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Erlass von Beitragsschulden: Nur 8000 Nichtversicherte kehren zur Krankenkasse zurück
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Mehr als 100.000 Deutsche stehen ohne Krankenversicherung da - ein Gesetz sollte dies ändern. Laut "Berliner Zeitung" machten bislang aber nur rund 8000 davon Gebrauch.

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sponnerd 19.12.2013, 08:46
1. ...

Zitat von sysop
Mehr als 100.000 Deutsche stehen ohne Krankenversicherung da - ein Gesetz sollte dies ändern. Laut "Berliner Zeitung" machten bislang aber nur rund 8000 davon Gebrauch.
Tolle Sache! Da wird man als säumiger Zahler noch belohnt für sein Verhalten! Ist ja fast wie bei den Eurorettungsfonds für unsere südeuropäischen Freunde.

Da fragt man sich doch als regelmässiger (und unfreiwillig) Versicherter was man so falsch macht. Ich hätte auch gerne die Möglichkeit einfach nicht zu zahlen und hinterher ist totzdem alles gut!

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OliverKönig 19.12.2013, 08:54
2. es gibt ein Leben ohne KV

ja, es geht, bin seit Jahren nicht versichert, bezahle meine ärztlichen Behandlungen aus eigener Tasche, und spare mir die hohen Versicherungsprämien. Als Selbständiger kann man das machen. Eine Herztransplantation würde ich mir damit wohl nicht leisten können, aber ich finde, sowas muss auch nicht sein.

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RenegadeOtis 19.12.2013, 09:26
3.

Zitat von OliverKönig
ja, es geht, bin seit Jahren nicht versichert, bezahle meine ärztlichen Behandlungen aus eigener Tasche, und spare mir die hohen Versicherungsprämien. Als Selbständiger kann man das machen. Eine Herztransplantation würde ich mir damit wohl nicht leisten können, aber ich finde, sowas muss auch nicht sein.
Und wenn ein Herzinfarkt, ein Schlaganfall oder ein Krebsleiden kommt - oder ein Unfall - dann werden Sie erhobenen Hauptes den direkten Weg ins Ableben gehen?

Ich glaube nicht. Aber wir alle Anderen haben uns dazu verpflichtet (kraft Gesetz) jeden in unserem Sozialstaat aufzufangen. Sogar Vögel wie Sie. ;)

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olaf_b. 19.12.2013, 09:32
4. Die GKV wissen von nichts

Zitat von sysop
Mehr als 100.000 Deutsche stehen ohne Krankenversicherung da - ein Gesetz sollte dies ändern. Laut "Berliner Zeitung" machten bislang aber nur rund 8000 davon Gebrauch.
Nur Mut, liebe Nichtversicherte. Ich gehöre zu den 8000, die den Schritt gemacht haben und in die GKV zurückgekehrt sind. Allerdings sollte man sich vorher kundig machen. Mir und anderen ist es jedenfalls passiert, dass der Sachbearbeiter von diesem Gesetz noch nie etwas gehört haben wollte. Erst nachdem deutlich wurde, dass ich mich nicht abwimmeln lassen würde, händigte mir der Sachbearbeiter einen Stoß von Forumlaren aus. Darin sollte ich unter anderem nachweisen, seit wann ich vor dem Austritt in der GKV versichert war (also von Geburt an), sollte alle jemals besuchten Schulen angeben (mit Nachweis) etc.
Erst als der Herr bemerkte, dass ich mich tatsächlich anschickte, die Formulare in der Geschäftsstelle auszufüllen, hatte er ein Einsehen mit den Worten: "Das benötigen wir nicht, ich habe ohnehin alles im Computer. Von da an lief alles reibungslos.
Freilich hatte ich in der nichtversicherten Zeit keinerlei medizinische Dienstleistung in Anspruch genommen. Das ist Voraussetzung.

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Pizza72 19.12.2013, 10:06
5.

