Forum: Wirtschaft
Euro: Ein echter Föderalismus für Europa

Die Griechenlandkrise hat den Streit über die Zukunft der EU und des Euro offengelegt. Ein echter Föderalismus wäre das Gegenteil von Wolfgang Schäubles Vision - und würde ökonomisch funktionieren. Es wäre ein fundamentaler Schritt.

Seite 10 von 25
alaf 03.08.2015, 19:26
90.

Zitat von SenYek
Zitat: "Es würde die im Euroraum vorherrschende Tendenz zu Ungleichgewichten zum Teil korrigieren". Auf hochdeutsch bedeutet das: Ein solches Staatsgebilde würde innereuropäische Transferleistungen ... dauerhaft etablieren. Das muss nichts Schlechtes sein - man kann das auch durchaus "gerecht" finden. Aber man sollte es deutlich aussprechen!
Das spricht man als Merkel oder so besser nicht an, wenn man nicht gerade leicht beschwipst ist oder scharf drauf ist, die Münchau-Trompete zu spielen. Nach dem laufenden Griechenland-Exzess Teil 3 von n ist klar, dass die Transfers unkalkulierbar groß sein sind, da die Südstaaten jeden beliebigen Betrag einfach durchsetzen würden. Im Fall der Fälle werden sie wie Griechenland das III. Reich gegenüber der zehnten Nachkriegsgeneration kapitalisieren.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
wibo2 03.08.2015, 19:26
91. Vergemeinschaftung ist von den neoliberalen Linken uns als Spiel angesagt!

Zitat von schwaebischehausfrau
Defacto möchte auch kein europäischer Staat wirklich noch mehr nationale Souveränität nach Brüssel abgeben. Diejenigen Staaten (wie Europa und Frankfreich), deren sozialistische Regierungen "mehr Europa" fordern, wollen primär ihr eigenes Reform-Versagen abwälzen auf ihre Nachbarn, indem sie sich unter dem Deckmäntelchen der "europäischen Solidarität" gerne aus den Sozialversicherungstöpfen ihrer Nachbarn bedienen möchten. Nach "Europäischer Banken-Union" (mit der letztendlich die Haftungsrisiken maroder südeuropäischer Banken elegant auf die anderen Steuerzahler Europa's abgewälzt werden), der vorgeschlagenen "Europäischen Arbeitslosen-Versicherung" wird's auch nicht mehr lange dauern, bis diese Länder eine gemeinsame "Europäische Renten-Versicherung" fordern, um Zugriff auf die gut gefüllten Kassen ihrer Nachbarn zu bekommen.
"»Vergemeinschaftung« soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns – im Einzelfall oder im Durchschnitt oder im reinen Typus – auf subjektiv gefühlter ( affektueller oder traditionaler) Zusammengehörigkeit der Beteiligten beruht.
-------------------------------------------------------------------
»Vergesellschaftung« soll eine soziale Beziehung heißen, wenn und soweit die Einstellung des sozialen Handelns auf rational (wert- oder zweckrational) motiviertem Interessenausgleich oder auf ebenso motivierter Interessenverbindung beruht.
-------------------------------------------------------------------(Vrgl. Max Weber, Wirtschaft und Gesellschaft)

Was wir “Diebstahl” nennen würden, nennen die Bankster “Sicherung der Finanzsystemstabilität”
... *lol* ...
-------------------------------------------------------------------
Unsere Ersparnisse, Überschüsse und Altersversorgungen sind nun nicht-garantierte Bankmittel im Falle einer Insolvenz bei den
Banken. Bei den Insolvenz-Reformen seit 2005 haben die Banken ihre Kunden-Einlagen z.B. als Sicherheit für ihre Derivaten-Wetten mit einbezogen.

Auf diese Art von Folgen eines internationalen Föderalismus können wir nicht scharf sein. Aber so etwas erzählt uns der Münchau nicht. Seriöse Aufklärung und Information geht wohl eher anders als das, was er uns Woche für Woche hier auftischt. Seltsame offenbar interessengeleitete Machwerke, die uns nach dem Lesen dieser Artikel ziemlich ratlos und verwirrt zurück lassen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
roland56 03.08.2015, 19:27
92. Oh doch, das lässt sich neutral entscheiden..

