Forum: Wirtschaft
Entschuldigung im Contergan-Skandal: 50 Jahre Schweigen
dapd

"Entschuldigung" - dieses Wort findet Arzneimittelhersteller Grünenthal erst nach mehr als 50 Jahren. Wegen seines Schlafmittels Contergan kamen Tausende Kinder mit Behinderungen zur Welt. Der Geschäftsführer bat um Verzeihung für das lange Schweigen, Betroffene fordern Taten.

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black_dave 31.08.2012, 23:46
30.

Zitat von forkeltiface
Wenn man betrunken jemand mit dem Auto überfährt ... bei einer Straftat oder weil man fahrlässig war - dann kann man sich entschuldigen. Die Firma hat sich an alle geltenden Gesetze gehalten, sie haben sicherlich das größte Interesse daran gehabt, dass ihr Name nicht noch 50 jahre danach mit diesem Unglück in Verbindung gebracht wird, also kann man davon ausgehen, dass sie keine Hinweise auf eine solche Folge hatten - selbst im Bundestag war man ratlos woher die Missbildungen kamen, denn die Tests hatten keine fruchtschädigende Wirkung gezeigt. Entschuldigung bedingt ein schuldhaftes Verhalten. Das kann ich nicht sehen - natürlich muss man für den Schaden gerade stehen und wie jeder Mensch ist man entsetzt über die Folgen eines Produktes, das man verantwortet. Nur habe ich das Gefühl, dass hier wieder mal Anti-Pharma Ideologie (Anti-Unternehmen etc.) durchgedrückt wurde.

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black_dave 31.08.2012, 23:51
31. .........

Zitat von wanderer112
und zwar ums Geld! Rauchen in der Schwangerschaft glat mal als unbedenklich, ebenso Alkohol. Die Medizin unterliegt dem wandel und lebt von neuen Erkenntnissen. Noch heute finden sich neue Anwendungen für Asperin, ebenso gibt es immer wieder neue Nebenwirkungen. Es gab damals keinen Hinweis auf Nebenwirkungen dieser Art! Kein Mensch dieser Firma wollte jemanden vorsätzlich Schaden. Das Medikament wurde Millionenfach geschluckt und es gab ca. 10.000 Geschädigte. Sry, aber welche werdenende Mutter schluckt denn Schlaftabletten, egal welche und glaubt damit würde sie dem ungeborenen Kind was gutes tun? Jedes Medikament birgt ein Risiko. Es gibt viele Behinderte denen geht es bedeutend schlechter als den Contergan Geschädigten. Die kämpfen mit der Krankenkasse um jede Extra-Windel und hier les ich AOK Gebiss reicht mir nicht. Irgendwann muss auch mal Schluss sein! Ich höre immer die geforderte Gleichbehandlung von Behinderten und Nichtbehinderten. Millionen Menschen haben ein AOK Gebiss oder gar keins weil se sich die Zuzahlung nicht leisten können. Achja, die müssen ja nicht kauen um zu essen ....

Erst denken dann schreiben!!!!!!!!!!!!

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lukbuk 01.09.2012, 00:10
32. Eine etwas andere Sichtweise

Ich finde diesen Zeitgeist, dem gegenüber immer nur schlimmste Absichten zu unterstellen, als sehr traurig.
Wieso soll ein Pharmazeut immer nur ans Geld denken? Wieso soll ein Arzt immer nur ans Geld denken?
Könnte es nicht auch mal sein, dass jemand aus Berufung, oder sogar Idealismus handelt?
Stellen Sie sich doch einmal vor, ein Forscher findet ein für Schwangere unbedenkliches Medikament, er macht alle vorgeschriebenen Tests, es treten keine Auffälligkeiten auf. Könnte es nicht sein, dass er einfach an den Erfolg seiner Entwicklung geglaubt hat?
Leider ist es nicht so gekommen - mit schrecklichen Folgen. Aber so ist es nun mal in der Medizin - Fehler können Menschenleben gefährden oder schwere Krankheiten verursachen. Es gibt aber niemanden auf dieser Welt, der fehlerfrei arbeiten kann - und das ganz ohne Profitgier.

Wenn nur noch die Angst vor Regressforderungen das Denken und Handeln des medizinischen Personals in Deutschland bestimmt - dann werden Sie sehen, was schlechte Medizin ist. Verklagt werden kann dann aber leider niemand mehr, denn diesbezüglich wird sich jeder genaustens absichern - auf der Strecke bleibt nur der Patient.