Zitat von OliverKönig
ja, es geht, bin seit Jahren nicht versichert, bezahle meine ärztlichen Behandlungen aus eigener Tasche, und spare mir die hohen Versicherungsprämien. Als Selbständiger kann man das machen. Eine Herztransplantation würde ich mir damit wohl nicht leisten können, aber ich finde, sowas muss auch nicht sein.
Ich weiß ja nicht wie alt Sie sind, aber je älter, desto höher das Risiko von chronischen Erkrankungen mit entsprechenden Folgekosten und nicht bei allen Krankheiten geht das Ableben dann so einfach vonstatten wie bei Herzproblemen.
Mein Mann erlitt dieses Jahr ein akutes Nierenversagen, dass durch einen hohen Prozentsatz an abgestorbenem Gewebe chronisch wurde. Allein die Dialyse kostet rund 2000 € im Monat plus Taxikosten (selbst fahren darf man nach der Dialyse nicht) plus insgesamt 2 Monate Krankenhausaufenthalt plus alle sonstigen nötigen Behandlungen (Shunt-OP, Lungenentzündung, wegen falsch liegendem Katheter etc.). Und hat schon die Zuzahlung von 2 Prozent des Bruttoeinkommens belastet, die binnen zwei Wochen bereits erreicht war. Das teuerste kommt noch: die Nierentransplantation (Lebendspende). Aber sowas muss Ihrer Ansicht nach wohl auch nicht sein, auch wenn man danach (fast) wieder ein normales Leben führen kann. Hauptsache man hat in guten Zeiten etwas Geld gespart. Wenn Sie Pech haben, können Sie die Behandlung nicht einmal verweigern. Da liegen Sie dann bewusstlos auf der Intensivstation und wenn Sie wieder zu sich kommen sind Sie bereits hoch verschuldet.

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naklar? 19.12.2013, 10:08
6. Kleinselbständige haben keine Lobby ...

... die wenigsten Bürger wissen immer noch nicht, wie sehr Kleinselbständige vom Staat ausgebremst werden zum Wohle der Großkonzerne und größeren Mittelstandbetriebe.

Zum Mitschreiben:
Kleinselbständige werden von Anfang an in der freiwilligen gesetzlichen KV mit 2000€ Einkommen im Monat bemessen.
D. H. gute 340€ im Monat allein für die KV. Stattdessen eine PKV abzuschließen können sich nur noch Anwälte und Ärzte leisten. Bei jedem anderen Selbständigen käme es dem Selbstmord gleich, wenn Er oder Sie nicht gleichzeitig die Gnade der richtigen Eltern oder Verwandtschaft als Hintergrund haben.

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7eggert 19.12.2013, 10:30
7.

Zitat von naklar?
... die wenigsten Bürger wissen immer noch nicht, wie sehr Kleinselbständige vom Staat ausgebremst werden zum Wohle der Großkonzerne und größeren Mittelstandbetriebe. Zum Mitschreiben: Kleinselbständige werden von Anfang an in der freiwilligen gesetzlichen KV mit 2000€ Einkommen im Monat bemessen. D. H. gute 340€ im Monat allein für die KV. Stattdessen eine PKV abzuschließen können sich nur noch Anwälte und Ärzte leisten. Bei jedem anderen Selbständigen käme es dem Selbstmord gleich, wenn Er oder Sie nicht gleichzeitig die Gnade der richtigen Eltern oder Verwandtschaft als Hintergrund haben.
Genau das wollte ich auch gerade schreiben - 340 € Krankenkassenbeitrag ab 400 € Einkommen (darunter IIRC etwa 150 €) - daß das antisozial ist, müßte eigentlich sofort aufgefallen sein, als man jene Regelung beschlossen hat. Ein selbständiger Nebenerwerb neben einem Studium ist somit zum Beispiel unmöglich.

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alcowe 19.12.2013, 10:33
8.

Zitat von naklar?
... die wenigsten Bürger wissen immer noch nicht, wie sehr Kleinselbständige vom Staat ausgebremst werden zum Wohle der Großkonzerne und größeren Mittelstandbetriebe. Zum Mitschreiben: Kleinselbständige werden von Anfang an in der freiwilligen gesetzlichen KV mit 2000€ Einkommen im Monat bemessen. D. H. gute 340€ im Monat allein für die KV. Stattdessen eine PKV abzuschließen können sich nur noch Anwälte und Ärzte leisten. Bei jedem anderen Selbständigen käme es dem Selbstmord gleich, wenn Er oder Sie nicht gleichzeitig die Gnade der richtigen Eltern oder Verwandtschaft als Hintergrund haben.
Hätte auch soviel zahlen müssen und das in der Gründungsphase... ist echt ein schlechter Witz vom Staat. Hab jetzt ne Private Versicherung und zahl 230, bin gespannt wielange es so bleibt. Wenns steigt wechsel ich sofort.

