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EuGH-Urteil: Tofubutter darf nicht Tofubutter heißen
imago/ZUMA Press

Vegane Produkte dürfen nicht mit Namen wie "Pflanzenkäse" oder "Tofubutter" verkauft werden. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden.

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Justitia 14.06.2017, 20:42
470.

Zitat von Gleichstrom
Sin ist spanisch. Es heißt "ohne". Ist an sich ne recht simple Geschichte, wenn etwas "X ohne Y" heißt, wird es sich um X handeln, Y aber nur vergeblich suchbar sein. Ich verstehe da das Problem nicht - mit so wenig Informationen bei der Nahrungsbeschaffung auszukommen und es dennoch nicht hinzukriegen legt mir den Schluß nahe, daß die Kantine sich da keineswegs falsch verhält.
Das sehe ich komplett anders, denn es ist ganz offensichtlich ein Versuch der Verbrauchertäuschung. "Chilli con carne" ist eine feststehende Bezeichnung für ein sehr bekanntes Gericht. Das nun abzuwandeln, ohne auf Deutsch anzugeben, was genau geändert wurde, nämlich die teuerste und gleichzeitig Hauptzutat wegzulassen, und dann auch noch eine sehr ähnliche Bezeichnung zu verwenden, die einem nicht Spanisch sprechenden Verbraucher zum verwechseln ähnlich erscheint, kann nur als Versuch der Verbrauchertäuschung sein. Ich teile deshalb die Ansicht Ihres Vorredners.

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Justitia 14.06.2017, 20:46
471.

Zitat von Gleichstrom
Es gibt Qualitätsunterschiede. Das pauschale Abqualifizieren pflanzlicher Lebensmittel ist eine Wahnvorstellung, mit der man sich etwas schönredet, an dem es nichts Schönes gibt! Bei soviel unqualifiziertem Blödsinn kann ich mich nur wiederholen, es scheint einige Fleischesser zu geben, die unbedingt nachweisen wollen, daß Fleischverzehr dumm und aggressiv macht. Anschließend wird dasselbe der floraphilen Seite vorgeworfen, und mittels Mehrheit, Filterblase und selektiver Wahrnehmung aus einer etgisch motivierten Verhaltensweise mit guten Gründen und i.A. wenig Tamtam eine spaßfreie Bessermenschenpseudokultur herphantasiert, wo der ach so tolerante Fleischesser - wofür braucht man überhaupt Toleranz, wenn man etwas NICHT tut? - sich selbst auf das moralisch höchste Ross setzt, während der Veganer zu Fuß geht, garnicht reiten wollte und es doch vorgeworfen bekommt. Das hohe Ross bekommt er für seine Toleranz, daß er die Frechheit unterläßt, Anderen vorzuschreiben, was sie zu essen haben - Selbstverständlichkeiten muß man ja loben, vor Allem die Eigenen! Die Diskussion, nahezu immer von der Fleichseite begonnen, die nahezu immer schlechter informiert und aggressiv ist, bzw das Vertreten der eigenen Einstellung darin, wie sachlich auch immer formuliert, ist für diese Art Fleischesser eine schlimmere moralische Verfehlung als sämtliche Tierquälerei der Welt - diese zu erwähnen soll also schlimmer sein als sie selbst - aber angeblich findet sie ja garnicht statt. Alles total human. Man darf ja gern eine eigene Meinung haben, aber diese nur vertreten, wenn es Genosse Wurstkopp genauso sieht, am Besten sollte man jeden Satz mit "Entschuldigung, aber leider bin ich Vegetarier..." beginnen. Mir tut es nicht leid. War die mit Abstand richtigste Entscheidung, die ich je getroffen habe. Ich erinnere mich noch, bevor diese V-Label eingeführt wurden, die ja nichts Anderes als eine Information an den Verbraucher schnell und unkompliziert übermitteln, wie wehleidig da dieselbe Sorte pathologischer Fleischfanatiker sich beschwert hat, als würde ihr etwas weggenommen. "Jetzt wollen die auch noch wissen, was sie kaufen können - Frechheit!".
Der einzige der hier aggressiv und beleidigend auftritt sind wohl Sie! Solange Sie das so praktizieren, kann man wohl eine Korrelation zwischen Ihrer Ernährungsweise und Ihres Verhaltens herstellen, so wie Sie das für Fleischesser vorgenommen haben.

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metastabil 14.06.2017, 20:49
472.

Zitat von lachender lemur
Ich habe keinen Führerschein, weil ich mich vor sehr langer Zeit dagegen entschieden habe. Es ist aber kein Verzicht auf das Auto. as Auto war nie eine Option. Verzicht tritt ein, wenn man liebgewonnenes zeitweise oder permanent aufgibt obwohl man es liebgewonnen hat. Denke Sie an die Fastenzeit. Wenn man zu besserer Einsicht kommt, verzichtet man nicht. Ich verzichte nicht auf ein Plumpsklo, indem ich eines mit Wasserspülung benutze. Dasselbe gilt für den Verzehr von Sojamilch und den dadurch nicht stattfindenden Verzicht auf Eutersekret.
Das ist aber eben leider nicht richtig. Die elementare Bedingung für einen Verzicht ist aus Freiwilligkeit eine einem mögliche Handlung nicht zu tun. Ganz egal ob der Verzicht nun moralisch eher positiv oder negativ konnotiert ist.
Sie können auf den Konsum von Drogen verzichten. Das ist moralisch eher positiv konnotiert. Selbst wenn sie noch nie Drogen genommen haben, ist dies ein Verzicht.
Sie können aber auch als Langzeitarbeitsloser auf einen von einem Verwandten angebotenen Job verzichten. Das ist moralisch eher negativ konnotiert, und immer noch ein Verzicht.
Beides sind freiwillige Entscheidungen. Sie könnten die Drogen nehmen, sie könnten den Job annehmen. Wer hindert sie daran?