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mischpot 01.09.2012, 00:41
33. Diese Entschuldigung nach 50 Jahren ist ein Hohn

vom Gesetzgeber gehört Grünenthal haftbar gemacht. Nichts ist geschehen in diesem sogenannten Rechtsstaat.

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tlatz 01.09.2012, 00:59
34. Entschuldigen und Verzeihen

Zitat von forkeltiface
Wenn man betrunken jemand mit dem Auto überfährt ... bei einer Straftat oder weil man fahrlässig war - dann kann man sich entschuldigen. Die Firma hat sich an alle geltenden Gesetze gehalten, sie haben sicherlich das größte Interesse daran gehabt, dass ihr Name nicht noch 50 jahre danach mit diesem Unglück in Verbindung gebracht wird, also kann man davon ausgehen, dass sie keine Hinweise auf eine solche Folge hatten - selbst im Bundestag war man ratlos woher die Missbildungen kamen, denn die Tests hatten keine fruchtschädigende Wirkung gezeigt. Entschuldigung bedingt ein schuldhaftes Verhalten. Das kann ich nicht sehen - natürlich muss man für den Schaden gerade stehen und wie jeder Mensch ist man entsetzt über die Folgen eines Produktes, das man verantwortet. Nur habe ich das Gefühl, dass hier wieder mal Anti-Pharma Ideologie (Anti-Unternehmen etc.) durchgedrückt wurde.

Nicht ganz richtig. Die Bitte um Entschuldigung signalsiert gerade, dass man anerkennt, dass man einen anderen geschädigt hat, dass dies jedoch nicht absichtlich war.

"Ich hab Ihnen auf den Fuß getreten, es war ein Versehen, bitte entschuldigen Sie"
"Ich hab Sie versehentlich angerempelt, es war keine Absicht, bitte entschuldigen Sie"
"Ich habe Ihrer Mutter eine Pille verkauft, derentwegen Sie nun keine Arme haben, wir hatten alle gesetzlich vorgeschriebenen Tests gemacht und haben damit wirklich nicht gerechnet, bitte entschuldigen Sie"
sind vollkommen korrekte und angebrachte Sätze. Man erkennt an, eine Schuld auf sich geladen zu haben, dies ist aber nicht grob fahrlässig oder gar vorsätzlich geschehen. Das heißt, man hat einen Fehler gemacht, dieser Fehler ist aber wirklich auf einem Irrtum oder Versehen basiert und enthält keine moralisch verwerfliche Komponente.


Das Grünenthal um Entschuldigung bittet ist korrekt und angemessen. Etwas anderes wäre die Bitte um Verzeihung.

Verzeihung oder Vergebung sind Begriffe, die eine moralische Schuld implizieren. Diese setzt eine vorangegangene Absichtliche Schädigung voraus. DAS kann man von Grünenthal tatsächlich nicht verlangen.

"Ich habe Sie vergewaltigt, bitte verzeihen Sie mir"
Hier wäre eine Bitte um Entschuldigung zu schwach.

Korrekt wäre es, wenn Grünenthal sagen würde: „Wir haben ein Medikament auf den Markt gebracht, dass Sie geschädigt hat. Wir haben damals alle verlangten Tests gemacht und es dennoch nicht bemerkt, das bedauern wir sehr und bitten Sie alle dafür um Entschuldigung (NICHT um Verzeihung). Weiterhin haben wir jahrelang nicht mit Ihnen geredet, weil wir Angst vor der schlechten Presse hatten und hofften, die Sache würde irgendwann unter dem Teppich verschwinden. Das war schlechtes Verhalten Ihnen gegenüber und hierfür bitten wir Sie um Verzeihung (NICHT um Entschuldigung).“

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Steuerzahler0815 01.09.2012, 03:09
35.

Zitat von mimija
Zu spät, zu herzlos und erbärmlich!
wenn sie die firma kritisieren ist es dasselbe wie die griechen uns als nazis bezeichnen... aber sie erkennen nicht dass beides gleich sinnfrei ist

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Steuerzahler0815 01.09.2012, 03:14
36.

Zitat von loncaros
Es fehlt einfach die Abschreckung, so etwas aus reiner Profitgier zu verbocken. Man hätte damals die oberen 20 Führungsleute des Konzerns ins Gefängnis stecken sollen, so 25 Jahre ungefähr. Bei derartigen Skandalen kann die Strafe ihr Erziehungsziel einfach nicht mehr treffen. Dann muss Vergeltung und Abschreckung her, aber die Kerle sind doch daran trotzdem reich geworden.
und die können bitte was dafür?

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belthoris 01.09.2012, 03:54
37.