Übrigens sieht man hier erstmal wieviele Menschen sich Gesundheit nicht mehr leisten können... und diese Zahl steigt stetig! Das wird in der gesetzlichen auch noch kommen und dann gute Nacht!

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vonwoderwestwindweht 19.12.2013, 10:38
9. ***

Zitat von sponnerd
Tolle Sache! Da wird man als säumiger Zahler noch belohnt für sein Verhalten! Ist ja fast wie bei den Eurorettungsfonds für unsere südeuropäischen Freunde. Da fragt man sich doch als regelmässiger (und unfreiwillig) Versicherter was man so falsch macht. Ich hätte auch gerne die Möglichkeit einfach nicht zu zahlen und hinterher ist totzdem alles gut!
Ich weiß nicht woher Sie Ihre Informationen haben, aber diese säumigen Zahler, um die es hier geht, haben keinerlei Anspruch auf KK-Leistungen, insofern ist Ihre Aufregung völlig unbegründet. Ganz im Gegenteil, sie mussten bisher auf ihre Rückstände 60% (!!! richtig gelesen) Zinsen bezahlen. Das hat unsere Ex-Ministerin Ulla Schmidt so eingefädelt (SPD - Die Partei der "sozialen Gerechtigkeit"). Das ist in meinen Augen nicht nur sittenwidrig, sondern hat die Leute natürlich erst ins Elend getrieben. Und wir reden hier nicht von irgendwelchen reichen selbständigen Steuerberatern, sondern von kleinen Ladenbetreibern, Übersetzern, Handwerkern usw.

Viele Selbständige sind in diese Lage durch die von ihnen nicht verschuldete Finanzkrise geraten. Als sich die Lage dann wieder besserte, sind aber durch die Verzugszinsen die KK-Rückstände derartig angewachsen, dass eine Abzahlung nicht mehr möglich war. Selbst ein Hartz-IV bringt dann für diese Leute nichts mehr, weil zwar ab dann die dann anfallenden KK-Beiträge bezahlt werden, nicht aber die Rückstände. D. h. diese Leute hatten für den Rest ihres Lebens keine Aussicht mehr auf Rückkehr in die Krankenkasse, es sei denn, sie heiraten reich oder machen eine Erbschaft.

Insofern ist der Vergleich mit Griechenland schon ziemlich zynisch. Diese Verzugszinsen von 60% sind der blanke politische Irrsinn gewesen - leider hat Daniel Bahr vier Jahre gebraucht, um den Schaden durch Ulla Schmidt wieder geradezubiegen. Das hat viele Selbständige, die nicht in solche Segnungen wie die Abwrackprämie gekommen sind, die Existenz gekostet. Oder anders ausgedrückt: erst macht man die Leute nach allen Regeln der Kunst fertig und dann stellt man sich hin und sagt "Guck mal wie fertig die sind". Das ist gerade deswegen besonders zynisch, weil gerade Kleinselbständige DEUTLICH überproportional viel in die Krankenkasse einzahlen (ein Selbständiger mit Einkommen auf HartzIV-Niveau bezahlt im Normalfall fast so viel wie ein kleinerer Angestellter mit mitversicherter vierköpfiger Familie).

Hier wird immer so schön mit dem Finger auf Amerika gezeigt, aber dass hierzulande mehrere hundertausend Menschen (mit den Angehörigen) nicht mehr krankenversichert sind und es auch nicht mehr werden, dann wird oft total ausgeblendet. Die haben nicht mal mehr die Möglichkeit, vorübergehend auszusteigen und auf die Leistungen zu verzichten, um ihre Angelegenheiten in Ordnung zu bringen, sondern der Schuldenberg wächst und wächst und wächst. Und das sind dann die, die sehen müssen, wie solche Sperenzchen wie Psychotherapie bei Beziehungsproblemen oder Magenverkleinerung (in meinen Augen Luxusprobleme) von ihnen bzw. ihren Schulden mitfinanziert werden und sie Haus und Hof kosten.

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