Zitat von alaf
Bezüglich der Motivation haben Sie sicher recht. Allerdings lässt sich die Frage, ob es sich um eine Tragödie oder Komödie handelt, nicht neutral entscheiden. Es ist eine Frage der Betrachtungsweise. Die Anmaßung der Politik, eine extrem komplexe Gestaltungsaufgabe ohne umfassende Begutachtung und ohne den geringsten Anflugn von Expertise, d.h. rein voluntaristisch und aus empfundener Machtvollkommenheit anzugehen, ist ein reines Narrenspiel.
Bei einer Komödie kommen die Beteiligten mit einem blauen Auge davon.
Hier ist es aber eine echte Tragödie, denn es werden im wahrsten Sinne des Wortes, Völker für die schon religiös fanatischen Eurowahnsinnigen Politker geopfert.
Das ist nicht einmal mit dem schwärzesten Humor zu ertragen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
glühwurm 03.08.2015, 19:28
93. Zentralismus - der grosse Popanz

Wenn hier jemand Zentralregierung schreibt, dann geht gleich der Aufschrei Zentralismus durch die Welt. Aber das sind 2 völlig verschiedene Dinge. Ich kann nur raten auf das Faktische zu achten: Die EU hat eine zentrale Gerichtsbarkeit - den EuGH - die z. B. bei Kartellen heute schon wesentlich strengere Regeln durchsetzt, als sie die Schweiz hat. Die gesamte wirtschaftliche Tätigkeit ist in der EU in ganz wesentlichen Teilen zentral geregelt etc. D. h. es geht gar nicht um die Frage der zentralisierten Kompetenzen, es geht um die Frage, wer über diese Kompetenzen wacht, und wer die Regeln wie schafft oder verändert.

Heute macht das in den wichtigsten Punkten der/die Ministerrat/räte. Und der wird vom System "Lässt du mich, so lass ich dich" dirigiert. Erst die griechische Krise verdeutlicht, wie und wann ein solches System an seine Grenzen kommt. In einem föderalistischen System hätte Griechenland weitgehend die gleichen Möglichkeiten wie es sie hatte, aber bei einer Pleite käme die Finanzverwaltung des Landes unter Aufsicht. Also keine Verhandlungen, sondern eine strikte Kontrolle des Finanzverhaltens - und eine Risikoübernahme durch die Gläubiger (nicht die EU ist pleite, sondern Griechenland!). Das muss jeder abwägen, wenn er griechische Anleihen kauft. Das gilt heute auch, wenn man z. B. Anleihen des Kantons Zürich kauft. Dieses ganze Hin und Her wäre nicht da. Aber die Kompetenzen sind ja, wie man sieht, so oder so in Brüssel.

Es wird in der Organisationsfrage vor allem mit Nebelgranaten verhandelt und Ursache ist die Macht der einzelnen Regierungen - denn die wäre, den Kompetenzen entsprechend, eben teilweise futsch.

Und ganz nebenbei: Selbstverständlich bleiben die einzelnen Parlamente bestehen, so wie die Landtage neben dem Bundestag bestehen.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
keen 03.08.2015, 19:29
94. Öko Belletristik

"Aus ökonomischer Sicht würde ein solches System ohne Zweifel funktionieren" Sätze wie diese entlarven den magelnden Tiefgang der Ausführungen. Keine Begründung, keine wirtschaftliche Erklärung. Bitte ersparen Sie uns solch trivialen Ansätze

Beitrag melden Antworten / Zitieren
RioTokio 03.08.2015, 19:32
95.

Zitat von Olaf
Aber irgendwie typisch für Deutschland. Nicht einmal das größte Onlinemagazin hat einen vernünftigen Wirtschaftsteil.
Wenn Herr Münchau der "Wirtschaftsteil" von SPON ist, kann man sich über die Bereitstellung von Raum für seine wirtschaftlichen Vorschläge nur wundern.

Im Kern schlägt Münchau mit Eurobonds, Bankenunion, Steuererhebungskompetenz für Brüssel auch in Deutschland und nun gleich die Übernahme der Regierungsgeschäfte in Brüssel für Deutschland jedes Mal vor, dass Deutschland für Resteuropa haften und zahlen soll.

Sein Wohn- und Arbeitsort England / London ist von solchen Vorschlägen nicht betroffen.
Im Gegenteil, die vielen englischen Banken würden jubilieren - Deutschland würde die Haftung für all Ihre Risiko-Staatsanleihen in Billionen-Euro-Höhe übernehmen.

Zudem würde Deutschland als eines der reichsten Länder Europas auf das Mittelmaß der Eurozone verarmen. Unsere eigenen Interessen würden noch mehr im Chor der Freunde schuldfinanzierter Staaten - insbesondere in Südeuropa - untergehen.