Zitat von wanderer112
und zwar ums Geld! [...] Millionen Menschen haben ein AOK Gebiss oder gar keins weil se sich die Zuzahlung nicht leisten können. Achja, die müssen ja nicht kauen um zu essen ....
Als Contergangeschädigter habe ich mich nur deswegen angemeldet, um auf diesen unsäglichen Beitrag antworten zu können. Für diesen Zynismus sollte sich der User wanderer112 schämen.

Wenn man keine Hände hat, um Flaschen zu öffnen, kann man die Füße nehmen - viele Betroffene waren wenigstens in der Lage, diese zu benutzen, zum Alltagsverrichtungen zu bewältigen, zum Beispiel (!) Flaschenöffnen. Wiederum andere Geschädigte haben jedoch weder Hände noch Füße, dass die Zähne als Hilfsmittel herhalten mussten.

Die Körper vieler berufstätiger Geschädigter sind mittlerweile jedoch durch die unnatürlichen Körperbeanspruchungen so verschlissen, dass der Alltag nur noch unter großen Schmerzen zu bewältigen ist und eine Berufsausübung nicht mehr möglich ist. Die Folge ist, dass - aufgrund der gebrochenen Rentenbiographie - das Prekariat im Alter droht. Von denen, die aufgrund ihrer Schwerstbehinderung nie arbeiten konnten, mal ganz zu schweigen.

Und das Geld - ein unverschuldet Schwerstgeschädigter ohne Arme und Beine, womöglich noch mit anderen Schäden (Taubheit etc.) bekommt gerade mal monatlich knapp über 1000 Euro Entschädigung, die hinten und vorne nicht ausreichen. Man denke nur mal an die Kosten eines behindertengerechten Umbaus einer Wohnung.

Aber selbst das ist solchen Forenzynikern wie dem wanderer112 zu viel.

Er sollte mal nach der Bedeutung des Wortes "Empathie" googeln oder besser nach 113 wandern.

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keksguru 01.09.2012, 04:20
38.

richtig widerlich ist das Verhalten der Firma ab 1961 gewesen.... und warum zum Henker wollten die nicht, daß da ein Film drüber vor 5 Jahren gesendet wird? 1961 ist lang her, und auch wenn der Hersteller ursächlich für die Mißbildung vieler Menschen verantwortlich ist, gibt es doch keine Möglichkeit, jedem einzelnen Betroffenen Schadensersatz nach amerikanischen Vorbild zu zahlen. Dann wär die Firma Grünthal ganz schnell pleite und dann gäbe es eine Einmalzahlung aus dem Insolvenzvermögen. Ich finde die Summen auch durchaus angemessen, denn Blinde kriegen z.B. ähnliche Beträge als Blindengeld dazu, ich meine 450-800 Euro je nach Bundesland und als Behinderter kriegt man zahlreiche Vergünstiguunen z.B. bei der Wohnungsbeschaffung, KFZ Steuerbefreiung, u.s.w. und es GIBT ja durchaus Zahlungen von Grünthal an Contergan-Geschädigte außerhalb der Stiftungsrente.

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malanda 01.09.2012, 06:32
39. Seltsame Denkweise

Zitat von wanderer112
und zwar ums Geld! Rauchen in der Schwangerschaft glat mal als unbedenklich, ebenso Alkohol. Die Medizin unterliegt dem wandel und lebt von neuen Erkenntnissen. Noch heute finden sich neue Anwendungen für Asperin, ebenso gibt es immer wieder neue Nebenwirkungen. Es gab damals keinen Hinweis auf Nebenwirkungen dieser Art! Kein Mensch dieser Firma wollte jemanden vorsätzlich Schaden. Das Medikament wurde Millionenfach geschluckt und es gab ca. 10.000 Geschädigte. Sry, aber welche werdenende Mutter schluckt denn Schlaftabletten, egal welche und glaubt damit würde sie dem ungeborenen Kind was gutes tun? Jedes Medikament birgt ein Risiko. Es gibt viele Behinderte denen geht es bedeutend schlechter als den Contergan Geschädigten. Die kämpfen mit der Krankenkasse um jede Extra-Windel und hier les ich AOK Gebiss reicht mir nicht. Irgendwann muss auch mal Schluss sein! Ich höre immer die geforderte Gleichbehandlung von Behinderten und Nichtbehinderten. Millionen Menschen haben ein AOK Gebiss oder gar keins weil se sich die Zuzahlung nicht leisten können. Achja, die müssen ja nicht kauen um zu essen ....
"Wanderers" erster Beitrag in einem Spiegel-Forum und gleich so danebengelangt.

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