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Euro-Krise: Warum Europa den Schuldenschnitt braucht

Die Euro-Krise ist nur durch eine Radikalaktion zu bewältigen: Europa braucht*eine große Umschuldungsaktion, bei der Gläubigerbanken auf Forderungen verzichten - doch die Regierenden häufen bizarrerweise lieber mehr Schulden an.

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Strichnid 06.12.2010, 15:28
1. Tja

Diese Forderungen gab es direkt nach Ausbruch der Krise im Herbst 2008. Zum Beispiel von der Linken, aber auch von zahlreichen anderen wirtschaftlich Sachverständigen. Nur die direkte, temporäre Verstaatlichung ALLER Banken in Deutschland kann eine solche Prozedur ermöglichen. Derzeit ist es aber so, dass toxische Papiere, denen ein Haircut droht, von der Deutschen Bank zu den bereits verstaatlichten Banken transferiert wurden, so dass nur der Steuerzahler dafür bürgt.

Und die übrigen Papiere, die noch im Besitz der privat gebliebenen Banken sowie der Lebensversicherer sind, gilt vollkommener Bestandsschutz, um nur ja jede Krise zu vermeiden, die dafür später umso härter kommt.
Hätte man es stattdessen schon Anfang 2009 so durchgezogen, wie jetzt (viel zu spät) von Kaden skizziert, wären wir heute bereits aus dem Gröbsten wieder heraus.
Dennoch wird es weiterhin nicht passieren, aus denselben Gründen wie damals. Die Großen sind zu schützen, die Kleinen will man schröpfen.

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nahal 06.12.2010, 15:29
2. Haircut=Gehirncut

Zitat von sysop
Die Euro-Krise ist nur durch eine Radikalaktion zu bewältigen: Europa braucht*eine große Umschuldungsaktion, bei der Gläubigerbanken auf Forderungen verzichten - doch die Regierenden häufen bizarrerweise lieber mehr Schulden an.
Wie kann man einem solchen Schreiberling Platz im Spiegel gewähren? Unglaublich!
Wenn die EU-Staaten dem ........Vorschlag folgten, würde Folgendes, als Erstes, passieren:
1) Die Zinsen für neue Anleihen würden sich mindestens verdoppeln. Das würde der jeweilige Haushlat eines jeden Landes zu spüren bekommen.
2) Die Banken würden, nach diesem "Haircut", jahrelang, keine Steuern mehr zu zahlen brauchen.

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Geometretos 06.12.2010, 15:33
3. .

In einer parlamentarischen "Demokratie" (also tatsächlich Herrschaft der Leitmedien) hat die Regierung ein Zeitfenster von maximal 5 Jahren. Für den Fall, daß sie langfristig richtige, kurzfristig schmerzhafte Entscheidungen fällt (Hartz IV, Rente mit 67 ...) wird sie gnadenlos abgestraft. Maggie Thatcher (und damit UK) hatte Glück, daß ihr die Argentinier den Falklandkrieg "geschenkt" haben, sonst wäre sie nicht wiedergewählt worden und Großbritannien wäre heute auf osteuropäischem Niveau.

Der sofortige Ausstieg aus dem Euro (und gleich aus der EU) wäre eine solche Entscheidung. Merkel verhält sich also systemgemäß "rational".

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emden09 06.12.2010, 15:33
4. Zinsen = Ausfallwahrscheinlichkeitsbonus

Bei der Berechnung von Zinsen fliest wie selbstverständlich die Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners mit ein.
Es sollte also auch bei staatlichen Schuldnern eine Ausfallquote geben, die dieses Risiko, das die Gläubiger ja sehenden Auges eingehen zu Gunsten der Allgemeinheit realisiert.

Ein Risiko, das zwar "eingepreist" aber nie durch tatsächliche Ausfälle realisiert wird, weil die Staatskassen der Helferländer den klammen Staatskassen der Pleitekandidaten zu Hilfekommen ist eine unsoziale Ausbeutung der Staatsfinanzen allgemein zu Gunsten der Banken.
Diese „unanständigen“ Gewinne durch radikale Schuldenschnitte mindestens in dem Maß zu begrenzen, in dem Gläubiger die Ausfallwahrscheinlichkeit des Schuldners sowieso schon in Ihre Zinsforderungen eingepreist haben, fordere ich seit langem (auch hier auf SPON).

Schön, dass es nun auch andere einsehen.

Es ist einfach unanständig, wenn eine Bank heute für begebene Staatsanleihen an z.B. Griechenland Zinsen im 2-stelligen Prozentbereich kassiert, eigene Gläubiger mit Minimalrenditen um die 1-2% abspeist und sich das Ausfallrisiko von der deutschen Staatskasse abnehmen lässt. Das geht so nicht und das muss klar sein.

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H.Ehrenthal 06.12.2010, 15:34
5. .