Ein Verzicht ist aber auch nichts schlimmes. Der ist an sich ganz neutral. Daher müssen sie sich nicht grämen, wenn ich ihnen hier nochmal sage, dass sie eben doch auf Milch tierischem Ursprungs verzichten. Das ist okay! Wirklich! Nur engstirnige Menschen finden sowas schlimm.

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Justitia 14.06.2017, 21:05
473.

Zitat von Immanuel K.
...leider werden eben meistens nicht alle Interessengruppen an der Endfassung beteiligt - im Übrigen hat der sogenannte "Durchschnittsbürger" eben keinen Interessenvertreter - diesen Part sollten eigentlich die Politiker übernehmen, aber die hören meistens auf irgendwelche Lobbyisten - wie eben auch bei so einer, m.E., unnötigen EG-Richtlinie. In der EU galt mal das Subsidiaritätsprinzip - soll heißen: Die EU regelt nur Dinge, zu denen die nationalen oder regionalen Gesetzgeber nicht in der Lage sind - bzw. die von überregionalen Interesse sind - das kann ich hier nicht erkennen... Um hier ein sinnvolles Urteil zu sprechen müßte ein Etymologe gehört werden - das ist bei 20 Sprachen in der EU sinnlos...
Jede Interessensgruppe kann im Zusammenhang mit EU-Richtlinien ihre Interessen einfliessen lassen, auch Verbraucherverbände und die machen das auch. Es sind auch schon geplante oder eingeführte Richtlinien wieder einkassiert worden, weil Verbraucher oder Gewerbetreibende sich dagegen gewehrt haben. Das Problem ist lediglich, dass die Herstellerlobby ihre Interessen viel massiver, professioneller und deutlicher vertreten und das ganze auch ohne Probleme finanzieren kann, als Verbraucherinteressensgruppen. Das kann man jedoch schlecht der EU vorwerfen, das ist ein Problem, das die Verbraucher lösen müssen.

Der EU-weite freie Warenverkehr und die Vereinheitlichung von Vorschriften des gemeinsamen Marktes sind schon sehr lange ein Grundpfeiler der Union bzw. Gemeinschaft, ich kann mich nicht an Zeiten erinnern, in denen dies anders war. Natürlich sind dabei Regelungen, was als Milchprodukt oder milchverarbeitetes Produkt bezeichnet werden darf, ein möglicher Regelungsinhalt für den gemeinsamen Markt. Ich kann nur erkennen, dass dies Gegenstand einer EU-Regelung sein kann, wenn man EU-weite identische Regelungen für Produktbezeichnungen für einen gemeinsamen Markt haben möchte.

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metastabil 14.06.2017, 21:36
474.

Zitat von lachender lemur
Ich will mich nicht aufdrängen, schlage aber doch vor, dass wir alle hier mal nachdenken über unsere Reaktion zu zwei letztlich zusammengehörenden Themen: . (1) Wie denken wir darüber, dass eine Behörde den korrekten Gebrauch der Worte "Wurst", "Milch" und "Käse" reguliert? . (2) Wie denken wir darüber, dass eine Behörde den korrekten Gebrauch der Worte "Schokoküsse" (im Süßwarenregal) und "Südseekönig" (bei Pippi Langstrumpf) reguliert? . Stehen wir bei beiden Fragen auf derselben Seite, oder sind wir sprunghaft mal für, mal gegen die Regulierung?
Haha, der war gut. Der "Negerkönig" und der "Negerkuss" sind nicht behördlich verboten oder reguliert, sondern die Umbenennung in die politisch unverfänglicheren Bezeichnungen wurde einerseits durch den herausgebenden Verlag, und andererseits durch die herstellenden Firmen betrieben.
Pippi Langstrumpf darf, rein theoretisch, weiter mit dem Negerkönig gedruckt werden, Lebensmittelfirmen dürfen ihre schokoladenüberzogenen Schaumspeisen weiter Negerkuss nennen.

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lachender lemur 14.06.2017, 21:49
475. Chili.con.carne versteht der Nichtspanischsprechende auch nicht

Zitat von Justitia
"Chilli con carne" ist eine feststehende Bezeichnung für ein sehr bekanntes Gericht. Das nun abzuwandeln, ohne auf Deutsch anzugeben, was genau geändert wurde, nämlich die teuerste und gleichzeitig Hauptzutat wegzulassen, und dann auch noch eine sehr ähnliche Bezeichnung zu verwenden, die einem nicht Spanisch sprechenden Verbraucher zum verwechseln ähnlich erscheint, kann nur als Versuch der Verbrauchertäuschung sein.
"Kann nur sein"? Ich denke, zumindest im Möglichen sollten Sie die Option einer smarten Produktbezeichnung mal in Erwägung ziehen. Ist ja auch keine Verbrauchertäuschung, wenn ich "Snow Leopard" kaufe, und statt einer artgeschützten Wildkatze ein Betriebssytem für Mac bekomme...

Es "kann ja nicht sein", dass jederlei Assoziation in der Werbung verboten ist, auch wenn's der Justiziar alles Bestehenden gern als Verbrauchertäuschung justiziabel machen will.

à propos... die ..Hauptzutat.., wie sich grammatikalisch aus dem Titel des Gerichts unschwer ergibt, ist übrigens keineswegs das Fleisch, welches explizit als Beilage genannt wird, sondern das Gewürz Chili. Wer's schonmal gegessen hat, weiß, warum.

und noch was... Sollte man nicht gerade als Jurist ein Mindestverständnis des Lateinischen vorweisen können?

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