SPON fehlt ein Kommentator in Wirtschaftsfragen der eine Gegenposition zu den uns enteignenden Vorschlägen Münchaus formuliert.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
riveralexander 03.08.2015, 19:38
96. look @Switzerland

Im Massstab 1:16000 praktizieren wir das hier. Wir haben das alles wie beschrieben. Und einen nationalen Finanzausgleich für die schwächeren Bundesstaaten (Kantone). Und die Bevölkerung hat in Sachfragen Mitspracherecht. Funktioniert soweit ganz gut. Für EU-Technokraten ein Rätsel und unverständlich. Für die sind Volksentscheide ein Störfaktor. Leider. Ich als Schweizer lebe und liebe unsere federale Demokratie. Alles andere (ver-)stört mich und ist mir unverständlich.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
karend 03.08.2015, 19:43
97. .

Zitat von alaf
Irgendwie scheint Herr Münchau nicht mitbekommen zu haben, dass EU-Staaten, die nicht zur Eurozone gehören, seit 2008 deutlich bessere Wirtschaftsdaten auweisen als die der Eurozone zugehörigen. Von daher stellt sich die Integrationsfrage nicht mehr. Die EU macht ihre Mitgliedsstaaten ärmer, sie ist ein Wohlstands- und Geldvernichtungssystem. In einem Punkt stimmt Münchaus Beschreibung natürlich: Es würde eine gigantische Umverteilungsmaschinerie entstehen, die die Erfolgreichen bestraft und Verweigerer belohnt. Rapide Zunahme von Überschuldung und Wachstumsschwäche würden ungekannte Negativ-Synergieeffekte erzeugen. Die EU braucht, wenn sie auch nur noch ein Jahr überleben will, einen Reset. Die Fehlkonstruktion Euro muss entfernt werden - vielleicht wird das ja der positivste Effekt der kommenden Krise sein- , die wirtschaftilche Selbstverantwortung der Mitglieder gefördert werden. Vielleicht gelingen anschließend Portugal und Spanien Wachstumraten wie Rumänien oder Polen, ohne dass die Haushaltsdefizite der ersteren wie aktuell dank EZB-Geldschwemm erneut explodieren.
Yup, vor allem Polen profitiert von der EU und den milliardenschweren Zahlungen.

Dem Reset stimme ich zu; dieser ist längst überfällig. Schade nur, dass alternativlos die bisherige Strategie fortgeführt wird.

Beitrag melden Antworten / Zitieren
roland56 03.08.2015, 19:44
98. Hallo Herr Münchau...

... wie wäre es denn, wenn z.B. Frankreich, Italien, Spanien, Portugal und Griechenland mit Ihrem so treffend genannten fundamentalen Schritt beginnen.

So wie Sie alles aus UK betrachten schauen wir dann auch erst mal zu und beobachten wie sich das entwickelt.
Ich bin mir sicher, dass innerhalb kürzester Zeit alle restlichen EU-Länder mitmachen wollen, denn es kann ja Ihrer Meinung nach, gar nichts schief gehen. Und oben genannte Länder brennen ja gerade zu darauf in einer Einheits-EU aufzugehen, oder?

Beitrag melden Antworten / Zitieren
karend 03.08.2015, 19:46
99. .

Zitat von RioTokio
Wenn Herr Münchau der "Wirtschaftsteil" von SPON ist, kann man sich über die Bereitstellung von Raum für seine wirtschaftlichen Vorschläge nur wundern. Im Kern schlägt Münchau mit Eurobonds, Bankenunion, Steuererhebungskompetenz für Brüssel auch in Deutschland und nun gleich die Übernahme der Regierungsgeschäfte in Brüssel für Deutschland jedes Mal vor, dass Deutschland für Resteuropa haften und zahlen soll. Sein Wohn- und Arbeitsort England / London ist von solchen Vorschlägen nicht betroffen. Im Gegenteil, die vielen englischen Banken würden jubilieren - Deutschland würde die Haftung für all Ihre Risiko-Staatsanleihen in Billionen-Euro-Höhe übernehmen. Zudem würde Deutschland als eines der reichsten Länder Europas auf das Mittelmaß der Eurozone verarmen. Unsere eigenen Interessen würden noch mehr im Chor der Freunde schuldfinanzierter Staaten - insbesondere in Südeuropa - untergehen. SPON fehlt ein Kommentator in Wirtschaftsfragen der eine Gegenposition zu den uns enteignenden Vorschlägen Münchaus formuliert.
Das Problem ist jedoch, dass eine Gegenposition absolut unerwünscht ist (zumindest kommt es mir nach zahllosen Artikeln und Kommentaren so vor).

Beitrag melden Antworten / Zitieren
Seite 10 von 25