Zitat von sysop
Die Euro-Krise ist nur durch eine Radikalaktion zu bewältigen: Europa braucht*eine große Umschuldungsaktion, bei der Gläubigerbanken auf Forderungen verzichten - doch die Regierenden häufen bizarrerweise lieber mehr Schulden an.
Aber nein!
Führen wir das Insolvenzrecht von 2005 wieder ein!
Wer mehr Soll als Haben hat, ist pleite.
Tschüß Banken!

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Berliner42 06.12.2010, 15:34
6. kein Titel

Zitat von Strichnid
Diese Forderungen gab es direkt nach Ausbruch der Krise im Herbst 2008.
Das war eine andere Krise, nämlich Immobilienkredite, und ja, die Banken hatten auf einen großen Teil ihrer Forderungen verzichtet.

Zitat von
Zum Beispiel von der Linken, aber auch von zahlreichen anderen wirtschaftlich Sachverständigen.
Soll der Satz suggerieren, bei der Linken gäbe es "wirtschaftlich Sachverständige"?
Diese Wunschträume von Bankenverstaatlichungen kann man getrost vergessen. Ein Haircut geht auch ohne. Aber der Artikel sagt es ganz korrekt, die Regierungen fürchten darum, in Zukunft dann keine weiteren Schulden mehr machen zu können, und das ist der Grund, warum man keinen Haircut will.

Und was die Linke angeht: die war doch schon immer für Schuldenfinanzierung, z.B. der Sozialsysteme.

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leasingnehmer 06.12.2010, 15:35
7. Wessen Geld steckt wohl in Griechenland? bzw. Irland?

Das Geld der Banken... Ernsthaft? Weiß es der Autor nicht besser? Es ist (bis auf 4%-10% Eigenkapital) das Geld, das sich die Banken vom deutschen Rentner geliehen haben. Die Angst vor dem wählenden Rentner ist es, die Politiker immer die Banken retten lässt.

Ein Kapitalschnitt ist überfällig- das ist richtig. Die Schulden von Banken und Staaten sind erdrückend, objektiv nicht zu bezahlen. Doch wer sagt es dem Rentner, dass er auf Teile seines Vermögens verzichten soll?
Eigentlich könnte der Staat ja Steuereinnahmen zur Schuldtilgung einsetzen.
Aber Staatsschulden sind was Feines. Für die Gläubiger(s.o.). Vorausgesetzt, sie werden bedient.

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Blaumilchvor 06.12.2010, 15:36
8. Merkantile Märkte verbieten!

Zitat von sysop
Die Euro-Krise ist nur durch eine Radikalaktion zu bewältigen: Europa braucht*eine große Umschuldungsaktion, bei der Gläubigerbanken auf Forderungen verzichten - doch die Regierenden häufen bizarrerweise lieber mehr Schulden an.
Wenn die Schieflage des Euro bedingt, dass die monolinguistische Verifikation morphologisch ambivalent fast alles bewahrheitet, sollte festgelegt werden, dass die praxisorientierte Kommerzialisierung des Bankenwesens dysfunktional kongenial sich nicht zu erkennen gibt...dabei sind die jüngsten Erhebungen der Aufsichtsbehörden bezüglich der Sachlage bei den Banken in den jeweiligen Ländern maßgebend aber es passiert ja nichts. Falls die jüngsten Depeschen von WikiLeaks (die welche noch nicht veröffentlicht sind) zeigen, dass die Daten einer noch nicht bekannten US-Bank das Controlling zur Annahme kommt, dass die Fundamentalisierung negativ hochgesetzt sein sollte, kann es vorkommen, dass die legistisch abstrakte Option praxisorientiert merkantil reüssiert und das wird passieren meine Herren, obschon die divergierend aufoktroyierte Gateway-Funktion deduktiv bipolar kumuliert und das wäre katastrophal für das gesamte Finanzwesen und der Euro damit vermutlich Geschichte... Hätte man früher apodiktisch festgelegt, was die Banken dürfen und was nicht, hätte das auf die Globalisierung der Märkte artifiziell abstrakt kaum Auswirkungen impliziert, was nun leider nicht geschehen ist und uns Heute in eine der schwersten Krisen der Finanzwelt geschleust hat mit immer noch immens hohem Operationspotential für Spekulanten die fingiert unser aller Wertessystem in`s Wanken bringen....Ich danke mir...!

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Geometretos 06.12.2010, 15:36
9. .

Zitat von nahal
Wie kann man einem solchen Schreiberling Platz im Spiegel gewähren? Unglaublich! Wenn die EU-Staaten dem ........Vorschlag folgten, würde Folgendes, als Erstes, passieren: 1) Die Zinsen für neue Anleihen würden sich mindestens verdoppeln. Das würde der jeweilige Haushlat eines jeden Landes zu spüren bekommen. 2) Die Banken würden, nach diesem "Haircut", jahrelang, keine Steuern mehr zu zahlen brauchen.
Ad 1) Richtig, es müßte also kräftig gespart werden. Da kommen wir mittelfristig ohnehin nicht drum herum. Je eher man damit anfängt umso besser.
Ad 2) Der, der Verluste macht zahlt keine Steuern. Korrekt. Aber für uns "kleine Leute" billiger als daß wir das Geld den Banken direkt geben.

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