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Erste umfassende Studie: So leben Menschen ohne Wohnung
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Sie führen ein Dasein im Schatten der Gesellschaft. Nun zeigt die erste systematische Untersuchung: Unter Wohnungslosen gibt es Nöte und Sorgen, aber auch viel Optimismus. Und in einem Punkt versagt die Politik.

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jdoehrin 24.10.2018, 12:10
1. Szenenwechsel

In meinem ganzen Leben habe ich es immer wieder erlebt: Menschen aller Couleur und Bildungsstände sind schnell überfordert, wenn sich ein Szenenwechsel ankündigt, oder er bereits stattfindet. Man hat ja lange bewärte Rezepte. Warum bloß sollten die jetzt versagen?
Deshalb ist es so wohlfeil, nur auf "die Politiker" zu schimpfen. Denn ihre Wähler haben in aller Regel das Phantasie- und Realitätsleck auch. Bestes Beispiel: 2013 fanden die meisten Bürger Frau Merkel gut bis ideal, selbst wenn sie nicht alle CDU wählten. Dabei hatte sie nichts anderes getan, als alles dafür zu tun, den Status quo zu bewahren. Griechenlandkrise, ein sich wehrendes Russland, brüskierte Türkei ohne Perspektive, der in Lampedusa wetternde Papst ("Schande!!"), innen die vielen Nichtwähler in ihrer damals stillen Wut oder Verzweiflung, schnell weggucken.
Keines der dahinter stehenden Probleme wurde angepackt, seien wir ehrlich: Hätten das viele wirklich gewollt???
Dann ist es nur "folgerichtig", auch das Problem der Armut und Wohnungslosigkeit so lange zu ignorieren, bis es einem quasi auf die Füße fällt. Meine Verzweiflung: Es ist nun wohl zu spät, denn es stürzen schrecklich viele Kartenhäuser gleichzeitig ein! Wo zuerst anfangen?

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kratzdistel 24.10.2018, 12:57
2. die hauptursache der wohnungslosigkeit, ist

leider meist das eigene verhalten. eine abnorme Lebenskrise plus suchtmittel. Arbeitslosigkeit, verlust des Partners gehen oft voraus.
wer eine Wohnung hat, muss nicht auf die straße. das Sozialamt kann die mietkosten nach dem SGB übernehmen. wer aber seine Wohnung verwahrlost, sich nicht um die fortzahlung der miete kümmert, kommt um eine Kündigung nicht herum.
viele, die im öffentlichen raum zu sehen sind, haben eine wohnung treffen sich auch meist in der nähe von Kiosken, plätzen, wo alkoholverkauf in der nähe ist. einige nehmen hilfe auch nicht an und wollen lieber im freien leben, das sind die sogenannten Berber. hinzu kommen bürger aus den armutsländern, wie polen, Rumänen usw.es gibt darüber schon ältere Studien, so ist das ja nicht

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antoculos 24.10.2018, 13:00
3. Platte?

Dieser Bericht macht mich wütend.
1. Es gibt in O-Deutschland zig- wenn nicht hunderttausende leerstehender Plattenbauten. Warum quartiert man die Menschen nicht dort ein? Lässt sie H4 beziehen, damit sie außerdem noch Krankenvers. haben und ein bisschen was zum Leben. Wo ist das Problem? Ja, Obdachlose sind billig, weil sie wahrscheinlich kaum Sozialleistungen beziehen. Aber wir sind Deutschland, wir sind das reichste Land der Welt. Es ist beschämend.
2. Ebenso wie die Tatsache, dass Männer die Hauptleidtragenden sind, aber mal wieder nur über Frauen geredet wird.

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zeisig 24.10.2018, 13:04
4. Alles relativ.

Wohnungslose in Deutschland sollten froh sein, daß sie in Deutschland leben. Hier gibt es Notunterkünfte, eine warme Mahlzeit pro Tag und ein Existenzminimum vom Staat. Und das wichtigste: Ich gehe mal davon aus, daß bei uns jeder MenschAnspruch auf ärztliche Behandlung hat, auch wenn er nichts in die Krankenkasse einbezahlt.

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egojen 24.10.2018, 13:04
5. Schrecklicher Gewöhnungseffekt

Wer aus Skandinavien kommend Deutschland besucht, ist erschreckt über die riesige Anzahl von Wohnungslosen, die auf Straßen übernachten -- in Innenstädten findet man sie überall. In Deutschland regt sich darüber kaum jemand auf, ist ja "normal" geworden. Also macht man sich keine Gedanken darüber...

