewaltigen Schritten - nun auch dem Euro.

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saarpirat 17.01.2015, 10:02
17.

Was wird denn nun passieren?

Ganz sicher werden die Schweizer in Deutschland, Frankreich, Italien "einfallen" und grenznahe Geschäfte leerkaufen. Kann ihnen niemand verdenken.

Ganz sicher werden grenznahe Geschäfte in der Schweiz sehr leiden müssen. Die Tankstellen auch.

Aber genauso sicher, werden es schweizer Firmen demnächst schwer haben. Nächste Woche wird es bestimmt schon die ersten Betriebsversammlungen geben, wo besorgte Unternehmer harte Maßnahmen ankündigen werden.

Die Stärke des Franken hat aber ebenso sicher auch nichts mit der wirklichen Stärke der Schweiz zu tun, sondern sehr viel mehr mit der Schwäche des Euro, der aber auch nur wenig mit der wirtschaftlichen Lage im Euroraum zu tun hat.

Selbst Griechenland ist nicht wirklich tragisch.

Unser Problem in Europa sind die USA und der von dort aus geführte Wirtschaftskrieg gegen den Euro. Die brauchen einfach die Dollarhegemonie, weil die Supermacht Nr. 1 sonst den Bach runtergeht. Und dafür ist den USA jedes Mittel recht. Schon mal überlegt, warum Lybien bombardiert wurde? Wegen seinem Diktator bestimmt nicht. Aber der wollte sein Öl nicht mehr in Dollar verkaufen, sondern in Euro. Wenn das eingerissen wäre, wäre es um die US-Vorherrschaft geschehen gewesen. Daher wird alles getan, um den Dollar als Leitwährung zu erhalten.

Wehe, wenn China anfängt dabei mitzumischen.

Die Schweiz wird nun wahrscheinlich zum Spielball von Spekulanten werden. Die würden wahrscheinlich sie wahrlich besser tun, wenn sie der EU beitreten und den Euro einführen würden.

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zwibelleberkaes 17.01.2015, 11:56
18.

Der wahre Grund ist das die Schweizer erkannt haben, dass durch die geplanten Anleihekäufe der EZB der Euro weiter rapide an Wert verlieren wird und sie nicht mehr an den Euro glauben. Geld zu drucken um zu versuchen das Staaten günstiger neue Kredite erhalten um zumindest noch die Zinsen für Ihre Schulden zurückbezahlen können. Nein, das ist irgendwann auch den Schweizer zu doof und verständlich das sie dieses Spiel nicht mitmachen. So viele Druckmaschinen um Geld zu drucken gibt's in der Schweiz nämlich gar nicht um da mitzumachen...

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ingnazwobel 17.01.2015, 13:15
19.

Exportweltmeister, Härteste Währung, Inflation oder Deflation, Enteignung von Sparguthaben etc. Vielleicht sollte sich der Ottonormalverbraucher mal vor Augen führen das positive Worte wie Weltmeister und Härteste auch negativ besetzt sein können und negative Worte auch eine positive Aussage bzw Wirkung haben können.

Dieses Thema ist weder etwas für Schwarz/Weiss Seher noch für den Stammtisch - dessen Parolen ich hier in sehr vielen Kommentaren laesen kann.

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