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irobot 24.10.2018, 13:27
6.

Vor ein paar Jahren gab es mal eine Doku im NDR von Radio Bremen über Obdachlose. Alle, aber auch wirklich alle Befragten erzählten, dass ihre Situation schlichtweg durch Alkoholismus entstanden ist. Das sollte man bei der Analyse berücksichtigen.

Allerdings finde ich die Idee mit den Kleinsthäusern richtig gut. Die kosten etwa 20.000 Euro, macht zumindest für die Obdachlosen etwa 4,6 Mrd. Euro. Das Geld sollte schon da sein. Vielleicht wird es durch Massenproduktion sogar noch deutlich billiger.

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markus_wienken 24.10.2018, 13:27
7.

Zitat von egojen
Wer aus Skandinavien kommend Deutschland besucht, ist erschreckt über die riesige Anzahl von Wohnungslosen, die auf Straßen übernachten -- in Innenstädten findet man sie überall. In Deutschland regt sich darüber kaum jemand auf, ist ja "normal" geworden. Also macht man sich keine Gedanken darüber...
Nun ja, zumindest die wenigen mir bekannten deutschen Obdachlosen (ab und an kommt man beim Flaschensammeln ins Gespräch) wollen gar nicht in eine Wohnung, kaum vorstellbar aber die sind mit: "So wie es ist" in Hinblick auf die Wohn/Schlafsituation tatsächlich zufrieden.

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irobot 24.10.2018, 13:29
8.

Zitat von egojen
Wer aus Skandinavien kommend Deutschland besucht, ist erschreckt über die riesige Anzahl von Wohnungslosen, die auf Straßen übernachten -- in Innenstädten findet man sie überall. In Deutschland regt sich darüber kaum jemand auf, ist ja "normal" geworden. Also macht man sich keine Gedanken darüber...
In den Großstädten vielleicht. Wenn meine Bekannten vom Land mich in Köln besuchen, sind die genau so entsetzt. Mir erging es ebenso als ich vor über 30 Jahren hierhin gekommen bin.

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olli0816 24.10.2018, 13:44
9. Na dann ist ja alles gut

Zitat von zeisig
Wohnungslose in Deutschland sollten froh sein, daß sie in Deutschland leben. Hier gibt es Notunterkünfte, eine warme Mahlzeit pro Tag und ein Existenzminimum vom Staat. Und das wichtigste: Ich gehe mal davon aus, daß bei uns jeder MenschAnspruch auf ärztliche Behandlung hat, auch wenn er nichts in die Krankenkasse einbezahlt.
Wenn man in der früh um halb sieben durch Münchens Altstadt geht, sieht man erstaunlich viele Leute in einem Schlafsack übernachten. Mag sein, dass dort auch EU-Ausländer dabei sind, aber das sind genauso Menschen wie Du und ich. Es gibt nicht genug Notunterkünfte und eine Notunterkunft ersetzt beileibe nicht eine Wohnung, mag sie noch so klein sein. In den Medien liest man jedes Jahr, dass Leute auf der Straße erfrieren. Aber selbst in den wärmeren Monaten sterben immer wieder Menschen, weil sie krank sind und draußen übernachten alles andere als gesund ist. Wenn es regnet, setzt das den Leuten zu und auch ohne Alkohol- oder anderer Sucht haben sie viel mehr gesundheitliche Gebrechen. Zuzahlungen zu Medikamenten ist häufig nicht drin.

Mich wundert allerdings, dass hier wieder explizit Frauen angesprochen werden. Die große Mehrheit sind Männer und viele kommen da ohne Hilfe nicht so ohne weiteres wieder raus. Der Staat alimentiert mit viel Geld für Mittelschichtsfamilien Baukindergeld, aber wo wirklich Not am Mann ist, da wird mangels Lobby nicht genug unterstützt. Das ist wirklich traurig. Aber nicht nur der Staat kann helfen: Eine kleine Spende für jemanden, der am Straßenrand sitzt, ist immer hilfreich. Und wenn man die Befürchtung hat, dass der Kandidat das nur für ein Bier oder Fusel ausgeben möchte, kann man ihm immer noch Naturalien geben. Darüber freuen sich die Leute genauso.

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